Hier der Originaltext aus der Süddeutschen Zeitung vom 22./23. Oktober 2011, die es wert ist als Lehrtext in alle journalistische Ausbildungsredaktionen aufgenommen zu werden:
"In eigener Sache
Die Redaktionen von Süddeutscher Zeitung und sueddeutsche.de haben entschieden, die Bilder des getöteten libyschen Despoten Mummar al-Gaddafi nicht zu zeigen. Weder als Screenshots, die unmittelbar aus den veröffentlichten Videos genommen werden könnten, noch mittelbar als Fotografien von Publikationen, die diese Bilder veröffentlicht haben. Die Entscheidung wird damit begründet, dass die Würde eines jeden Toten von den Redaktionen geachtet und respektiert wird - also das, was man in Zivilisationen Pietät nennt; selbst dann, wenn es sich bei diesen Bildern um Aufnahmen eines toten Diktators handelt, der sich selbst zu seinen Lebzeiten wenig um diese Würde gekümmert hat.
Überdies vertreten die Redaktionen den Standpunkt, dass nicht alles gezeigt werden muss, was gezeigt werden könnte - nur weil es da ist. Das gilt immer, und bestimmt selbstverständlich auch die alltägliche Praxis. Denn an jedem Tag liefern Agenturen und zunehmend auch Internetquellen Bildmaterial, das nach Maßstäben unseres ethischen und ästhetischen Empfindens nicht geeignet ist, publiziert zu werden. Durch die Nicht-Veröffentlichung von Bildern, die von vielen Menschen zu Recht als anstößig empfunden werden, entziehen wir uns nicht unserer Informationspflicht. Denn wir berichten.
Wir fragen uns aber, welchen Informationsgehalt enthielte eines dieser Bilder, der über den hinausginge, den man auch in einem Text wiedergeben kann. Die Bilder des getöteten Gaddafi transportieren nichts - außer einer furchtbar zugerichteten Leiche. Und man muss sie nicht sehen, um zu erfahren, dass an diesem Mann nicht das Urteil eines ordentlichen Gerichts vollstreckt wurde. Das kann man ebenso aufschreiben und kommentieren."
Was sagt Ihr dazu?
Soll man die Bilder des getöteten Gaddafi veröffentlichen? Wie findet Ihr die Entscheidung der Süddeutschen?
Ich danke Euch sehr.


Kommentare (75)
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*wobei ich diesen Begriff erweitert auffasse
wenn jeder was anderes darunter versteht.
http://www.utopia.de/blog/beitrag/warum-ich-kein-gutmensch-sein-will#comment-487793
Exakt in diesem Moment die Diskussion anzusetzen ist klug und geboten, denn dann ist klar, auf welchen materiellen Wert in Euro gemessen eine Redaktion verzichtet, wenn sie sich für die Humanität entscheidet.
Spannend finde ich übrigens den Perspektivenwechsel im Kommentar zur eigenen Sache. Während zunächst die Entscheidung der Redaktionen im Passiv berichtet wird, verlässt der Autor dann die abstrakte, neutrale Ebene und wechselt ins Wir, wird Teil des Kollektivs. Das lässt viele Deutungen zu, von der mir eine gut gefällt: Die allgemein beschriebenen Werte sind überindividuell, die im "wir" geschriebenen Handlungen, also für die Taten sind wir alle selbst verantwortlich.
Ich finde ,dass hat etwas serh mittelalterliches wenn man Leichen für Voyarismus der Massen ,als Sensation preisgibt. Töten und Morden wird mehr und mehr Salonfähig.
Ich finde es Grundsätzlich falsch einen werhlosen Menschen zu töten und im Moment der Entdeckung war der G. ja.
im uebrigen wurden auch seitens der Rebellen Greultaten begangen,was niemanden zu verstoeren scheint.
Man kann ncht einerseits sagen die Todesstrafe in Amerkia sei barbarisch und dann so etwas ,was mit Gadafi passiert ist .bzw. gemacht wurde bejubeln.
Wir haben immer mehr eine Haltung die Krieg und Morden normal und unvermeidbar, erscheinen läßt.
Was macht das mit uns ,was macht das mit der Jugend?
DAs kann es nciht sein,für mich zumindest nicht.
Ich unterstütze nach wie vor die Haltung der Friedensbewegung,das heisst für mich, die Zivilsation.
http://www.taz.de/index.php?id=bildergalerie&tx_gooffotoboek_pi1[srcdir]=Gaddafi&tx_gooffotoboek_pi1[fid]=1&cHash=dd250661de#c173
Oder auch von Spiegel-online
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-74234.html
Menschen, die unter einem Despoten gelitten haben, sind möglicherweise nicht so feinfühlig, wie das der Menschen, deren hauptsächliche Lebensaufgabe darin besteht, sich über andere Menschen zu echauffieren und sich zeitgleich als moralische Instanz zu präsentieren.
Bin Online empfindet solche Menschen widerwärtig.
oder aber im vorliegenden Fall eine reale Szene erleben?
Haben wir ein Recht darüber zu empfinden, was in diesen Menschen vorgegangen sein mag, als sie dieses Geschäft erledigten, haben sie nicht 100-fach in den letzten Monaten solche Szenen erlebt.
Verfolgen wir die immerwieder gezeigten Szenen von den realen Kriegsszenen, egal ob aus dem zweiten Weltkrieg oder allen Danachfolgenden, da hat doch die Süddeutsche doch auch nicht die Augen zugemacht.
Warum also jetzt?
Das versteh ich nicht, das hat doch jetzt nichts mit Pietät, mit Würde vor dem Tod zu tun? Was ist da jetzt anderst?
Bitte mich nicht missverstehen, ich will überhaupt keine Grausamkeiten (und Voyeurismus ist mir ein Gräuel) sehen müssen, aber die Augen können wir auch davor nicht verschliessen, das ist m.E. nicht ehrlich.
Wenn die Süddeutsche es ernst meint, dürfte sie auch andere Bilder nicht veröffentlichen...
http://www.sueddeutsche.de/thema/Kriegsfotografie
Die Frage, ob "wir" (?) angesichts des gezeigten Umgangs der Rebellen mit Gaddafi diese oder jene Gefühle haben "dürfen" finde ich grotesk. Auch wenn es gewiss fragwürdig ist, sich darüber erhaben zu fühlen. Es ist sicher angebracht, ein gewisses Verständnis für die Roheit der Kämpfer aufzubringen. Aber es muss doch immer Ziel sein, der Verrohrung entgegen zu wirken. Gaddafi in den Haag wäre für die Entwicklung der großen Menschheitseinheit sicher förderlicher gewesen als die Ausstellung seiner Leiche in der Fleischlagerhalle eines Kaufhauses. Gefühlsverbote bringen da allerdings nichts.
Gruß vom Topisten
Aus der Perspektive eines umfassenden "Wir"
Wir, die wir den Weg bereiten wollten
für die Freundlichkeit
konnten selbst nicht freundlich sein
Bitte gedenkt unser mit Nachsicht.
Berthold Brecht
ich finde das oberspiessig dieses sich ueberlegen ob man etwas empfinden(gefuehle unterwerfen sich keiner moral,zumindest nicht die wahrhaftigen,die machen das was sie wollen) oder ablehnen darf. wen will man denn ueberhaupt fragen? die nato?
die wuerde des menschen ist unantastbar ,dieser spruch war mal "zeitgeist"oder was?
Aber muß ich jetzt deshalb gleich großen Respekt haben?
Wer schützt z.B. die Persönlichkeitsrechte des kleinen Mädchens, daß dieser Tage in China vom Auto überfahren wurde und 2 Stunden in seiner Blutlache liegen blieb, weil die Pasanten sich nicht gekümmert haben.
Das durften wir ja auch angucken...ebenso wie Bilder der trauernden Eltern, als das Mädchen dann gestorben ist.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/chinesisches-kind-aus-dem-unfallvideo-angefahrenes-maedchen-erliegt-verletzungen-1.1169829
"Überdies vertreten die Redaktionen den Standpunkt, dass nicht alles gezeigt werden muss, was gezeigt werden könnte - nur weil es da ist. "
Das hätte in dem Fall auch gepasst...da ist aber offensichtlich die Entscheidung anders ausgefallen und Pietät war da wohl weniger gefragt.
Ich bin sicher, daß man bei der Süddeutschen (und natürlich nicht nur da) ein sehr feines Gespühr dafür hat, wann sie Bilder publikumswirksam NICHT zeigt.
In Fall Gaddafi bringt der Verzicht eben mehr Aufmerksamkeit.
So gesehen sicher ein Fallbeispiel für die journalistischen Ausbildungsredaktionen.
"Spannend finde ich übrigens den Perspektivenwechsel im Kommentar zur eigenen Sache. Während zunächst die Entscheidung der Redaktionen im Passiv berichtet wird, verlässt der Autor dann die abstrakte, neutrale Ebene und wechselt ins Wir, wird Teil des Kollektivs. Das lässt viele Deutungen zu, von der mir eine gut gefällt: Die allgemein beschriebenen Werte sind überindividuell, die im "wir" geschriebenen Handlungen, also für die Taten sind wir alle selbst verantwortlich."
Seit ich den Deutschunterricht hinter mir habe, habe ich keine derart gekünstelt-gezwungenen Interprätationen "was will uns der Autor damit sagen" gelesen, wie diese.
Bibliothomas, Du ersetzt mir wirklich ein ganzes Dutzend Oberlehrer...;-)
ich fühle mich nicht wohl mit deinen Sätzen. Tatsächlich ist das eine strukturalistische germanistische Analyse, wenn sie dir nicht gefällt oder sie dir zu wissenschaftlich ist, musst du sie ja nicht lesen. Was bewegt dicht aber, mir deinen Kommentar dazu zu hinterlassen? was kann ich konstruktiv daraus lernen? Es kommt jedenfalls eine Verletzung mit Absicht bei mir an. Ich häte sehr das Bedürfnis, mit dir in Austausch zu sein, da wir oft eine ähnliche Vorbildung haben und deine Seitenblicke mir viele Einsichten gewähren. Es ist schwer, einen Dialog zu führen, wenn man sich verletzt fühlt.
Das Bild in China, bzw. vor allem das Video der Straßenszene hat eine ganz andere Funktion (wenn du die Interpretationssprache erlaubst). Hier ist es das unmittelbare Erleben der Gleichgültigkeit von 18 Passanten, die man mit eigenen Augen sehen muss, um es zu glauben. Zumal ansonsten wenig ungeschönte Bilder aus China durchdringen.
Auch Gaddafis Bild ist eine reine Interpretation. Wäre ich libyscher Journalist, hätte ich das Bild bestimmt gebracht, um zu zeigen, dass Gaddafi wirklich tot ist, da man das sonst womöglich nicht glaubt, bis man es mit eigenen Augen sieht. So ist das auch bei dem chinesischen
Vielleicht versuche ich Dich mit dem, was Du verletzend erlebst, aus der Reserve zu locken.
Ich erlebe Deine Ausdrucksweise oft als schwülstig, salbungsvoll und verschnörkelt.
Auf eine bestimmte Art manipulativ...
Daß mich das so triggert, dafür kannst Du natürlich nichts, von daher verstehe ich auch, daß Du sauer bist...
Eine bestimmte Ausdrucksweise -ganz schlimm bei Personen, die in (achso) gewaltfreier Kommunikation trainiert sind- läßt bei mir sämtliche Alarmglocken schrillen.
Das wirkt für mich nicht deeskalierend, sondern nur aalglatt.
Und wenn jemand dann noch das übergriffige WIR verwendet, dann habe ich nur noch das Bedürfnis, mich zu distanzieren.
Dieses Problem hatte ich schon häufiger bei Deinen Posts...
Mein Vertrauen in die Aufrichtigkeit ist dann irgendwo unter Bodenniveau.
Mit Menschen, die eine eher impulsive Wortwahl pflegen, nicht jedes Wort auf die Waagschale legen, nicht immer souverän klingen müssen, komme ich wesentlich besser klar.
Das ist geschichtlich bedingt und beruht auf Erfahrungswerten.
Wie gesagt, dafür kannst Du nicht, das ist mir völlig klar.
Tut mir leid, wenn es Dich verletzt hat.
Ich versuche mich zu mäßigen.
Deine Erklärungen, warum man das bei Gaddafi nicht darf, bei dem Mädchen aber schon, kann ich nicht nachvollziehen.
Vielleicht hätte ich mich ja auch an Hand der Bilder überzeugen wollen, daß Gaddafi wirklich tot ist?
Nein...keine Sorge...gewiss nicht.
Ich hatte das Bedürfnis bei dem Mädchen aber auch nicht oder bei ihren trauernden Eltern.
Wir wissen doch alle, daß solchen Bildern NULL Handlungs-Ressonanz erzeugen.
D.h. der nächste Dikator kommt bestimmt, der nächste Wegschau-Skandal sowieso, dazu müssen wir nicht bis nach China.
Davon leben unsere Zeitungen und ich muß es ihnen wohl gönnen, weil sie wollen auch von was leben.
Aber verherrlichen muß ich es auch nicht.
Es käme mir einfach unehrlich vor, wenn ich jetzt ins Lobgehudel einstimme und ein ander Mal wieder die Bilder sterbender Diktatoren skandal-heischend anschaue.
Das passiert mir nähmlich auch...genau wie wohl 99% aller Menschen.
danke für die ausführliche Antwort , mit der ich eine Menge anfangen kann.
Das mit dem Pathetischen ist halt so, so bin ich auch in echt. Gleichzeitig ist es ein Unterschied, ob du mich beim (verzweifelten) Installieren von ubuntu 11.10 erlebst, oder in einer öffentlichen Rede. Und: Ich kenne Profis, gerade im Social Media Bereich, die eine Pseudo Kumpelei pflegen, und so eine falsche Authentizität erzeugen. DAS mag ich nun absolut nicht.
Nun kennen wir uns schon so lange, dass ich nicht jedes Wort bei dir auf die Goldwage lege, da mir jeder deiner Kommentare etwas gibt. Und immer gilt, dass man sich lieber im Ton vergreifen soll, als nicht den Finger auf die Wunde zu legen. Ich hatte nur so das Gefühl, dass du mir inzwischen routinemäßig auf der persönlichen Ebene einen einschenkst, einfach mal so aus Prinzip und langer Gewohnheit beim Vorbeigehen ans Schienbein haust, dass es dir schon gar nicht mehr auffällt.
Das mit dem übergriffigen Wir ist ein wichtiger Gedanke, den ich mitnehme, ich achte mal drauf.
In der Sache sehe ich das mit dem Mädchen anders, wenn man die Reaktion in China erlebt hat. Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Dass auch alles wieder nichts bringen kann, mag ja sein, aber so denke ich einfach nicht. Mir geht es darum es immer wieder zu versuchen, die anderen sind mir echt nicht so wichtig, sie werden michicht abhalten den Stein wieder hochzurollen ,)
"Top Verkäufer" bin ich leider gar nicht, weil ich meine Zunge zu wenig zügeln kann...als Beraterin bekomme ich dafür ganz gute Kritiken ;-)
@Bibliothomas,
ja, das ist mir auch schon aufgefallen, das mit dem Routinemäßigen ans Bein pissen.
Das ist der Punkt, an dem ich meine, ich werde versuchen, mich zu mäßigen.
Weil es mir -ehrlich gesagt- auch gar nichts gibt.
Es bleibt ja nur ein schaler Geschmack.
Ich sehe das ein, daß Du da auch nicht aus Deiner Haut kannst, so wie ich nicht aus meiner direkten Art (die überigens keinesfalls angeboren ist, das hat sich erst so entwickelt im Laufe der Jahre).
Evt. käme ich damit in einem direkten Gespräch bestens klar. Die Schreibe im Internet überzeichnet da ja auch vieles.
Oder wir müßten mal gemeinsam Ubuntu installieren um eine gemeinsame Sprache zu finden ;-)
Dieses Bedürfnis, Dir an Karren zu fahren, hat sich im Laufe Deiner letzten Beiträge entwickelt..
Da tritt z.T. ein Positivismus zu tage, den Du mir übergriffigen Argumenten belegst (ganz stark ist mir das bei den Piraten aufgefallen, Beispiel "die heutigen Kids, es geht ihnen gut." ) oder auch in der Facebook-Diskussion.
Ich frage mich dann automatisch, für wen schreibst Du das und glaubst Du selbst dran?
Vor wessen Karren spannst Du Dich?
Aber evt. tue ich Dir da unrecht und Deine begeisterungssprühende Sprache, gespickt mit Stilmitteln resultiert nur daraus, daß Du Sprache gerne einsetzt als journalistisches Stilmittel.
Ich war zwar ganz gut in Deutsch, habe es als Fach trotzdem immer gehasst und wenn ich heute einen sich wiederholenden Alptraum habe, dann den vom Deutschaufsatz, wo ich bis zum Ende vor einem leeren Platz sitze...
Natürlich ist der Fall in China auf seine Art einmalig.
Das Muster wiederholt sich ständig, auch hier...man denke nur an die Mißbrauchsfälle in der Kirche.
Aber egal...wir ändern das sowieso nicht.
Lass uns einfach weiter machen....jeder auf seine Weise...
nur um eines klar zu stellen und das offen zu legen: Ich bin als einer der führenden Köpfe von CHIP Online durchaus einer der Akteure im Internet-Spiel. Deswegen mache ich da auch nicht rum und beziehe klar Stellung, in vielen Beiträgen und Interviews fernab von Utopia.
http://webcific.com/2011/10/06/99-kopfe-des-social-web-thomas-h-kaspar-chip-xonio-online/#.TqPmd0RHV00
Und deswegen vertrage ich auch einiges in der Auseinandersetzung. Ich bin nicht wehleidig und nochmal: Lieber einmal ans Bein hauen und die Konfrontation um die besten Argumente zu suchen, als vor lauter Verzärteltheit nicht diskutieren. Dies ist der wichtigste Job, den wir gerade bewerkstelligen können.
Und: Du änderst was mit deinen Argumenten in meinem Verhalten. Ich denke wirklich über alles nach und verarbeite es soweit ich es kann.
Gruß Thomas
P.S. Ich bin von Hause aus eher impulsiv. Ich musste erstmal lernen, nicht gleich reinzuhauen und etwas nachzudenken. Das Spiel mit der Sprache hilft mir dabei, inne zu halten und nicht gleich den erstbesten Gedanken zu schreiben. Deswegen male ich viel, weil ich das nun überhuapt nicht kann und diese Anstrengung um den richtigen Ausdruck mich verlangsamt. Das nur mal so in Anschluss an deine Klammer.
Nun, toll!
Maria, kann ich nur die Stelle nicht finden, wo Thomas ein "WIR" schreibt? Es steht lediglich in dem Zitat, wenn ich aufmerksam noch einmal nachgelesen habe, oder?
das ist aber schon immer so, dass Journalisten mit solchem Material versorgt werden. Genau diese Rolle spielen sie in der Gesellschaft - als Türwächter die Informationen zu filtern.
Die Kernfrage ist nun, wie man diese besondere Aufgabe den sich veränderten Medien anpasst. Früher war der Zugang zu Medien sehr exklusiv: Eine Zeitung, Radio, Fernsehen benötigten unglaubliche Anfangsinvestitionen. Wer sich in dieses System begegeben hat, den konnte man besonders ausbilden und überwachen.
Eine erste Welle neuer Inhalte kam dann mit den Privatfernsehsendern. Diese produzierten nicht nur neue Massenunterhaltungsformate, sondern kauften auch aus bislang wenig genutzten internationalen Quellen ein und bauten daraus ihre Nachrichtensendungen - schon das hatte damals die TV-Nachrichten verändert. Plötzlich waren neue Themen (Promi-News) und neue Quellen (amerikanische Quellen ohne eine zweite Quelle zur Absicherung) live.
Nun erleben unsere Gesellschaft einen erneuten Wandel und müssen diesen als Kultur begleiten. Als Zuschauer, als Medienschaffende, aber auch als normsetzende Institutionen von Politik bis Journalistenverbände und so weiter.
Spannend. Ich mag das persönlich sehr. Alle Phasen des Wandels sind Phasen des Nachdenkens und des sich neu-Vergewisserns darüber, was jedem einzelnen wirklich wichtig ist.
Das WIR war nicht im Ausgangspost, sondern in einer Antwort vom Thomas.
"Wer sich in dieses System begegeben hat, den konnte man besonders ausbilden und überwachen."
Klar, einerseits war das so und ich habe das Internet als Raum der uneingeschränkten Meinungsäußerung auch erst mal sehr geschätzt.
Inzwischen habe ich den Eindruck, daß die allgemeine Meinung sich aber auch in diesen neuen Medien hervorragend überwachen und steuern läßt.
Wenn nicht von oben, dann durch die blanke Masse.
Es passiert sehr schnell, daß sich eine Meinung rauskristallisiert und dazu eine wesentliche Kontrameinung...die abwägenden Zwischentöne bleiben gerne auf der Strecke.
Frei nach dem Motto, wer hat, dem wird gegeben, werden Mainstream-Videos weiter verbreitet, alles andere versumpft in der Masse.
Es entstehen sehr leicht Meinungsmonokulturen.
Und was sich so findet an Infos, ist schwer als vertrauenswürdig einzusetzen.
Ich persönlich bin froh, daß es all diese unterschiedlichen Quellen gibt.
Finde es aber auch oft ausgesprochen schwierig, mich da durch zu navigieren, ohne mich komplett fressen zu lassen.
Fängt schon damit an, daß ich evt. Deinen Einwand nicht richtig verstehe.
Mein Einwand, daß ich die neuen Medien nicht mehr so uneingeschränkt toll finde, hatte mit dem aktuellen hier angesprochenen Fall erstmal gar nichts zu tun.
Hat aber doch was damit zu tun, weil das Medium die Verbreitung von solchen Halsabschneidervideos ja erst ermöglicht.
Wobei ich ja als Erwachsene schon in weitem Rahmen die Freiheit habe, die Videos nicht anzuschauen.
Davor muß mich niemand schützen.
Was anderes ist der Schutz von Kindern vor solchen Darstellungen..
Puh...was ein hinundher...ich weiß gar nicht mehr worüber wir eigentlich jetzt reden.
Bringt aber die Problematik irgendwie auf den Punkt.
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Thomas, Du schreibst auf Berthilds Post
"Wer sich in dieses System begegeben hat, den konnte man besonders ausbilden und überwachen."
Klar, einerseits war das so und ich habe das Internet als Raum der uneingeschränkten Meinungsäußerung auch erst mal sehr geschätzt.
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Aus dem "und" schließe ich, dass du die Freiheit des Internets erwähnst, um eine Kritik an einer Meinungs-Gängelung der Redakteure in Presse, Funk und Fernsehen zu bestätigen.
ne...Topist.
So hatte ich das nicht gemeint.
Ich habe den Prozess beschrieben, daß ich meine Meinung in der Hinsicht geändert habe...
Ist für einen Christen nicht der Anblick eines Getöteten und grausam Gefolterten Alltäglichkeit? Die Darstellungen der Leidensstationen Christi sind nicht die Darstellung von Folter und Erniedrigung, das ist der Weg der Erlösung und der geschundene Christus am Kreuz, ist keine Darstellung eines zu Tode Gefolterten, sondern ein Zeugnis von Liebe und Barmherzigkeit. Das hatte ich nur kurz vergessen und deshalb ist es auch jugendfrei und kommentarlos auch in der SZ veröffentlichbar.
Aber ich wünsche dem neuen Libyen, dass es in besonderem Maße für menschliche Würde einstehen wird - einschließlich der Verweigerung weiterhin im Auftrag Europas Afrikaflüchtlinge mittels Gefängnis, Folter und Mord von ihrem Tun abzuschrecken.
http://commonfuturenet.wordpress.com/beschamende-praxis-aus-einem-flyer-von-pro-asyl/
genau darum geht es,!!! Gadaffi war doch der gute Freund der Europäer bis der Aufstand kam,
Vielleicht zeigt man das Foto nicht, weil Leute im Vorstand sitzen die etwas mit der Regierungspartei zu tun haben. Im übrigen finde ich es sowieso ziemlich verlogen sich damit zu brüsten ,das man das Foto nicht veröffentlicht ,wenn es im Fernsehen in jeder Nachrichtensendung gezeigt wurde, da sicher mehr Leute Nachrichten sehen,als Zeitung lesen.
Ein Dilemma zeichnet sich dadurch aus, dass es keine richtige oder falsche Lösung gibt, nur eigenes Handeln. Wäre es kein Dilemma, hätten nicht ich und so viele andere darüber geschrieben.
Eines meiner Lieblingszitate dazu:
In konkreter Verantwortung handeln heißt in Freiheit handeln, ohne Rückendeckung durch Menschen oder Prinzipien SELBST entscheiden, handeln und für die Folgen des Handelns einstehen. Verantwortung setzt letzte Freiheit der Beurteilung einer gegebenen Situation, des Entschlusses und der Tat voraus. (Dietrich Bonhoeffer)
"Grauenhafte Bilder zeigen grauenhafte Zustände – in den Köpfen von Journalisten
Die Nutzung der Bilder von Gaddafis Tod durch viele deutsche Medien zeigt eine erschreckende Skrupellosigkeit. Es gibt für diese Redaktionen keinerlei ethische Grenze mehr. Die redaktionelle Gleichgültigkeit vor der Menschenwürde und die Missachtung jeglicher Standards ist der neue Maßstab. Die Verachtung wird zum journalistischen Prinzip. Die Nutzung der grauenhaften Bilder vom Tod des Diktators zeigt die grauenhaften Zustände in den Köpfen vollständig verrohter Journalisten. Ja, ein Diktator wurde getötet – aber auch ein Mensch erniedrigt und ermordet."
Weiterlesen unter: http://www.pushthebutton.de/2011/10/24/grauenhafte-bilder-zeigen-grauenhafte-zustaende-in-den-koepfen-von-journalisten/
http://www.youtube.com/watch?v=qLpkUs5mJto
Ach, habe übrigens gerade auf Nachfrage erfahren, dass er für den Radiosender "Fritz" arbeitet und in Berlin angeblich Kult sein soll.
Sicher, frage mich nur, wie es kommt, dass dieser Mist "als seriöse Berichterstattung" verkauft werden kann.
Wer seine Sendung kennt weiß das ohnehin, und weiß auch seine Beträge durchhaus zu schätzen. Das Vorgehen des RBB ist ziemlich befremdlich:
Ehrlich erschütternd an der Causa Jebsen hingegen ist, dass sich nun so einige Tiefbraun verwirrte als Jebsen-Fans outen und ihr verquirrtles antisemitisches Gedankengut auf Broder's Seite ausschütten. Und das ist nun ganz gewiss nicht im Jebsens Sinne. Lässt tief Blicken wie schnell da Leute wieder auf den Zug aufpringen. Schauerlich. Dafür können aber weder Jebsen noch Broder etwas.
kann ich gut nachvollziehen, dass der Kult ist. Ich finde nichts daran grauenhaft weder ihn noch seine Positionen.
http://www.taz.de/Debatte-Arabellion/!80731/
Das lässt sich doch gut verkaufen! Wie wird sie das denn überwinden?
Mich widert zutiefst an diese Dreistigkeit aus Nöten immer mehr Sensation zu machen.
Der Presserat hat übrigens im Fall des Amoklaufs in Oslo die Persönlichkeitsrechte betont.
http://mmm.verdi.de/archiv/2011/10/journalismus/keine-opferfotos