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(Foto@Biblio: Sonnenaufgang über Bandol)

"Diese Gleichzeitigkeit von Wolken und Sonne zu sehen, bedeutet Verstehen. Dieses Verstehen ist schon Liebe. Es ist das Ende der Trennung, der Dualität. Auf der einen Ebene sind Wolken und Nebel. Gleichzeitig scheint die Sonne und nichts kann sie daran hindern. Nur unsere Sicht ist beschränkt."
(Marcel Geisser, "Die Buddhas der Zukunft")

Ich stehe früh auf. Das hat sich vor Jahren so ergeben, war kein willentlicher Akt. Ich benötige nur wenig Schlaf. Wenn ich nämlich mit den anderen erst aufwachen würde, wäre ich so spät im Bett, dass ich meine Abende völlig asynchron mit der Familie verbringen würde. Also stehe ich morgens früh auf. Immer gleich. Und hätte ich gewusst, welches Geschenk ich dafür bekomme, hätte ich das schon früher so gemacht.

Die ersten Stunden des Tages gehören mir. Im Urlaub wandere ich mit meiner Decke und dem kleinen, leichten Reisekissen Richtung Sonnenaufgang und suche mir eine Stelle, an der ich die Sonne sehe, wenn sie wieder über den Horizont klettert. Das ist zwar weit weg von der Strenge meiner sonstigen morgendlichen Zen-Haltung. Aber es ist ja Urlaub und da speichere ich neue Eindrücke in mir, warum nicht auch bei der Meditation.


Es gibt keine Ausreden, nur Faulheit

Ich glaube, dass dies bei allen Dingen im Leben so ist: Manche Leute würden gerne früh aufstehen, würden auch gerne mal meditieren, wären auch gerne mal achtsam, würden auch gerne den Müll trennen, würden auch gerne nachhaltig leben, würden auch gerne den Sonnenaufgang erleben. Und folgen doch lieber dem inneren Phlegma. Immer wieder. Bis wann?

Wenn man sich einmal aufrafft, ergibt sich eines aus dem anderen. In einem ohne weiteres Zutun. Man muss es nur geschehen lassen. Die Kraft eines Sonnenaufgangs ist umwerfend. Es fällt sehr schwer, danach noch aggressiv und tumb zu sein. Die Achtsamkeit ist automatisch höher. Wenn man einmal anfängt, heilsam zu leben, ergibt sich von dieser Sollbruchstelle aus so vieles anderes.

Niemand ist gezwungen, so zu leben. Aber ich kann die Ausreden dann auch nicht mehr hören. Irgendwann ist es zu spät, weil die Erde zerstört ist oder wir unser Leben verplempert haben. Jeder kann aufwachen und aufstehen. Jetzt! Wann sonst? Hier! Wo sonst?

Ich danke Euch sehr.