Die Geschichte von Sustainable Couch - ein Artikel auf Nomade Earth
„Ich war beruflich in einer entwicklingspolitischen Organisation tätig und privat beschäftigte ich mich vollzeit mit CouchSusrfing. Mein Hauptinteresse ist Nachhaltigkeit und wie man sie praktisch im Alltagsleben anwenden kann. Also habe ich mich im Frühling 2009 gefragt : wie kann ich das ganze verbinden?“ - erzählt Massimiliano Schilirò, der Gründer von „Sustainable Couch“. Die Antowort kam schließlich im November 2009: „Ich gründete spontan und ohne große Pläne eine CouchSurfing Nachhaltigkeitsgruppe in Wien, ich lud zum ersten Treffen ein...und hatte keine Ahnung, ob überhaupt Leute kommen würden!“
Aber bevor die Geschichte weiter geht: was ist überhaupt CouchSurfing? Das ist mit seinen 3 Millionen Mitgliedern das berühmteste Hospex weltweit. Hospex sind internationale Gastfreundschaftsnetzwerke, die aus Privatpersonen bestehen, die Reisende für einen begrenzten Zeitraum kostenlos bei sich aufnehmen. Symbolisch für diese Übernachtungsmöglichkeit steht eine Couch.
Das Konzept ist simpel: Nach einer kostenlosen Registrierung online und der Erstellung eines Profils kann jedeR CouchsurferIn beginnen, Gäste in der eigenen Wohnung aufzunehmen bzw. Couch-Anfragen für die eigene Reise zu senden. Das Ziel besteht nicht nur darin, eine kostenlose Unterkunft zu bekommen, sondern viel mehr geht es um einen kulturellen Austausch zwischen host (GastgeberIn) und guest (Gast).
Das erzeugt oftmals Kopfschütteln: Wie ist möglich, fremden Menschen einfach Tür und Tor zu öffnen? Couchsurfer behaupten: Es geht um Grundvertrauen. CouchSurfing kann dabei helfen, die Freude und die Schönheit der Gastfreundschaft wieder zu entdecken, als Gastgeber und als Gast.
Was für eine Rolle spielt Nachhaltigkeit bei CouchSurfing und ähnlichen Netzwerken? Bis jetzt eine relativ geringe, wenn man bedenkt, dass die Hauptaktivität der Mitglieder Reisen ist, und dass dies oft mit Flugzeug erfolgt. Und die lokalen Commuities sind eher berühmt für Parties als für soziales Engagement und Umweltschutz.
Aber zurück zur Geschichte: „Es kamen doch 12 Leute, viel mehr als ich erwartet hatte! Beim Treffen war klar: die Teilnehmer_innen wollten nicht nur sprechen, sondern auch etwas tun. Und das haben wir auch gemacht. Nicht als Nachhaltigkeitsexperte, da keine_r von uns über vieles Fachwissen über das Thema hatte, sondern als engagierte Laien, die damit pragmatisch umgehen wollen. Das erste Thema, mit dem sich die nachhaltigen Couchsurfer_innen der ersten Stunde beschäftigt haben, war Ernährung. Wir haben es in zwei Teilen „behandelt“. Beim ersten Treffen, dem theoretischen Teil, habe ich die verschiedenen Möglichkeiten präsentiert, Fair-Trade, Bio, lokale, regionale, saisonale Lebensmitteln in Wien zu kaufen und dessen Hauptmerkmale und – Unterschiede. Nach einem regen Austausch, basiert aus unseren persönlichen Erfahrungen, haben wir das Menü für unser 1. Bio und Fair-Trade Abendessen erstellt. Nach einigen Tagen kam der praktische Teil: wir trafen uns in einem Supermarkt, kauften nur Bio und Fair-Trade Produkten und kochten gemeinsam ein leckeres Abendessen. Alle waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden: gutes Essen mit gutem Gewissen und fairem Preis. Die Lektion, die wir lernten: wir können unsere Kaufgewohnheiten in unserem Alltagsleben verändern und unsere Kraft als Konsument_innen bewusst einsetzen.“
Das war nur das erste einer sehr langen Serie von Treffen und Aktionen, die die Gruppe organisiert hat: bis September 2011, mehr als 60 Couchsurfing Events und Iniatiativen. Eine kleine Auswahl davon: Video und Diskussionsabende (zu Themen wie alternative Energien, ethische Finanz, Gender (in)equality; Cradle to Cradle, etc); Nachhaltigkeitsquiz; viele faire und bio Abendessen, Picknicks, Brunchs; Free Box (eine Plattform, die bei jedem Treffen gebracht wird, um Objekte gratis auszutauschen) gemeinsame Blutspenden beim Roten Kreuz; Straßenaktionen wie der „Jubel-Mob“ vor dem Weltladen, etc. Mehr als 100 Couchsurfer_innen aus vielen Ländern waren aktiv, haben sich engagiert und dabei Spaß gehabt.
Inspiriert von dieser Gruppe hat es dann irgendwann klick! gemacht: Was in Wien geschieht, kann doch überall auf der Welt realisiert werden! Das war die Geburtsstunde von „Sustainable Couch“. Das Projekt animiert hosts und guests, ihre Gastfreundschaftserfahrungen nachhaltiger und bewusster zu gestalten. Die Webseite www.sustainablecouch.org, die seit März 2011 online ist und schon mehr als 200 Mitgliedern hat, bietet dafür einfache Vorschläge für die verschiedenen Rolle an und bietet praktische Beispiele an:
Michael stellt als host seinen Gästen eine Stadtkarte sowie ein Fahrrad zur Verfügung. Julia kocht als Surferin zusammen mit ihrem host ein Essen aus lokalen und saisonalen Zutaten, nachdem sie zusammen am lokalen Markt eingekauft haben. Ben und Teresa, Mitglieder der lokalen Vienna sustainable community, organisieren ein Nachhaltigkeitsquiz und Straßenaktionen. Außerdem bringen sie zu jedem Treffen eine Free Box mit, um Objekte gratis auszutauschen.
Dabei betont Massimiliano: „Es ist nicht notwendig, einE NachhaltigkeitsexpertIn zu sein – JedeR kann aktiv werden und dabei Spaß haben, nach dem Motto „be informed, share information, get active and have fun“.
Ende September kam ein großer Erfolg für Sustainable Couch: „CouchSurfing veröffentlichte ein Interview mit mir und gab mir viel Platz, um mein Projekt vorzustellen. Das ist für mich ein klares Bekenntnis, dass es großes Interesse am Thema hat, und das kann in der Zukunft nur mehr werden. Wenn auch nur ein winziger Teil der 3 Millionen Mitglieder den Artikel liesst, bedeutet es eine große Change, nach und nach eine Nachhaltigkeitswende bei CouchSurfing, zusammen mit vielen anderen Initiativen, einzuleiten.“
Und wie geht die Geschichte jetzt weiter? Nachdem die ersten 6 Monate sehr positiv verlaufen sind, stehen schon zahlreiche Pläne für die Zukunft: Kurz- und Mittelfristig: Mitglieder besser vernetzen und zum Handeln animieren, noch mehr positive Beispiele im Newsletter präsentieren, Website-Texte updaten und interaktiver machen. Langfristig: das Thema Nachhaltigkeit so in jede Hospex-Erfahrung integrieren, dass es nicht mehr wegzudenken ist.
Die große Herausforderung für die kommende Zeit? Sustainable Couch auf der Probe stellen! Und zwar am besten auf Reise!
„Ich bin seit 2 Wochen in Brasilien und werde ein ganzes Jahr in Lateinamerika herumreisen. Dabei geht es mir darum, nicht als klassischer Tourist unterwegs zu sein, sondern als Reisender und Forscher alternativer nachhaltigeren Lebensstile. Ich will Leute treffen, Erfahrungen auszutauschen und viel Neues lernen. Und die Ideen von Sustainable Couch verbreiten und an der lokalen Situation anpassen“ schwärmt Massimiliano über seine Reisepläne.
Das erste Treffen in Salvador war sehr gut: wiedermal genau 12 Leute kamen wie damals in Wien – ein gutes Omen. Die Teilnehmer_innen zeigten sich sehr interessiert und tauschten sich über die vielen Probleme der Stadt aus, u.a. dass die Supermärkte bei jedem Einkauf tonnenweise gratis Plastiktaschen zur Verfügung stellen, was eine enorme Verschwendung verursacht. Bald wird sich die Gruppe wieder treffen, um Stoff-Einkaufstaschen zu nähen und zu malen. Um danach nachhaltiger einzukaufen, zumindest was das Tragen von Waren betrifft.
„Es mag nur eine kleine Sache sein“ erzählt Massimiliano „aber für mich ist das echte Veränderung, die von den Leuten selbst kommt und einen praktischen Effekt im Alltagsleben hat. Ich bin sehr zufrieden damit und würde gern in der Stadt bleiben und andere Treffen organisieren. Aber die Reise muss weitergehen, und das ist gut so!“
Sustainable Couch für eine nachhaltigere Welt - die Entstehungsgeschichte


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