In meinem Leben außerhalb von Utopia musste ich mir von Bekannten oft anhören, dass ich nicht einmal fünfe Gerade sein lassen konnte, wenn die Gruppe ihr 2,50 € Nackensteak zum Grillen kaufen wollte. Ein elender Weltverbesserer sei ich, der den anderen nicht ihren Spaß lassen kann. Ein linker Kommunist, weil ich neoliberale Parolen von selbstverschuldeter Armut und Chancengleichheit nicht gelten lassen wollte. Ok, seien wir ehrlich, die wollte ich nicht nur nicht gelten lassen, über die bin ich bei jeder Gelegenheit hergefallen wie ein Werwolf. Wutbürger haben mich dann einige geschimpft. Andere einen Gutmenschen. Kann mir einer kurz erklären wie die beiden zusammen passen sollen??? Gelacht wurde, wie ich bei meiner beruflichen Entscheidung die Überzeugung vor das Geld gestellt habe.

Und jetzt, jetzt bin ich hier, bei Utopia. Und auf einmal bin ich kein linker Kommunist mehr sondern fühle mich wie ein wirtschaftsliberaler CSU-Parteigänger. Wenn niemand einsehen will, dass zum Beispiel H&M in seinen Produktionsländern so eine marktwirtschaftliche Relevanz hat, dass eine Verdopplung der Gehälter ganz einfach zum Kollaps der Lohnstrukturen führen würde. Da klinge ich mir dann selbst mehrere Nummern zu westerwellig. Aber trotzdem bin ich überzeugt, dass ich mit so einer Mittelrolle besser liege als mit unreflektierten 100%-Forderungen. Auch das mit dem Gutmenschen hat sich erledigt, seit ich erfahren habe, dass ich als gelegentlicher Verzehrer von Bio-Fleisch und Tierprodukten nichts als ein Leichenfresser und Sklavenhalter bin. Weltverbesserer? Wohl eher elender Greenwasher, Kapitalist, Neokon.

Langsam fühlt sich's echt einsam an zwischen den Extremen...