In meinem Leben außerhalb von Utopia musste ich mir von Bekannten oft anhören, dass ich nicht einmal fünfe Gerade sein lassen konnte, wenn die Gruppe ihr 2,50 € Nackensteak zum Grillen kaufen wollte. Ein elender Weltverbesserer sei ich, der den anderen nicht ihren Spaß lassen kann. Ein linker Kommunist, weil ich neoliberale Parolen von selbstverschuldeter Armut und Chancengleichheit nicht gelten lassen wollte. Ok, seien wir ehrlich, die wollte ich nicht nur nicht gelten lassen, über die bin ich bei jeder Gelegenheit hergefallen wie ein Werwolf. Wutbürger haben mich dann einige geschimpft. Andere einen Gutmenschen. Kann mir einer kurz erklären wie die beiden zusammen passen sollen??? Gelacht wurde, wie ich bei meiner beruflichen Entscheidung die Überzeugung vor das Geld gestellt habe.
Und jetzt, jetzt bin ich hier, bei Utopia. Und auf einmal bin ich kein linker Kommunist mehr sondern fühle mich wie ein wirtschaftsliberaler CSU-Parteigänger. Wenn niemand einsehen will, dass zum Beispiel H&M in seinen Produktionsländern so eine marktwirtschaftliche Relevanz hat, dass eine Verdopplung der Gehälter ganz einfach zum Kollaps der Lohnstrukturen führen würde. Da klinge ich mir dann selbst mehrere Nummern zu westerwellig. Aber trotzdem bin ich überzeugt, dass ich mit so einer Mittelrolle besser liege als mit unreflektierten 100%-Forderungen. Auch das mit dem Gutmenschen hat sich erledigt, seit ich erfahren habe, dass ich als gelegentlicher Verzehrer von Bio-Fleisch und Tierprodukten nichts als ein Leichenfresser und Sklavenhalter bin. Weltverbesserer? Wohl eher elender Greenwasher, Kapitalist, Neokon.
Langsam fühlt sich's echt einsam an zwischen den Extremen...


Kommentare (15)
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Lass Dir versichert sein, Du bist nicht einsam ;-)
Selten ein Post gelesen, mit dem ich mich so identifizieren kann.
Auch wenn wir im Punkt H&M gänzlich unterschiedlicher Meinung sind.
Daran sieht man auch nur, daß wir nicht automatisch auf dem gleichen Platz sitzen, nur weil wir beide zwischen den Stühlen sitzen.
Wäre ja auch etwas eng dort, ne ?
Ja klar, da gab es immer auch jene Schnittmengen, die grafisch oft oder meist in der Mitte anzutreffen waren! ;-)
Besser und witziger fände ich den Hutbürger -> die Menschen, die sich den Hut aufsetzen und was machen.
Ich stehe lieber zwischen den Stühlen, da hat man einen besseren Überblick und mehr Handlungsfreiheit.
Auf einem Stuhl zu sitzen ist auch langweilig, da sieht man immer nur die Glatze von dem, der vor einem sitzt.
Ich kann es sowieso nicht jedem recht machen, also mache ich es wenigstens mir recht ;-)
Erstaunlicherweise ecke ich weniger an, seit ich das konsequent mache, als zu Zeiten, wo ich noch mehr rumgeeiert bin im Versuch, es allen irgendwie recht zu machen.
und dazu passt noch der Spruch
Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich gänzlich ungeniert.
Wenn ich nur wüste wer diese klugen Worte gesagt hat.
http://de.wiktionary.org/wiki/Allen_recht_getan,_ist_eine_Kunst,_die_niemand_kann
Der zweite Spurch dagegen ist schwieriger zuzuordnen. Siehe da:
http://www.wilhelm-busch-seiten.de/werke/zitate2.html
Ich hoffe, ich konnte den frühen Morgen etwas erhellen.
der stammt von meiner Oma, denn sie musste es ja wissen mit ihren zwei alten Kühen im Stall, die sie täglich mit der Hand gemolken und gestriegelt hat.
Danke für deine Recherche : -)
"Gesang zwischen den Stühlen, heisst ein Gedichtband von Erich Kästner. Das Thema ist anscheinend immer präsent.
Und richtig und falsch gibts doch irgendwie auch nicht (bezugnehmend auf deinen anderen Blogeintrag), das hat schon der olle Nietzsche gesagt...
Es gibt nur deine Tat und deine Meinung, die plausibel und reflexiv-abänderbar angewendet bzw. rübergebacht allen Moralisten und faulen Mainstreamern mit schlechtem Gewissen und kindlichem Abwehrmechanismen überlegen ist!
Hier sind viele, die ihren eigenen Weg gehen wollen und ihn auch gehen.
Ich bin vor 40 Jahren schon mit wissendem Lächeln als "Spinner" abgetan worden, weil ich gegen Atomkraft, gegen den Flughafen München II und gegen die konventionelle Landwirtschaft war.
Heute bin ich als überzeugter "Bio-Typ"schon fast in der Mitte der Gesellschaft, zumindest aber gut bei Utopia angekommen.
"Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall am sichersten zum Ziel, andere hingegen, das Höhere, Zartere suchend, haben schon in der Wahl des Weges vorsichtiger zu sein ." (Johann Wolfgang von Goethe )