Woran krankt das System, in dem ich lebe? Die einzigen, die sich in der heutigen Gesellschaft wohl zu fühlen scheinen sind die gewissenlosen Turbokapitalisten. Die Neoliberalen, die gerne Märchen von entfesselten Märkten und selbstverschuldeter Armut erzählen. Ich glaube daran nicht und trotzdem bin sehr dankbar dafür, dass es ist, wie es ist. Warum fühle ich mich damit so allein?
Wenn ich schimpfe über die Menschen, die ernsthaft meinen, ihr Lebensstandard sei ihr eigener Verdienst, dann bekomme ich oft Zustimmung. Aber die Freude darüber schlägt schnell ins Gegenteil um wenn sich meine vermeintlichen Gesinnungsgenossen zu Wort melden: Ist ja eh alles Scheisse. Die Welt war noch nie ungerechter als heute. Das Geld ist an allem schuld, der Kapitalismus, die Gier, das System.
Der Kapitalismus als Wurzel allen Übels – eine verdammt steile These. Schauen solche Leute auch mal in Geschichtsbücher? War die Welt vor dem Kapitalismus, zur Zeit von absolutistischen Herrschern und Lehensherren, nicht viel ungerechter? Natürlich ist sie heute immer noch ungerecht. Aber Länder sind unabhängig und demokratisch geworden, viele sind gerade im Begriff, dies zu tun. Deutet das nicht darauf hin, dass wir uns auf einem Weg der Verbesserung statt der Verschlechterung befinden? Und nur weil wir das Ziel noch nicht erreicht haben, ist gleich das ganze System für die Katz?
Wie viele demokratische Länder gibt es, in denen Menschen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Selbstbestimmung haben und die nicht auf dem Wirtschaftssystem des Kapitalismus aufbauen? Kommunismus, Askese, Autarkie. Sind das nicht alles Wunschvorstellungen, von denen man sich inspirieren lassen kann, die aber in Reinform niemals für alle funktionieren werden? Würden viele von uns der Welt nicht viel mehr nützen, wenn sie einmal zugäben, dass im Hier und Jetzt der Kapitalismus die beste Wirtschaftsform ist, die es mit sozialen, nachhaltigen Ideen anzureichern gilt, anstatt komplett zu blockieren?
Für das Ego freilich, für das Ego ist es wesentlich attraktiver, als unverbesserlicher Idealist den Kampf gegen die Giganten zu kämpfen. Sich von den konsumgeilen, überheblichen Marionetten und Ihrem System abwenden. Heldentum, Einzelgänger, Überzeugung, Prinzipientreue. Kann man sich alles wunderbar einreden, während um einen herum die Welt genau so still steht wie man selbst, weil man die Veränderung mehr aufhält als sie anzustoßen...


Kommentare (40)
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Damit ist allerdings nur klar gestellt, dass hier die Realität auf den Kopf gestellt wahrgenommen wird. Zu den interessantesten Trugschlüssen, zu denen der kapitalistische Alltag sets aufs Neue nötigt, ist die irrige Vorstellung, dass das Leben von Ideologie bestimmt ist.
Dazu fehlt mir die klare Abgrenzung.
Jedes System hat seine Auswüchse und momentan erleben wir die Auswüchse eines gierigen Kapitalismus.
" Einen wirklich freien Menschen kann es in einem Ismus nicht geben"
Was ist ein wirklich freier Mensch?
Ich denke, es gibt immer nur Annäherungsversuche an ein Ideal...
Die können besser oder schlechter gelingen und hängen von vielen Faktoren ab (Eigenbestimmte und Fremdbestimmte Faktoren).
Auch die Systemverlierer wird es überall geben, nicht nur im Ismus.
Stelle Dir einen freien Menschen vor, der in und von der der freien Natur lebt.
Er ist nicht belangt von Einschränkungen durch irgendwelche Ismen.
Wenn er aber nicht bestimmte Regeln kennt und beherzigt und z.B. gewisse körperliche Fähigkeiten besitzt, dann wird er zum Systemverlierer.
" Aber es gab auch noch andere Zeiten, wo z.B. die soziale Markwirtschaft politisch noch Thema war, die Kommunen noch keine leeren Kassen hatten, Konsum nicht alles war und die Staaten nicht von Rating-Agenturen abhängig waren"
Wann war das???
War ich da dabei??? ;-)
Naja, von mir stammt ja auch der Spruch, der Höhepunkt der Zivilisation war irgendwann in den 70'ger Jahren.
Aber das ist nur so ein Spruch.
Auch damals gab's genug Punkte, die uns heute nicht mehr gefallen würden.
Ich stimme Simons Ausführungen zu (sofern ich sie richtig verstanden habe).
Ich kann den Kapitalismus auch nicht als Wurzel allen Übels sehen.
Als Wurzel allen Übels sehe ich diverse menschliche Eigenschaften wie
Gier, Ängstlichkeit, Verzagtheit, Bequemlichkeit, Neid, übertriebenes Sicherheitsdenken, Kurzsichtigkeit u.s.w. (bitte ergänze die Deinigen Schwachstellen ;-))
Allerdings bin ich mir vollkommen darüber im Klaren, daß auch ich genug dieser Eigenschaften besitze und ich kann es mir meistens verzeihen.
Der Mensch ist nun mal nicht so perfekt, wie beispielsweise eine Katze ;-)
Welche Konsequenzen ziehen wir nun daraus?
Ich denke, ein kompletter Umsturz bestehender Systeme (beispielsweise Kapitalismus) bringt gar nichts.
Es kann nur durch Milliarden kleiner Veränderungen eine Veränderung im Großen geben.
Wenn jeder Einzelne beschließt, Veränderung zu wollen und zu tun...
Ein Spruch ist mir in Erinnerung geblieben, ich weiß nicht mehr, von welchem Wirtschaftsweisen er ist, auf ejden Fall ist er alt:
"Wenn wir heute um 12 Uhr Mittag alles Geld der Welt gerecht verteilen auf alle Menschen, dann wird die Verteilung bereits um 13 Uhr wieder so, wie vorher sein."
Weil es einfach Menschen gibt, die's drauf haben, andere zu unterdrücken und ebenso Menschen, die dazu neigen, sich unterdrücken zu lassen.
An der Stelle gilt's einen Ausgleich zu schaffen durch jeden Einzelnen, der gewillt ist.
Das kann funktionieren oder auch nicht und ist -meiner Meinung nach- nicht primär vom vorgeschalteten System abhängig.
Um ein wirklich freier Mensch zu sein, muss man endgültig das Zeitliche gesegnet haben. Wusste schon Marx. Um nur die Freiheit von der Zumutung genießen zu können, sich die entfernten Voraussetzungen und Folgen des gesellschaftlichen Tuns durch den Kopf gehen lassen zu müssen, genügt ein normales Dasein in einer kapitalistischen Gesellschaft.
Gruß vom Topisten
Als Wurzel allen Übels sehe ich diverse menschliche Eigenschaften wie
Gier, Ängstlichkeit, Verzagtheit, Bequemlichkeit, Neid, übertriebenes Sicherheitsdenken, Kurzsichtigkeit u.s.w. "
Oder kurz: die Würzel allen Übels sind die Übel.
Oh, danke! Ich hab's sehr vermisst, daß Du mir die Welt erklärst ;-)
Du hast das Problem also verstanden.
Das ist prima ;-).
Von Gut und Böse habe ich nicht gesprochen. Diese Einteilung gibt es bei mir schon rein philosophisch nicht.
"Jedes System hat seine Auswüchse und momentan erleben wir die Auswüchse eines gierigen Kapitalismus."
Genau, das meine ich ja. Jeder Ismus, jedes System zeigt irgendwann Auswüchse, momentan ist es der Kapitalimus.
"Was ist ein wirklich freier Mensch?"
Ich sehe das z.B. wie Satre oder auch Nietzsche, wie Wilson und Crowley. So viel Fremdbestimmung ablegen, wie möglich. Klar, auf dem Weg dorthin muss man Kompromisse eingehen...
"Ich denke, es gibt immer nur Annäherungsversuche an ein Ideal..."
Ja, das sehe ich auch so!
"Auch die Systemverlierer wird es überall geben, nicht nur im Ismus.
Stelle Dir einen freien Menschen vor, der in und von der der freien Natur lebt.
Er ist nicht belangt von Einschränkungen durch irgendwelche Ismen.
Wenn er aber nicht bestimmte Regeln kennt und beherzigt und z.B. gewisse körperliche Fähigkeiten besitzt, dann wird er zum Systemverlierer."
Das nennt man dann (Sozial-)Darwinismus... ;-)
"Wann war das???
War ich da dabei??? ;-)
"Naja, von mir stammt ja auch der Spruch, der Höhepunkt der Zivilisation war irgendwann in den 70'ger Jahren."
Du hast es doch selbst beantwortet. :-)
"Auch damals gab's genug Punkte, die uns heute nicht mehr gefallen würden."
Klar, die gabs immer und wird es immer geben.
Aber wenn man es mit den heutigen Verhältnissen, über die wir sprachen, vergleicht...
Aus einer solch kommoden Position ist ein leichtes, Mensch zu diskreditieren, die konstruktiv versuchen, nachhaltige und solidarische Alternativökonomien zum Kapitalismus zu entwickeln, bevor dieses Wirtschaftssystem nur noch verbrannte Erde hinterläßt.
Aber vielleicht haben diese Leute ja auch einen ganz anderen Erfahrungshintergrund als Du.
Das schätze ich sehr an dem Austausch hier auf Utopia, sehr viele Nutzer geben immer wieder wichtige Denkstupser, ohne Beleidigungen und dergleichen.
Ich habe Simons Kommentar nicht so verstanden, daß er Kapitalismus-Kritiker diskredieren möchte, sondern daß er einfach nicht sieht, daß unsere Misere am Kapitalismus als Ökonomieform fest zu machen ist.
Außer seltsamen Geschichtsbezügen, die für mich allesamt schwer hinken und der sehr fragwürdigen These, dass ausgerechnet der Kapitalismus ein Heilsbringer für Demokratie ist, steht nichts drin in Deinem Artikel.
Er vermittlet mir dem Eindruck, dass es doch ganz prächtig läuft bei uns und Du das Geflenne (der einsamen Helden) auf hohem Niveau nicht mehr hören kannst. Da fehlts einfach nur an ein paar kleinen sozial- und umweltpolitischen Korrekturen und gut is.
Es kann ja sein, dass ich Dich da falsch verstanden habe, aber dann mußt Du in Deinen Artikeln außer vielen Fragen auch mal Antworten liefern und klar Stellung beziehen!
Also Simon Reichel, Butter bei die Fische: Was bist Du für ein Mensch und wie sieht es aus: Dein Wirtschaftssystem von morgen? Bin gespannt!
Für einen Streit um harte Fakten bin ich immer zu haben. Dafür, dass mir jemand sagt, wie gut mein Gehalt ist, wie alt ich wohl sei und was ich aus dem Fernsehen kenne oder nicht, das ist mir sozusagen ein bissl "zu wenig Mitte" und ein bissl zu viel unter der Gürtellinie
Mich stört ganz konkret Simons verharmlosende Einstellung zum Kapitalismus, der aus meiner Sicht, so wie wir es jetzt täglich beim Kampf um die Euro-Rettung erleben, Demokratie ehr aushöhlt, als das er sie fördert. Kapitalismus in Reinkultur befordert auch nicht die Freiheit, weil zur wirklichen Freiheit immer auch die Verantwortung gehört. Und diese Komponente wird durch den Finanzkapitalismus ehr konterkariert.
Ein paar harte Fakten: Heute gibt es weltweit etwa 63000 Personen, deren Vermögen jeweils 100 Millionen Dollar übersteigt. Deren Privatvermögen addiert sich auf 40 Billionen Dollar, was dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt aller Staaten der Welt entspricht.
Diese Leute spekulieren mit Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffen (incl. Getreide) und erfinden ständig neue Finanzprodukte (die sie "leider" machmal selber nicht verstehen) um ihren Reichtum (der die Armut der Menschen am anderen Ende der Waage ist) weiter zu mehren. Gestützt werden sie dabei von aktiven (die später auch mal gerne mitmischen möchten) und ehemaligen Politikern, die jegliche demokratische Kontrolle dieses Spiels verhindern (was wurde an Kontrollmechanismen für die Finanzmärkte durchgesetzt??). Und was machen wir "Wutbürger"? Wir staunen, haben Angst um unser kleines Erspartes und gehen lieber zur Tagesordnung (Sowas von Mitte) über.
Über die Schuldenseite oder die Armut berichtet Jean Ziegler! Aber bitte vollständig anhören und dann von mir aus emotional zurückkommentieren!
http://www.youtube.com/watch?v=NTi9lZxggnI
Attacie-Gruss
Stephan
PS: Bin ich nicht eigentlich der Moderator?
Ich finde es nur erschreckend naiv, zu glauben, wenn wir den Kapitalismus wegmachen, ist wieder alles gut.
Diese Macht der Wenigen, gab es das nicht schon immer?
In Königsreichen, bei Naturvölkern, in Diktaturen, im Kommunismus?
Und den Post "So was von Mitte" hattest Du offensichtlich nicht verstanden.
Diese Art der Mitte, wie ich sie -in dem Blog beschrieben- verstanden habe, entsteht durch Überlagerung zweier Extreme und gerade der Unfähigkeit, sich eben mal bequem im Durschnitt einzureihen.
Ich muß nicht den Simon in Schutz nehmen, der kann das ganz gut selbst.
Aber wie Du hier reingeblärrt hast, ist mir einfach schräg rein gelaufen.
"Bin ich nicht eigentlich der Moderator?"
Wie...habe ich was verpasst oder verstehe ich den Witz nicht?
Und jetzt fängst Du auch noch an mit diesen seltsamen Rückschauen. Den Kapitalismus heute sollte man überhaupt nicht mit Feudal- anderen autoritären Gesellschaftsstrukturen von Anno Tobak vergleichen weil der Kapitalismus heute ganz andere Auswirkungen, nämlich weltumspannende, hat. Und wer bitte schön sind heute die erfolgreichsten Kapitalisten überhaupt?
Richtig! Staatskommunisten-kapitalisten aus China! Und wer sie dazu gemacht? Na wir! Eigentlich wollten wir nur neue Märkte erschließen und dreckige (was auch menschenverachtende Arbeitsverhältnisse meint) Produktion auslagern. Aber jetzt machen sie uns lang (dazu müssen sie nicht einmal Krieg mit Waffen führen sondern nur ihre Macht als Weltgläubiger einsetzen) und das ganz ohne Demokratie und Menschenrechte. Die braucht der Kapitalismus nämlich nicht!
Nee, Du mußt Simon nicht in Schutz nehmen. Der spricht bestimmt für sich selbst.
Glaube nicht, dass ich "blärre" nur weil ich ein wenig provoziert habe. Aber nur konstruktiv finde ich langweilig. Und langweilig ist es doch hier schon lange genug, oder?
In Königsreichen, bei Naturvölkern, in Diktaturen, im Kommunismus?"
"Kapitalismus wegmachen" ist ja ne lustige Vorstellung. Da würde die Fristenlösung wohl auch nicht mehr greifen. Ich dachte, Kapitalismus müsste am Ende überwunden werden weil die freie Konkurrenz privateigentümlich motivierter Bereicherungsagenturen (von deren Erfolg u.a. auch Nationalstaaten, Gemeinden usw. abhängig sind) die von ihr freigelassenen Geister nicht mehr in die Flasche kriegt.
Kommunismus und Macht Weniger schließen sich im Übrigen aus. Ist so, als wrde man behaupten, dass schließlich auch Schimmel mächtig schwaz sein könnten.
Gruß vom Topisten
http://oekohumanismus.wordpress.com/
Lassen wir doch mal jemanden zu Wort kommen, der in punkto Gesellschaftssystemen mit allen Wassern gewaschen ist:
http://www.youtube.com/watch?v=n8WDLLira90
Bekämpfen oder blockieren hat wenig Sinn solange man seinem eigenen Egoismus nicht auf die Spur kommt und ihn entlarvt.
Weil die Menschen unter den gegebenen Umständen tatsächlich nicht als ein Gesamtorganismus handeln können. Dies zu ermöglichen ist ja genau der Grund, warum Kapitalismus überwunden gehört.
Das ist wohl die Frage nach dem "War die Henne oder das Ei am Anfang?"
Die Überwindung des Kapitalismus ist nur durch eine veränderte Geisteshaltung oder ein entwickeltes Bewustsein möglich. Er ist ja schließlich, in der heutigen Form, aus dieser zur Zeit herrschenden Geisteshaltung entstanden. Überwindet man den Kapitalismus indem man ihn durch ein anderes Konstrukt ersetzt und bleibt dabei die Geisteshaltung die selbe wird es zu ähnlichen Auswirkungen kommen. Ändert man jedoch die Geisteshaltung, dann wird auch die Form des Kapitalismus eine für das soziale Zusammenleben der Menschen eine konstruktive werden.
Die Frage ist natürlich wie und in welcher Form die Geisteshaltung der Menschen entwickelt werden kann. Welche Mechanissmen müssen dafür in Gang gesetzt werden und welche Traditionen und Haltungen müssen dafür erkannt und aufgegeben werden.
>> überwunden gehört. "
>Das ist wohl die Frage nach dem "War die Henne oder
>das Ei am Anfang?"
Nein, dass so wie die Frage, ob Hühner ihre Eier in engen Käfigen bzw. zusammen mit tausenden anderen Hühnern in dunklen Ställen legen sollten oder auf eine Weise, die nicht tierquälerisch ist (und damit auch in Mengen, die entsprechende Produktionsbedingungen erlauben) .
Nur dass die artgerechte Haltung des Menschen sein aufrechter Gang ist und die Fähigkeit, für die Folgen des Tuns gerade stehen zu können. Das ist unter den gegebenen (kapitalistischen) Produktions- bzw. Aneignungsbedingungen schlicht nicht möglich.
In der heutigen praktizierten Erziehung und Bildungslandschaft die maßgeblich von Doktrinen des Staates und damit der Wirtschaft durchdrungen ist, werden Heranwachsende und auch Erwachsene bestmöglich in die Dienste des Kapitalismus rekrutiert, immer mit der Hoffnung des Einzelnen, es ganz nach oben zu schaffen um dann ebenfalls als Ausbeuter dem kapitalistischen System seine Vasalen Dienste zu offerieren.
Ein Bildungssystem, das den Einzelnen in seiner Entwicklung, der ihm eigenen Individualität stärkt und damit zu einem Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein führt ist dem vorherrschendem System ein Dorn im Auge.
Solange Menschen bereit sind für 7 Euro (Zalando) die Stunde zu arbeiten und Menschen bereit sind möglichst wenig für unnötigen Konsum auszugeben wird eine Überwindung des Kapitalismus und damit ein aufrechter Gang nur schwer erreichbar sein.
Für die jenen, die gewillt sind und das nötige Selbstbewusstsein besitzen aus dem Kreislauf auszubrechen wird der aufrechte Gang keine besondere Herausforderung mehr sein.
Den Kapitalismus zu überwinden ist nicht Sache der Gesetzgebung, da die ja selbst Träger und Nutznießer sind, sie sind also nicht geeignet dazu.
Je mehr Menschen ein waches Bewusstsein über die Zustände erlangen umso größer kann auch der Einfluss auf die politischen Machthaber sein, mit der gleichzeitigen "Aushöhlung" der kapitalistischen Strukturen durch zB Einschränkung des eigenen Konsums.
Die Überwindung der kapitalistischen Zwänge, die beliebig "Verstand in Blödsinn und Blödsinn in Verstand" verwandeln (wie der junge Marx das Problem in den Pariser Manuskripten so schön auf den Punkt gebracht hatte), setzt natürlich hinreichende geistige Fähigkeiten voraus, um etwa die dringende Notwendigkeit zu erkennen, eine neue Grundlage für das globale Miteinander zu schaffen, d.h. dass ein globales Miteinander, das es auf Basis eines weltgemeinschaftlichen (weltkommunistischen) Nachhaltigkeitsmanagement funktioniert.
Die Beschränkungen, die der kapitalistische Alltag dem menschlichen Begehren, Tun und Bedenken auferlegt, blockieren allerdings die freie Entwicklung entsprechender geistiger Fähigkeiten. Das ist das Problem. .
"Er ist ja schließlich, in der heutigen Form, aus dieser zur Zeit herrschenden Geisteshaltung entstanden."
Kapitalismus ist weder ein "ER" noch ein "Konstrukt", das aus irgend einer Geisteshaltung entstanden ist. Kapitalismus entsteht ganz unabhängig von vom menschlichen Willen, wo Menschen von den eigenen (Re-)Produktiobsbedingungen getrennt werden. Und mit Geisterbeschwörung wird man es auch nicht möglich machen können, dass sich die Globalisierten dieser Erde ihre mehr und mehr gemeisamen (Re-)Produktionsbedingungen als Menschen, d.h. als eine menschliche Gemeinschaft zueigen machen.
Wer denn, außer der Mensch kann den Kapitalismus überwinden? Er, der Kapitalismus existiert ja schlißlich nur weil es Menschen gibt. Im gesamten Naturreich,außerhalb des Menschen gibt es den Kapitalismus nicht, zumindest soweit ich weiß.
"setzt natürlich hinreichende geistige Fähigkeiten voraus, um etwa die dringende Notwendigkeit zu erkennen..."
Ich nenne es halt Geisteshaltung, das hat nichts mit Geisterbeschwörung oder ähnlichem zu tun.
Ja und woher kommen diese geistigen Fähigkeiten, wenn nicht durch ein entsprechendes Bildungssystem, im Sinne zB einer Humboldtschen Bildung, die den Menschen in der Entwicklung seiner Individualität stärkt?
Insoweit die kapitalistisch vergesellschafteten Menschen eben noch nicht als Menschheit handeln und entsprechend denken können, also im Rahmen eines nach menschlichen Maßstäben bewusst gestalteten, d.h. miteinander abgesprochenen Zusammenwirkens, bringen sie unwillkürlich ideologische Marotten hervor, die die fehlenden Möglichkeiten einer weltgemeinschaftlichen Steuerng überbrücken sollen.
Dazu gehört, dass irgend ein Element, das für das gesellschaftliche Leben von irgend einer Relevanz ist, herausggriffen, d.h. von den wirklichen Verhältnissen isoliert wird und dann zu einem Begriff mutiert der nun wahre Wunderwerke vorbringen soll. Der Begriff mutuert zum Fetisch, der nun anstelle der wirklich interagierenden Personen und Institutionen das Weltgeschehen lenken soll. Das gilt etwa für "den Geist", "die Gier" aber offenbar auch für "die Gesetzgebung")
Ohne weiteres gibt es aus der kapitalistischen Welt kein isoliertes Entrinnen. Auch keine isolierten Verantwortlichkeiten fürs Ganze Nicht nur staatliche Funktionen (Gesetzgebung usw) sondern alles Begehren, Tun und Bedenken ist Träger der gesellschaftlichen Verhältnisse, muss sich selbst in einer Weise behaupten, die die historischen Umstände, gestatten oder verhindern. Muss entsprechenden Anforderungen gerecht werden.
Kapitalismus heißt, dass die Vorgänge, die über gesellschaftlichen Erfolg der Misserfolg entscheiden, den beteiligten Menschen als eine Naturgewalt gegenübertreten. Diese zu zähmen, d.h., das (welt-)gesellschaftliche Zusammenwirken auf eine kulturelle, d.h. menschliche Grundlage zu stellen, bedarf es vieler Zwischenschritte, die jeweils in Wechselwirkung zueinander stehen und - wenns gut geht - Errungenschaften dastellen auf dessen Basis dann ein Weiterkommen möglich wird. Zentral scheint mir in der Tat ein Bewusstsein von er Notwendigkeit, eine als solche handlungsfähig Menschheit erst herstellen zu müssen - und dass dies richtig Arbeit ist.
Gruß vom Topisten
jeder hat anscheinend eine ganz eigene Befindlichkeit und Interpretation von Sätzen, jeder seine
ganz eigene Schmerzgrenze. Darin liegt die Schwierigkeit der allgemeinen Verständigung:-))
Und jeder pickt sich die Sätze raus, die triggern - positiv wie negativ.
Bei mir war es z.B. die Übereinstimmung mit diesem Satz, wo sich Simon über angebliche Gesinnungsgenossen mokiert:
"Ist ja eh alles Scheisse. Die Welt war noch nie ungerechter als heute. Das Geld ist an allem schuld, der Kapitalismus, die Gier, das System."
Diese Leute, die wegen dem "Ist je eh alles Scheiße in unserem System" den Ar... gar nicht mehr bewegen, kenne ich zu genüge und fand das gut auf den Punkt gebracht von Simon.
(Ich war ja selbst schon so drauf in Phasen meines Lebens...)
Deswegen fand ich Stefans Einschätzung sehr schräg...
Aber egal, ich denke wir werden uns alle nicht gegenseitig die Köpfe einrennen wegen solch kleiner Differenzen ;-)
Das ist ja eine eigentümliche Reihung. Außerdem: was soll bitteschön ein Kommunismus in Reinform sein?
”Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.”
Marx/Engels: Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, S. 35
Der kommunistisch aufzuhebende jetzige Zustand ist etwa die Unmöglichkeit, in vertretbaren Zeiträumen zu einem hinreichend vernünftigen Nutzung natürlicher Ressourcen (unter Einschluss des menschlichen Arbeitsvermögens) zu kommen, und von diesem Zustand kommunistisch Aufhebends zu machen, zielt auf ein am Ende weltgemeinschaftliches Nachhaltigkeitsmanagement. Darüber oder auch dafür ließe sich mit Gewissheit auch ohne das "K"-Wort streiten, aber man sollte von der Möglichkeit, es in genau dieser Weise zu verstehen schon einmal gehört haben.
Gruß vom Topisten
Niemand, der einigermaßen bei Verstand ist, will in einem "perfekten System" leben. Darum gehts aber auch nicht, sondern darum, dass sich auf Basis der jetztigen (kapitalistischen) Anreiz- und Sanktionssysteme kein hinreichend vernünftiges Zusammenwirken entwickeln lässt. Die Frage nach dem "perfekten System" ist ungefähr so, als wenn man einem Ehepartner, der immer wieder zusammengeschlagen wird, sagen würde, dass es sowieso keine perfekte Ehe gibt.
"Können wir überhaupt in einen perfekten System leben? Oder wäre das wider der menschlichen Natur?"
Zu 1: Nein! Siehe oben. Zu 2: Die menschliche Natur lässt auch allerlei Blödsinn zu. Was uns Menschen aber von allen anderen Tieren unterscheidet und zu prinzipiell vernunftbegabten Wesen macht, ist die Fähigkeit (und zugleich Notwendigkeit!), unsere Lebens- und Bereicherungsmittel herzustellen und zwar so, dass von vornherein mehr oder minder zu erkennen ist, was die Mühen am Ende bringen werden. Eine Gesellschaft wäre demnach eine menschliche, die es zulässt, dass die Menschen ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und die jeweiligen Möglichkeiten, sie zu erfüllen auf Basis gemeinsamer (man könnte auch sagen: weltkommunistischer) Abwägungsprozesse mit den dabei zu erwartenden Kosten (sozialer bzw. ökologischer Natur) ins Benehmen zu setzen.
Gruß vom Topisten