Der männliche Nachwuchs der Deutschen scheint sich in zwei Sparten zu gliedern:
Auf der einen Seiten sind die Wunderkinder, auf der anderen die "Schwierigen", bei denen früher oder später eine Krankheit prognostiziert wird.
Denn jeder zehnte Junge in Deutschland ist "krank" und trägt ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom, in sich. Gegen diese böse Krankheit gibt es natürlich auch eine Medizin, die aus einem aufgeweckten und fröhlichen Kind, ein zurückgezogenes, schweigsames und stilles macht, dem es verwehrt bleibt, seinen eigenen Charakter auszuleben oder mit Freunden draußen herumzutoben.
Die bunten Farben der Blumen tragen alle einen Graustich...
1993 wurden 34 kg Ritalin in Deutschland verschrieben, 1,8 t waren es bereits im Jahr 2010. (FAZ)
In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Ritalin gegen eine erfundene Krankheit


Kommentare (19)
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Dude
schrieb am 12.02.2012 um 21:56 ¶Schön brav sein! Und nicht aufmucken!
So lange Ritalin dem Wirtschaftswachtum dient, ist doch allen geholfen!
;o)
Richard-Burgenlandler
schrieb am 12.02.2012 um 22:29 ¶So jetzt bin ich fertig.
Ich finde es toll, wie du deine Beiträge gestaltest und welche Themen du ansprichst. Ich wünsche dir, dass viele Menschen deine Blog lesen und die wertvollen Anregungen mitnehmen.
earthling.
schrieb am 13.02.2012 um 09:32 ¶... genau das ist es - das fast alles zusammen!
Schuld sind eigentlich die Eltern, die sich machtlos und überfordert fühlen, bei ihren "wilden Kerlen". Das Verschreiben von Medikamenten bedarf immer der Zustimmung der Betroffenen, bzw. Erziehungsberechtigten. Was geht das du nur in den Köpfen ab?
Ich habe einen Freund, der seit der zweiten Klasse mit Ritalin zugedröhnt wurde, um ihn für seine Lehrer und seine Familie "erträglich" zu machen. Sein Leben veränderte sich grundlegend. Er wurde nicht nur schräg von seinen Freunden angeschaut, wenn mitten im Unterricht sein elektrische Tablettendose piepte und es mal wieder Zeit für eine "weitere Dose" war, sondern auch, nachdem er es nun lieber bevorzugte, sich still in eine Ecke zu setzen, anstatt mit uns draußen "komm mit und lauf weg" zu spielen.
Damals habe ich das alles nicht verstanden, aber wenn ich heute an diese Zeit zurück denke, kommt mir so eine Wut hoch.
Ich frage mich wirklich, ob den Ärzten nicht endlich klar wird, dass solche Medikamente nur die Symptome bekämpfen, jeodch nie die wirkliche Ursache. ADHS schwächt sich im laufe der Jahre ab - RItalin macht diese Jahre "erträglich".
Die tolle Chemnitzer Band Kraftklub, die aus meiner Heimatstadt kommt, hat auch ein Lied gegen Ritalin geschrieben.
http://www.youtube.com/watch?v=WE7nYOU2S7A
"Ein zwei Pillen am Tag, und der Puls ist normal..."
Felix Kummer, einer der Frontsänger, stand viele Jahre "auf Droge". Ihm wurden die Auswirkungen dieses Medikaments auch erst bewusst, nachdem er endlich wieder "clean" sein durfte...
Dude
schrieb am 13.02.2012 um 10:05 ¶Ganz so einfach würde ich es mir mit der Diagnose nicht machen. Das Problem an Ritalin ist doch, dass nur die Symptome, nicht aber die Ursache angegangen wird.
Was die Ursache ist, darüber herrscht meines Wissens Unklarheit. Es gibt Leute, die sagen, dass es an dem vielen Zuckerkonsum liegt. Andere meinen, dass die Zusatzstoffe in den Lebensmitteln Schuld seien (Geschmaksverstärker, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, usw.). Wieder andere schieben es auf zu wenig Bewegung (an der frischen Luft) und zu viel Fernsehen oder Computerspielen. Und es gibt wahrscheinlich noch x weitere Theorien.
Ich weiß natürlich auch nicht, was Schuld ist - vermutlich alles ein wenig. Vor allem Zucker ist noch an vielen weiteren Wohlstandsseuchen Schuld. Es ist aber ganz klar, dass die Ärzte, Phamafirmen und Lebensmittelfirmen kein Interesse an Ursachenbeseitigung haben.
Falls die oben genannten Faktoren Schuld sind, haben sich die Eltern vermutlich aus Unwissenheit und diversen anderen Gründen nicht ausreichend um ein gesundes Aufwachsen ihrer kleinen gekümmert. Es ist aber durchaus die Frage, ob man sie dafür verantwortlich machen kann, wenn ihnen das nötige Wissen nicht ausreichend zugängig ist.
fantast67
schrieb am 20.02.2012 um 19:08 ¶Stephan Rieping
schrieb am 13.02.2012 um 10:41 ¶earthling.
schrieb am 13.02.2012 um 15:07 ¶Das ist furchtbar schade, denn so geht das Grundlegende verloren, das, was sich über eine so lange Zeit bewährt hat.
Die Menschen behindern sich selbst, indem sie immer mehr Wohlstand und Luxus anhäufen wollen.
elise
schrieb am 13.02.2012 um 15:50 ¶Was IN dem Kind abläuft, wenn es mit schwachsinnigen "Spielen" und miserablen Beispielen z. B. des Vorabendprogramms (Mord, Ehebruch, Entführung, Erpressung, Mobbing usw. usw.) konfrontiert wird, sieht ja niemand und die Auswirkungen sind auch nicht sofort spürbar. Würden wir als Eltern oder Großeltern alle diese gezeigten Verhaltensweisen unseren Kindern in der REALITÄT zumuten? Niemals, wir würden uns schrecklich aufregen, wenn ein echter Mensch das mit uns oder den Kindern anstellen würde. Aber durch ständig wiederholtes Sehen WERDEN diese Verhaltensweisen für die kleinen Zuschauer real, normal und letztendlich auch akzeptiert und verinnerlicht. Krasses Beispiel: "Opa ist tot!" Enkel: "Wer hat ihn denn umgebracht und wie?"
Für mich persönlich ist und war es immer ein großes Problem, dass die im Freien und mit der Natur verbrachte Zeit in dem Maße abnimmt, wie Kinder sich mit Computer und Fernsehen beschäftigen. Zeit ist nicht beliebig vermehrbar: Tue ich das eine, so muss ich das andere lassen. Wozu soll also "Zeitvertreib" gut sein, wenn wir alle keine Zeit haben?
Dagmar Kropp
schrieb am 13.02.2012 um 16:18 ¶http://www.utopia.de/blog/beitrag/statt-ritalin
elise
schrieb am 13.02.2012 um 18:38 ¶(der Klee = der Kleine; ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung)
Die „Da-kamma-nix-mach-Gesellschaft“
Das Wunschkind, das kommt auf die Welt,
wenn es dem Elternpaar gefällt.
Es setzt sich ins gemachte Nest,
von allem kriegt es nur das Best’.
Mal schläft es und mal ist es wach:
Da kamma nix mach!
Der Klee, der macht noch in die Hos,
da geht der Konkurrenzkampf los:
ins Kinderzimmer muss schnell her
Ein schöner Kinderkombjudär,
denn Nachbars Fritze hat auch einen
und unser Kleiner tät sonst weinen.
Der Klee, der könnt’ ja was verpassen,
wenn wir ihn jetzt nicht üben lassen!
(Und schließlich, das weiß jedes Schwein,
trainiert man für den Führerschein,
der dann mit 17 wird gemacht
ja spätestens ab Alter acht.)
Die finanzielle Investition,
die lohnt für unser Kind sich schon!
Die Eltern werden mürb und schwach:
Da kamma nix mach!
Von wegen, auf der Wiese sitzen!
Von wegen, mit den Pfützen spritzen!
Von wegen, strolchen durch die Hecken!
Da wimmelt es nur so von Zecken!
Verboten ist der muntre Bach:
Da kamma nix mach!
So lernt der Klee von der Natur
die Blümle am Computer nur.
Das echte Spielen kommt zu kurz,
das ist den Eltern aber schnurz.
Der Löwenzahn im Memory
trainiert das Hirn - so gut, wie nie.
Klee lebt gefahrlos, virtuell,
entwickelt sich dadurch sehr schnell,
lernt zweidimensionale Sach:
Da kamma nix mach!
So sitzt der Klee brav vor sich hin
und mampft sein Fastfood in sich rin.
Zum richtig Essen, ach du Schock,
hat doch der Klee scho keinen Bock.
So lernt er kennen nur den Mampf,
sagt doch mal ehrlich, so ein Krampf!
Die Eltern fürchten einen Krach:
Da kamma nix mach!
Im Kindergarten und in der Schule,
da trifft der Klee die süße Jule.
Die Jule hat schon ein Tivi,
drum geht der Klee so gerne hie.
Ja, so ein olles Glotzophon
Hat einen großen Vorteil schon:
Als Babysitter ganz famos,
wir ham den Quälgeist endlich los!
Guckt größten Quatsch aus aller Welt
der Klee; der ist jetzt ruhig gestellt.
Drum kriegt er selbst ’ne Glotze, ach:
Da kamma nix mach!
Nun hockt er früh auf seinem Po,
am Nachmittag ja sowieso,
denn wenn die Hausaufgab’ gemacht,
dann gibt es Nachhilfe bis acht.
Drum gilt der Klee als hochbegabt.
Mann, hochbegabt? Dass ich nicht lach!
Da kamma nix mach!
Nun hat der Klee ADHS,
soll deshalb Ritalin gleich ess.
Damit wird endlich ruhig gestellt,
was hier so zappelt in der Welt.
Gleich abgeschoben in ein Fach:
Da kamma nix mach!
Die Eltern, außer Rand und Band,
sind schon von Arzt zu Arzt gerannt.
„Wir haben unser Kind so gern!
Ach, helfen Sie dem Augenstern!“
„Ich glaub“, der Arzt spricht voller Huld,
„ich glaub, die Schule, die ist schuld!“
Der Schule steigen sie aufs Dach.
Da kamma nix mach!
Ja, dass die Schule viel zu schwer
und nicht die richt’ge für ihn wär,
das hatten sie zwar mal vernommen,
doch leider gar nicht ernst genommen.
So gibt’s auch in der Schule Krach.
Da kamma nix mach!
Zu seiner Eltern Hochverdruss
schmeißt er am End den Schulabschluss,
Flieht in die virtuelle Welt,
die ihn am besten aufrecht hält.
Sein Lebensziel, das ist recht flach.
Da kamma nix mach!
Der Klee, der nun schon wirklich groß,
kriegt wieder Nachwuchs, wie famos!
Ein paar Jahr später, wie sich’s frommt,
der Nachwuchs in die Schule kommt.
Das ganze Späßle, eins, zwei, drei
Beginnt mit seinem Kind aufs Neu’.
Da kamma nix gemach gedu
Und alle Welt schaut wieder zu.
Was in und um uns rum passiert,
wird mal beschönigt, oft negiert.
Bequemer ist der Kopf im Sand,
als alledem zu halten stand.
Wenn es zu spät ist, wird man wach.
Da kamma nix mach.
Der Teufelskreis wär zu durchbrechen,
tät man mehr miteinander sprechen,
denn die PERSONEN, die sind richtig,
KONTAKTE, die sind wirklich wichtig.
Was nutzt dem Kind ein „Zeitvertreib“?
Erholt beim Glotzen sich der Leib?
Und zahln wir für Computerscheiß
Nicht einen viel zu hohen Preis?
Kommt, machen wir’s zu unsrer Sach:
Da KAMMA WAS mach !
elise
schrieb am 14.02.2012 um 22:49 ¶Aber vielleicht ist es immer noch besser, Kinder zu vielen Aktivitäten zu schicken, als sie vor Glotze und Computer verdämmern zu lassen.
Vernünftige Eltern machen viele Angebote und wählen dann mit dem Kind zusammen das aus, was ihm gefällt und es zeitlich nicht zu sehr beansprucht.
Wirklich FREIE Zeit zur eigenen Entfaltung ist und bleibt notwendig!
Maria_L
schrieb am 21.02.2012 um 07:18 ¶Stimmt, als ich vor 14 Jahren mit Chi Gong angefangen habe und später auch beim Yoga war die Tiefenentspannung (15 min Nichtstun) ein Graus für mich.
Ich habe fast geheult, weil ich dachte, ich halte das nicht aus.
Heute kann ich es voll genießen...
Toll, daß Kinder bei Dir diese Erfahrung schon ein paar Jahre früher machen können.
Ich war ja schon Mitte 30.
renuzifuz
schrieb am 15.02.2012 um 22:42 ¶mfazzi
schrieb am 19.02.2012 um 20:00 ¶Ich habe einen eindrucksvollen Vortrag gehört (eingestellt von Berthild Lorenz) in welchem uns ein Canadischer Professor (muss da jemand außerhalb Europas kommen?!) mitteilt, wie heutzutage in Europa geschult wird und wie "am Kind vorbei" dies ist und wie änderungsbedürftig.
http://www.youtube.com/watch?v=keqYlgRS5-4
Medikamente machen - denke ich - eines, sie unterstützen den derzeitigen Lehrer-"Aktionsrahmen" (ein Kind wird damit "beschulbar").
Ich möchte hiermit auch um Himmels Willen alle Lehrer davon freisprechen, dass sie daran beteiligt wären, Ritalin zu geben. Geben tun das schon die Eltern, verschreiben die jeweilig involvierten Ärzte.
Allerdings gehören immer MEHRERE dazu zu einem "Umfeld des Kindes". Das sind nicht nur die Eltern.
Und so lange es keine Begegnung auf Augenhöhe gibt, zwischen Eltern, Lehrern, Ärzten, Psychologen, Erziehern und sonstigen Beteiligten - wird es Ritalin natürlich auch weiter geben...
Dude
schrieb am 20.02.2012 um 00:23 ¶Ein sehr interessanter Vortrag.
mfazzi
schrieb am 20.02.2012 um 09:45 ¶Ich verbreite ihn weiter wo ich kann, ich fand ihn auch sehr wesentlich
renuzifuz
schrieb am 23.02.2012 um 21:25 ¶Ich glaube, dass die Gründe dafür unter anderem darin liegen, dass wir alle selbst durch dieses System gegangen sind und wir uns daher kaum etwas anderes vorstellen können. Es gibt wohl kaum eine Wissenschaft, in der die Theorie derart weit von der Praxis entfernt ist.
Mutiges Umdenken und Kreativität seitens der Erziehenden wäre gefordert.
Als weitern Denkanstoß zu diesem Thema empfehle ich folgenden Vortrag des engländers Ken Robinson:
http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html
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