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* Ökostromkaufen ist einfach: Vier unabhängige Anbieter, die von Umweltorganisationen empfohlen werden, stehen zur Auswahl.
* Ökostrom ist nur wenig teurer.
* Der Wechsel geht schnell und ist risikolos.
* Laut Umfragen gibt es zig Millionen Atomkraftwerksgegner in Deutschland.
* Doch nicht mal 1 Million Haushalte beziehen Ökostrom von einem der vier empfohlenen Anbieter, insgesamt sind es 2-3 Millionen.

Wie ist das zu verstehen?

Ein Artikel der TAZ führt als mögliche Gründe an:

1) Gerade weil der Kauf von Ökostrom ein politisches Signal ist, könnte das auf potenzielle Kunden abschreckend wirken. Sie verbinden mit solchen Botschaften kleine, unprofessionelle Organisationen.

2) Der altbekannte Unterschied zwischen Sagen und Tun (als Beispiel wird der Gewerkschafter, der beim Discounter einkauft, genannt)

3) Viele reden sich ein, dass ein Wechsel nichts bringt.

4) Bequemlichkeit

5) Sorgen vor technischen Problemen bei der Stromlieferung (völlig unbegründet, da jeder den gleichen Strom aus dem gleichen Netz bekommt)

Weitere Vermutungen aus einem etwas älteren TAZ-Artikel:

6) Lästig, weil man sich überlegen muss, ob es wirklich einen politischen Unterschied macht

7) Strom ist etwas Technisches, was traditionell in den Zuständigkeitsbereich der Männer fällt, während die meisten Atomkraftwerksgegner weiblich sind.

8) Viel technisches Infomaterial, aber wenig persönliche Beratung

Bemerkenswert ist, dass die überwältigende Mehrheit nicht einmal zu einem billigeren Stromanbieter wechselt. Ein Grund mag sein:

9) Strom ist ein langweiliges Produkt.

Wie können wir Atomstromgegner zu Ökostromkunden machen?

"Den letzten Kick zur Atomstromkündigung bekommen die meisten von sympathischen Konsumvorbildern aus dem Bekanntenkreis", heißt es im aktuellen TAZ-Artikel. Das erscheint mir plausibel. Vielleicht sollten auch die Ökostrom-Firmen mehr mit "sympathischen Konsumvorbildern" werben? Die Aussicht auf soziale Anerkennung und Bewunderung (= Eigennutz) könnte mehr Leute ansprechen als der Appell, für die Umwelt oder die Allgemeinheit einen Beitrag zu leisten. Marketing-Fachleute, was meint ihr?

Eine andere Möglichkeit - auf Utopia derzeit erstaunlich wenig beachtet - sind Wechselpartys. Vielleicht möchte einer der Utopisten welche veranstalten? Im Raum Wien würde ich mich als Experte für allfällige Fragen gerne zur Verfügung stellen. Wechselparty-Erfinderin Ulla Gahn war so erfolgreich, dass sie unter anderem mit dem Utopia-Award 2008 ausgezeichnet wurde.

Warum wechseln?

63% der Österreicher gaben bei einer Umfrage an, gegen Atomstromimporte zu sein. Dafür würden sie sogar einen höheren Strompreis bezahlen. Aber nur ca. 1% sind tatsächlich zu einem Ökostrom-Anbieter gewechselt.

Würden tatsächlich 63% der Haushalte Ökostrom kaufen, könnten die Politiker gegenüber großen Stromkonzernen, die Kohle- und Atomkraftwerke bauen wollen, argumentieren: Die Bevölkerung will etwas anderes!

So aber argumentieren Stromkonzerne: Die Bevölkerung will den billigen Strom!

Wenn du Atomkraftwerksgegner bist und dennoch keinen Ökostrom kaufst (obwohl es aufgrund deiner Wohnsituation möglich wäre), dann poste bitte deine Gründe als Kommentar!