![[image]](http://sedl.at/Fotos/Windkraftwerke/small/Marchfeld.jpg)
Energie ist meines Erachtens das wichtigste Umweltproblem. Könnten wir die Energieversorgung unserer Gesellschaft vollständig auf erneuerbare Quellen umstellen, hätten wir den Turnaround geschafft. Das von uns herbeigesehnte Leben im Einklang mit der Natur wäre dann endlich wieder möglich.
Doch bis die Utopisten-Träume Wirklichkeit werden, ist es noch ein weiter Weg, und es ist gar nicht sicher, welcher Weg der zielführende ist. Unzählige Technologien und Erfindungen stehen zur Auswahl, jede mit ihren glühenden Befürwortern und versteckten Nachteilen. Das Energie-Lexikon von Rüdiger Paschotta liefert hier eine wertvolle Orientierungshilfe, weil es streng sachlich und neutral argumentiert. Der interessierte Leser erfährt dort alles, was für die Bewertung einer Sache hinsichtlich Effizienz und Umweltschutz bedeutsam ist - nicht nur das Positive.
Einige Aussagen:
* Elektroheizungen sind nie sauber, auch mit Ökostrom nicht, denn wenn viele Elektroheizungen beseitigt würden, dann würden - unabhängig vom gewählten Stromanbieter - vor allem Kohle- und Gaskraftwerke stillgelegt.
* Elektroautos sind nicht die große Lösung. Die in Zeiten billigen Erdöls und ignorierter Klimaprobleme enorm gewachsenen Mobilitätsansprüche lassen sich auf absehbare Zeit einfach nicht auf nachhaltige Weise erfüllen.
* Auch der Wasserstoffantrieb ist nicht die Lösung für unbegrenzte Mobilität.
* Theoretisch gibt es "unendlich viel Energie", aber in der Praxis müssen wir auch mit erneuerbarer Energie sparsam umgehen. Technologische Durchbrüche, die uns das Sparen abnehmen würden, sind nicht in Sicht.
* Solange der Verbrauch stetig wächst, können die fossilen Brennstoffe nicht abgelöst werden. Effizienz ist gut, aber ohne Verzicht wird es nicht gehen! Die gewinnbaren Mengen an erneuerbarer Energie reichen auf absehbare Zeit nicht aus, um allen Menschen der Welt unser Wohlstandsniveau zu bieten.
* Wir sollen nicht auf China zeigen sondern mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn wir die Energiewende schaffen oder wenn wir vor dieser Herausforderung kapitulieren, haben wir Vorbildwirkung. Keinesfalls werden sich die Armen einschränken, während wir weiter in Saus und Braus leben.
* Der Rebound-Effekt muss unbedingt berücksichtigt werden, sonst werden die Effekte von Energiesparmaßnahmen überschätzt.
* Die Energiespeicherung ist kein zentrales Problem für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir brauchen "nur" ein leistungsstarkes Stromnetz. Eine regionale Eigenversorgung ist kaum finanzierbar und daher "sicher nicht unsere Zukunft".
* Die Subventionen für fossile Energie sind weitaus höher als für erneuerbare Energien.
Klickt euch durch! Insbesondere denke ich da an jene Utopisten, die viel lesen, wie man an ihren vielen Blog- und Diskussionsbeiträgen sieht. Schaut euch die Sachargumente an und bringt sie in die Community ein! Wir brauchen nicht jedes Für und Wider selbst erörtern, wenn das auch mit einem Link auf dieses Lexikon erledigt werden kann. So sparen wir Zeit und kommen mit der Diskussion, wie wir den Turnaround schaffen können, besser voran.
Aufgrund meiner Erfahrung kann ich versichern, dass die fachliche Qualität des Energielexikons einwandfrei ist. Manche Utopisten werden - verständlicherweise - skeptisch sein, da die Aussagen zuweilen in krassem Widerspruch zu allgemein verbreiteten Überzeugungen stehen. Die Quellenangaben bei den Lexikon-Artikeln sind leider lückenhaft. Wer es ganz genau wissen will, der muss mit anderen seriösen Quellen (z. B. Greenpeace, Umweltbundesamt, Energiesparhaus.at, 100% Ökostrom sind möglich, ...) vergleichen. Unseriöse Quellen erkennt man daran, dass sie Vorteile übertreiben und Nachteile herunterspielen oder verschweigen.
Wer nicht so viel Zeit hat, kann auch auf meiner privaten Website sedl.at/Energie schmökern, wo ich die Argumente, Fakten und Schlussfolgerungen gesammelt habe, die bei der Diskussion über die aussichtsreichste Energiezukunft entscheidend sind - genau wie das Lexikon von Rüdiger Paschotta, aber mit kürzeren Texten und nicht so umfassend sondern auf die wesentlichsten Stichworte beschränkt.
Und wer überhaupt keine Lust hat, sich selbst zum Energieexperten auszubilden, der wird hoffentlich von anderen, die sich die Mühe des Nachforschens und Aufbereitens machen, überzeugt und mitgerissen. :-) Wir brauchen meines Erachtens jedenfalls dringend Leute, die sich mit den Sachargumenten auskennen und die für die realistischsten Konzepte eintreten. Nur wenn wir die Begeisterung der vielen Menschen, die sich eine echte Wende wünschen, bei den aussichtsreichsten Ansätzen bündeln können, haben wir eine Chance, dass eine nachhaltige Welt nicht länger Utopie ist sondern Wirklichkeit wird.


Kommentare (12)
Beitrag abonnieren
berchen
schrieb am 05.02.2011 um 19:42 ¶Dein Schlusswort mit den Sachargumenten find ich gut, da bringt mich gerade auf eine Frage, die mich schon länger beschäftigt.
Bibliothomas
schrieb am 05.02.2011 um 19:53 ¶berchen
schrieb am 05.02.2011 um 20:05 ¶Ich habe meine Frge schon gestellt. bin sehr gespannt, auf die sachargumente.
gerfi
schrieb am 06.02.2011 um 15:54 ¶aber sie trifft meines Erachtens den Nerv.
Sachlichkeit, Objektivität, beides Begriffe, die wir dringende geboten benötigen, jeder von uns, um zu verstehen, was und wohin müssen wir diesbezüglich steueren.
Man lässt sich oft der Bequemlichlickeit wegen von verschiedensten Publikationen einlullen, darunter auch "Grüne".
Leider ist es nicht immer so, dass wir uns dessen bewusst sind. Also könnte ein objektiveres Wissen, Erklären vielleicht auch diese Hürde überspringen.
Patrick R
schrieb am 09.02.2011 um 12:26 ¶Gut finde ich auch dieses Lexikon:
http://www.nachhaltigkeit.info/
Besonders gelungen finde ich die Einbettung des viel strapazierten Begriffs "Nachhaltigkeit" in die verschiedenen Kontexte (Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Geschichte).
Für mehr Sachlichkeit und Übersicht! :)
Mario_Sedlak
schrieb am 11.02.2011 um 19:20 ¶Hans-Werner Neumann
schrieb am 02.02.2012 um 14:29 ¶Und wenn ein Lexikon sich schon selbst "sachlich und neutral" nennt - naja ;-)) Das erinnert mich an Firmen und Produkte, die sich gut sichtbar selbst "professionell" nennen. Jeder weiß eigentlich, was davon zu halten ist...
Zu einem guten Ergebnis kommt man nur in einer "idealen" Diskussion (die es so auch nicht gibt), d.h. in der alle Argumente von allen Seiten willig und ehrlich gewürdigt werden. Du behauptest z.B., die E-Mobil-"Begeisterer" (da steckt schon die erste Unsachlichkeit) würden sich zu sehr von Idee mitreißen lassen, um sachlichen Argumenten zugänglich zu sein. Und ich behaupte das Gegenteil, nämlich dass dabei eine gute, richtungsweisende Idee vorschnell den Bach runter gekippt wird. Und nun?
Es hilft nichts, jeder muss sich sein eigenes Bild machen - wobei Diskussionen natürlich generell hilfreich sind.
Mario_Sedlak
schrieb am 02.02.2012 um 20:35 ¶Hans-Werner Neumann
schrieb am 03.02.2012 um 11:58 ¶Es geht um die Einschätzungen, vorauseilenden Wertungen und Beurteilungen, die allesamt nicht sachlich sind. Ja, nicht mal sein können, denn - wer kann schon in die Zukunft schauen?
Und da ich einerseits weiß, wie gern wir Deutschen pessimistisch sind - weshalb schon viele Entwicklungen hier aufgegeben wurden, worauf sie in anderen Ländern zu Kassenschlagern wurden -, und andererseits durch und durch Techniker bin, und daher die Wichtigkeit des Ausprobierens auf dem Weg zu einer bedeutenden Entwicklung kenne, bin ich optimistisch. Besonders in Sachen E-Mobil, denn dabei gibt es vergleichsweise sehr wenige Unbekannte.
Die wichtigsten Erkenntnisse werden immer auf dem Weg gewonnen, überflügeln oft spielend sämtliche vorher gemachten Thesen. Wenn in die Entwicklung des E-Mobils auch nur halb so viel Geld gesteckt worden wäre, wie in die Raumfahrt, dann würden wir uns heute schon längst über die wahnwitzige Idee kaputtlachen, uns mit Verbrennungs-Explosionen fortbewegen zu wollen... ;-))
Mario_Sedlak
schrieb am 04.02.2012 um 14:53 ¶gerfi
schrieb am 04.02.2012 um 15:25 ¶Tendenziell ist der Deutsche pessimistisch, der Östereicher etwas mehr optimistisch.
Da ich beide gut kenne, vermag ich das einzuschätzen.
In der Sache liegt ihr ja nicht auseinander, allenfalls in der Beurteilung. Doch was sagt das schon, die Zukunft wird es zeigen. Gott sei Dank, wir können sie nicht immer erahnen.
Sach-Argumente sind nicht die Wahrheit, sondern momentane Realitäten, die der einzelne aber unterschiedlich interpretiert.
Wir sollten das aktzeptieren, unterschiedliche Sichtweisen, aber immer den Blickpunkt auch auf die andere Seite richten.
Mario_Sedlak
schrieb am 15.04.2012 um 19:00 ¶http://www.energie-lexikon.info/elektroauto.html
http://www.energie-lexikon.info/intelligentes_stromnetz.html
http://www.energie-lexikon.info/stromzaehler.html
Ein Blick rein lohnt sich, denn man erfährt Argumente, die auf Utopia.de häufig unbekannt sind.
Kommentar schreiben
Bitte neu registrieren oder anmelden um einen Kommentar zu schreiben. Neu: auch über