Ein Nichts, das schaden könnte
Es ist absurd: Heute hat das Treffen der Regierungschefs angefangen und es gibt nichts mehr zu verhandeln: Der Verhandlungstext gilt nach einer aggressiven Verhandlungsnacht von Montag auf Dienstag als fertig. Das - so meinen die Gipfel Cracks unter den NGO Vertretern - gab es noch nie. Im Grunde könnten die Regierungschefs alle wieder abreisen.
Herausgekommen ist: Fast nichts.... Und dieses Nichts war nach Aussagen von Altmaier in einer NGO Runde schon so schwer zu bekommen, dass man es nicht mehr in Frage stellen will, um nicht ein Platzen der Verhandlungen zu riskieren.
Zu wenig konnte das „Grüne Ökonomie“ Konzept der UNEP überzeugen: Die G77 – in denen die Entwicklungsländer und die Schwellenländer organisiert sind – sahen darin im Wesentlichen ein Konzept der Industrieländer, um ihnen teure Umweltstandards aufzudrücken und ihre Technologien in den Süden zu verkaufen. Der „Süden“ witterten im Grunde in der grünen Ökonomie eine neue Kolonisierungsstrategie, in denen ihnen die angeblichen „Wettbewerbsvorteile“ einer schmutzigen und kurzfristig billligeren Produktion genommen werden sollen und sie sich den „grünen“ Vorgaben des Norden beugen müssen. Eine „Grüne Ökonomie“, die verbindliche Ziele und Vorgaben aufstellt, wollten sie wenn überhaupt nur gegen Finanzierung und Technologietransfer akzeptieren. Das wiederum war bei den Schulden- und Finanzkrisen gebeutelten Industrieländern, wie die EU, den USA, Japan, Kanada etc.. nicht zu haben. Die EU, die sich als einziger Akteur für verbindliche Ziele und Vorgaben (sog. „Green Economy Roadmap“) stark gemacht hat, ist es nicht gelungen Bündnispartner zu finden. Das Interesse der anderen Verhandlungspartner erschöpfte sich darin zu kürzen oder zu blockieren.
Herausgekommen ist ein Abschnitt zur Grünen Ökonomie, der diese zu einer Art Selbstbedienungsladen erklärt: Jedem Land wie es ihm gefällt:
“.....we consider green economy in the context of sustainable development and poverty eradication as one of the important tools available for achieving sustainable development and that it could provide options for policy making but should not be a rigid set of rules”
Das heißt Atomkraft, Gentechnik oder Wasserkraft durch Großstaudämme könnten demnach auch alle als „grüne Ökonomie“ gelten.
Auch auf eine zentrale Forderung der UNEP und eine wichtige Finanzierungsquelle der „grünen Ökonomie“ konnte man sich nicht einigen: Die Abschaffung der fossilen Subventionen wird nicht gefordert. Man ist eingeladen darüber nachzudenken.
„Grüne Ökonomie“ muss auch nicht für ein nachhaltiges (sustainable), sondern nur für ein anhaltendes (sustained) Wachstum sorgen. Was dann aber Mehrwert dieser Ökonomie sein soll, bleibt offen.
Konkretes herausgekommen im Bereich „Grüne Ökonomie“ sind im Grunde nur Trainings- und Beratungsangebote zu der Ausgestaltung einer „Grünen Ökonomie“- für alle die wollen.
Ich bin mir nicht sicher, ob die UNEP einer „grünen Ökonomie“ hier nicht einen Bärendienst erwiesen hat. Indem sie diese auf die Tagesordnung setzte, wollte sie die alten Gegensätze zwischen Ökologie und Entwicklung aufheben und deutlich machen, dass gerade in einer „grünen Ökonomie“ immense Entwicklungschancen für den Süden stecken. Lang- und mittelfristig wettbewerbsfähig werden sie nur, wenn sie lernen naturverträglich zu wirtschaften. Denn sonst fressen die Kosten für die Umweltverschmutzung die Wohlstandgewinne wieder auf. Es ist ihr offensichtlich nicht gelungen, den Entwicklungs- und Schwellenländern von den Chancen dieses Entwicklungspfades zu überzeugen und ihnen ein attraktives Angebot zu machen, Man kann nur hoffen, dass es aber der Beginn eines Dialoges ist und die Türen nicht zu geschlagen hat.
Zudem wollte sie die Umweltbewegung als Bündnispartner gewinnen: Durch ihre sehr offene Definition am Anfang,hat sie jetzt eher Gegner der „grünen Ökonomie“ auf den Plan gerufen und Teile der Bewegung verloren.
Zumindestens meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht, denn ich hatte keine.
Mehr zu den anderen Teilen der Erklärung findet sich im Blog "Klima der Gerechtigkeit".



Kommentare (17)
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Verstehe sowieso nicht warum man die Zeit mit reden vergeudet, man in dieser Zeit viel umsetzen koennte....
Das es eine Krise gibt ist sicher, dass wir fuer unsere Umwelt was tun muessen ist viel dringender
als uns ueber eine hausgemachte Finanzkrise zu sorgen.......
Es geht nicht das wir unsern Muell vor die Haustuere der 3 Weltlaender kippen, nach dem Motto aus
den Augen aus dem Sinn......
poverty eradiation ..... sorry to say but poverty is growing and not getting less
give me a
Vielen Dank für deine Eindrücke vor Ort. Ich habe ein paar Gedanken zu dem was du schreibst. Du schlussfolgerst "Es ist ihr offensichtlich nicht gelungen, den Entwicklungs- und Schwellenländern von den Chancen dieses Entwicklungspfades zu überzeugen und ihnen ein attraktives Angebot zu machen"
ist dein Fazit also, dass es hier vor allem ein Kommunikationsproblem gibt, dass wie du schreibst, die Chancen für die G77 nicht richtig herausgestellt wurden? Sind die G-77 jetzt "Schuld" daran, dass es nicht weiter geht oder haben sie vielleicht auch gute Argumente gehabt "nein" zu sagen? Steckt in der Tatsache, dass die G-77 offenbar nicht diejenigen sein sollen die Angebote machen sondern nur anzunehmen zu haben nicht eben ein alte Rollenverteilung in der globalen Politik, die Anlass zum Misstrauen gibt?
Weiter berichtest du: "Die G77 – in denen die Entwicklungsländer und die Schwellenländer organisiert sind – sahen darin im Wesentlichen ein Konzept der Industrieländer, um ihnen teure Umweltstandards aufzudrücken und ihre Technologien in den Süden zu verkaufen. Der „Süden“ witterten im Grunde in der grünen Ökonomie eine neue Kolonisierungsstrategie, in denen ihnen die angeblichen „Wettbewerbsvorteile“ einer schmutzigen und kurzfristig billligeren Produktion genommen werden sollen und sie sich den „grünen“ Vorgaben des Norden beugen müssen."
Diese Bewertung der G77 kann ich in Anbetracht der Erfahrungen in der Vergangnheit ehrlich gesagt sehr gut nachvollziehen. Und es hat wohl auch eine gewisse Berechtigung weiter misstrauisch zu bleiben, denn jede Entwticklung die von oben, oder eben aus Rio in der Ferne, bestimmt wird, geht tatsächlich an zu vielen Menschen vorbei.
Was wir meiner Ansicht brauchen ist "echte Demokratie", in der die Menschen wieder den Respekt erfahren, den sie verdienen, in der sie gehört und ernst genommen werden in ihren (vielleicht auch berechtiigten) Befürchtungen, in der lokale Communities befähigt werden die Chancen aber eben auch die Herausforderungen von Konzepten wie "Green Growth", "Green Economy" und "Green Development" bewerten zu können. Ich bezweifele, dass die Menschen auf der Straße, egal ob in München oder Manila, wissen was diese Begriffe für sie bedeuten und welche konkreten Konsequenzen sie auf ihr Leben haben könnten.
Ich selbst erhoffe mir nicht viel von der Konferenz, weil sie insich aus meiner Sicht nicht demokratisch strukturiert ist. Auf der Rio-Konferenz reden zwar nicht ausschließlich Regierungen mit, aber das vorläufige Ergebnis zeigt doch, dass zivilgesellschaftliche Gruppen wenig an der Agenda (und am Papier sowieso) der Konferenz mitbestimmen (nicht dass das überraschen wäre). Und das obwohl sie vor Ort (und nicht nur da, einige Segeln auch durch die Baltische See habe ich gehört ;-) und ganz und gar nicht leise sind.
Was ich mir jetzt wünsche ist: Dass außerhalb von UN Konferenzen, lokale Communities bestärkt werden, ihren eignen Weg zu finden und zu gehen. Wahrscheinlich wird es nicht das eine Konzept geben, dass für alle passt. Es ist richtig, wie du ja auch schreibst, dass die Umweltfolgekosten schon jetzt Entwicklungen hemmen und sich die Lage mancherorts zuspitzen wird, und zwar überall auf der Welt. Und es trifft eben schon wieder und vor allem jene die schon jetzt marginalisert von Entscheidungsprozessen leben. Wenn wir auf die Politik warten passiert, dann ändert sich in 50 Jahren noch zu wenig. Aber wenn wir mit Menschen arbeiten, können wir was bewegen. Ich bin noch immer davon überzeugt, dass eine andere Welt möglich ist. Aber wir müssen es selbst und jetzt in die Hand nehmen.
Positiv nehme ich aus der Rio Konfernz mit, dass nicht wenige es dort immerhin versucht haben. Immerhin wissen wir jetzt, dass es so nicht geht oder besser gesagt nicht reicht. Aber das muss ja nicht so bleiben.
Viele Grüße nach Rio von Emma
Hallo & sorry für diese meine krasse Äußerung.
Ich sehe die Sache, sogar recht nüchtern so, das ganze war und ist und wird auch immer nur eine Frace sein. Es läuft alles unter dem Begriff Globalisierung, die ihr eigentliches Ziel bisher noch nicht preisgegeben hat.
Offensichtlich ist jedoch, zumindest für mich, es geht nicht um darum eine besser Welt zu schaffen, Barrieren abzubauen, einen offenen Welthandel mit gleichen Chancen für alle zu schaffen, sondern es geht nur darum, den wenigen die eh schon das Kapital, ergo auch die Macht, innehalten, noch mehr Macht und Kapital anzugedeihen lassen. Diese Wenigen werden sich dann in eine Art saubere grüne Zelle zurückziehen können und der Rest der Welt verreckt im Dreck und Modder.
Wenn ich das schon lese/ Zitat:
"...Eine „Grüne Ökonomie“, die verbindliche Ziele und Vorgaben aufstellt, wollten sie wenn überhaupt nur gegen Finanzierung und Technologietransfer akzeptieren. Das wiederum war bei den Schulden- und Finanzkrisen gebeutelten Industrieländern, wie die EU, den USA, Japan, Kanada etc.. nicht zu haben.
..." Zitat Ende
Das hört sich für mich so an, als wir armen, armen Industireländer ja nichts dafür könnten, daß es uns so schlecht geht.
Ja sorry wer hat den Schlammassel verusacht ?
Die Drittewelt u. Schwellenländer haben das schon geblickt, klar gute & teure Standards aufstellen kann jeder, nur sagen wie man das ohne Geld machen soll, daß können sie nicht. Und kostenlos was hergeben, daß sieht der Plan des Kapitalismus so nicht vor.
http://avaaz.org/de/post_action_call_in_2/?aRWXjbb
@Dorothee_Landgrebe : ich meinte ja auch die "armen, armen" Nordländer. ;-)
Momentan ist die truegerische Ueberzeugung ja eben doch noch, dass im Zuge von Wissenschaft und Forschung all diese sich so abzeichnenden Probleme, die dann die heutige Art und Weise des wirtschaftens so mit sich bringt, in den Griff bekommen werden kann.
Es wird auch nicht gerne zugegeben, was ja doch voellig offensichtlich ist, Zugestaendnisse sollen immer mal erst andere machen, denn es koennte ja schliesslich doch ein Nachteil dadurch entstehen, man koennte also schon ins Hintertreffen geraten, also nicht mehr ganz vorne in Wohlstand,...dabei sein. Dieser Wohlstand ist ja aber doch durch nichts anderes als Pluenderung der Ressource Erde (Natur und Mensch) hervorgebracht, genau das wird dabei ja dann nur immer stillschweigend unter den gewaltig grossen Teppich gekehrt.
Auf diesem Planten ist vieles eine verlogene Sache, so ja auch so gut wie immer deartige Konferenzen.
Wenn sich nicht wirklich die Menschen der vielen Nationen und der Kontinente selbst zur Bereitschaft von Zusammenschluessen und der Bestrebung zu Veraenderungen, d.h. zu wirklichen Veraenderung fuer eine tatsaechlich bessere Welt, durchringen, selbst also nicht endlich mit vereinten Kraeften zu HANDELN beginnen, so wird einzig dann sich auf solcher Ebene etwas tun, wenn es denn wirklich zu einer signifikanten Vermehrung von fuer die Wirtschaftsystem sehr empfindlich kostenspieligen Katastrophen kommen wird, es zu diesem Zeitpunkt wird naemlich wirklich erst so etwas wie ein Zugzwang gegeben sein.
Das ist nun zwar traurig, doch genau so sieht die Wahrheit ja doch aber nunmal aus.
Guten morgen - wir leben im hier und jetzt !
Und die Hoffnung, daß irgendwann die Wissenschaft, die Vernunft lasse ich jetzt mal ganz außen vor, jene Probleme/ massive Schäden beheben wird, halte ich für sehr utopisch !
Die Wissenschaft ist der Handlanger der Entwickelung und somit abhängig von der Wirtschaft. Was das uns sagen sollte, brauch ich nicht zu erklären.
Zum anderen Thema, kehren vor der eigenen Tür, sprich Umweltschutz in den West u.- Erstländern. Unsere Porbleme werden nur nach außen gelagert. Wir haben Sondermüll - schicken wir ihn doch nach Afrika. Wir brauchen Öl - holen wir uns das doch aus den Naturschutzgebieten der Drittweltländer. Wir brauchen mehr Fleisch - holzen wir doch Regenwälder ab.
An all dem sind nicht Dritt u. Entwicklungsländer primär beteidigt, dies wird von hier aus angestrebt und in die Tat umgesetzt. Die Handlanger vor Ort, sind dann dort die wenigen Priviligierten mit den daraus für sie resultierenden Gewinnen und die die es ausbaden müssen, ist die Bevölkerung vor Ort.
Für einen brauchbare Lösung dieses Problems bedarf es keiner Wissenschaft, da müssen politische Lösungen her.
Doch wo liegt der Harken ? Genau, denn diejenigen Politiker die es angehen sollten, sind wiederum abhängig von der Industrie. Anders gesagt, daß sich da was bewegt ist recht unwahrscheinlich.
Ich frage mich ja doch immer, auf welche Weise dann die Massen an Menschen zu einer Veraenderung bewegt werden koennen. Bedarf dies wirklich politischer Vorgaben, was ja auch nur wieder wirklich utopisch ist, dass es diese also wirklich mal geben wuerde, oder bedarf es nicht vielmehr eines generellen Bewusstseinswandels, vorher natuerlich weitestgehend ueberhaupt mal eines Bewusstseins?!
http://www.greenpeace.de/themen/umwelt_wirtschaft/nachrichten/artikel/erdgipfel_rio_20_ist_gescheitert/
wir sind eine bunte Gruppe Menschen aus unterschiedlichen Ländern Europas und segeln anlässlich der Rio+20-Konferenz 4 Wochen lang durch die Baltische See. Auf unserer Reise erproben und erlernen wir Politik von unten, und auch wir tragen eine Botschaft nach außen. Vielleicht findest du ja Inspiration und etwas Mut hier: http://www.utopia.de/blog/sailing-the-baltics-2012
Wir sind ein offenes Netzwek und es kann sich jeder gerne je nach eigenen Möglichkeiten uns anschließen und mitmachen. Alle Infos zu unser Aktion findest du auf unserem Blog. Es gibt natürlich noch viele andere soziale Gruppen. Worauf es ankommt ist das so viele wie möglich übers Grübeln auch ins Handeln kommen. Und wie das geht, das möchten wir auf unser Tour und in unserem Blog zeigen.
Viele Grüße Emma
für Action_For_Sustainability