Das Mauern mit diesen alten Ziegeln ist eine spannende Geschichte. Die Maße sind völlig verschieden und so bestaune ich jedes Mal solche alten Mauern, die so hübsch gerade und eben sind. Meine Maurerkünste lassen noch etwas zu wünschen übrig, dafür haben meine Gebilde ein starkes Eigenleben. Die Hauptsache ist, die Mauer trägt das was darüber ist und soweit habe ich das Mauern schon gelernt.
Es wäre eigentlich schade um die schönen alten Baumateriealien, die vielen Menschen Energie und Fleiß bei deren Herstellung abverlangt haben, sowie es auch um viele alte Dinge schade ist, die einer kleinen Reparatur bedürften um sie wieder nutzbar zu machen. Wie viel Energie wird da vergeudet um immer neue und neuere Sachen herzustellen und wie viel Energie geht verloren in dem man sie dann einfach entsorgt.
Ich muss ja gestehen, es ist wie eine Sucht. Wenn man sich einmal mit alten von Menschenhand gemachten Sachen auseinandersetzt, dann will man mehr und mehr. Der Verzicht auf Neugekauftes fällt dann nicht allzu schwer. Man entdeckt da die Liebe mit der sie oft gemacht wurden und wundert sich über die scheinbar unendliche Zeit, die Menschen dafür aufgewendet haben. Heute muss alles schnell gehen und am besten gestern schon fertig sein.
Ganz in unserer Nähe wurde ein Fertigteilhaus gebaut. In nicht einmal 2 Tagen stand die Hütte. Ja da kann man sich schon fragen "mache ich was falsch" Bei mir dauert alles fast eine Ewigkeit. Man kann sich auch fragen "welchen Bezug hat der neue Besitzer zu seinem neuen Haus". Am ehesten wird er es an seinem Kontostand spüren.
Für mich ist jeder gesetzte Ziegel, jedes genagelte Brett ein Gewinn und mit unendlich viel Freude verbunden. Denn jeder kommt ans Ziel, der eine rennt den Berg in der geraden Linie hoch, der andere geht in Spirallinien um den Berg. Der eine ist außer Atem, der andere genießt die Aussicht.


Kommentare (4)
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Von glotzen keine Spur!!! Sie laden quasi als Wand ein, sich an sie zu lehnen und sich ihre Geschichten ins Ohr flüstern zu lassen!
Alte Baumaterialien, bzw. "natürliche" Baustoffe ergänzen den Effekt nochmals - ganz im Gegensatz zu den immer gängigeren Beton-Ergüssen, vor allem hier in meiner Umgebung. Selbst Schrägdächer werden nur noch so "hingerotzt".
Bei den Ziegeln muss man aber bedenken, dass gerade Wände durch das Zumörteln von gesetzten Lücken entstehen. Diese, wie die ganze, oft "dünne" ,Ziegelwand sind wärmedämm-technisch nicht so toll.
Meine Ziegel-Innenwand, die ich ein Jahr lang vom Klo aus anschauen musste, war leider kein Meisterwerk - der Grund, weshalb wir dann selbst weitermachten:
http://www.oeko-energie.de/images/mauerohneversatz.jpg
Ich habe immer wieder im Orient gesehen, wie Lehm in Holzformen zu Rohziegeln wurde. Der Brennvorgang, den ich einmal in Tunesien in einer Oase beobachten konnte, wurde von abgestorbenen Palmwedeln betrieben.
Es gibt die Ziegel "Reichsformat". Von denen sprachen die Bauarbeiter vor fast einem halben Jahrhundert durchaus mit Hochachtung - ich war damals als Bauhilfsarbeiter zugange.
Ein Kollege von mir verwendet die alten Ziegel einer Friedhofsmauer, um einen Backofen zu bauen.
Ich sehe diese alten Zeugnisse einer hochentwickelten Handwerkskultur als kulturhistorische Persönlichkeiten - wert, erhalten zu werden.
Gratulation.
Ich bin Mitglied bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz:
http://www.denkmalschutz.de/
eben, aber nicht nur aus diesen technikgeschichtlichen Gründen.
Wer weiß, wann wir froh sein werden, nicht nur genetische Resourcen aus Nischen zu haben, sondern auch handwerklich-technologische.