13,6° sind doch etwas zu wenig für behagliche Wohnwärme. Es bleibt also nichts anderes übrig als den neu gesetzten Abwärme Ofen in Betrieb zu nehmen. Zum Glück habe ich den Ofen im Frühjahr gesetzt, so kann ich sicher sein, dass er zur Gänze durchgetrocknet ist.
Mit Hilfe von verschiedenen Fachbüchern und Unterlagen habe ich den Ofen berechnet, konstruiert und gebaut. Dem Schorni hab ich meine Pläne gezeigt, der war erst skeptisch, dann aber interessiert und gab dann die Einwilligung für den Selbstbau.
Sehr sorgfältig siebte ich den Lehm, machte einige Bauproben und setzte schließlich den Ofen. Ein 4 zügiger Ofen mit zwei Steigzügen, einem Fallzug und einem Querzug.
Das größte Kopfzerbrechen machte mir die Größe des notwendigen Gasschlitzes nach dem ersten Zug. Wenn er zu groß ist werden die restlichen Züge nicht bedient, ist er zu klein könnten Schwelgase ungeplant irgendwo austreten.
Da es sich um einen Abwärme Ofen handelt brauchte ich also eine geeignete Feuerkammer. Nachdem ich keine zusätzlichen Experimente eingehen wollte kaufte ich kurzer Hand einen Kaminofen billigster Bauart.
Was der können muss?
Die Luftzufuhrschlitze müssen dicht schließen damit nach Abbrand keine Luft mehr gezogen werden kann.
Nachdem die Abwärme (Ofenrohr) durch den Abwärme Ofen gehen soll um dort gespeichert zu werden ist es sinnvoll wenn möglichst wenig Umlenkbleche (auch Flammentöter genannt) im Ofen sind oder dass diese entfernt werden können.
Das erste Anheizen ist der Moment der Wahrheit. Wird der Kamin ziehen?
Drei bis vier Weichholzspäne werden in den Ofen gelegt. Das Ofenrohr wird mit einem Brenner vorgewärmt. Das Holz angezündet. Beim Schließen der Ofentüre beginnt sofort ein fauchen durch die Luftschlitze.
YUH HUH er zieht!!! Die erste Hürde ist geschafft. Das erste Holz glüht nur noch. Ich lege einige etwa fingerdicke Holzstücke nach. Beim Schließen der Türe beginnt das Holz hellrot zu glühen und das frische Holz fängt sofort Feuer.
Nun ein Blick auf den Rauchfang. Was kommt da heraus? Am Anfang qualmt er wie ein Kettenraucher, nach dem 5. Mal Nachheizen sieht man nur noch das flimmern der Luft.
Etwa eine Stunde ist vergangen als sich die ersten Wärmezeichen am Abwärme Ofen bemerkbar machen.
Der Putzdeckel am ersten Steig Zug wird als erstes warm.
nach einiger Zeit ist auch am Putzdeckel des Fallzuges Wärme zu verspüren.
als letztes wird der Putzdeckel des Querzuges warm.
Nun habe ich Gewissheit, dass die Rauchgase durch alle Züge ziehen. Die zweite Hürde ist geschafft.
Jetzt kommt es noch darauf an ob der gesamte Ofen warm wird und ob es zu Spannungsrissen kommt.
Seit dem ersten Anheizen sind nun etwa 3 Stunden vergangen. Da soll man die Geduld nicht verlieren!
Aber was hilft es, der Ofen will möglichst langsam und gleichmäßig hochgeheizt werden.
Nach etwa 4 Stunden bullert es im Ofen schon recht gemütlich.
Und beim Betreten des Zimmers strahlt einem die Wärme entgegen, obwohl das Thermometer noch immer gerade 14,4° anzeigt.
Der Abwärme Ofen ist in der Zwischenzeit gleichmäßig warm geworden und zeigt keinerlei Risse, UFFF!!!
Die dritte Hürde ist also auch geschafft.
Jetzt muss es nur noch warm im Zimmer werden.
Ich stelle das heizen ein und warte bis nur noch Glut zu sehen ist, dann schließe ich die Luftschlitze und die Rauchabzugsklappe des Ofenrohres.
Am nächsten Morgen überprüfe ich den Ofen auf Risse. Er ist noch lauwarm und das Thermometer zeigt 16,6°.
Das zweite Anheizen gestalte ich nicht mehr so vorsichtig und so ist der Ofen bald auf Temperatur und im Zimmer hat es nach etwa 2 Stunden bereits 20,1°.
Den Härtetest wird er wohl im Winter absolvieren müssen. Zurzeit hat es bei uns am Tag noch Außentemperaturen um 10 °, die nachts auf 4-5°abfallen.
Was der Ofen bei -20° kann werden wir dann sehen.


Kommentare (15)
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So ein Ofen (ich weiß, wovon ich spreche) ist ein Kunstwerk.
Viele Faktoren müssen berücksicht werden, Parameter aufeinander abgestimmt werden, Imponderabilien in Kauf genommen werden - wenn dann so ein Gebilde gut funktioniert, dan ist das die Synthese von Erfahrung, Wissen und Wagemut.
Ich wünsche Dir immer ein paar KJ zusätzlich unter dem 'Kiel'.
Ich würde sagen meine Synthese setzt sich eher aus Glück, Wagemut und nochmal Glück zusammen :-) aber wie heist es so schön ? "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"
Wenn ich gewußt hätte, das er funktioniert hätte ich den Ofen vor drei Monaten angeheizt, aber dazu fehlte mir anscheinend der Wagemut :-(
Ein kleiner Tipp: Ich mache meinen Kaminofen seit Jahren nur noch auf diese Weise an:
http://www.youtube.com/watch?v=nJenxq3OTEo
und bin nach wie vor begeistert, wie einfach das Anzünden geht.
Die besten Wünsche für den Wintertest!
Wir heizen unseren Lehmgrundofen nur einmal am Tag, der hält dann 24 Stunden die Wärme. Am Abend wird auf das Aschebett das Holz für den nächsten Tag geschlichtet. Am Morgen reicht es meist die Ofentüren einige Zeit zu öffnen und schon beginnt das Holz zu brennen.
Die Holzwolle Anzünder machen wir aus Wachs von alten Kerzen. Als Trägerstoff nehmen wir Hobelspäne.
Bin sehr neugierig, wie das Anzünden im Kaminofen im Vergleich zur traditionellen Anfeuer-Methode dann 'funzt' ;)
Ein wenig skeptisch war ich ja schon, ebenso meine andere Hälfte!
Aber nach dem wir's ausprobiert haben, können wir's voller Überzeugung bestätigen: Diese Anzündmethode "funzt" perfekt und tatsächlich ohne nennenswerte, das heißt mit deutlich geringere Rauchentwicklung als bisher.!
Vielen DANK für den heißen Tipp!
Nur noch zum Verständnis: Der gekaufte Ofen steht eine Etage unter dem Abwärmeofen oder? Der müsste sein Zimmer doch auch gut warm bekommen oder? Was denkst du, wieviel Wärmeanteil geht in welchen Raum?
Auch sehr niedliche Reliefs. Wirklich schön.
Der untere Raum wird im Nu warm. Dafür ist der Ofen schnell wieder kalt.
Was mich allerdings am meisten verblüfft ist die Wärme, die der obere Ofen speichert. Das würde alles durch den Kamin gehen.
Die Reliefs hat meine Tochter plastiniert, für so etwas hab ich keine Geduld :-)
ja, wenn Du dann mehr weißt, sag mal Bescheid.
Bin auch gerade deswegen an dem Thema interessiert, weil meine Eltern gerade einen Warmwassereinsatz in ihren offenen Kamin gepackt haben. In diesem Zuge wird der Kamin natürlich stärker als sonst befeuert und es gibt ein bißchen Messequipment. Die Temperaturen im Hohlraum über dem Kamineinsatz (durch den geht das Abgasrohr) sind im Betrieb richtig hoch. Wir versuchen, diese Wärme über natürliche Konvektion in den Raum mitzunehmen, aber es ist finde ich noch zu viel wenig. Wir sollten uns noch etwas dazu überlegen.
Als erstes muss man denke ich verstehen was der Wirkungsgrad eines Ofen bedeutet und wie man den erhöhen kann.
Da gibt es die Brennraumtemperatur die bei Volllast bis zu 1200 ° betragen kann und dagibt es die Schornsteineintrittstemperatur die nicht unter 150 ° sein sollte da sonst der Kamin Versottet. Was dazwischen liegt ist die Wärme die an den Raum abgegeben wird.
Die Schornsteineintrittstemperatur darf nicht über 400 ° betragen. Aus diesem Grund sind in den Kaminöfen sogenannte Flammentöter (Umlenkbleche) eingebaut damit die Flamme nicht ins Rauchrohr gezogen wird. Diese Bleche bewirken allerdings das die Flamme an der Spitze zu rußen beginnt, also die Verbrennung findet nicht zur Gänze statt und wertvolle Energiegase werden unverbrannt durch den Schornsteingejagt.
In meinem Fall habe ich ein etwa 2 m langes Rauchrohr bis zum Abwärmeofen, das frei im Raum ist. Als Rauchrohr habe ich allerdings kein Blechrohr sondern ein geschweißtes Stahlrohr mit 1,2 mm Wandstärke das gibt die entstehende Wärme sofort an den Raum ab. Dennoch reicht die verbleibende Temperatur um den Abwärmeofen bei einer Feuerung von 1,5 Std warm zu bekommen.
Im Brennraum habe ich das Umlenkblech entfernt und die Decke mit 3cm dicken Schamottplatten ausgekleidet damit das Ofenblech nicht zu heiß wird. Geheizt wird mit voller Luft bis zur Glut dann wird der Ofen abgesperrt und die Rauchabzugsklappe geschlossen damit keine nachziehende Kaltluft den Abwärmeofen kühlen kann. So steht praktisch die gesamte warme Rauchrohrsäule im System.
In deinem Fall ist das so ein eiserner Kamineinsatz mit einer Ummantelung aus Ziegeln ? Zwischen dem Eiseneinsatz und den Ziegeln ist ein Hohlraum damit die dehnung des Eisens nicht auf die Ziegel geht.
Sind da Schlitze für ein Konvektion ? Die Wärmeübertragung vom Eisen auf den Ziegelmantel funktioniert durch die Luft und Strahlung, reicht aber scheinbar nicht aus um die entstehende Wärme auch nutzen zu können. Durch eine Zwangskonvektion (Kühlung durch Ventilator) entsteht allerdings eine unangenehme Zugluft (Staubaufwirbelung).
Ich möchte die Abwärme meines Rauchrohres in weiterer Folge auch noch ganz gezielt Nutzen. Dafür habe ich schon einige Ideen. Ich werde das Rauchrohr mit einem Kupferrohr umwickeln das mit Wasser gefüllt ist durch die natürlich entstehende Konvektion nehme ich an, dass ich keine Pumpe brauch. Jetzt kann ich das Wasser in eine Boden oder Wandheizung einspeisen und die Wärme dort entnehmen wo sie gebraucht wird. Aber das ist noch eine Lange Geschichte :-)
in jeden Baumarkt,bei Brennholz etc.
Einfach auf ein Stück Holz legen, damit nichts durch den Rost tropfen kann.