Text zur Reportage: "Amazon ist der mit Abstand größte Online-Händler der Welt und auch in Deutschland schon lange die Nummer eins. Fast jedes Produkt lässt sich hier günstig bestellen, geliefert wird oft über Nacht -- selbst noch am Heiligen Abend. Doch wer packt die Pakete für die Bescherung? Jedes Jahr zur Hochsaison wirbt Amazon Deutschland tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland an. Für viele Spanier ist der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn. Was die Arbeiter tatsächlich erwartet, ist eine böse Überraschung."
Dass es bei Amazon in Sachen Mitarbeiterpolitik nicht gut zu gehen kann, habe ich mir schon gedacht. Aber dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht. Die ARD-Reportage Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon, zeigt, warum ich nicht mehr bei Amazon einkaufen werde.
(Der Teil zur Sicherheitsfirma mit Nazi-Verbindung H.E.S.S. Security) beginnt bei Minute 18.)


Kommentare (30)
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Aber allen, die jetzt vorschnell die Nase rümpfen, sollten lieber mal kurz innehalten und überlegen, wie oft sie in letzter Zeit ihre Kaufkraft in Richtung Onlinehandel haben abfließen lassen.
Ja? Nicht wahr!!?
Da kann man nur dem Autor des folgenden Artikels beipflichten:
http://etailment.de/2012/zdf-enthuellung-die-verlogene-empoerung-ueber-zalando-amazon-und-co
Es geht eben nichts über den Live-Einkauf-beim-Kaufmann-Deines-Herzens! :-)
Sonnige Grüße
Stephan
Wenn Unternehmen erstmal zu Monopolisten herangewachsen sind, schauen Verantwortliche Institutionen meist weg, es könnte ja Arbeitsplätze kosten...haha! Monopole sind immer problematisch, online und offline.
Der Onlinehandel ist generell zeitgemäss, bietet Vorteile und eine Daseinsberechtigung. Der Onlinehandel sorgt für Produkvielfalt und Transparenz für den Verbraucher. Jetzt aufgrund von fragwürdigen und teils kriminellen Strukturen in einzelnen Unternehmen eine ganze Branche bzw. einen wichtigen Wirtschaftszweig zu verteufeln, halte ich für stark übertrieben und ungerecht. Es gibt auch viele Gute!
An Deiner Kaufkraft hängen schließlich die Arbeitsplätze Deiner Kommune und über die Gewerbe- und Einkommensteuer auch das gesamte soziokulturelle Angebot.
Und der Onlinehandel steht ja heute erst am Anfang. Wo das noch alles hinführt, wenn sich dieser Trent weiter beschleunigt, möchte ich leiber gar nicht zu Ende denken . . .
Von mir aus kannst Du ja die "Transparenz und die Angebotsvielfalt" von Amazon zum Recherchieren nutzen. Aber dann suchs aus und kaufs vor Ort (wäre mal die Umkehrung des heute schon üblichen Verfahrens, sich vor Ort beraten zu lassen um dann zu Schnäppchenpreisen im Internet zu shoppen!). Ach wenn das tolle Schnäppchengefühl darunter ein wenig leidet! ;-)
Das Netz schliesst, auch insbesondere bei nachhaltigen Produkten und anderen Nischen, eine Lücke. Und auch wenn das Internet eine virtuelle Welt ist, arbeiten auch hier echte Menschen die Geld damit verdienen. Die allermeisten defintiv nicht zu Bedigungen wie sie gestern in dem Bericht über 1(!) bestimmtes Unternehmen beschrieben wurden.
Auch Internetunternehmen siedeln sich irgendwo an und bescheren den Kommunen und der Allgemeinheit echte Steuern durch echtes, nicht virtuelles, Geld.
Differenzieren ist immer angesagt.
Aber das ist ehr ein Randbereich. Die Musik spielt bei Amazon, Zalando, Media Markt, Conrad etc. und auch bei den alteingesessen Versandhändlern Otto und Quelle. Da rauscht die Kaufkraft durch den Äther und sie bedient eben sehr oft nur verhältnismäßig wenige und dazu noch prekäre Arbeitsplätze und Steuersparmodelle.
Amazon hatte ich schon vorher soweit wie möglich gemieden Bücher kaufe ich da garnicht . Im moment habe ich da 2 Sparabos weil ich die sachen bei uns im ort nicht bzw. schlecht bekomme und der Preis der günstigste ist .
Gerade wenn du eine Familie zu ernähren hast wenig verdienst müßt du dir die Anbieter über den Preis aussuchen.
Der Onlinehandel birgt auch Chancen für Leute - wie z.B. mich - die auf dem platten Land leben und in die nächste größere Stadt pendeln müßten, um dort zu arbeiten - oder eben einzukaufen.
Ich betreibe ja auch einen Online-Handel für Bio-Produkte und es wäre sowieso völlig unmöglich dieses Geschäftskonzept mit einer stecknadelkopfgroßen Zielgruppe lokal aufzustellen.
Und ebenso, wie ich mich für die Arbeit in die nächste Stadt begeben müßte, kann ich viele Produkte nicht vor Ort kaufen.
Dennoch versuche ich alles vor Ort zu kaufen, was ich bekomme.
Ich stimme Dir also vollkommen zu, daß man den lokalen Handel stützen sollte, wo es sinnvoll und möglich ist.
Ich stelle mich nur dagegen, den Online-Handel pauschal zu verurteilen und vor allem stelle ich mich dagegen, alle Online-Händler mit Amazon auf eine Stufe zu stellen.
Das kann man gar nicht vergleichen und Amazon ist der größte Feind aller anderen Online-Händler.
Ich brauche keine ARD-Sendung, ich habe ja meine Freundin, die im Amazon-Lager Graben arbeitet und bin dadurch gut genug informiert, um regelmäßig das K... zu kriegen.
Gestern war ein großer Tag im Lager Graben. Es wurde ein Betriebsrat gewählt.
Das war immerhin so bemerkenswert, daß es die erste Meldung war in den Nachrichten, als der Radiowecker hoch ging....
Aber die Zalandos und Amazons dieser Welt sind mir ein Greul. Sie sind ein Musterbeispiel dafür, was falsch läuft in dieser Welt (und da ist auch ein Betriebsrat nur ein Tropfen auf den heißen Stein/ sag ich Dir als Betriebsrat).
Mir auch.
Die haben alleine durch ihre Marktmacht das Vermögen, alles auszhebeln, was schon mal an Arbeiterrechten erkämpft wurde.
Es ist einfach nur peinlich, wie die Arge in Augsburg springt, wenn Amazon pfeift...
Bei Amazon reagiert man auf den Shitstorm mit Fake Profilen bei Facebook
http://www.ikosom.de/2013/02/14/amazon-reagiert-auf-den-shitstorm-mit-fake-facebook-profilen/
Es gibt aber immer mehr sehr gut gemachte investigative Fernsehbeiträge, die dann aber vom Boden der Realität berichten über das was wirklich abläuft.
Discountsysteme egal in welcher Branche auch immer, sind und bleiben neben den vielen anderen negativen Aspekten ein Verarmungsmodell für die Gesellschaft.
Hier müssen wir mit unseren Überlegungen ansetzen, vielleicht sogar mit kleinen Dorfläden, die genossenschaftlich betrieben werden und die einen Service für die Shoppingpakete incl. Cafe mit Umkleiden anbieten wo man sich dann mit Freunden trifft, seine Klamotten gleich aus- und anprobiert, eventuell auch mit anderen tauscht und nur das, was nicht gebraucht wird, über den Laden zurückschickt.
Wenn der Online-Handel mit Lebensmitteln dezentral bleibt, ist es ein hervorragendes Mittel zu einer Versorgung in einer immer älter werdenden Gesellschaft und rettet so manchem seinen lebenslangen Platz in seinen eigenen 4 Wänden. Man muss nur Synergieeffekte nutzen (z.B. mit dem Essensservice) und sich nicht verleiten lassen, seine Muslitrockenmischung in 24'er Pack per Paket in Papp/Aludeckeldosen für teures Geld im Internet bestellen.
Statt lebendigem, vielfältigem Einzelhandels- und Dienstleistungsangebots genossenschaftlich organisierte Paket-Auspack-Stationen in denen sich Rentner in gemütlicher Runde über Amazon- und Zalando-Schnäppchen-Überraschungen freuen. Die jungen Leute sind natürlich längst weg! Einmal, weil das natürlich nix mit Großstadteinkaufsqualität zu tun hat und zum Zweiten, weil sie auf dem Land leider auch keine Lohnarbeit mehr finden, mit den sie Ihre ausgedehnten Online-Schnäppchen-Touren bezahlen könnten.
"Dann wird zuhause anprobiert und ein Teil wieder zurück geschickt"
Wenigestens wird es den Händlern künftig gestattet, die Kosten für den Rückversand an die Kunden weiter zu geben.
Diese rechtlichen Bevorteilung der Online-Kunden gegenüber stationärem Handel sind nicht einzusehen.
@Stephan Rieping
"Statt lebendigem, vielfältigem Einzelhandels- und Dienstleistungsangebots genossenschaftlich organisierte Paket-Auspack-Stationen"
Das fände ich nicht so schlecht.
Verbraucher könnten sich zusammen tun und Sammelbstellungen aufgeben.
Es fände vermutlich mehr Kommunikation statt, als in den heutigen Einkaufsstätten, die es ebendig und vielfältig sowieso kaum noch gibt.
Oder glaubst Du, das Citycenter in Augsburg ist ein Hort der Gemütlichkeit und Geselligkeit.
Und die Innenstadt ist vereinsamt, traditionelle Läden haben zu gemacht.
Da ist aber weniger der Online-Handel schuld, sondern das Citycenter, wo man überdacht von der Tiefgarage (viel billiger, als Parken in der Stadt) zum Shoppen geht.
Jetzt komme mir keiner mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das Citycenter ist miserabel eingebunden.
Das nur mal so als Beispiel..
Die von Dialog erwähnte Möglichkeit, auf dem Land "mit kleinen Dorfläden, die genossenschaftlich betrieben werden", ist bei uns im Ort angedacht worden, als wir vor 17 Jahren gerade zugezogen sind.
Leider war die Resonanz seitens der Bevölkerung viel zu gering.
Das könnte sich erst lebendig entwickeln, wenn mehr Leute vom HomeOffice aus arbeiten könnten.
Wer täglich - einfache Fahrt - zwei Stunden nach München pendelt, kann nicht im Dorfladen einkaufen.
Und wann kann man im HomeOffice arbeiten?
Wenn mehr Prozesse virtuell laufen...
@dialog
"Wenn der Online-Handel mit Lebensmitteln dezentral bleibt"
Wie könnte sowas genau aussehen? Beispiel?
An einem ähnlichen Projekt darf ich gerade mit helfen (beratender Weise).
Allerdings ist das nicht bei uns auf dem Dorf sondern am Stadtrand von Augsburg.
Leider typisch.
In den Städten formiert sich ja gerade viel diesbezüglich, z.B. über Aktionen wie Transition Town.
Bei uns auf dem Land haben viele Leute einen eigenen Garten, diesbezüglich passiert nicht viel Gemeinschaftlich.
Und für weitere Aktionen fehlt leider auf dem platten schwäbischen Land jegliches Verständnis.
Aber das ist keine Beschwerde, ich wußte das, als ich hergezogen bin.
Wenigstens kann ich mir hier meinen Selbstversorgergarten leisten ;-)
Und dann kamen die Märkte auf den "Grünen Wiesen", die Handelsketten und zum Schluss die großen Onlinehändler. Und der Buchhändler ging.
In dieser Kleinstadt gibt es heute in der Innenstadt im Prinzip nur noch Ketten-Textiler ala KiK, 1€-Shops, Mac-Fressbuden und Lebensmitteldiscounter.
Und in den Straßen drängeln sich die Paketdienste.
Brave new wourld!
Der Buchhändler war übrigens mein Vater! Und Geschichte unseres Familienunternehmens endete im 100sten Jahr des Bestehens.
da kann ich Deinen Brass auf die Online-Händler natürlich verstehen.
Das ist bitter.
Der Niedergang dieser inhabergeführten schönen Läden hat bei uns in Augsburg schon deutlich vor dem Online-Handel eingesetzt.
Auch die Lockerung des Ladenschlusses hat dazu beigetragen.
Weil nur große Ketten das Personal bis Abends um 8 Uhr stehen lassen können.
Und viele weitere Faktoren sind dazu gekommen.
Inzwischen macht der Online-Handel den seelenlosen Ketten auf der grünen Wiese zu schaffen.
Zurückschrauben können wir den Trend nicht mehr, der Zug ist schon alleine deshalb abgefahren, weil ich z.B. gar keine Bücher mehr vor Ort bekomme.
Aber es gibt immer noch die Möglichkeit, nicht bei den Branchenriesen zu kaufen.
Egal ob On- oder Offline.
Der Online-Handel durch Amazon und Co. wird sich in einem Feld breit machen, wo er sowohl diesen Märkten als auch dem klassischen EZH Konkurrenz macht.
Ich prophezeie, dass diese Handelsform die der Zukunft sein wird. Nur, das ist doch auch eine Riesenchance eben für den klassischen EZH, der damit auch gegensteuernd regionale Netze / Spezialprodukte bedienen kann. So kehren die "ausgestorbenen" EZH wieder in die Fläche zurück und beleben die Angebotslandschaft. Die Städte mit ihren überall gleichen Ketten verlieren und der ländliche Raum wird auf Dauer wieder lebensfähig.
Aber den allermeisten ist eben nicht klar, dass Sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie gedankenlos im Internet auf Schnäppchenjagd gehen. Wieder anderen ist es klar und denken, nach mir die Sintflut und dann gibt es Leute, die verstehen das liberalisierte Märkte nicht wirklich die Bedürfnisse der Menschen bedienen und sie stellen STOP Schilder auf und engagieren sich politisch. Und nur diese Leute tragen dazu, dass dieser unsäglichen Entwicklung Einhalt geboten wird. Leider sind sie viel zu wenige!
Wenn die Leute gedankenlos auf Schnäppchenjagd gehen, dann ist das nie gut.
Ob im Internet oder vor Ort.
Siehe Lebensmittelskandale. Die betreffen zu einem großten Teil die ganz normalen Wertschöfpungsketten des stationären Handels.
Auf der anderen Seite hat Schnäppchenjagd z.B. mit dem Buchhandel gar nichts zu tun.
Dort gibt es ja die Buchpreisbindung.
Liberalisierte Märkte haben Auswüchse, dagegen sollten wir uns sträuben.
Unabhängig davon, ob Offline oder Online.
Große Konzerne bekommen eine erschreckende Marktmacht (Nestle, Amazon, Apple ect.). Dagegen sollten wir uns stellen, egal ob Offline oder Online.
" wenn man feststellt, dass einem die Entwicklung nicht gefällt, dann kann man nicht einfach daneben stehen und es als Gottgeben hinnehmen".
Das ist richtig und ich muß mir diesbezüglich auch wahrlich nicht sehr viel vorwerfen.
Im Online-Handel sehe ich allerdings auch Chancen, deshalb kann ich das nicht so pauschal negativ sehen, wie Du.
Welche Schilder also stellen wir auf? Und was steht drauf (außer STOP)?
Oh, da gäbe es natürlich viele:
1. Informiere Dich über die Hintergründe der Firma, bei der Du kaufst
2. Stell Dir einfach mal vor: Würdest Du bei dieser Firma guten Gewissens und gerne arbeiten? Dann kannst Du auch dort kaufen
3. Kaufe nicht nur nach dem Preis
4. Betrachte die ganze Wertschöpfungskette: Herstellung, Informationspolitik, Abfallvermeidung, Transport zu Dir u.s.w.
5. Überlege genau, ob Du das Produkt wirklich brauchst
6. Wenn Du es brauchst, prüfe, ob Du es evt. gebraucht kaufen oder leihen oder selbst herstellen kannst
7. Kaufe möglichst wenig bei Großkonzernen, die ihre Marktmacht ausnützen
u.s.w.
Die Liste ist natürlich ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder daß die Reihenfolge der Prio entspricht.
Das geht hier ja auch komplett unter und wurde ja eigentlich auch schon an anderer Stelle oft genug gesammelt.
Ich persönlich bin ja kein Freund von Stopp-Schildern sondern mag lieber "Da-gehts-lang-Schilder".
Aber der Politik würde ich schon gerne einige STOP-Schilder hinhalten. Ich glaube die brauchen das!
Ich fürchte, die Politik ist mindestens Farbenblind. Die erkennen kein Rot.
Da hätte ich schon manchmal Lust taktil vorzugehen ;-)
Die Reaktion klingt für mich bisher sehr nach halbherzigem Handeln, weil man nun aufgrund des Drucks reagieren muss. Nach dem Motto: "wir machen jetzt mal was, dann hat die Öffentlichkeit was" - Im Hinterkopf bleibt dann bei vielen nur "Amazon hat reagiert und gehandelt" Wie, was und warum genau spielt dann keine wichtige Rolle.