Dies war die weltweit erste Lösung, in der sich eine ganze Branche auf einen gemeinsamen Sozialstandard verständigte, unterhalb dessen der Wettbewerb um den besten Preis nicht mehr stattfand. Seit Ende 2004 wird das Modell unter dem Namen „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) geführt. Heute gehören ihr mehr als 600 Handels- und Herstellerunternehmen an, die sich verbindlich auf einen einheitlichen Sozialstandard bei ihren Lieferanten geeinigt haben.
Auf Grundlage des Verhaltenskodex kontrollieren externe, unabhängige Gutachter regelmäßig den Sozialstandard. Dabei sind verschiedene Ergebnisse möglich: Erhält ein Lieferant ein „Gut“, darf er drei Jahre lang ohne weitere Überprüfung (Auditierung) Geschäftsbeziehungen mit unserem Unternehmen eingehen. Fällt das Ergebnis „verbesserungsbedürftig“ oder „kritisch“ aus, wird ein Korrekturplan entworfen, der in einem vorgegebenen Zeitrahmen bis zu einem „Re-Audit“ umgesetzt werden muss. Basierend auf den Untersuchungsergebnissen werden durch gezielte Qualifizierungen und Schulungen, die wir den Lieferanten kostenfrei anbieten, die sozialen Standards in den Einkaufsmärkten sukzessive verbessert. Das Beenden der Geschäftsbeziehung wird als letztes Mittel bei nicht kooperativen Lieferanten herangezogen.



Kommentare (7)
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Kritische Untersuchungen zu Sozialautits mit wenig erfreulichen Ergebnissen gibt es zudem etwa im Rahmen der Clean Clothes Campaign, wie ich gelesen habe. Vgl. etwa die deutschsprachigen Websites www.inkota.de und www.saubere-kleidung.de - dort sind die Publikationen vermutlich auch nachträglich noch erhältlich.
Wie oft gibt es Beanstandungen und wie oft wurde schonmal eine Geschäftsbeziehung deswegen beendet?
ja, die Kontrollen der unabhängigen Gutachter sind immer unangekündigt. Fällt ein Lieferant durch die Prüfung, wird in erster Instanz ein Korrekturplan mit den entsprechenden Kategorien wie beispielsweise Arbeitszeiten, Bezahlung, Gewerkschaftsfreiheit, Sicherheit oder Gesundheitsbedingungen erstellt. Für jede durchgefallene Kategorie wird genau notiert, was der Lieferant bis wann zu tun hat, um die Einhaltung der Standards zu gewährleisten. Nach etwa sechs Monaten wird der Betrieb erneut überprüft. Sollten keine Verbesserungen zu erkennen sein und die erneute Prüfung weiter kritisch ausfallen, beenden wir die Zusammenarbeit. Dazu ist es glücklicherweise aber noch nie gekommen.
Viele Grüße, Dein OTTO-Team
die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Lieferkette benötigt Zeit und ist vor allem ein Weg der kleinen Schritte. Die BSCI ist kein Zertifizierungsprogramm und bietet daher auch keine Garantie für die Einhaltung von Sozialstandards. Es handelt sich vielmehr um ein Entwicklungsmodell. In diesem Zusammenhang organisiert die BSCI Schulungen für die Lieferanten in den verschiedenen Ländern und steht in regelmäßigem Dialog mit den Stakeholdern der Initiative. Social Accountability International – eine gemeinnützige Organisation, die Sozialstandards entwickelt und damit auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit – ist beispielsweise ein längjähriger Partner der BSCI. Die Otto Group selbst steht bezüglich der Weiterentwicklung des eigenen Sozialprogramms und dessen Umsetzung in ständigem Austausch mit nationalen und internationalen NGOs und bringt deren Wissen mit in die BSCI ein. Darüber hinaus nimmt die Otto Group regelmäßig an den Runden Tischen der BSCI vor Ort teil und diskutiert die Möglichkeiten einer nachhaltigen Verbesserung der Sozialstandards. Für die Praxis bedeutet das: Alle BSCI-Mitglieder verpflichten sich, ihrer Lieferanten in die Entwicklungsprozesse einzubeziehen und nachvollziehbare Verbesserungen der Sozialstandards zu erreichen. Die Beendigung einer Mitgliedschaft in der BSCI tritt dann ein, wenn sich ein Unternehmen den oben genannten Verpflichtungen nicht unterwerfen möchte. Die Otto Group glaubt an den entwicklungspolitischen Erfolg der Initiative.
Viele Grüße,
Dein OTTO-Team
zuerst einmal Danke, dass Sie sich dem Dialog stellen.
Mir ist das Thema BSCI noch nicht klar geworden. Ist die Einhaltung von Sozialstandards für die Mitglieder nun verbindlich oder nicht?
Ihr Zitat:
"Heute gehören ihr mehr als 600 Handels- und Herstellerunternehmen an, die sich verbindlich auf einen einheitlichen Sozialstandard bei ihren Lieferanten geeinigt haben."
Zitat CCC:
"Verbindlich ist die Einhaltung von Sozialstandards für Mitglieder der BSCI nicht,.."
Dann schreiben Sie wieder:
"Die BSCI ist kein Zertifizierungsprogramm und bietet daher auch keine Garantie für die Einhaltung von Sozialstandards."
Sie schreiben aber oben von regelmäßigen und unangemeldeten Kontrollen - was ist dann der Unterschied zur Zertifizierung?
Handelt es sich um eine freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen, deren Einhaltung zwar kontrolliert, aber deren Kontrollen nicht dieselben Konsequenzen haben wie bei der Zertifizierung?
Wie erklären Sie sich, dass die Lieferanten von Lidl (offensichtlich Mitgleide bei BSCI?) eben nicht diese Standards einhalten? Ist Lidl weiterhin Mitglieder der Initiative? Was sagt das über die anderen Mitglieder der Initiative aus, wer garantiert mir, dass Otto "besser" ist als Lidl?
Ich möchte Sie noch ermutigen, den Weg hin zu faireren Arbeitsbedingungen weltweit weiter zu gehen.
Vielen Dank und viele Grüße,
Mela
danke für Dein Kommentar zu diesem sehr spannenden Thema! Ja, die Einhaltung der Sozialstandards ist für die Mitglieder der BSCI verbindlich. Alle Mitglieder der BSCI haben sich dazu verpflichtet, die im Code of Conduct festgeschriebenen Maßnahmen in ihre Einkaufsprozesse zu integrieren und den entwicklungspolitischen Ansatz der BSCI in ihrer Lieferkette berücksichtigen. Darüber hinaus müssen alle Mitglieder gewisse Quoten erfüllen (z.B. die Verpflichtung eines bestimmten Prozentsatzes auditierter Lieferanten in einem vorgegebenen Zeitrahmen). Werden die Vereinbarungen von den Mitgliedsunternehmen nicht erfüllt, greifen verschiedene Sanktionen, die jedoch nicht sofort zu einer Kündigung der Mitgliedschaft führen, wie es bei einer Zertifizierung im Zweifel der Fall wäre.
Dies unterscheidet die BSCI im Wesentlichen von einem Zertifizierungsprogramm. Im Fokus stehen die Lieferanten, die in einem Prozess begleitet und gefördert werden sollen. Bei einer Zertifizierung hat man immer ein „entweder-oder“-Ergebnis, sprich, ein „bestanden“ oder „nicht bestanden“ mit entsprechenden Konsequenzen. Diese Option lässt aber wenig bis gar keine Möglichkeit zur Entwicklung eines Lieferanten zu. Damit ist den Lieferanten und den Arbeitern in den Fabriken nicht gedient. Die Philosophie der BSCI ist deshalb, im Sinne eines langfristigen und partnerschaftlichen Ansatzes den Lieferanten kontinuierlich bei der Verbesserung seiner Sozialperformance zu unterstützen. Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass ein Unternehmen mit einem Lieferanten zusammenarbeitet, der noch nicht alle Standards hundertprozentig erfüllt. Wichtig ist aber, dass er sich in einem Prozess der Verbesserung befindet. Das System von Audit und Re-Audit, begleitet von Qualifizierungsmaßnahmen, sorgt dafür, dass dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess verfolgt wird. Das heißt, in den Ergebnissen muss sich zeigen, dass die Sozialperformance des Lieferanten stetig verbessert wird. Ist dies nicht der Fall, wird die Zusammenarbeit gekündigt, jedoch hatte der Lieferant eine faire Chance und entsprechende Unterstützung. Dies hat schließlich auch Konsequenzen für das Mitgliedsunternehmen der BSCI, wenn dieses die vereinbarten Quoten auditierter Lieferanten nicht mehr erfüllt.
Viele Grüße,
Dein OTTO-Team