Das bedeutet: Beim nachhaltigen Reisen geht es neben einer möglichst umweltfreundlichen Anreise, der Nutzung umweltfreundlicher Unterkünfte und Aktivitäten vor Ort sowie dem schonenden Umgang mit Ressourcen ebenso um faire Gehälter und Arbeitsbedingungen, Respekt für die Menschen und dem Erhalt ihrer Kulturen und Traditionen und darum, dass möglichst viel von dem durch die Reise generierten Geld im Land und der Region bleibt.
Wenn zum Beispiel die Wirtschaft eines Landes relativ wenig entwickelt ist, werden viele Güter und Produkte für den Tourismus importiert oder ausländische Angestellte beschäftigt und der Großteil der Einnahmen fließt ab, nicht zuletzt auch für Lizenzgebühren an internationale Hotelketten. Dadurch wird die lokale Bevölkerung oft nur wenig an den Einnahmen des Tourismus beteiligt, weshalb in manchen Ländern oft weniger als die Hälfte des Preises verbleibt, den man für seine Reise bezahlt.
Ein Tourismus hingegen, der auch eine soziale und kulturelle Nachhaltigkeit mit einbezieht, wird in Partnerschaft mit der lokalen Bevölkerung betrieben. Das bedeutet zum Beispiel, dass Angestellte eine faire Bezahlung erhalten, die Nutzung kleiner, lokaler Strukturen bevorzugt wird und Ortsansässige in die Planung und Durchführung des Tourismus mit einbezogen werden. So werden zum Beispiel Privatunterkünfte, lokale Führer und Fahrer unterstützt, Handwerk und Traditionen belebt und so die Ortsansässigen an den Einnahmen durch die Reise beteiligt. Zudem wird beim nachhaltigen Reisen auf den Konsum saisonaler und regionaler Produkte zurückgegriffen. Das ist umweltschonender als der Import und fördert zusätzlich lokale Wirtschaftskreisläufe.
Auf diese Art führt nachhaltiges Reisen zu Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Vorteilen für die lokale Gemeinschaft und bietet ihnen eine langfristige Perspektive und eine Sicherung ihrer Lebensgrundlage. Dies trägt zur Verbesserung ihrer Lebensumstände, aber auch zum Natur- und Artenschutz bei. Denn nicht nur werden lokale Korporativen oder Umwelt- und Naturschutzprojekte zum Teil direkt finanziert, sondern die Ortsansässigen, die durch den Tourismus ein verlässliches Einkommen haben, entwickeln insgesamt ein Interesse daran, gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schützen und die Natur zu bewahren. Auf diese Weise sind schon Wilderer zu Fremdenführern geworden und illegale Holzfäller zu Park-Rangern.
Gäste zu empfangen und ihnen das eigene Dorf, die Natur, ihre Kultur und Lebensweise zu zeigen, kann zudem auch das Selbstbewusstsein der Menschen steigern und ihre Identität wie zum Beispiel ihre Sprachen, traditionelle Lebensweisen und regionale Kunst und Kultur und ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft fördern.
Ob man der Ökologie oder sozialen und kulturellen Gesichtspunkten beim Reisen den Vorzug geben sollte, lässt sich somit pauschal nicht beantworten. Von der Klimabelastung her ist der Urlaub auf dem Bauernhof sicherlich besser als die Fernreise mit dem Flugzeug. Gerade in Entwicklungs- oder Schwellenländern kann ein nachhaltiger Tourismus jedoch eine Vielzahl an positiven Effekten haben.
Die Frage nach der Nachhaltigkeit beim Reisen bleibt immer sehr komplex und ist stets auch von den Gegebenheiten in einer bestimmten Region abhängig, sodass je nach Reiseziel einzelne Aspekte verschieden wichtig sein können. In Europa kommt Umweltkriterien sicherlich eine bedeutsamere Rolle zu als in Entwicklungs- oder Schwellenländern, wo die soziale Komponente wichtiger ist. Jedoch spielen beide Dimensionen beim nachhaltigen Reisen eine Rolle, sodass man sie nur schwer gegeneinander aufrechnen kann.
Nachhaltiges Reisen - ökologisch, sozial, ökosozial?







Kommentare (2)
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PatrickB
schrieb am 24.01.2012 um 08:16 ¶In Südafrika gibt es viele Backpacker die mit dem "Fair Trade Tourism" Siegel zertifiziert sind. http://www.fairtourismsa.org.za/
Dort gibt es auch einige allgemeine Tipps und weiterführende Links zu
http://www.rainforest-alliance.org/work/tourism,
http://www.responsibletravel.com/,
http://www.lonelyplanet.com/about/responsible-travel
Traverdo
schrieb am 24.01.2012 um 12:46 ¶Ich habe die Macher des Siegels auch kennengelernt, sie sind total engagiert und wirklich nett.
Viele Grüße
Holger
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