Vor der Reise

Nachhaltig zu verreisen setzt Planung voraus. Eine andere Kultur zu erleben, ist ja sicher einer unserer Hauptgründe zu fernen Orten zu reisen. Sich vorab über Gesellschaft, Kultur und politische Hintergründe des Reiselandes zu informieren hilft dabei, kulturelle Unterschiede zu verstehen.

Bei der Auswahl von Reiseveranstaltern sollte man darauf achten, ob sie ökologische und soziale Kriterien einhalten und ihre Gäste über diese Themen und ihr eigenes Engagement informieren. Nachhaltige Reiseveranstalter achten auf umweltschonende Aktivitäten, bei denen sie mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten. Reisen in ökologisch und kulturell sensible Regionen erfordern auch eine an die Gegebenheiten angepasste Teilnehmerzahl sowie speziell ausgebildete, bestenfalls lokale, Reiseleiter.

Verkehrsmittel

Das Reisen mit Bus und Bahn ist umweltverträglicher als mit dem Flugzeug, sogar als mit dem eigenen Auto. Die Auswahl des Reiseziels spielt also bereits eine große Rolle, denn auch im nahen Europa gibt es eine Vielzahl attraktiver Angebote. Wenn es unvermeidlich ist zu fliegen, ist ein vertretbares Verhältnis von Entfernung zu Urlaubsdauer wichtig. Das bedeutet z.B. keine Flüge unter 700 km; ab 700 Kilometer mindestens acht Tage Aufenthalt; ab 2.000 Kilometer mindestens 15 Tage Aufenthalt. Weiter ist es sinnvoll, die Klimawirkung des CO2-Verbrauchs durch einen entfernungsabhängigen Preisaufschlag, der in Klimaschutzprojekte mit Gold Standard Qualitätssiegel fließt, zum Beispiel über www.atmosfair.de zu kompensieren.

Vor Ort sind die umweltfreundlichsten Fortbewegungsmittel das Fahrrad oder die eigenen Füße. Wenn dies nicht ausreicht, sollten öffentliche Verkehrsmittel statt Mietwagen genutzt werden. Damit hilft man auch lokale Arbeitsplätze zu sichern, außerdem sind die Fahrer vielleicht wertvolle Tourguides.

Unterkünfte

Auch durch die Auswahl der Unterkünfte kann man Einfluss nehmen. Nachhaltige Unterkünfte sind oft von Ortsansässigen geführt und bieten der Gemeinschaft vor Ort Einkommen, faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Ihre nachhaltige Betriebsführung verringert ihren ökologischen Fußabdruck. Sie achten u.a. auf Wasser- und Energiesparmaßnahmen, vermeiden und trennen Abfall und richten sich beim Bauweise nach ökologischen Maßstäben und ob sie zu Landschaft und Kultur passt. Wichtig ist zudem auch die Lage außerhalb von Schutzgebieten.

Verpflegung

Am besten genießt man die Vielfalt und Vorzüge landestypischer und regional erzeugter Lebensmittel und zwar dort, wo auch die Ortsansässigen essen. Das schmeckt nicht nur besser und frischer als importierte Lebensmittel sondern, schont auch die Umwelt und schafft Arbeitsplätze in der Region. Außerdem kann die Speisekarte eines Landes eine Entdeckungsreise für sich sein.

Aktivitäten

Spektakuläre Aktivitäten wie Heli-Skiing, oder Offroad- Touren können reizvoll sein. Besser für die ursprüngliche Landschaft und nicht automatisch weniger interessant, sind schonendere Unternehmungen wie Klettern, Trekking- und Abenteuertouren oder Safaris. Auch hier sollte man darauf achten, dass diese von Locals angeboten werden.

Souvenirs

Auch die richtig ausgewählten Souvenirs und Reiseerinnerungen können die lokale Wirtschaft stärken, wie zum Beispiel lokal hergestelltes Kunstgewerbe von lokalen Kooperativen. Um den Ausverkauf von Kulturschätzen zu vermeiden und aus Gründen des Artenschutzes, sollte man vom Kauf von Antiquitäten oder Produkten aus gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Abstand nehmen.

Verhaltensweisen

Neben den ökologischen Aspekten bedeutet nachhaltig zu verreisen v.a. in andere Kulturen eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Reisenden und Bereisten. Ist man offen und sensibel für die Lebenswelt der Menschen im bereisten Land und hält man sich stets vor Augen, dass das eigene Verhalten immer auch auf andere wirkt, kann die Reise zu einer tollen und nachhallenden Erfahrung werden. Je mehr man über das Zielgebiet weiß, desto seltener stößt man die Menschen dort vor den Kopf und vermeidet eine ungleiche Beziehung zwischen Besuchern und der Bevölkerung.

So ist es beispielsweise wichtig, stets angemessene Kleidung zu tragen. Das gilt beim Stadtbummel aber auch am Strand und vor allem beim Besuch von Heiligtümern. Am besten orientiert man sich an dem, was die lokale Bevölkerung trägt.

Feinfühligkeit ist auch der Schlüssel, wenn es um das Fotografieren geht. Man sollte immer um Erlaubnis bitten, wenn man Fotos machen möchte. Nach einem freundschaftlichen Gespräch lassen sich viele Menschen gerne „zur Erinnerung“ ablichten. Reisende sollten auch nicht für das Recht Fotos zu machen zahlen, es wurde herausgefunden, dass dies die Menschen zum Betteln animiert. Anstelle dessen können Sie Kopien der Bilder auch über den Reiseleiter oder direkt an die Personen zurück senden. Vielleicht sind die Menschen begeistert, sich selbst auf einem Foto zu sehen, denn in vielen Fällen haben sie nicht die Möglichkeit dazu.

Höflichkeit und Geduld können einem oftmals Tür und Tor öffnen. In vielen Kulturen sollte man z.B. bereit sein, Fragen zu beantworten. „Woher kommst Du? Bist Du verheiratet? Wie alt bist Du?“ gelten in westlichen Gesellschaften als persönlich, in Asien z.B. sind sie jedoch meist einfach freundlich gemeint. Eine Rolle kann auch die kulturelle Stellung von Frauen und Männern spielen. Wenn z.B. Frauen mit Frauen Kontakt haben, kann es sein, dass sie oft mehr über Land und Leute erfahren. Durch ein wenig Hintergrundwissen und Offenheit erfährt man viel und kann man gleichzeitig der lokalen Bevölkerung einen besseren Einblick in die eigene, Kultur geben, z.B. indem man nicht nur von Vorzügen sondern auch von den ja durchaus vorhandenen negativen Gegebenheiten erzählt. Dieser Blick ist nämlich oft verstellt, da man als westlicher Urlauber meist wohlhabender ist als die Bevölkerung und dazu noch Weltreisender, etwas von dem viele ortsansässige Menschen nur träumen können.

Nach der Reise

Feedback und Reiseberichte zu verfassen ist heute Gang und gäbe. Wenn man seinem Reiseveranstalter oder Hotel ein Feedback gibt oder wenn man auf Bewertungsportalen schreibt, sollten umwelt- und soziale Aspekte der Reise nicht ausgeklammert werden. Auch durch Lob kann man nachhaltige Anbieter nach seiner Heimkehr unterstützen. Sinnvoll ist es auch, an ein Projekt zu spenden, das man vielleicht auf seiner Reise kennengelernt hat. Bilder und Fotos, die man Einheimischen versprochen hat, sollte man unbedingt auch wirklich versenden. Vor allem aber sollte man die eindrücklichen Erfahrungen, die man gemacht hat, genießen und vielleicht die nächste Reise planen.



Nützliche Links

Für die Kompensation von Flugemissionen: http://www.atmosfair.de/

Für Einblicke in Einblicke in fremde Länder, Kulturen und Religionen: http://www.sympathiemagazin.de/sm_start.html

Für Informationen zu bedrohten Tier- und Pflanzenarten: http://wwf-arten.wwf.de/

Für weitere Tipps und Anregungen zu nachhaltigem Reisen: http://www.respect.at/media/pdf/pdf143.pdf und http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_misc-alt/ekbesserreisen/einkaufsfuehrer_bewusst_reisen.pdf