Für wen ist das eigentlich erstrebenswert , jederzeit Zugang zu haben?
Zu dem der kommen will. Aber will man nicht ab und zu auch alleine sein? Man will doch gar nicht ständig Gäste haben (früher hat man Gäste eingeladen, manche kamen unangemeldet, das sorgte für Wirbel), angeklingelt werden, eine sms erhalten, ein Lied gesendet bekommen (da gibts ja heut keine Grenzen mehr, keine peinlichen Momente; ich erinnere mich an eine Totenwache, während der mein Handy gebimmelt hat, das war im Jahr 2000 wohlgemerkt, damals schon peinlichst - was passiert heut?? Es gibt Dinge, die kann man schwer aussteuern, wenn sie mal angesteuert sind...) .
Wer sorgt denn eigentlich noch für Ruhe? Oder gibt es die im "modernen zuhause" einfach nicht mehr?
Wo doch immer Menschen immer mehr Ruhe bräuchten?
Was für ein Widerspruch!!
Technologisierte Welt - nimm Rücksicht auf den normalen Erdenbürger. Entwickle nicht um der technischen Errungenschaft Willen. Bitte achte auch auf die Nutzer, auf den Menschen dahinter. Ethische Verantwortung heißt doch das, gibts sogar für BWLler (die wenigsten kennen das).
Wovon reden wir eigentlich?
Klar – wenn ich das Symbol „zuhause“ nehme, dann will ich jederzeit zu meinem Zuhause Zugang haben. Aber reden wir überhaupt von „zuhause“? Zuhause ist doch da, wo meine Lieben sind. Sind die etwa in dem Kasterl drin? Nein. Meine Familie ist doch in Echt.
Sind denn smartphones drauf und dran Tamagotchis für Erwachsene zu werden? Leute, wisst ihr, dass ich vor einigen Wochen zu blöd war, per touchpad ein Telefongespräch anzunehmen? Ich wusste erstens meinen Entsperrcode vor lauter Schreck nicht, dann hab ich mich vertippt, dann kamen lauter Schlösser und dann hatt ich Angst, dass der Anruf weg ist...Stress pur....Mein Mann hat sich kringelig gelacht und hat mir dann „den Wischer“ vorgeführt „kuck mal“, hallt es besserwisserisch, „so geht das“. „Achso, oh mei…“. Leute, ich bin nicht mal vierzig!
(ich will'n Telefon mit Wählscheibe wieder haben...und wenn man den Anruf verpasst, weiß man nicht wer es war, auja, wie spannend...ach wir schön wär das!! Hhuääääh)
"...egal wo wir gerade sind..."
Wollt ihr mir allen Ernstes erzählen, dass wenn ich auf 1.200 oder 1.900 Höhenmetern auf einem Baumstamm sitze oder auf der Wies‘n, frische Bergluft einatme, oder mich von dem Marsch nach Oben ausruhe, was anderes im Kopf habe, als dem lieben Gott zu danken, dass ich so gute Schuhe und Socken trage und damit keine Blasen an den Füßen habe. Glaubt ihr, ich denk da an was anderes, dals dass ich jeden Knochen und jeden Muskel spüre – und das einzige an was ich denke ist mein Proviant im Rucksack, vielleicht ein apple äh Äpfelchen oder ein leckeres Käsebrot mit ein paar Radieschen auja...und glaubt mir, die einzige Cloud, die mich da interessiert, ist doch die „da oben“, oder nicht? Die, die da in echt an mir vorüberzieht. Die stromlose, die Wetterwolke.
„ Unser Leben ist voller besonderer Momente, die wir für immer bewahren wollen“„…Wir machen Fotos, Videos, sammeln Adressen und Musik“, heißts in dem Spot.
Hm…klar, sammel ich gern, Schuhkartons, Keller, Schränke voll. Adressbücher hab ich auch. Aber ich füttere doch keinen Computer, der permanent online gehen kann, wo ich noch nicht mal die features vom Gerät verstehe, um mich personen- und datenzuschützen, wo nur der Entwickler versteht, was er gerade komponiert hat. Die Betriebsanleitung versteh ich doch schon lang nicht mehr…meinem Mann geht meine Fragerei auch auf den Keks. Der braucht doch auch seine Ruhe. Am besten mit mir, auf’m Berg, mit Wolken und vielen Käsebroten und oam Radi.
„Mit der Telekom Cloud hat all das ein neues zuhause, zu dem wir jederzeit Zugang haben…egal wo wir gerade sind“
Ich lass den Spot immer und immer wieder für mich durchlaufen…nä, des kanns doch net sein?!
„Unser Leben ist voller besonderer Momente, die wir für immer bewahren wollen…“
Also dieser Satz trifft ja wohl auf jeden Menschen zu. Das ist doch jetzt Leute Verarsche...will man mich jetzt damit ködern, dass mein Leben so besonders ist und ich aufm Berg anderen Menschen mein Fotoalbum zeigen muss oder ein Video bespreche oder eine Präsentation für nächste Woche durchgehe?
Ich erinner mich gerade, vor etlichen Monaten: aber doch nicht während eines Kommunionsgottesdienstes, wo alle wie wild mit Kameras, Handies und sonstigen Devices herumknipsen…hört dem Pfarrer eigentlich noch jemand zu?? Ist denn für jeden einzelnen der Moment so wichtig oder geht es nur darum, den Moment fürs digitale Album zu fixieren? Für wen? Um’s auf’m Berg einem potenziellen Interessenten zu zeigen? Auf facebook zu posten? Hä? Hamse wir noch alle?
Was is’n das Echt-Gespräch heutzutage eigentlich noch wert?
Was ist ein Kirchenhaus, eine heilige Stätte, heute noch wert?
Wer verleiht einem Ding wert, wenn nicht der Mensch?!
Wer sagt mir, was wertvoll ist? Doch wohl ich selber.
Also mir ist das Gerät eindeutig weniger wert als der einzelne Mensch.
Ich wünschte, vielen würde es so gehen. Noch viel mehr Menschen...
Die Begegnung Mensch-Mensch ohne „electric/electronic device“?
Vorstellbar für euch?
Halt!
Und wie mein Leben voller besonderer Momente ist. Aber die auf meiner Hirnkastl Festplattn zu speichern, entscheide ich. Und wenn ichs vergesse, wars wohl nicht so besonders. Die wirklich besonderen Momente bewahre ich IM HERZEN –und nicht auf einer Wolke - auf.
Wolken kommen und gehen. Das Herz bleibt am rechten Fleck, sofern’s da schon mal war.
Momente, Fotos, Videos, Adressen und Musik, sammle ich beim mir „im echten zuhause“. So viele Wohnsitze habe ich nicht, dass ich mein „Leben“ mitportieren müsste nach hier und da. Außerdem hab ich mich ja selber meistens mit dabei.
Reich ich mir nicht zum Leben? Also, ich mir schon.
Ihr euch auch?


Kommentare (4)
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Gita
schrieb am 22.02.2012 um 09:21 ¶einfach gradios - vielen Dank für Deine Gedanken und Worte! Für jemanden, der sich auf über 1.500 Höhenmetern am wohlsten fühlt, scheint mir, als ob Du den Text nur für mich geschrieben hast. ;-) Wahrscheinlich bin ich gerade in den Bergen so glücklich, weil es da diesen ganzen mistigen Schnick-Schnack nicht gibt (oder muss ich eher schreiben "bisher nicht gab"?) - nur ich selbst bringe mich (mit meiner einfachen Ausrüstung) zum Gipfel und da ist Stille..., eine Stille, die mit nichts zu vergleichen ist. Ich will mir nicht ausmalen, was (für mich) zusammenbricht, wenn auch diese noch verloren geht. Ist doch eh schon alles so laut (in jeglicher Hinsicht).
Ich schätze Internet, Handy und Co und brauche alles, um mit meiner Familie und Freunden (die leider alle sehr weit weg wohnen) zu kommunizieren, aber ich kann mit meiner vorhandenen Technik keine "Wolken bilden" und ich will es auch gar nicht. Teenies von heute können mit einem Wählscheiben-Telefon nicht mal mehr einen Anruf tätigen, ich kann es nicht per touchpad - was soll ich davon jetzt halten? Liebe Grüße, Gita
mfazzi
schrieb am 22.02.2012 um 10:14 ¶Wir röteln alle vor uns hin, tagein tagaus, klar nutzen wir die modernen Medien, ich schreib ja auch im Internet und klar, nutze auch ich gern Elektronik und trommle nicht zu euch.
Sich zu verstehen geben und verstanden werden, ist schon schön. Aber alles hat seine Grenzen. Und VERSTEHEN muss man sich auch mal selber. Das kann man übrigens besonders gut in der Natur. Aber am besten ohne Klingelton.
Bergwacht, Funkmasten zum sich verständigen, zum Menschen retten, jede Sekunde zählt...das ist natürlich wieder was anderes. Da macht "Erreichbarkeit" oder "schneller, sicherer (Kommunikations-)Zugang" schon Sinn. Es macht aber auch keinen Sinn Schluchten erklimmen zu wollen, die unbezwingbar sind und damit sein oder weitere Leben aufs Spiel setzen...
Eine ITK Branche kann mir ja nicht vorschreiben, wie und wo ich mich "zuhause fühle".
Der Einzelne muss doch auch noch Zeit haben dürfen, sich seiner Zeit, seiner Muse zu besinnen. Die wenigstens wissen ja heut noch, dass sie eine Muse haben...
(weil sie ständig von brummelnden updates unterbrochen werden, wegen dem überall sehr guten Empfang)
Maria_L
schrieb am 22.02.2012 um 12:05 ¶Ich brauche über 1500m auch kein Internet.
Mal davon abgesehen, daß ich ganz froh wäre, wenn die Telekom bei mir auf dem Kuhkaff im Flachland endlich mal ein schnelles DSL realisiert bekäme..was nützt mir da die Cloud in den Bergen?
Bei Cloud, da denke ich nur an Wolken...und die brauche ich in den Bergen eher weniger.
Wir haben uns inzwischen angewöhnt das Handy dabei zu haben in den Bergen.
Zwar ausgeschaltet, aber für den Notfall.
Der Empfang ist aber meistens so schlecht, wenn wir mal testen, da möchte ich es lieber nicht brauchen.
Soll das mit der Cloud besser sein? Ich kenne die Werbung nicht und habe mich auch noch gar nicht damit beschäftigt...wie gesagt, schnelles DSL wäre schon ein Traum.
Dann könnte ich auch mal mit Freude die vielen Videos ansehen, die hier eingestellt werden.
Kerstin1980
schrieb am 22.02.2012 um 14:44 ¶Kommentar schreiben
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