Die Gitarre weint
Szene 1, unterwegs:
"Der Hammer, dieses Lied. Die Gitarre weint richtig..."
"Mama, weint die Gitarre wirklich??"
"Nein, Schatz, nicht wirklich, aber sie hört sich so an, er kann sie so gut spielen, als ob sie weinen würde, findet du nicht? Ich hör sie, wie sie weint."
Mein Sohn lauscht.
"Ich hab die CD zuhaus, die hören wir gleich an, wenn wir da sind...ach blöd, dass der Gary Moore schon tot ist, der hat so tolle Lieder gesungen..."
"Mama, ist der wirklich schon tot? Schade, ne...?" anteilnehmend und immer noch lauschend, Sinn haschend, obwohl kein englisch verstehend...
(it used to be so easy to give my heart away)
"...er singt davon, dass er jemandem sein Herz geschenkt hat...und jetzt traurig ist..."
unterbricht mich besorgt und aufgeregt:
"Mama, hat er wirklich jemandem sein Herz geschenkt?!"
"Naja, natürlich nicht in Echt, er singt davon in dem Lied. Man sagt das nur so, dass man jemandem sein Herz schenkt, wenn man jemanden ganz doll lieb hat. Ich hab Dir und dem Papa auch mein Herz..."
unterbricht mich wieder, weil Mama wieder so viel erzählt, endlich gefragt redet sie immer los und predigt bis in die Ewigkeit (psst, leise ich will weiterhören, genug geredet):
"Ja, ich versteh schon, Mama!!!"
Szene 2, zuhause:
Die CD wird von mir vergessen, ich lege mich aufs Sofa, Kind will spielen, lass ich bitte 10min, ich bin so hundemüde, ich komm gleich (denkste, ich ruh mich so lang aus bist du quäkst...bitte lass mich schlummern...sagt mein stinkfauler Revuekörper)
Mein Sohn mobst sich flink die CD aus dem Regal, flitzt in sein Zimmer und dreht voll auf, es ertönt:
"I'm walking by myself"
Oh man!!! So kann man doch nicht liegenbleiben, mich reißts richtig hoch, ich grinse - wahnsinn, hätte er ewig an mir rumgezogen "bitte steh auf", ich wär bestimmt liegen geblieben, aber so...
unglaublich, ich hopse auf einem Bein, wie eine Irre mit imaginären Gitarrensolo und schüttelnden Spaghetti Haaren ins Kinderzimmer und rocke mit meinem Sohn rein, was das Zeug hält...ich drehe noch lauter und wir hüpfen rum, man...g...g...g (sagt man ja nicht)
(nur wer im Rollstuhl sitzt, bleibt hier sitzen)
Schlussatz meines Sohnes "Mama, ich will auch mal die Gitarre zum Weinen bringen!"
Mama darf gespannt sein ;-))
(ich weiß gar nicht, welches Instrument ich meinem Sohn zuerst anbieten soll?!!)
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh und stolz ich bin, dass mein Sohn Musik "fühlen kann".
Das ist der Hammer.
Welche Musik fühlt ihr?
Wo reißt's euch?


Kommentare (5)
Beitrag abonnieren
Unplugged
schrieb am 26.01.2012 um 22:57 ¶habe mich gerade eingeloggt und dann was von "Gitarre..." gelesen. Musste natürlich gleich nachsehen ;-)
Wer weiß, vielleicht hast Du da eine nachhaltige Grundlage gelegt. Vielleicht erinnerst Du dich in einigen Jahren mal daran.
Ich hatte ein ähnliches Erlebnis mit meinem Sohn. Ohne dass es mir so richtig bewußt war ist es wohl die Initalzündung zu einer großen Leidenschaft gewesen.
Heute spielt er u.a. auch diesen Blues so perfekt, dass er kaum mehr vom Original zu untersscheiden ist und ich fast neidisch werden könnte.
mfazzi
schrieb am 26.01.2012 um 23:06 ¶Mensch, ich hab echt an Dich und die Kids gedacht, als das war mit dem Gary Moore. Insofern ist Dir/Euch fast der Blog gewidmet ;-))
Meinst Du, das hat was zu bedeuten, wenn so ein Knirps auf Klänge abfährt, die abseits von den Zuchovkis und Jöckers usw. sind?
Ich find das klasse. Manchmal reißts mich richtig. Wo er's immer nur herbringt...ich bin mal gespannt, an welchem Instrument er hängenbleibt - wie gesagt, ich wüsst gar nicht, worauf er am ehesten Lust hat, der ist ja im stande und fängt mit Schlagzeug und E-Gitarre an. Sowas geht doch nicht mit sechs, oder was meinst Du?? Oder hängt - wie vieles - es immer nur vom Lehrer, dem Interesse des Kindes und letztlich der Chemie zwischen den beiden ab? Das würde mich mal interessieren, Du bist ja vom Fach.
Hannilein
schrieb am 28.01.2012 um 10:05 ¶So kann man Kindern Musik näher bringen, die nicht so ganz uptodate ist. Aber Vorsicht: wenn sie dann alle Beatles-Hits rückwärts erkennen, läuft auch etwas aus dem Ruder (gab es letzte Woche im TV...)
Das Instrument (wenn es hoffentlich eines geben wird) kann damit entschieden worden sein oder sich noch zigmal ändern oder nach und nach alles....
Der große Vorteil zu früher: die meisten Instrumente sind heute sehr viel günstiger und können in der elektrischen Version prima mit Kopfhörer gespielt werden. Beim E-Drum-Set gibt es zwar dennoch Trittschall, dem man entgegenwirken müsste, doch wenn es nicht gerade spät abends stattfindet, kann das Trommeln einem Kind grundsätzlich nicht verboten werden und die Sound-Möglichkeiten sind phantastisch. Ich hatte meinen, unterm Dach schlummernden A-Set 2006 mit auf die Insel genommen, dann die E-Drums entdeckt und spiele heute eigentlich lieber auf diesem - zumal es auch leiser ist, weniger Platz wegnimmt, u.s.w....
Ich habe Gary mehrfach live gesehen - aber eher vor dieser "traurigen" Phase, als er noch ein richtiger Rocker war.Vor seinem Tod sah es auch so aus, als würde er noch einmal den Weg in die frühere Richtung gehen...
Und das ist auch so eher meine Ecke, zwar breitgefächert, von den Engländern der 70 er und deren NOWBM-Nachfolger, über die US-Bands der 80 er und auch einigem Jüngeren aus den letzten Jahren (Foo Fighters)- aber doch immer mit einer Portion "Power". Letzten Sommer war ich ja z.B. beim 2 Tage-"Rock the Nation"-Festival auf der Loreley (mit Thin Lizzy, Manfred Mann, Journey, Foreigner,...) - das war schon meine Sache. Hatte sogar angefangen einen Blog zu schreiben, aber dann war es irgendwie zu lange her...
Unplugged
schrieb am 28.01.2012 um 10:25 ¶danke für die Widmung :-)
Wenn ein Kind auf Rhythmen reagiert und/oder Meldodien nachsingt und das auch noch sehr gut, sollten die Eltern immer "hellhörig" werden. Ich glaube nicht, dass es für Musik ein bestimmtes Alter gibt. Wenn ein Kind sich für Musik interessiert, wird es sich zur richtigen Zeit das nehmen was es möchte - natürlich sollte dann ein Angebot da sein (das ist die eigentliche Herausforderung für Eltern). Ich kenne viele Eltern die glauben etwas wichtiges zu versäumen, wenn ihre Kinder nicht rechtzeitig anfangen ein Instrument zu lernen und entscheiden dann für (bzw. eher gegen) das Kind. Das Ergebnis ist häufig, dass die Kinder dann nach Jahren teuer bezahlter Musikstunden plötzlich aufhören und nie mehr Musik machen. Kenne auch gerade einen aktuellen Fall, wo die Tochter nach 4 Jahren die Violine in die Ecke gestellt hat, weil die Eltern meinten das Instrument passt zu ihr.
Ich habe mit 12 Jahren festgestellt, dass mich Musik interessiert und mich dann durch unterschiedliche Musikstile gespielt (natürlich nur als Hobby - insofern alles eher bescheiden) und da bei uns immer schon immer verschiedene Instrumente herumstanden war das für die Kids interessant.
Insofern:
welche Musik ist eigentlich egal, Instrument findet sich irgendwann, mit Rhythmik anzufangen halte ich aus heutiger Sicht für ideal - Rhythmus ist nun einmal das Fundament.
Das alles ist aber eher meine (Lebens)erfahrung. Ich bin weder prof. Musiker noch Pädagoge.
Übrigens kann ich auch allen Erwachsenen nur empfehlen (auch denen, die niemals Musik gemacht haben)
kauft euch ein Cajon, eine Djembe etc. und trommelt los oder singt in einem Chor mit - es ist nie zu spät....
http://www.youtube.com/watch?v=Qavh304MvUM&feature=related
Herzliche Grüße, Helmut
mfazzi
schrieb am 29.01.2012 um 11:17 ¶Kommentar schreiben
Bitte neu registrieren oder anmelden um einen Kommentar zu schreiben. Neu: auch über