Deutschland hat 6.000 km2 Gartenfläche, wenn man alle Gärten zusammen nimmt. Das scheint auf den ersten Blick erfreulich, sind diese Flächen doch nicht versiegelt.
Romantiker denken gar an üppige bunte Blumen um die sich Bienen und Schmetterlinge tummeln und einem kleinen Teich mit Seerosen in dem die Goldfische schwimmen.
Die Realität jedoch sieht ganz anders aus. Viele Vorgärten sehen so arrangiert aus wie die Eingangshalle eines Grandhotels. Zierbäumchen prangen an jeder Seite des Hauseinganges, auf den Stufen sitzen Barockengel aus Stein. Der sattgrüne Rasen sieht aus wie ein kurzer Florteppich. Zum Haus führt ein schnurgerader Weg aus rotem Sandstein wie ein Catwalk zur Treppe. An der Haustür hängt ein Kranz mit bunten Buchstaben und Blumen aus Filz auf dem „Willkommen“ steht.
Von üppiger Pflanzenpracht jedoch fehlt jede Spur.
Nein, überall sieht es nicht so aus, es gibt auch Gärten die sind so bunt und Blütenreich wie ein modischer Schal und genauso arrangiert. Es sind meist Blumen aus aller Herren Länder, Rosen, Orchideen und Rododenren. Dazu Büsche von Goldregen, Palmen und allerlei exotischer Raritäten.
Doch Schmetterlinge oder Bienen sind auch in diesen Gärten Mangelware. Ganz einfach deshalb weil heimische Insekten nicht auf Exoten aus sind. Diese haben oft zu wenig oder gar keinen Nektar zu bieten. Viele dieser exotischen Blumen werden oft gar nicht von Insekten bestäubt. Viele Blüten sind so geformt das sie nur ein Kolibrischnabel erreichen kann oder sie öffnen ihre Blüten erst nachts wenn die Fledermäuse an ihnen naschen. Doch bekanntlich gibt es bei uns keine Kolibris und auch nicht die Fledermausart die auf diese Blüten spezialisiert sind.
So sind solche Gärten weit weniger paradiesisch wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen.
Gartenteiche sind gerade in Mode, ob mit Wasserlauf über glänzende Steine oder Springbrunnen in der Mitte. Seerosen und Seegras haben sie meist alle. Fehlen dürfen dabei auch nicht die obligatorischen Goldfische, wenn auch nicht gleich Kojkarpfen darin schwimmen. Jeder Besitzer eines Gartenteichs ist sich sicher, dies ist doch auch ein Paradies für Tiere! Aber auch hier Fehlanzeige. Auch wenn sich Frösche dort einfinden ist es doch nicht ratsam überall einen Teich anzulegen. Denn Erdkröten und Grasfrösche wandern jedes Jahr zu ihrem Laichgewässer in dem sie selbst geboren wurden. Es finden sich immer auch Tiere in neuen Gewässern ein. Doch wenn die Kaulquappen im Gartenteich nicht vorher von den Goldfischen verspeist wurden müssen sie dann jedes Jahr zweimal die Straßen die ihr Gewässer mit den Quartieren im Sommer und im Winter trennen, überqueren. Und liegt ein Garten wirklich so ideal am Waldrand überleben die gefräßigen Goldfische im Teich nicht sehr viele. Klar, Vögel baden sich im Teich, Libellen schwirren darüber. Aber haben Insekten meist keine Möglichkeit auch Eier bzw. Larven ins Wasser zu legen. Zur Paarung brauchen viele Libellen oft niedrige Zweige von Bäumen die über das Wasser hängen oder auch Halme die ins Wasser hinein ragen. Fische sind auch die Feinde von Insektenlarven. Gibt es zu viele Fische in einem kleinen Gartenteich ohne Flucht- und Versteckmöglichkeit in seichten Randlagen im Gewässer ist die Chance für die Larven anderer Tiere zu überleben äußerst gering. Zumal sich Fische auch sehr schnell vermehren.
Und wo sollen Vögel ihre Nester bauen wenn es nicht einmal einen Baum oder eine Hecke gibt, geschweige denn eine Bruthöhle in einem hohlen Baum oder einem Nistkasten. Und wenn es dies gibt brauchen die Eltern auch genug Nahrung für ihren Nachwuchs und wo sollen sie die finden in einem aufgeräumten Garten wo Insekten weder Nahrung noch Unterschlupf finden? Wo es nur grüne Zierhecken gibt durch die kein Zaunkönig passt. Im Frühling finden sich keine einheimischen Blüten und im Herbst keine Früchte wie Hagebutten, Weißdorn, Schlehen, Haselnuss oder Walnuss. Noch nicht einmal Äpfel oder Birnen.
Die einzigen bunten Tupfen sind Zierkirschen die keine Nahrung für Vögel oder Säugetiere darstellen.
Wo sollen Schmetterlinge ihre Eier ablegen wenn es die Futterpflanzen der Raupen nirgends gibt. Auf den Feldern stehen nur noch genmanipulierter Mais, auf den überdüngten Wiesen nur noch Löwenzahn und in den Gärten steht auch nichts mehr. Jede Schmetterlingsart ist auf eine bestimmte Pflanzenfamilie oder gar nur auf eine bestimmte Art angewiesen. Doch in den Gärten gibt es nur noch gähnende Leere. Wer wirklich was für Schmetterlinge machen will muss Wildblumen sähen. Brennnesseln stehen lassen. Einheimische Bäume und Sträucher pflanzen und nur ein bis zwei mal im Jahr mähen wenn überhaupt. Dann wird er auch jedes Jahr mit einer noch üppigeren Blumenpracht belohnt. Kornblumen, Hornklee, Kratzdisteln, Taubnessel, Leimkraut, wilde Möhre, Malven, Nelken, Sonnenblumen, Dost, Klatschmohn, Wegwarte, Kapuzinerkresse, Boretsch, Rauke oder Thymian. Eine Vielzahl an Pflanzen sind nicht nur für Insekten Nahrung, sie bieten auch uns Menschen eine abwechslungsreiche und gesunde Kost.
Wer heute noch einen Gemüsegarten hat kann auch etwas für Wildtiere tun. Kunstdünger ist dabei natürlich Tabu. Wenn man düngt dann höchstens mal mit natürlichem Mist vom Biobauern oder auch einem selbst angesetztem Brennnesselsud. Genauso wenig gehört torfhaltige Erde in einen ökologischen Garten. Die wird nämlich aus den Mooren gewonnen die dabei CO 2 frei setzten, gleichzeitig geht ein Lebensraum von unschätzbarem Wert verloren.
Beim Gemüse und Obst sollte man genauso darauf achten das es einhemische Arten sind. An Möhren und Fenchel (auch wilder Fenchel) gehen Schwalbenschwanzraupen, Kohlsorten, Rauke oder Kapuzinerkresse bevorzugen Kohlweißlingsraupen. Viele Tiere besonders die Insekten brauchen diese Pflanzen zum Überleben.
Auch wenn es einen Hobbiegärtner oft ärgert wenn Blätter der geliebten und sorgsam gehegten Pflänzchen abgefressen sind. Sollte man auch den Tieren im Garten einen Anteil gönnen. Für den Naturschutz spielen naturnahe und ökologische Gärten eine immer größere Rolle bei einem immer schnelleren Flächenverbrauch. Wer in seinem Garten an alles denkt der wird aber nie einen Kahlschlag erleben, denn Raupen, Käfer oder Blattläuse sind nie lange alleine. So ein üppiger Speiseplan spricht sich in der Vogel- Amphibien- und Säugetierwelt schnell herum. Wo es Läuse gibt finden sich Marienkäfer ein. Wer genug Unterschlupf und Brutmöglichkeiten für Vögel in seinem Garten bietet muss keine Raupen- oder Heuschreckeninvasion fürchten. Hat man einen Teich ohne Fische im Garten braucht man sich auch im Sommer nie über eine Mückenplage beschweren.
Und wer Igel und Amphibien einen Lebensraum bietet der wird auch nie übermäßig viele Schnecken haben.
Auch im Herbst sollte man an die Tiere denken. Wo können Igel überwintern? Sie brauchen einen windgeschützten Ort und trockenes Laub um sich darin einzugraben. Auch Insekten überwintern, Schmetterlinge z.B. hinter der Rinde von Bäumen, als Raupe eingerollt in Blättern, als Ei oder als Puppe. Darum sollten man immer Plätze im Garten haben die man wild lässt. Auch Fallobst kann man ruhig liegen lassen über diese freuen sich Tiere im Herbst. An Beeren und Samen fressen sie genauso gern. Wer Obst-, Nussbäume und Hecken mit Beeren im Garten hat der kann sich das ganze Jahr über tierische Bewohner im Garten erfreuen.
Wenn sich die Tiere wohl fühlen kommen sie jedes Jahr oder bleiben gar für immer und ziehen ihre Jungen auch dort auf. Dann ist ein Garten ein echtes Paradies für Tier und Mensch.


Kommentare (6)
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meiner der www.hortus-insectorum.de
warum habe ich einen hortus und keinen garten?
weil ich es der vielfalt und dem leben schuldig bin,,,;-)
In deiner Aufzählung fehlt noch der rot, blau, gelb gefärbte Rinden Mulch, damit ja kein Unkraut zwischen den Zierpflanzen wächst.
Als wir noch in der Stadt wohnten hatten wir einen kleinen Garten rund ums Haus, der einzige mit kleinem Gemüsebeet und NICHT feinsäuberlich gestutzter Hecke. Die Himbeeren waren meist Anlass für Klagen von Nachbarn, wenn im Sommer ihre Triebe über den Weg ragten. Mit den Früchten wussten die Siedlungskinder auch nicht so recht was sie damit anfangen sollten. Auf der kleinen Wiese wuchs alles Mögliche an Blumen und in so mancher Ecke gab es noch Brennnesseln zum Ärgernis der Nachbarn. Da war sogar Moos unter so manchem Busch, oh wie unordentlich.
Jetzt wohnen wir in einer Gegend wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und zu meinem Erstaunen sah ich, bei einem meiner Streifzüge mit dem Rad, genau diese Schlossanlagen, wo alles was nicht asphaltiert oder gepflastert ist fein säuberlich von einem gleichmäßig grünen Rasenteppich überzogen ist. Auf dem Rasen fährt noch eine Roboter, der Tag und Nacht den Rasen auf seiner Golfrasenlänge hält. Der Garten hübsch eingerahmt von Friedhofsracketen auch Thujen genannt, die schön eckig geschnitten sind. Ich dachte diese Thujenmode sei endlich vorbei, aber bei vielen Neubauten sieht man wieder frisch gepflanzte. Wie wohltuend ist da eine wilde Buschhecke fürs Auge.
Sehr praktisch sind dann auch noch exotische Bäumchen in Pflanztöpfen, da hat man eine flexible Gartengestaltung oder kann sie auf die polierten Marmorterasse stellen und wenn sie nicht mehr wachsen kauft man eben neue, das lästiges Ausgraben der abgestorbenen Baumstümpfe entfällt denn da könnte sich ja Ungeziefer ansiedeln.
Ich möchte mir gar nicht vorstellen was alles gegen Maulwürfe unternommen wird, denn Maulwurfshaufen auf solch Rasen sucht man vergebens.
Anstelle eines Gartenteichs gibt es dann noch das obligatorische Pool mit viel Chemie und technischem Aufwand bestückt, damit das Wasser auch immer schön sauber und klar und vor allem Tod bleibt.
Und dann sieht man an den Häusern vorbei auf die dahinterliegenden Äcker. Mit Pestiziden und Kunstdünger zu Argrarwüsten umfunktioniert.
Man könnte fast glauben, wir leben in einer lebensfeindlichen Welt.
Ja Richard, ich glaube sogar, manche Menschen fühlen sich in lebensfeindlicher Umgebung auch noch wohl. Da sind sie ungestört. Viele haben doch Angst das Insekten Krankheiten übertragen oder was weiß ich vor welchen Infasionen sodas sie agribisch genau ihren Garten, ihr zweites Wohnzimmer von allem Leben befreien um sich sicher zu fühlen. Solche Leute kaufen meist die biligsten Lebensmittel und essen versäuchtes Fleisch weil sie der Industrie mehr Glauben schenken als ihrem eigenen Gefühl. Darum düngen sie auch ihre Fuchsien mit Kunstdünger. Solche Menschen haben das Leben komplett verlernt. Eigentlich müssen sie einem leid tun. Was sie sich für Arbeit machen mit ihrem Garten und wie stolz sie drauf sind wenn der Rasen so gleichmäßig hoch und grün ist, wie gekauft, toll, oder!?
Ja, da müssen Zweifel aufkommen, aber ist das nicht ein perfektes Spiegelbild unserer Gesellschaft! Konsumorintiert, Statussymbolliebend, Industrietreu, Naturfremd, Neidisch auf den Nachbarn, voller Zweifel an der Welt, menschenfeindlich und hasserfüllt.
Vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Schmetterling und Raupe ist übrigens das Verhältnis zwischen Biene und Bienenlarve:
Bienen ernähren sich vor allem von Nektar (in kleineren Mengen z.T. wohl auch von Pollen), aber ihre Larven benötigen vor allem Pollen für ihre Entwicklung. Laut Westrich handelt es sich bei 117 der in Deutschland vorkommenden 419 nestbauenden Bienenarten* um Pollenspezialisten; das sind etwa 30 %. Diese Pollenspezialisten benötigen für ihre Nachkommen den Pollen ganz bestimmter Pflanzengruppen, und zwar unabhängig davon, ob die elterlichen Tiere in der Lage sind, sich auch vom Nektar anderer Blüten zu ernähren.
(* Nicht nestbauend sind die Arten der sog. Kuckucksbienen, die ihren Nachwuchs anderen Bienen "unterjubeln".)
Klasse und übersichtliche Infos dazu:
http://www.wildbienen.info/bluetenbesuch/oligolektie.php
Zwei Beispiele:
Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca): Streng spezialisiert auf Natternkopf-Pollen, bei uns in erster Linie vom heimischen Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare), funktioniert laut Westrich aber auch gut mit dem Wegerichblättrigen Natternkopf (Echium plantagineum):
http://www.wildbienen.info/Profile/osmia_adunca.php
Malven-Langhornbiene (Eucera macroglossa): Diese stark gefährdete, sehr seltene Art, die in Deutschland nur in einigen Bundesländern vorkommt, ist für ihren Nachwuchs auf Pflanzen aus der Familie der Malvengewächse spezialisiert ( http://de.wikipedia.org/wiki/Malvengew%C3%A4chse#Systematik ).
Neben solchen Spezialisten gibt es die weniger wählerischen Arten, wie z.B. die Honigbiene und die meisten Hummeln. Aber diese können nicht überleben ohne ein ganzjähriges geeignetes Blütenangebot (s. obiger Blog-Text). Gefüllte Blüten bieten Insekten übrigens keine Nahrung. Aus ihrer Sicht sind diese Blüten nicht gefüllt, sondern leer.
Nahrung für Wildbienen:
http://www.wildbienen.info/artenschutz/nahrung01.php (dort mit der Möglichkeit, auf der linken Seite in die nächstfeinere Rubrik abzuweigen, z.B. "Wildstauden")
http://www.bluehende-landschaft.de/fix/doc/NBL-24-Wildbienen-0607.2.pdf
http://www.bluehende-landschaft.de/fix/docs/files/NBL_22_Hummeln_0607.pdf (speziell für Hummeln)
Nahrung für Schmetterlinge und Raupen:
http://www.floraweb.de/pflanzenarten/schmetterlingspflanzen.xsql
http://www.bluehende-landschaft.de/fix/doc/NBL-25-Schmetterlinge-0607.pdf
Nistmöglichkeiten für Wildbienen:
http://www.wildbienen.info/artenschutz/nistm01.php (dort mit der Möglichkeit, auf der linken Seite eine feinere Auswahl zu treffen, z.B. "Vorhandene Hohlräume")
http://www.hummelfreund.com/basteltipps/ (speziell für Hummeln)
http://www.bombus.de/nistkaesten.aspx (speziell für Hummeln)