Gemeinsam haben unsere beiden Räder zunächst, was die meisten E-Bikes eint: der Motor unterstützt den Fahrer bis 25 km/h, danach regelt er ab. Unterstützung gibt es nur, solange man selbst in die Pedale tritt. Ein ambitionierter Radler muss sich also entscheiden: will er motorunterstützt fahren (dann muss er auf dem Tacho immer die 24,9 km/h im Blick behalten) oder will er schneller vorankommen (dann gibt es allerdings keinerlei Unterstützung). Bei meinen ersten Versuchen war ich überrascht, wie leicht man trotz Motor auf der Ebene ins Schwitzen kommen kann. Wer das vermeiden möchte, muss seinen sportlichen Fahrstil gehörig zügeln, um im Bereich der Motorunterstützung zu bleiben.

Ein Wermutstropfen sind die Ladezeiten. Genau ermittelt habe ich sie nicht, aber es vergehen selbst bei Teilladung mehrere Stunden, bis die Akkus wieder voll sind. Das mag der Lebensdauer der Akkus geschuldet sein – andererseits hätte ich mir dann bei dieser geringen Ladeleistung (80 Watt an der Steckdose) wiederum kompaktere Ladegeräte gewünscht. Notebooknetzteile mit derselben Leistung gibt es mit wesentlich kompakteren Abmessungen. Gerade wenn man das Netzteil auf einer längeren Tour im Gepäck mitführen muss wäre das sicher was wert.

Zu den Rädern:

Bulls Green Mover sportslite
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Hier handelt es sich um ein recht „klassisches“ Trekkingrad mit 24 Gängen, das um einen Motor erweitert wurde. Vorteil: die Optik ist nicht allzu gewöhnungsbedürftig, außerdem lassen sich viele Standard-Anbauteile verwenden.

Der Motor spricht sehr direkt an, man wird beim Anfahren praktisch verzögerungsfrei unterstützt. Genau genommen reagiert der Motor derart sensibel, dass man beim Warten an der Ampel gar nicht weiß wohin mit dem Fuß: stellt man ihn nur leicht auf dem Pedal ab, wird das unverzüglich mit einem kräftigen Motorschub quittiert. Sobald man losrollt ist die Unterstützung aber sehr angenehm: man gewöhnt sich im Stadtverkehr innerhalb weniger Minuten das Schalten ab. Man fährt in einem der höchsten Gänge an und kann diesen problemlos bis zur Endgeschwindigkeit beibehalten – sehr komfortabel. Macht man sich doch die Mühe, in einem niedrigeren Gang anzufahren erreicht man die Endgeschwindigkeit innerhalb zwei, drei Sekunden. Das ist ziemlich beeindruckend, und – so bescheuert das klingt: man wird glatt süchtig nach roten Ampeln, nur um bei Grün wieder lospreschen zu können.

Elegant ist der Netzteilstecker: der haftet per Magnet am Akku – so wie man das von diesen gewissen Apfel-Notebooks kennt. Das funktioniert gut und ist recht praktisch.

Die Akkuanzeige war leider nicht recht vertrauenswürdig. Nach etwa zwanzig Kilometern zeigte sie noch fünf von zehn Strichen (das ist plausibel). Bei der Weiterfahrt fiel sie am Fuß des ersten Berges allerdings auf einen letzten blinkenden Strich zurück und ich musste mich sorgen, ob ich heute etwas mehr Muskelkraft benötigen werde, um zur Arbeit zu kommen. Es hat dann doch noch für die verbleibenden fünfzehn Kilometer gereicht, aber… vertrauenserweckend? Nein.

Etwas fragwürdig fand ich das Energiekonzept an Bord, da gibt es im Einzelnen:

# den Motor (versorgt durch den Hauptakku)
# den Bordcomputer/Tacho (versorgt durch eine Knopfzelle)
# den Tachosensor (versorgt durch eine weitere Knopfzelle) sowie
# die Lichtanlage (versorgt durch einen Nabendynamo)

Ganz schön viele Energiequellen für so ein bisschen Fahrrad, oder?

Akku, Tacho und Tachosensor kommunizieren untereinander per Funk (2,4 GHz). Das funktionierte im Test recht zuverlässig und spart natürlich ein paar Kabel. Andererseits habe ich gewisse Zweifel, ob ein Fahrrad, das den Begriff „Green“ im Namen trägt nun wirklich auch noch zwei Wegwerf-Knopfzellen für den Betrieb brauchen sollte.

Winora town:exp 250
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Das Winora ist im Vergleich zum Bulls eine komplette E-Bike-Neuentwicklung. Dadurch konnte manches Detail (etwa die Unterbringung des Akkus) eleganter gelöst werden, andererseits beißt man sich bei der Erweiterung schnell die Zähne aus. Meine Packtaschen etwa ließen sich am Spezial-Winora-Gepäckträger nicht befestigen. Und tauschen lässt er sich nicht, weil Akkufach und Gepäckträger aus einem Stück sind. Schade.

Der Motor dieses Rades verhält sich komplett anders als der obige: es ist oft erst eine komplette Pedalumdrehung notwendig, bis die Unterstützung einsetzt. Das ist unangenehm – insbesondere beim Anfahren. Noch unangenehmer ist allerdings, dass der Motor mit derselben Verzögerung weiterschiebt, sobald man aufhört zu treten. Im Stadtverkehr muss man somit gehörig aufpassen, dass man nicht unversehens auf ein parkendes Auto oder vor eine Stadtbahn geschubst wird, obwohl die Pedale längst stillstehen. Man gewöhnt sich auch daran, aber wer sich auf einem Rad generell etwas unsicher fühlt, wird wohl das Ansprechverhalten des Bulls vorziehen.

Psychologische Aspekte

Für den Test hatten wir die Räder zwei Wochen in unserer Niederlassung zur Verfügung. Während dieser Zeit kam eine ganze Reihe von Kollegen vorbei, um spitzfindige Fragen zu stellen (Wofür ist dieser Knopf!) oder Skepsis zum Ausdruck zu bringen (Nein nein, das ist mir viel zu gefährlich…). Zu einer Probefahrt zu bewegen war neben mir allerdings nur: genau einer. Das ist enttäuschend, zumal die Räder völlig unkompliziert für eine Runde auf dem Hof oder um den Block zur Verfügung standen. Aber da zeigt sich wieder, was zählt – und wohl leider noch lange zählen wird: der Status eines Kollegen wird daran gemessen, wie groß das Auto ist, mit dem er vom Hof fährt. Die Idee, vor den Augen der Kollegen eine Runde auf dem E-Bike zu drehen scheint eine ernste Gefahr für diesen Status darzustellen. Allenfalls in Erwägung gezogen wurde noch, die Räder mit dem Auto nach Hause zu bringen, um sie dort zu testen. Aber vor Ort? Undenkbar. Ich möchte gar nicht wissen, im wievielten Untergeschoss dieser Hierarchie ich stehe, seit ich freiwillig auf meinen Firmenwagen verzichte und seither jeden Morgen ZU FUSS von der Bushaltestelle komme.

Ökologische Aspekte

Interessant ist zu guter Letzt noch die Frage nach der Gesamt-Energiebilanz. Ersten Anhalt könnte die Webseite www.eingutertag.org bieten. Für meine Fahrt zur Arbeit (Einfache Strecke 15 km) wird dort angegeben:

# mit dem PKW: 32 Punkte
# mit dem Linienbus: 19 Punkte
# mit dem E-Bike/Fahrrad/zu Fuß: 0 Punkte

Dabei entsprechen 100 Punkte einem „nachhaltigen“ Maß von 6,8 kg CO² pro Person pro Tag – das Konzept ist auf der Webseite näher erläutert. Es wird schnell klar, dass die für die Herstellung aufgewendete Energie und viele weitere Faktoren nicht einbezogen wurden.

Robert & Brenda Vale gehen der Sache in ihrem Buch „Time to eat the dog?“ wesentlich detaillierter auf den Grund. Sie wägen im Kapitel über Mobilität auf gut fünfzig Seiten ab, ob wir den Weg zur Arbeit zukünftig besser per Elektroauto, per Bus, per Rad, zu Fuß oder mit dem Pferd (!) zurücklegen sollten. (Ganz nebenbei: das Pferd kommt bei dieser Betrachtung nicht sonderlich gut weg – vermutlich weil das Gewichtsverhältnis zwischen Transportmittel und Fortbewegtem ähnlich ungünstig wie beim Auto ist.) E-Bikes wurden leider nicht berücksichtigt. Überraschend für mich war aber trotzdem ihr Fazit: Mit leichtem Vorsprung gewinnt das Fahrrad den Vergleich – allerdings versaut man sich die Bilanz umgehend wieder, sofern man – im Büro angekommen – erst mal duscht (mit elektrisch erhitztem Wasser). Man versaut sich die Bilanz ebenso, wenn man die Energie fürs Pedaletreten aus Cheeseburgern statt aus Vollkornbrot bezieht. Was bleibt ist also aufs Neue die Erkenntnis, dass es keine einfache Antwort auf diese Frage gibt. Aber eine einfache Antwort wäre ja nun auch wirklich langweilig gewesen, oder?