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Hygiene-Boxauswahl

Wie man aus dem dazugehörigen Link sieht, lautet der Blogtitel:„ we upcycle“, was man mit „wir veredeln“ annähernd übersetzt werden könnte. Aber was unterscheidet Recycling von Upcycling?


1994 tauchte der Begriff „Upcycling“ erstmalig in einem Interview auf, das Thornton Kay of Salvo mit
Reiner Pilz führte. ( http://en.wikipedia.org/wiki/Upcycling ) Der Interviewete meinte hierin, das Recycling eigentlich fast immer auf Zerstörung(?) mit gleichzeitigem Wertverlust der Dinge hinauslaufe, es aber mehr Sinn machen würde, ja wünschenswert wäre, Müll so wieder zu verwenden, dass im Endeffekt aus dem Ausgedienten ein höherwertiges Produkt würde, also es „upgecyceld“ werden
müsste. Das klingt eigentlich plausibel, aber, wenn „Wertloses“ und eigentlich Aussortiertes und Entsorgtes (Reste/Abfall/Müll) schließlich wiederverwendet wird, gibt man ihm damit schon wieder
einen (etwas) „Wert“ zurück. Vielleicht kein Unterschied, alles einfach nur rhetorisch?


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"Schnittmuster" einer Hygienebox

Als Künstler, der auch gerne einmal Müll verarbeitet, muss mich um diese feinen Unterschiede nicht
kümmern, ichhabe es damit viel einfacher. Obwohl ich häufig ein Müll-Produkt arg zerstören muss um es in meinem Sinne wieder oder weiter zu verwenden, wird das ein Kunst-Objekt. Indem ich Verwertbares in den Raum der Kunst überführ und danach einen (Verkaufs-)Preis bestimme, bekommt es einen Wert, egal ob oder wie ich diesen Prozess benenne! Spitzfindig könnte man argumentieren, bleibt mein Objekt unverkäuflich, habe ich es nicht „up-“ sondern lediglich nur „re-“ oder gar "downcycelt" und bin ich es irgend wann leid und entsorge es sachgerecht, dann war es halt nur Müll!

(M)eine Box" :

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Obwohl ich die Boxen 2007 schon einmal hier mit vorgestellt habe

( http://www.utopia.de/blog/litter-art/noch-mal-was ), denke ich dass meine neuen Bilder von ihnen einige hier vielleicht noch einmal interessieren. Meine damals noch heranwachsende Tochter benötigte (?) etwas für den privaten Kram, dass sich in jeder Art von Frauen(Hand)Tasche leicht finden lassen musste und, zudem, besonders wichtig, nebenbei möglichst unauffällig auf einen zufälligen Betrachter wirken sollte. Deshalb entstand schon früh aus einer Shampoo-Flasche ein „Hygiene-Behältnis“



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Shampoo-Flaschen, boten sich an, weil die teils recht farbenprächtig daher kommen, oft undurchsichtig sind und für die beabsichtigten Dinge, gleich die richtige Größe mitbrachten. Wie auf dem Schnittmusterbild angezeichnet, muss dazu eine Shampoo-Flasche so zerschnitten werden, dass ihr Bodenbereich intakt und gleichzeitig noch eine passende Lasche, zum Verschließen des Ganzen erhalten bleibt. Ein Anorak-Druckknopf schien mir der passende und zierende, aber auch sichere
Verschluss dafür. (Die Boxen wurde nebenbei ein richtig schöner Verkaufsschlager!)



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Box mit/an Kette

Eine nette „Weiterentwicklung“ bestand im zusätzlichen Anbringen einer zierlichen Schlüsselkette. Damit das „Notfall-Set“ auch einmal, an einer am Taschenrand befestigten Leine, leicht aus einem Taschenchaos diskret hervorgezogen werden oder auch nur als Solitär, an Kleinsttäschchen oder einer Jeansgürtelschlaufe, außen und und sichtbar, getragen werden konnte. Damit ein leichtes Ausreißen der
Kunststoffseitenwand vermieden wird, habe ich das Loch durch eine Hohlniete verstärkt.




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Später funktionierte ich sogar eine Tasche so um, dass sie während eines längeren Studienauslandsaufenthaltes im Ausland und während der langen Anreise, den empfindlichen und teures Kopf ihres Stethoskop schützte.



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Zum Schluss stelle ich mir nun nochmal (diesmal wirklich rein rhetorisch) die Frage, bin ich nun ein
Downcycling, ein Recycling oder ein Upcyclingkünstler? Unnötige „Anglizismen“ haben mir nie sonderlich zugesagt und deshalb steht schon immer auf meinen Visitenkarten einfach: Wandler.

Damit kann ich „rauf“ wandeln , oder „runter“ oder verwandeln, auf jeden Fall habe ich stets etwas umgewandelt. Die Richtung ist mir dabei wirklich völlig egal! Möglicherweise entscheidet das ein Betrachter, oder ein womöglicher Käufer. Verschenke ich so etwas, selbst dann wandle ich damit in jedem Fall, nämlich etwas in eine liebevoll gemeinte Gabe.



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