Kindesentzug:
Gegen 9 Uhr geh ich los. An der Haltestelle des Busses steht ein Mann mit Hund. Als ein anderer Hund vorbeikommt, kommen wir ins Gespräch. Die beiden Männer halten ihre Hunde an den Leinen kurz, sie dürfen nicht zueinander. Die Hunde zeigen deutlich, dass sei zueinander möchten und sie dürfen nicht ...
„Tja, ohne Leinen wäre das kein Problem gewesen“, sage ich. Der Mann, der stehenbleibt geht darauf ein und sagt: „Ja, zumal hier Hunde ohne Leinen laufen dürfen!“ Ich antworte: „Ja, überall da, wo es sehr schnell gefährlich werden kann, dürfen Hunde frei rumlaufen, ich weiß!“
Wir stehen an einer Zufahrtsstraße zu irgendwelcher Autobahn und in der Mitte der Straße brausen in beiden Richtungen etliche Straßenbahnen in beide Richtungen. Fußgänger haben nur an weit auseinander gelegenen Stellen die Möglichkeit, diese Straße überhaupt überqueren zu können; es ist die Berliner Allee in Berlin-Weißensee. Wir reden weiter über Hunde und Verbote und ich erzähle, wo ich hin will und weshalb und wir stellen fest, dass wir beide aus dem Gesundheitswesen kommen und es eben schwierig ist, mit Kindesentnahmen, denn auf der einen Seite werden Kinder den Familien entrissen, wo die Eltern nicht den Vorstellungen der Machtausübenden entsprechen und andererseits krepieren Kinder bei ihren Eltern. Was tun? Was ist hilfreich?
Na, der Bus kommt pünktlich, toll! Super geheizt sind die Busse auch, was will ich mehr, außer nem Sitzplatz? Nix. Ich sitze also und fahre etliche Stationen, eben bis nach Pankow, in die Kissingenstraße, zum Amtsgericht.
Im Gerichtsgebäude, in der Auskunft, zwei Männer und eine Uhr, die mir zeigt, dass es kurz vor Zwei ist ...
„Oh, ich hoffe, ihre Uhrzeit stimmt nicht!“, sage ich lachend, „denn ich hab noch vor der Tür eine Dame nach der Uhrzeit gefragt und sie hatte gesagt, dass es 9:45 Uhr ist.“
Die beiden Männer lachen mit mir, einer sagt: „Tja, hier gehen die Uhren anders.“
„Hmmmm“, kommt von mir und ich frage, wo denn der Raum ist, zu dem ich möchte. Im Gericht Moabit, da, wo ich Prozessbeobachterin bei Yunus und Rigo war, gibt es eine lange Wand auf der angezeigt wird, wer wann in welchem Raum seinen Auftritt hat -, hier ist es nicht so ...
In welcher Angelegenheit ich denn hier wäre, werde ich gefragt. „Ich will den Eltern, denen die Kinder entzogen wurden, zur Seite stehen. Ist die Verhandlung eigentlich öffentlich?“, meine Antwort. „Nein, Familienangelegenheiten werden nie öffentlich verhandelt.“ Ich: „Hm, dachte ich mir schon!“
Gut, dass ich mir den Familiennamen der Mutti gemerkt habe, ich kann also punkten, weil ich nicht nur die Vornamen der Eltern weiß ...
Puh, was tun? Ich weiß nun, in welchem Raum „verhandelt“ wird, ich möchte mich im Warmen hinsetzen und weiß nicht, ob die Beiden schon drin sind. Ich möchte ihnen vorher noch ans Herz legen, Gelassenheit rüberzureichen, denn ich weiß, was in Gerüchtssälen so abgeht ...
Stehen fällt mir mit meinen schon mehrmals operierten Beinen nicht leicht. Oben, direkt vor meiner Nase steht eine Bank. Ich beschließe: „Ich lass mich schon mal filzen, damit ich mich hinsetzen kann“.
Ich steige die paar Stufen zu den zwei oder drei Justizangestellten hoch. Ein Zettel. Darauf steht - Personalausweis ist gefordert. Mist, das Teil passt nicht ins Portemonnaie, deshalb ist er nie bei mir, ich brauch ihn auch sonst nie. Ich hol meinen Berlin-Pass raus und sage dem Dienenden; dass ich nur diesen Pass mithabe. „Dann können Sie hier nicht rein.“ Weshalb nicht?“
Dazu muss ich schreiben, wie Menschen zu einem Berlin-Pass kommen: Wer Hartz IV bekommt -, wer sonst noch, weiß ich nicht-, kann diesen Pass im Rathaus beantragen. Er muss dazu ne Bescheinigung vom Jobcenter vorlegen, die druckfrisch ist und ein aktuelles Passbild! Alle halbe Jahre wird der Pass im Bezirksamt -, bei mir Pankow, also der selbe Bezirk in dem das Gericht ist -, gestempelt ...
Ich hab jetzt mal die Lupe rausgeholt, um das Kleingedruckte auf dem Pass zu lesen. Da steht: „Berechtigungsnachweis: Die Inhaberin oder der Inhaber des „berlinpass“ hat Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Leistungen der Sozialhilfe oder des Asylbewerberleistungegesetzes.“
Darunter steht Gültig bis 31.05.12, ein Stempel vom Bezirksamt Pankow und eine hndgeschriebene Unterschrift ist drunter.
Die andere Seite hat links das aktuelle Passbild daneben stehen rechts zuerst der Familienname, darunter der Vorname, darunter das Geburtsdatum,, darunter die Wohnungsadresse und ganz unten steht die Kartennummer ...
Außen steht www.berlin.de und auf der anderen Seite berlinpass Öffne dir die Stadt ...
Meine letzte Frage war also, weshalb ich denn mit dem Berlinpass nicht hinein darf. „Weil das kein amtliches Formular ist!“ „Wie bitte? Um den zu kriegen muss ich in zwei Ämtern antreten!“ Dafür kann ich ja nicht!“, seine „Antwort“.
Ja, mal wieder das gewohnte Niveau, ich hatte mich so lange wir nur möglich von solchen Leuten fern gehalten, nun hatte ich es mal wieder, war ihm ausgeliefert ...
„ Ich würde mich gern da auf die Bank setzen, weil ich auf andere Menschen warte.“ Das geht nicht, Sie können hier nicht durch! Sie können ja draußen warten!“ „Da ist es kalt und kein Sitzen möglich!“ „Sie können sich unten an der Treppe an die Heizung stellen.“ Ich: „Das kann ich eben nicht, ich hab zwei nicht gesunde Beine.“ Immerhin spricht er noch seine sich langweilende Kollegin an, die die Kommenden, die keinen Dienstausweis haben immer abscannt, ob das doch stimmt, dass er mit Berlin Pass keinen reinlassen darf! Sie bejaht ihm das, was denn sonst?
Mir ist das Ganze zu blöde, ich halt sowas einfach nicht mehr aus und gehe, um mit dem nächsten Bus wieder zurück zu fahren.
Tja, warum sollte auch nur einer von Denen, die dort ihre Lebenszeit verbringen an der Wichtigkeit und der Richtigkeit seines Tuns zweifeln, warum?


Es geht um eine mir ein wenig bekannte Familie, die auseinandergerissen wurde, zu der 6 Kinder gehören ...