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Langzeitarbeitslos ...

Da ham wa se wieda janz deutlich:
de Differenzierungsschwierigkeiten, die unsa Land lebendig halten!

Alle
Langzeitarbeitslosen werden ab sofort -, Dank sei dem schlauen Fuchs Herrn Hartz -, mit der selben Unsumme Leben erhaltenden Geldes, an der Vorstufe zum Freitod, im Zustand der Langzeitarbeitslosigkeit, erhalten.
Vater Staat sorgt sich, will uns das Lebenmüssen ermöglichen. Egal, wie viele Prozente deiner Behinderung durch Mitmenschen, die als „kompetent“ gelten, festgelegt wurden, egal, in welchem Beruf du jahrelang engagiert gearbeitet hast, und dadurch körperlichen und seelischen Schaden genommen hast, allen wird gleich engagiert geholfen! Alle Berliner Einwohner, die schon seit vielen
Jahren, weshalb auch immer, keiner geregelten Berufstätigkeit treu waren, die werden jetzt, mit einer genau berechneten Summe Geldes, am Lebenmüssen, erhalten!

Plötzlich regen sich hier Viele auf. Sie meckern laut, über diese lebenserhaltende Maßnahme. Mich erschüttert lediglich die Tatsache, dass sich so viele Menschen über diese Summe empören. Seit 15 langen Jahren, davon 13 Jahre mit heranwachsendem Sohn, habe ich mit solch einer Summe Geldes, Monat für Monat, Jahr für Jahr, das Leben ertragen müssen, denn meine Behinderung passte in kein Schema.
Das hat keinen Menschen bewegt, bis auf einige gute Freunde. Eine Krankenschwester, die EINEN epileptischen Anfall hatte, die ist für alle eine große Gefahr, nur nicht für sich selber und ihr
kleines Kind! Das war schon in der einzigen DDR, die Deutschland zu bieten hatte so, und das ist auch in diesem Deutschland, in das wir eingefügt werden, nicht anders. Im Gegensatz zu den Fachärzten, die ich heimsuchen musste, um meine Wahnsinnsangst zu besiegen, damals, 1988, nach dem einen generalisierten Krampf am 23. Dezember, habe ich mich intensiv mit dem Thema „Epilepsie“ beschäftigt. Ich achte, seit ich darüber informiert bin, wie solche mich anfallenden Ereignisse geschehen können, auf die ersten körperlichen Zeichen. Wenn mich, ohne akuten Anlass, große Angst anfällt, ein Geruch und ein Geschmack sich in mir ausbreiten, dann wehre ich sie ab. Ich sage mir, dass ich bei mir keine Angst
zulassen werde. Das kostet mich eine enorme Anstrengung, denn ich verstehe nicht, was in diesen Momenten mit mir geschieht.
Ich habe keinen Grund, Angst zu haben, bis auf den Dauergrund: die Antwort auf die Frage: „Warum muss ich eigentlich leben, kann nicht einfach einen Schlussstrich ziehen ?“

Im Cafè des WIB, einer Zweigstelle der „Weißenseer Integrationsbetriebe“, teile ich mit einigen anderen Fotobegeisterten die Freitagnachmittage. Wir betrachten gemeinsam unsere Eigenproduktionen und
sind oft Gäste in Fotogalerien.

Das WIB fing gleich nach der Wende an, ein WIB zu sein. Es öffnete sich für Menschen mit
Psychiatrieerfahrungen. Damals war das direkt am Weißensee gelegene Blindenheim geräumt und das WIB hatte einige Räume des Gartenhauses bezogen.

Martin, mein Sohn, war 5 Jahr jung. Auf der Suche nach Kontakten suchte ich auch in der Gegend des Blindenheimes und traf die Einladung an Menschen mit Psychiatrieerfahrung. Ha, beinahe 20 Jahre meines Lebens hatte ich als Mitarbeiterin in der Psychiatrie gearbeitet. Da! Wieder keine Differenzierung!

„Psychiatrieerfahrung“ war Grundvoraussetzung, um dazu zu gehören. Da ich von denen abhängig war, die meinten ich sei zu krank um mit psychiatrischen Patienten auch weiterhin als Musik – und Gestaltungstherapeutin zu arbeiten, ging ich damals als quasi Kollegin ins WIB. War mir egal.
Wichtig war, dass mein Kind nicht ständig unter dem Leben zu dem wir gezwungen wurden leiden musste!
Martin sollte eine Kindheit erleben, an deren Glück erfüllte Momente er sein ganzes Leben lang immer wieder denken kann und aus denen er immer wieder Kraft für schwere Momente schöpfen könnte.
Entspannend war die Atmosphäre im Gartenhäuschen. Die stinkige Luft der Hauptverkehrsstraße
vor dem Blindenheim wurde von der guten Luft, vom Wetter des Sees der an der Rückseite des Hauses liegt, überlagert. Wir waren an so manchem Tag etliche Stunden lang, fröhlich spielend, im Garten zusammen. Die Tischtennisplatte machte uns zu Semiprofis, natürlich nur mit Hilfe von Bällen und Schlägern, die wir nutzten.

Eines Tages mussten die WIBler umziehen. Das alte Vorderhaus, das bereits seit etlichen Jahren wegen seiner Baufälligkeit gesperrt war, wurde abgerissen. Durch einen modernen Bau, der den Bedürfnissen blinder Menschen angepasst wurde, wollte man wenigstens einigen Blinden, die
Möglichkeit eines unkomplizierteren Alltags bieten. Das WIB Cafè zog an eine belebtere Ecke unseres Stadtbezirkes.

Dort fand sich dann auch wieder die Fotogruppe zusammen.

Wenn ich sehe, welche Leute dort sitzen, sich keine Sorgen machen müssen, wie sie ihren Lebensunterhalt erkämpfen, denn sie haben sich zeitig genug ihren Macken ausgeliefert und bekommen deshalb Renten, dann wird mir speiübel! Junge starke Männer flüchten sich in Traurigkeiten, lassen sich hinein fallen, wie ein Säugling in Mamas Arme. Da sie an Mutterns Brust
keinen Zutritt haben, wahrscheinlich auch nie hatten, saugen sie, völlig ergeben, viele Stunden des Tages an Zigaretten, genau wie Säuglinge an der Brustwarze, der sie stillenden Mutter. Während die Säuglinge vom Stillen still werden, werden unsere Psychiatrieerfahrenen vom stinkenden Sog still.

Nie hätte ich vor dem epileptischen Anfall gewagt, eine Behauptung zum Thema Depression aufzustellen. Nachdem ich etliche Male, nur wegen der Sicht auf mein Kind, nicht gegangen bin denke ich, dass „Fachleute“ meine erdrückenden Traurigkeiten auch mit dem Begriff „Depression“
belegen würden. Nach der Diagnose würde mein Lebensunterhalt durch eine Rente gesichert gewesen sein, damals.

Da ich aber der Meinung bin, dass ich mich keiner Depression ergeben will sondern dagegen ankämpfen will und deshalb zu meinem Zustand sage, dass ich oft tief traurig bin, bin ich, im Gegensatz zu denen, die sich in ihre Depressionen ergeben, gesund und in keiner Notlage.


Berthild Lorenz





Inzwischen sind etliche Jahre vergangen und ich hatte das große Glück, hinter einer Website
eine Versteherin zu treffen. Sie las viel von mir Geschriebenes, obwohl wir uns noch nie getroffen hatten und antwortete im September 2008:

...

Ich würde mir so wünschen, dass Sie durchhalten. Dass Sie bei Ihren Projekten bleiben und immer mal zwischendurch in den Wind heulen, wenn Sie es nicht aushalten können, dass manches sich nicht so schnell verändert.
Sie haben schon so viel gelesen, gelernt in Ihrem Leben. Ich denke,
jetzt geht es um Sie, darum, was Sie brauchen, um glücklich zu sein.
Darum, dass Sie mit sich selbst freundlich sind, es sich vergeben, wenn
Sie es nicht schaffen, gleich all das zu ändern, was Sie so schmerzhaft
beobachten. Es fängt alles bei uns selbst an!

Ich habe keine Ahnung, wie das gehen kann. Weiß auch nicht, ob ein Leben
reicht, um all das aufzuarbeiten, was Ihnen passiert ist, und das zu
erleben, was wir uns alle so sehr wünschen.

Was ich weiß ist, dass Sie etwas wichtiges beizusteuern haben zu unserer
aktuellen Entwicklung in Deutschland (ich weiß, wir sind jetzt in Eurpoa
und global mit allem verbunden) - und es wäre richtig, richtig gut, wenn
das gehört werden könnte. Ich weiß, Ihr Eindruck ist im Moment, dass es
keiner wissen will - für mich geht es darum, die richtigen Menschen zu
finden, und damit haben Sie in der letzten Zeit doch ziemlich viel Glück
gehabt.

Es braucht doch Liebe, wenn sich was verändern soll! Es erscheint mir
vermessen, dies von Ihnen zu verlangen - und anders kann ich es mir
nicht vorstellen.

Ganz herzliche Grüße,

...

Ich fühlte mich seit diesem Brief gelassen, entspannt, konnte mich endlich verstehen, weil da endlich ganz viel Verstehen geschenkt wurde!
Das ist es, wonach wir uns alle sehnen, uns selber zu verstehen und dazu brauchen wir andere Menschen, ist mein Erleben und ich bin der Monstermutter sehr dankbar!
Weil sie mich hat erleben lassen, dass sie Gefühle ernst nimmt, deshalb kann ich auch hinter Ihrer Idee stehen und überall davon erzählen: www.gefuehlsmonster.eu
Mein Leben haben diese Gefühlsmonster sehr bereichert und es geschieht in jedem Menschen etwas, der sie in der Hand hält ...