Fakten und Hintergrund-Informationen zum Unfall der Bohr-Plattform “Deepwater Horizon” im Golf von Mexiko
(eine Übersicht mit Stand vom 1. Mai 2010)
22. April, 22:00 Uhr US-amerikanischer Zeit: Brand und Explosion an Bord der Bohrplattform „Deepwater Horizon“, 130 Meilen (ca. 210 km) südöstlich von New Orleans an der Explorationsbohrung im von BP lizensierten Ölfeld „Macondo MC252“. 126 Menschen an Bord – 17 Verletzte – 11 vermutlich ums Leben gekommen. Die amerikanische Küstenwache hat ihre Rettungsaktion mittlerweile eingestellt. An der Unfallstelle tritt seither in 1.500 Meter Wassertiefe Öl aus.
Eigner und Betreiber der Bohrplattform ist der Weltmarktführer in Bohrschiffen und Bohrplattformen, Transocean, die im Auftrag der BP eine Erkundungsbohrung durchführten. Transocean hatte die Verantwortung für die Plattform, die darauf arbeitenden Mitarbeiter und die Sicherheit. Transocean ist mit Abstand der weltgrößte Driller und war noch letztes Jahr unter den Finalisten des Sicherheitspreises „for Excellence“ der für Bohrungen im Golf verantwortlichen US-Behörde „Minerals Management Service“(MMS).
BP hält am Ölfeld eine Beteiligung von 65 %, die amerikanische Ölfirma Anadarko 25 % und die japanische Firma Mitsui 10 %. Da BP die Mehrheitsbeteiligung am Ölfeld hält, ist sie nach US-amerikanischem Gesetz stellvertretend für alle Eigentümer für die Reinigungsaktion verantwortlich.
Was tut BP zurzeit im Golf von Mexiko?
BP arbeitet mit Partnern (siehe die zentrale website: www.deepwaterhorizonresponse.com) an allen möglichen Fronten – unter Wasser, an der Meeresoberfläche sowie an Land.
Alle erdenklichen Ressourcen werden mobilisiert – mehr als 2.500 Menschen sind mittlerweile involviert – davon etwa die Hälfte von BP selbst. BP-Experten aus dem operativen und technischen Bereich arbeiten zurzeit mit mehreren US-Behörden und Organisationen zusammen (tägliche Updates zur Sachlage auch in deutsch bei: www.bp.de).
Arbeiten unter Wasser
Nach aktuellen Schätzungen treten täglich zwischen 1.000 und 5.000 Barrel Öl aus – es gibt keine genaueren Einschätzungen – 3 Öl-Austrittsstellen wurden lokalisiert.
BP hat gemeinsam mit Transocean mittlerweile sechs ferngesteuerte Unterwasser-roboter (ROVs: remotely operated vehicles) um den 450 Tonnen schweren Blowout Preventer (BOP = Überdruckventil) am Meeresboden platziert, um die Schließungsoperationen an diesem riesigen Ventil zu überwachen bzw. voranzutreiben. Diese Operationen werden solange fortgesetzt, bis das Ziel der manuellen Ventilschließung erreicht ist bzw. die Quelle der Ölaustritte auf eine andere Art und Weise geschlossen haben.
Neues Kuppel-Ölauffangsystem unter Wasser
Des Weiteren läuft seit einigen Tagen an der Küste parallel ein Bauprogramm zu einem Unterwasser-Ölauffangsystem (eine große Kuppelkonstruktion). Eine Kammer ist bereits fertig, zwei werden gebaut. Das Seefahrzeug, mit dem dieses System direkt nach der Fertigstellung zum Einsatzort transportiert wird, hat BP bereits bestimmt. Spezialrohre für diese Eindämmung unter Wasser werden zurzeit zum Bohrschiff gebracht.
Entlastungsbohrungen
Entlastungsbohrplattform III (DD3) ist bereits vor Ort und beginnt am 1. Mai mit der Bohrung – alle Genehmigungen sind erteilt worden.
BP hat bei der MMS (Minerals Management Services) Genehmigungen für eine zweite Entlastungsbohrung bereits beantragt, wenn diese erforderlich sein sollte.
Darüber hinaus hat BP beim Verteidigungsministerium zwei Hilfe-Ersuchen eingereicht – beim ersten handelt es sich um bessere Unterwasser-Bildgebungsgeräte; das zweite ist eine Bitte an das Verteidigungsministerium zu prüfen, ob es über mehr ferngesteuerte Unterwasserroboter verfügt, als zurzeit kommerziell vorhanden sind.
Dispersionsmitteleinsatz unter Wasser
Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wird über eine neue Technik nachgedacht, mit der das Dispersionsmittel direkt an der Quelle, d.h. 1,5 km unter der Meeresoberfläche im Golf von Mexiko, eingesetzt werden kann, was die Menge des Öls, das an die Oberfläche gelangt, erheblich reduzieren würde. BP hat die US-Regierung um eine Genehmigung gebeten, der Antrag wird geprüft. So könnte der Schaden stärker auf eine Stelle begrenzt werden.
Arbeiten an der Meeresoberfläche
Vor Ort hat 76 Einsatzschiffe zur Bekämpfung des Ölaustritts. Die Partner bei der Bekämpfung des Ölteppichs haben bisher mehr als 450.000 Liter Dispersionsmittel verwendet, um den Ölteppich auf der Meeresoberfläche auseinanderzutrennen – mehr als ein Drittel aller weltweit vorhandenen Dispersionsmittel steht zur Zeit in dieser Region zur Verfügung.
Die Einsatzteams hatten bis Donnerstag, 29. April, mehr als 18.000 Barrel eines Öl-Wasser-Gemischs (mit dünner Öl-Emulsion, 0,003mm) aufgefangen.
Ein Abfackeln, das am Mittwoch (28. April) getestet wurde, war erfolgreich und das Krisenteam bereitet sich darauf vor, dieses Verfahren im größeren Ausmaß anzuwenden – dazu sind allerdings gute Wetterverhältnisse notwendig, und alle Abfackelaktionen müssen von der Regierung genehmigt werden. Mit diesem Verfahren können in ca. zwei Stunden zwischen 500 und 1.000 Barrel Öl verbrannt werden.
Maßnahmen an Land
Groß angelegte Maßnahmen finden zurzeit an Land statt – Anstrengungen werden auf den Schutz der Küste durch Ölsperren konzentriert. Die US-Regierung hat sich in größerem Umfang eingeschaltet und eine Reihe von Krisenzentren wurde eingerichtet. Die Maßnahmen, die an Land unternommen werden, sind in fünf Städten in den Bundestaaten, die betroffen werden könnten, konzentriert: Venice in Louisiana; Pascagoula und Biloxi in Mississippi; Mobile in Alabama; und Pensacola in Florida. Eingerichtet wurden außerdem Einsatzzentren mit Fachkräften und Material, inkl. Ölsperren mit einer Gesamtlänge von über 30.000 Metern zum Schutze der Küste in jeder der Regionen. Ein sechstes Einsatzzentrum wird zurzeit zusätzlich in Port Sulphur, Louisiana, eingerichtet.
Es wurden Einsatzteams zur Verschmutzungsbekämpfung (Surface Contamination Action Teams, SCAT) gebildet, die mit dem Hubschrauber oder dem Jetboot eingesetzt werden können – diese Teams haben bereits die Gebiete untersucht, wo das Öl nach Meinung der NOAA (National Oceanic Atmospheric Administration) die Küste zuerst erreichen wird. Es geht darum, die bestmöglichen Methoden der Reinigung zu bestimmen – wenn Öl das Land erreicht, können diese Teams schneller zum Einsatz kommen, um mit der Reinigungsarbeit zu beginnen.
BP setzt die Teams in Städten und Gegenden entlang der Golfküste ein, damit sie mit den Menschen vor Ort, die ggf. vom dem Ölaustritt betroffen sind, zusammenarbeiten können. BP hat Hilfsangebote von Hunderten von Menschen erhalten, die sich zu Reinigungsarbeiten freiwillig gemeldet haben, falls das Öl das Land erreicht und BP ist weiterhin für jedes Hilfsangebot sehr dankbar. BP spendet für jede Stunde Arbeit von Freiwilligen 10 Dollar für eine lokale Charity, an deren Ort die Arbeit zur Bekämpfung des Ölteppichs geleistet wurde.
Lokale Fischer werden angeheuert und in die Arbeiten vor Ort einbezogen.
Die Arbeiten entlang der Küste an der Installation von Ölsperren zum Schutz des Meeres gehen weiter. Ölsperren mit einer Gesamtlänge von rund 67 km sind zur Eindämmung des Ölaustritts vorgesehen, weitere 92,000 Meter werden noch eingesetzt und noch mehr Sperren sind unterwegs. Freiwillige leisten Hilfe vor Ort. Telefonleitungen wurden eingerichtet für Anfragen rund um die Themen „Freiwillige Helfer“, „Naturschutz“ und „Schadensersatzansprüche“.
Schätzungen bezüglich des Ausmaßes des Ölaustritts sind ungenau und basieren auf Satellitenfotos bzw. auf dem, was man auf dem Meer sehen kann.
US-Küstenwache
Die Ministerin für Heimatschutz/Innere Sicherheit (Homeland Security) Janet Napolitano hat diesen Ölaustritt zu einem Ereignis von nationaler Bedeutung erklärt; dadurch konnten mehr Ressourcen freigegeben werden.
Die US-Küstenwache hat Kontakt aufgenommen zu den Gouverneuren der Bundesstaaten Texas, Louisiana, Alabama, Florida und Mississippi – Ziel ist, die Auswirkungen auf die Umwelt und die Wirtschaft zu minimieren – die US-Küstenwache hat sich zum Ziel gesetzt, den Handel auf dem Mississippi River und entlang der Golfküste aufrechtzuerhalten.
Lokale Mitarbeiter der Küstenwache arbeiten in den Notfallzentren in jedem betroffenen Bundesstaat mit, um eine klare Kommunikation und wirksame Reaktionen sicherzustellen. Die Küstenwache hat außerdem eigene Ölsperren und Skimmerschiffe eingesetzt. Ziel der Küstenwache beim Einsatz ist die jeweils “bestmögliche Reaktion“.
MMS
MMS (Minerals Management Services) hat eine Untersuchung aller Bohrplattformen in tiefem Gewässer angeordnet – durch diese Untersuchungen soll die Einhaltung aller relevanten Vorschriften sichergestellt werden, dabei wird der Schwerpunkt auf der Untersuchung von Blowout Preventers liegen – die Prüfer werden zunächst mit Bohrplattformen beginnen und sich dann mit Produktionsplattformen befassen.
Hilfsangebote
Menschen oder Firmen, die Hilfe oder technische Ideen bieten, melden sich möglichst in englischer Sprache bei dieser mail-Adresse: horizonsupport@oegllc.com
Kontakt-Information in den USA
Claims: 1-800-440-0858, Volunteers: 1-866-448-5816, Wildlife Reports: 1 866 557 1401
Health related concerns regarding the oil spill: contact the Poison Control Center at (800) 222-1222 or go to www.aapcc.org/DNN/


Kommentare (13)
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Zitate:
Eigner und Betreiber der Bohrplattform ist der Weltmarktführer in Bohrschiffen und Bohrplattformen, Transocean, die im Auftrag der BP eine Erkundungsbohrung durchführten. Transocean hatte die Verantwortung für die Plattform, die darauf arbeitenden Mitarbeiter und die Sicherheit. Transocean ist mit Abstand der weltgrößte Driller und war noch letztes Jahr unter den Finalisten des Sicherheitspreises „for Excellence“ der für Bohrungen im Golf verantwortlichen US-Behörde „Minerals Management Service“(MMS).
-> BP und andere Ölmulitis haben die Verantwortung (diese kann jetzt nicht einfach an Transocean abgetreten werden - das wäre ja wohl zu einfach)
Lokale Fischer werden angeheuert und in die Arbeiten vor Ort einbezogen.
Die Arbeiten entlang der Küste an der Installation von Ölsperren zum Schutz des Meeres gehen weiter. Ölsperren mit einer Gesamtlänge von rund 67 km sind zur Eindämmung des Ölaustritts vorgesehen, weitere 92,000 Meter werden noch eingesetzt und noch mehr Sperren sind unterwegs. Freiwillige leisten Hilfe vor Ort. Telefonleitungen wurden eingerichtet für Anfragen rund um die Themen „Freiwillige Helfer“, „Naturschutz“ und „Schadensersatzansprüche“.
-> Die Fischer und ihre Familien sollen jetzt helfen, hoffentlich sichert BP auch deren Existenz !
Es ist nicht mehr zu verantworten und auch nicht mehr zeitgemäß, Erdöl auf solch riskante Art und Weise fördern zu wollen.
Das Erdöl gehört in die Erde.
Erdölprodukte sind nicht mehr zeitgemäß.
Wir wissen es doch inzwischen besser!
Notfallspläne plus Strukturen sollten doch vor Bohrbeginn vorhanden sein und nicht erst bei Bedarf entwickelt werden! Oder verstehe ich da etwas nicht??
Es geht hier auch nicht um Himbeerlimo sondern um Erdöl!!! Hallooo!
Weitere Bohrplätze im Nördlichen Atlantik bzw. Beringsee wurden aktuell von Obama positiv erwähnt.
Hier wäre diese Situation eine noch größere Katastrophe!
Ohje !
Notfallspläne plus Strukturen sollten doch vor Bohrbeginn vorhanden sein und nicht erst bei Bedarf entwickelt werden! Oder verstehe ich da etwas nicht??
Es geht hier auch nicht um Himbeerlimo sondern um Erdöl!!! Hallooo!
Weitere Bohrplätze im Nördlichen Atlantik bzw. Beringsee wurden aktuell von Obama positiv erwähnt.
Hier wäre diese Situation eine noch größere Katastrophe!
Das Erdöl nicht mehr zeitgemäß ist, steht für mich auch klar und vielleicht regt das ganze Dilema endlich dazu an umzudenken. Ich hoffe es!
Wie aber will BP den ideellen Schaden an Flora und Fauna wieder gut machen? Was wird BP an seinen aktuellen Bohraktivitäten ändern, um ähnliche Unfälle zukünftig zu verhindern? Reagiert die Politik mit strengeren Kontrollen/ Richtlinien?
Von hinten nach vorne:
- Das "legitimen" ist doch schon wieder ein Schlupfloch von der Größe des Öltepichs. Wie soll denn wer bitte schön gegen die Anwaltsbrigade eines Konzerns wie BP so etwas nachweisen können?
Und BP wird Ansprüche zwar anerkennen - das heißt aber noch lange nicht, dass auch Schadenersatz geleistet wird.
Den Ölaustritt beheben? Davon gehe ich aus, da sprudelt doch Bargeld der Aktionäre ins Meer. Ich erwarte, dass die FOLGEN behoben werden. Bis zum letzten Käfer, der im Ölschlick stecken bleibt. Aber da steht ja oben genannte Legitimierung von Ansprüchen vor.
Die volle Verantwortung übernehmen? - Dann würde es doch nur eine einzige Konsequenz geben: Das sofortige Einstellen aller Ölbohrinseln, damit eine solche Katastrophe NIE wieder passieren kann.
Wo ist der BP-Etat für all die Menschen, die bereit sind, entlang der Küsten und auf dem Wasser zu helfen?
Warum stellt BP da nicht einfach mal Gld bereit, um Anreise, Unterkunft, Verpflegung und Ausrüstung zu bezahlen?
Müssen das wieder WIR tun, über Spenden und/oder Steuergelder?
BP - TUT endlich was. Nicht mehr nur reden, handeln ist JETZT!
Ich finde das bodenlos zynisch: Menschen, denen ihre Lebensgrundlage zerstört wurde, ihre Arbeitskraft abzukaufen und sie dabei auch noch zu erpressen.
Klingt wie von einer PR Agentur.
BP hat umfangreiche Hilfe abgelehnt und versucht alles toller darzustellen als es in wirklichkeit ist.
"Arbeiten unter Wasser
Nach aktuellen Schätzungen treten täglich zwischen 1.000 und 5.000 Barrel Öl aus – es gibt keine genaueren Einschätzungen – 3 Öl-Austrittsstellen wurden lokalisiert."
Wie kann man sich als Ölfirma nur so verschätzen (oder war die Fehlprognose Absicht)?
Täglich fliessen Millionen Liter Öl ins Meer- das kann man sich überhaupt nicht vorstellen und BP sagt das ist alles nicht so schlimm.
Ich habe heute in der Zeitung gelesen dass BP immer noch nicht sagen kann wann das Loch unter Kontrolle ist.
Versagen auf der ganzen Linie- der Konzern ist für mich gestorben...