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Ein musternder Blick von Kopf bis zu den Zehenspitzen, ein bissiger Kommentar zu einer vorgebrachten Idee oder auch ein eindeutiges Schweigen des Gegenübers, während man selbst vor Enthusiasmus sprüht... . Ein Kompliment auszusprechen oder zum Ausdruck zu bringen, dass etwas gut, richtig oder schön ist, schaffen nur wenige. Diese Tatsache begegnet mir gerade in der Business-Welt immer und immer wieder. Lange habe ich mich gefragt, woher das wohl kommt. Warum werden in sogenannten Teams Visionen im Keim erstickt, warum ist es so schwer alte Pfade zu verlassen und neue Vorschläge freudig zu honorieren? Und warum ist ausgerechnet dort, wo man eigentlich gemeinsam anpacken sollte, die zwischenmenschliche Stimmung oftmals frostiger als in jedem Kühlhaus?

Die Antwort liegt in einer zutiefst menschlichen Emotion, die im Grunde keiner haben will, aber doch jeden umgibt: Neid. Egal ob Arbeiter oder leitender Manager, in unserer Kultur des Raubtierkapitalismus nagt das giftige Gefühl auf jeder Hierarchieebene, spaltet die Gesellschaft im Großen wie im Kleinen und scheint das Schlechteste aus dem Menschen herauszuholen. So verwundert es nicht, dass laut einer Studie 60% aller Mobbingfälle durch Neid motiviert sind. Psychologen sehen seine Wurzel im Bedürfnis zum Vergleich, dem die meisten Menschen nicht Stand halten können und sich folglich unterlegen, benachteiligt oder überrundet fühlen. Völlig vorbei ist es dann, wenn das „Vergleichsobjekt“ auch noch mit Erfolg, Ausgeglichen- oder Zufriedenheit gesegnet ist. Lässt sich der Person fachlich nichts vorwerfen, sucht sich der Neid sein Ventil im Form von schlechtem Gerede, dem Streuen von Gerüchten oder anderen „Nettigkeiten“.

Ein Sprichwort sagt, dass „Neid und Missgunst die höchste Form der Anerkennung sind“. Ist Neid also auch ein wichtiger Motivationsfaktor, um den Ehrgeiz des einzelnen anzustacheln? Schließlich machen diese in Summe ein Team bzw. Unternehmen erst wirklich erfolgreich. Um eine negative Abwärtsspirale zu vermeiden, wird folglich also ein System benötigt, in dem Anerkennung und Aufmerksamkeit für alle möglich sind und das jedes Teammitglied angemessen belohnt bzw. fördert und sein Selbstbewusstsein entsprechend steigert. Wird die Neid-Energie richtig kanalisiert, kann sie nämlich alles Positive zünden und aus einer Neidgesellschaft eine Motivationsgesellschaft werden lassen.

Hört sich schön, einfach, aber auch ungemein theoretisch an. Denn gerade weil die wenigsten Vorgesetzten/Teamleiter die praktische Umsetzung dieser Theorie schaffen, verspürt doch ein Großteil der Angestellten das Bedürfnis, aus der gewöhnlichen „Jobmühle“ mit ihren Abhängigkeiten auszubrechen. Aber dabei brauchen wir in den Unternehmen doch mehr denn je rundum motivierte Menschen, die aus sich selbst heraus etwas bewegen und nach vorne bringen möchten.

Wie ist das nun, lähmt Neid oder ist er ganz im Gegenteil doch anregend? Gibt es Bereiche, wo sich besonders viele Neider tummeln? Was sind Eure Erfahrungen und wie geht Ihr damit um?