Ein paar bekannte Computerspiel-Entwickler wollen was Neues machen, das auf alte Tugenden setzt und wirklich interessant werden soll. Weil sie sich dem Einfluss großer Vermarkter nicht ausetzen wollten (die vermutlich mehr auf den Markt als die Spieler sehen), haben sie über die Crowdfunding-Plattform kickstarter fast vier Mio Dollar eingesammelt.
Soweit ok, mich freut daß es immer häufiger vorkommt, daß Menschen, die Ideen umsetzen direkte Unterstützung von den späteren Kunden und Nutzern bekommen.
Mir fällt auf, daß gerade Spiele solche großen Summen bekommen. Ist bei den Spielern die Bereitschaft höher, für etwas Geld auszugeben, das gut zu werden scheint? Große NGOs haben in Summe solche Beträge mE auch schon eingesammelt, vermutlich sehr selten innerhalb von 40 Tagen.
Gut gemachte Spiele können aber auch begeistern und viel Spaß machen, damit Alltagssorgen wegwischen aber auch Eigenschaften verändern (Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen, Teamwork, Gemeinschaftsbildung, niedrigere Aggressionsschwelle). Das kann je Spiel und/oder Mensch gute oder schlechte Auswirkungen haben. Jedenfalls wird filmt das - und wird ein Star bei den Menschen vor den Hochglanz-Mattscheiben.
Fernsehen wird durch Youtube (und Nachfolger) vielseitiger und schneller - ich muss nicht mehr warten, bis eine Sendung kommt. Bei gut gemachten Spielen beeinflusse ich selbst die Handlung. Simulationsspiele zeigen, was möglich wäre und stillen eventuell aufkeimendes Verlangen nach Kreativität. Ich kann meine kreierte Welt ja mit den Freunden online teilen und dort gemeinsam jeden Tag Abenteuer erleben.
Brot?
Egal was, Hauptsache Nahrung aufgenommen, noch ein paar Vitamintabletten dazu, fertig. Kommt ja auch alles nach Hause. Woher? Aus dem Internet, z.B: hier oder hier. Wer das hergestellt hat und wie ist nicht so wichtig.
Hauptsache alles (Brot&Spiele) ist schnell da,
fast sofort, nachdem der Wunsch danach entsteht.
Das Marshmallow-Experiment (das jetzt von ferrero werblich aufgegriffen wurde) zeigte es bei Kindern. Was verleitet uns, den Marshmallow gleich zu nehmen?
Liegt es daran, daß wir nicht mehr glauben, durch Warten eine doppelt so große Belohnung zu bekommen?
Weil die künstliche Realität sowieso verlockender und gleich verfügbar ist?
Die Crowdfunding-Milliionen für das Spiel sprächen dagegen, sofern das repräsentativ ist.
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Bildquelle: wikimedia.org


Kommentare (14)
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ich würde mir eine Antwort von Neurobiologen/Hirnforschern hier wünschen (ist von uns jemand dabei??) was die wohl dazu sagen, oder auch wen mit psychologischem Hintergrundwissen....
Was ich persönlich als Laie (=als einer, der nicht zu o.g. Berufsgruppe gehört) denke, ist dass es natürlich seinen Reiz hat, wenn man sein Bedürfnis sofort befriedigt bekommt (Hunger, zack, Essen - Gemüse anbauen, gießen, Unkraut zupfen, einige Monate warten, pflegen, abernten, Teil essen, Rest haltbar machen...das alles dauert ja so lange)
Auf der anderen Seite führt uns ja dieses Warten müssen auch eine gewisse Unzulänglichkeit oder eine natürliche Grenze des Möglichen (die ich meine, der Mensch zwingend braucht weil er sonst übermütig wird) vor Augen. Ich kann keine Kartoffel essen, weil ich sie entweder anbauen muss oder ein Geld verdienen muss, also Arbeit haben, um eine kaufen zu können (oder Tauschhandel)...
Grenzen sind wichtig. Warten ist, finde ich auch wichtig.
Mir fällt sowas immer wieder auf wenn ich Weihnachtsartikel im September/Oktober im REgal sehe.
An Ostern das gleich. Und bei Obst, Gemüse ganzjährig sowieso.
Wenn ich heute ins Internet gehe und unbegrenzten Spaß habe ist das sicher gut für mich, für den Moment.
Was aber tue ich, wenn ich mich mal langweile.
Ich vermute, Hirnforscher würden sagen, dass es wichtig ist, für die Neubildung von Gehirnzellen (die sich übrigens nach neuester Forschung auch im ganzen Leben weiter neu bilden können; das wusste man früher nicht, man dachte nur die Jungen wären zu schulen...aber es lernen ja auch ganz viele alte Menschen und studieren zB) das ssie sich auch mal anstrengen müssen.
Wie beim Muskel. Wenn man nur rumsitzt, wird das Bein lahm. Wenn man sich immer wieder ein bissl bewegt, ist man trainiert, die Durchblutung ist besser usw.
Quintessenz für mich: die Dosierung macht's. Entweder gibt zB der Erwachsene auf seine Kinder im Internet acht was sie tun. Beim Erwachsenen im Internet wirds schwierig. Da gehören dann auch Kontrollmechanismen her, was darf veröffentlicht werden. Wer prüft Seriosität. Wie werden die Daten gehalten. Es gehören Hinweise auf die Seiten (wie bei den Konsolen wenn man sie kauft) mit Warnhinweisen, dass stundenlange nutzung schädlich sein kann oder süchtig macht usw.
Zur "natürlichen Grenze des Möglichen" fällt mir die Geschichte vom Marmeladenglas und den zwei Bier ein:
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Ein Philosophie-Professor stand vor seinem Kurs und hatte ein kleines Experiment vor sich aufgebaut: Ein sehr großes Marmeladenglas und drei geschlossene Kisten. Als der Unterricht begann, öffnete er die erste Kiste und holte daraus
Golfbälle hervor, die er in das Marmeladenglas füllte. Er fragte die Studenten, ob das Glas voll sei. Sie bejahten es.
Als nächstes öffnete der Professor die zweite Kiste. Sie enthielt M&Ms. Diese schüttete er zu den Golfbällen in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die M&Ms rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.
Daraufhin öffnete der Professor die dritte Kiste. Sie enthielt Sand. Diesen schüttete er ebenfalls in den Topf zu dem Golfball-M&M-Gemisch. Logischerweise füllte der Sand die verbliebenen Zwischenräume aus. Er fragte nun ein drittes Mal, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig "ja".
Der Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor, öffnete diese und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.
"Nun", sagte der Professor, als das Lachen nachließ, "ich möchte, dass Sie dieses Marmeladenglas als Ihr Leben ansehen.
Die Golfbälle sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die bevorzugten, ja leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem noch erfüllen würden."
Er fuhr fort: "Die M&Ms symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, ihr Haus, Ihr Auto. Der Sand ist alles Andere, die Kleinigkeiten."
"Falls Sie den Sand zuerst in das Glas geben", schloss der Professor, "hat es weder Platz für die M&Ms noch für die Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand."
Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren soll.
Der Professor schmunzelte: "Ich bin froh, dass Sie das fragen. Das zeigt Ihnen, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es ist immer noch Platz für ein oder zwei Bier."
Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=472436246111710&set=a.279701062051897.67959.222047034483967&type=1&theater
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Die ist mir neu, ausdrücklichen Dank dafür.
Was hätte ein Professor anderes seinen Studenten, die das Leben noch vor sich haben, erzählen sollen, als sich auf das Studium zu konzentrieren. ;-) Doch diese Bilder führen viel weiter, in spätere Lebensphasen, wenn man "klar Schiff macht", einen "Neustart" beginnt, nach dem Burnout Orientierung sucht, Lummerland abgebrannt ist, die Revolution gestorben, der lebenslange Job wegen der Globalisierung zum größten Unsicherheitsfaktor wird usw. usf.
Tja, wie recyclet man die Kiste mit Sand ? Holt man sich die wenigen, besterhaltenen Golfbälle heraus und füllt sie in eine neue Kiste ... mit der Spielregel nur soviel umfüllen zu dürfen, wie man in beiden Händen halten vermag ?
Wird die Ersatz-Kiste für die neue Lebensplanung stets ein Stückchen kleiner, aufgrund der mit zunehmendem Lebensalter geringer werdenden Zahl der Optionen ?
Sollten wir unsere Kisten von unten anbohren, damit der Sand und verzichtbare "andere Dinge" nach dem Zufallsprinzip austreten, weil wir selbst nicht zu einer Entscheidung finden, was wichtiger ist, wo Prioritäten neu zu setzen, was VERZICHTbar sei ?
Besteht die Nachhaltigkeits-/Öko-Lebensstil-Kiste aus magnetischen Gitterstäben, die Golfbälle mit einem DEFINIERTEN Metallgehalt und (ökologisch) magnetisierbare M&Ms zurückhalten, den Sand vollständig durchfließen lassen - Durchfluß als Konsumerfahrung wie Bedürfnisbefriedigung; verweist auf geteilte, gemeinschaftliche Nutzung sowie Gebraucht-Sand aus anderen Kisten - Problem bleibt wie stets bei den legalen Drogen, wie magnetisiere ich Bier ? ;-)
Danke Dir fürs Demonstrieren, wie weit die Metapher geführt werden kann - gefällt mir sehr gut.
Starke Ichs (Egos) ziehen mehr an. Um Dinge loslassen zu können, muss das Ego schwächer und flexibler werden.
Meine Erklärung wäre primitiv: Spieler, die sich im Raum Internet bewegen, (a) verfügen über die online Bezahlfunktion und (b) sind gewöhnt daran damit zahlen, um (c) sie ansprechende Aufrufe um finanzielle Mithilfe zu unterstützen.
Die These also: wer bereits regelmäßig bargeldlos zahlt, sich auf "Schnäppchen" im Internet verlegt hat, ein Gespür für "wertvolle" und zum eigenen Lebens- und Konsumstil passende Produkte wie Projekte entwickelt hat, ist geneigter, sich zu beteiligen. In der Spieleszene gibt es eine Mod-Szene, die sich auf Ehrenamt verlegt hat und die Community ist entsprechend "aufgeklärt" über den Zeit- und Kostenaufwand, den das verursacht. Das Micro-Payment stellt den organisatorischen Rahmen.
Wie bezahlt man eigentlich auf Utopia ? ;-) Gibt es Alternativen zur Kreditkarte ?
http://www.utopia.de/kreditkarte
Und eine Art gewachsenes Ökosystem mit informierten engagierten Konsumenten, die mit crowdfunding gezielt gewünschte Produkte unterstützen können. Ich versuche gerade mir vorzustellen, daß Konsumenten hierzulande Geld spenden für z.B. eine nachhaltigere Produktion eines Unternehmens.
Das ist das schöne an Utopia hier lernt man nie aus und die wissensträger freuen sich wenn sie andere informieren können
Sehr interessant, @robinson
http://www.utopia.de/gruppen/1000-gute-nachrichten-menschen-und-151/diskussion/waldviertler-fma-zeigt-schuhproduzenten-203013
Gibt aber noch andere, ähnliche Beispiele: manomama mit den "maschinenpaten" -> http://www.maschinenpaten.de/
Ich denke, das könnte der Standard werden für eine ganz andere Verbindung von bewussten Konsumenten mit den Unternehmen.
Haflinger und Lipizaner klingt gut ;-)
Ja manomama finde ich auch ein ganz tolles Unternehmen und überhaupt finde ich es viel wichtiger, solche Unternehmen zu unterstützen, statt für irgendwelche NGO's zu spenden.
Aktuell hat GEA gerade Zores mit der Finanzmarktaufsicht in Österreich, warum steht hier: http://www.w4tler.at/geaneu/fma-hintergrundinformation
http://www.zeit.de/digital/internet/2012-08/crowdfunding-plattformen-deutschland