Alverde verweist auf der eigenen Facebook-Seite darauf, der Anteil reinen Palmöls würde weniger als 1% des Gesamtsortiments betragen. Es stamme zumeist aus kontrolliert biologischen Anbau von Plantagen in Kolumbien. Was Alverde gern unter den Tisch fallen lässt, ist, dass verarbeitetes Palmöl auf den INCI-Listen sehr weit vorne zu finden sind, also in größeren Mengen einsesetzt wird. Verarbeitetes Palmöl verbirgt sich u.a. hinter den Bezeichnungen Cetearyl Alcohol, Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate und Glyceryl Stearate SE , was Alverde auch selbst einräumt. Dabei handelt es sich nach Aussagen von Alverde um Palmöl vom RSPO. Alverde möchte auf den Einsatz von Palmöl nicht verzichten und rechtfertigt dies mit der Förderung des nachhaltigen Anbaus und damit, dass die Palmölplantagen für viele Bauern in Südostasien Lebensgrundlage seien. Außerdem sei aus sensorischen Gründen der vollständige Verzicht auf Palmöl nicht möglich.

Auf die Palmölproblematik wurde Alverde von Facebook-Mitgliedern schon seit über einem Jahr hingewiesen. Außer der Wiederholung der Standartantwort hat sich bis jetzt noch nichts getan. Für mich ist nicht zu erkennen, dass weder der Verbrauch von dem größtenteils verarbeiteten Palmöl reduziert worden ist, noch Initiative in diese Richtung ergriffen werden soll. Ich hatte bei Alverde nachgefragt, ob es möglich sei, eine Liste der palmölfreien Produkte zu veröffentlichen. Alverde lehnte dies ab, da die Anfrage zu aufwändig sei und man die Produkte problemlos selbst auf Palmöl überprüfen könne. Bis vor kurzem führte man hierfür nur die Bezeichnungen des reinen Palmöls an. Seit ich wegen dem verarbeiteten Palmöl angefragt habe, ergänzte man diese um weitere Bezeichnungen, allerdings dürfte die Liste noch nicht vollständig sein.

Ich finde es verdächtig, dass man sich hier nicht kooperativ zeigt, zumal andere Naturkosmetikhersteller wie Weleda und Dr. Hauschka bereits Listen ihrer palmölfreien Produkte veröffentlich haben, zu finden unter www.weisse-liste-palmoel.de.to in der Rubrik "Weiße Liste Neutral". Fast das gesamte Sortiment von Weleda und Dr. Hauschka ist palmölfrei, ein Beweis dafür, dass die Reduktion des Palmölverbrauchs in der Kosmetikindustrie prinzipiell möglich ist und dass Palmöl substituiert werden kann, z.B. durch Sonnenblumenöl, Rapsöl, Sojaöl oder Kokosöl.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Mehrzahl der Kunden sämtliche Bezeichnungen für Palmöl kennt. Alle Interessierten, die ihre Kosmetik selbst auf Palmöl überprüfen wollen, finden bei der "Weißen Liste Palmöl" in der Rubrik "Palmöl in Kosmetik" eine umfangreiche Liste mit INCI-Bezeichnungen. Bei www.codecheck.info kann man Produkte auch auf Palmöl überprüfen, diese Anwendung befindet sich allerdings noch im Aufbau.

Da mir die Reaktion von Alverde in der Palmölproblematik missfällt, werde ich zukünftig auf palmölfreie Kosmetik anderer Naturkosmetikhersteller ausweichen. Dass man sich bei Alverde auf den umstrittenen RSPO beruft, stimmt bedenklich, zumal dieser im Verdacht steht, eine Greenwashing-Intiative der palmölverarbeitenden Industrie zu sein. Die Abholzung des Regenwaldes konnte schließlich auch durch die RSPO-Zertifzierung nicht aufgehalten werden.

Nachdem ich mir einige Produkte verschiedener Naturkosmetikhersteller angeschaut habe, stellte ich fest, dass auch Alterra, Lavera und Sante in größeren Mengen verarbeitetes Palmöl verwenden.

Scheint so, als muss man für palmölfreie Naturkosmetik tiefer in die Tasche greifen. Gute Nachricht also für alle, die sich für Produkte der Traditionsunternehmen Weleda und Wala entschieden haben.



Update 08.04. 2011: Es gibt gute Neuigkeiten: Das Alverde-Team gab gestern auf seiner Facebook-Seite bekannt, in auf einer Liste kenntlich machen zu wollen, welche Produkte direkt oder indirekt verarbeitetes Palmöl enthalten. Da Alverde mittlerweile über 400 Produkte führt, wird die Ausarbeitung der Liste allerdings noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Das Einlenken von Alverde kam unerwartet, allerdings hatten Kunden in den letzten Wochen verstärkt Kritik am Einsatz von Palmöl bei Alverde geübt und die mangelnde Transparenz bei der Erkennung von verarbeitetem Palmöl kritisiert. Dies führte dazu, dass Alverde-Nutzer freiwillig eine Initiative zur Ausarbeitung einer Liste der palmölhaltige Alverde-Produkte gründeten. Wahrscheinlich sah sich Alverde dadurch unter Druck gesetzt, in der Palmölproblematik einzulenken.