Der Hubschrauber-GAU
Fukushima macht Angst. Umso deutlicher es wird, wie großflächig sich die Radionuklide in der Atmosphäre und im Meer verbreiten, umso stärker wird das Mitgefühl mit Japan von der Angst um die eigene Haut abgelöst. Jetzt wird ein Schuldiger gesucht. Europa sagt Tepco. Die USA sagt die Japanische Regierung. Japans Regierungsopposition sagt Ministerpräsident Kan, weil er mit seinem Erkundungsflug am 12. März verhindert habe, dass Tepco rechtzeitig Druck aus den Reaktoren ablassen konnte. – Hat jemand Schuld, gibt uns das vermeintlich die Kontrolle zurück. Es rechtfertigt auch unsere Trägheit und erlaubt uns, nichts verändern zu müssen. Und es nimmt die Angst. Wir wollen doch gar nicht wissen, dass uns prinzipiell jedes AKW jederzeit um die Ohren fliegen kann. Und wir wollen nicht mit unserer eigenen Irrationalität konfrontiert werden, aus Bequemlichkeit auf eine Technologie zu setzen, die völlig indiskutabel sein sollte. – Hat Tepco gepfuscht, ist Kernenergie nicht prinzipiell unsicher, sind deutsche Kraftwerke bestimmt doch „die sichersten der Welt“. In den USA, der größten Atommacht unserer schönen Erde, sieht man offenbar höhere Gewalt als Katastrophenauslöser im Hochtechnologieland Japan. Hätte Gott allerdings die Amerikaner mit einer solchen Unglückskette gestraft, sie hätten das Ruder noch einmal herumgerissen. Natürlich wären sie dazu auch in Japan in der Lage gewesen, wenn die bösen Japaner sie bloß rechtzeitig gelassen hätten und ihre Hilfe gleich angenommen hätten. Jetzt darf sich die japanische Regierung doch noch die Kappe dafür aufsetzen, dass sich radioaktives Jod auf Universitätsdächern in Ohio wieder findet. Und in Japan: Hier wirkt der Versuch einen Schuldigen zu finden, ohne Atomenergie prinzipiell in Frage zu stellen, sogar grotesk. Wenn der Kan bloß nicht mit seinem Hubschrauber damals ... Man hätte ... es wäre alles gut!


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