Weltverbesserung, wie sie nicht funktionieren kann


Viele Weltverbesserer machen den Denkfehler, das vorgefundene System durch ein neues, besseres ersetzen zu wollen, also der Menschheit ein vom Menschen erdachtes System aufzupfropfen. Das kann aber nur zum Scheitern verurteilt sein, denn die Intelligenz des Menschen reicht nicht aus, um ein so komplexes System, wie unsere Gesellschaft, durch ein „geeigneteres“ zu ersetzen. Hinzu käme, dass wenn es eine bessere Alternative zu dem unter natürlichen, kausalen Umständen entwickelten Systems gäbe und dieses komplett durchdacht eingeführt werden würde, dieses System zum Zeitpunkt der Einführung wieder veraltet wäre, da sich die Menschen aufgrund der neuen Umstände, die sich aus der Einführung des neuen Systems ergäben, ihr Verhalten so verändern würden, dass das neue System erneut an ihre Bedürfnisse angepasst werden müsste. Kurz: eine statische Generallösung kann es nicht geben!

Ein zweiter Grund für das Scheitern von Weltverbesserungen ist, dass an Symptomen des bestehenden Systems herumgedoktert wird, ohne die weitreichenden Konsequenzen zu bedenken, die eine bestimmte – womöglich gesetzliche Regelung – verursacht. In einem runden System sind alle Faktoren aufeinander abgestimmt. Verändert man einen Faktor, dann ändert man auch die Struktur des Systems und stört im schlimmsten Fall das Gleichgewicht im System, da sich alle Faktoren wieder neu einpendeln müssten.


Das System ist nicht Ergebnis menschlichen Willens, sondern menschlichen Handelns


Worauf ich hinaus will ist, dass unser System auf natürlichem Wege gewachsen ist. Und hier kommt der Trampelpfad ins Spiel, der u.a. von Rudi Keller in der Sprachwandel-Theorie angeführt wird. Der Trampelpfad ist laut Keller nicht das Ergebnis menschlichen Willens, sondern menschlichen Handelns. Der Trampelpfad ist aus der unfreiwilligen, unbewussten Zusammenarbeit mehrerer Menschen entstanden, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgt haben, nämlich den Weg abzukürzen. Noch einmal zur Verdeutlichung: Die Veränderung ist nicht aufgrund menschlichen Willens, sondern menschlichen Handels entstanden.

Die Einsetzung eines neuen Systems oder der Austausch von Teilen des Systems würde dieser Theorie also entgegenstehen. Einfacher gesagt: Wer die Welt verbessern will, wird nichts damit erreichen, wenn er sich utopische und schöne neue Gesellschaftssysteme im Großen ausdenkt, sondern indem er durch sein eigenes Handeln im Kleinen das System von innen heraus verändert und anderen dabei ein Beispiel ist. Wenn wir also wollen, das unsere Welt besser wird, müssen wir bei uns selbst und unseren Wertvorstellungen anfangen. Das ist der Grund, warum ein echter Weltverbesserer ein bescheidener Mensch sein sollte.

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