Die überforderte Gesellschaft
Das Seelenleben des modernen Menschen scheint aus dem Takt geraten zu sein. Immer mehr Menschen fühlen sich getrieben, gestresst und ausgelaugt. Die Welt, in der wir leben, hat sich so tief greifend verändert, dass unsere Psyche offenbar nicht Schritt halten kann. Der Themenabend lässt Menschen zu Wort kommen, die in ihrem täglichen Kampf gegen Überforderung und die Angst zu versagen auf der Strecke geblieben sind, und setzt sich konstruktiv mit Lösungsmöglichkeiten auseinander.
Unser anstrengendes Leben
Für immer mehr Menschen wird der ganz normale Alltag zur Qual. Arbeitsverdichtung, fehlende Perspektive und Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes führen zu Stress und manchmal eben auch zu totaler Erschöpfung. Die Grenzen der Belastung scheinen erreicht zu sein. Die Entwicklung ist nicht nur bitter für die Betroffenen, sie ist auch aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht alarmierend. So muss auf den verschiedensten Feldern nach Lösungen gesucht werden, um den immensen Verschleiß von Arbeitskraft zu stoppen und das Leben wieder lebenswert zu machen. Die Dokumentation zeigt Projekte und Denkansätze aus mehreren europäischen Ländern, die nach Lösungsmöglichkeiten auf ganz unterschiedlichen Ebenen suchen.
Tabu - Psychisch krank im Job
Psychisch krank zu sein ist immer noch ein gesellschaftliches Tabu. In der Leistungsgesellschaft gilt Schwäche als Makel. Aus Scham und aus Sorge um ihren Arbeitsplatz verschweigen viele Berufstätige ihre seelischen Krisen. Und tatsächlich ist die Furcht vor dem Stigma nicht unbegründet. Menschen, die sich offen zu ihren psychischen Problemen äußern, machen oft bittere Erfahrungen. Freunde und Bekannte gehen auf Distanz, sie verlieren ihren Job und erleben einen sozialen Abstieg. Niemand weiß, wie viele ihr Leiden verstecken und sich jeden Morgen mit quälenden Gedanken auf den Weg zur Arbeit machen. Den Krankenkassen zufolge sind es Millionen. Die Dokumentation stellt vier Betroffene vor.
Quelle:
http://www.arte.tv/de/Programm/242,date=20/3/2012.html
Ein ausserordentlich wichtiges Thema!
Es gibt viel zu verändern, denn diese Herausforderungen betreffen uns alle direkt oder indirekt.
Das Wort "Bestätigung" kommt sehr oft in diesen Beiträgen vor.
Dann kann man auch verstehen, was den vielen Millionen von arbeitslosen Menschen felht!
Aus dem Fehlen der Bestätigung entstehen viele Gefühlswelten und Verhaltensweisen, die niemand gerne mag.
Zeit die Lohnarbeit anders zu bewerten!


Kommentare (6)
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Wenn heute Menschen merken, dass sie für Arbeitsverhältnisse ihre Zeit opfern, die (gesellschaftlich/ökologisch) zerstörerische Prozesse unterstützen, dann stehen sie vor der Entscheidung, auszusteigen und sich evtl. im Eco-Social Entrepreneurship Bereich eine Betätigung aufzubauen oder Hartz4 (dann aber mit Engagement in Vereinen). Man könnte evtl. noch für ein Jahr sowas wie FÖJ/FSJ machen, nämlich Bundesfreiwilligendienst. Aber wenn z.B. junge Menschen (Uniabsolventen) auf die Idee kommen: hmm, 8-10h Arbeiten am Tag, örtlich flexibel, wenig Gehalt, befristet,...und dann noch für zerstörerische Gedanken da im alten System noch gefangen (die Arbeitgeber). Da geh ich lieber garnicht in so ein Lohnverhältnis. ABER wie kommt man sonst NOCH aus dieser Spirale heraus? Ins Ökodorf zeihen: da brauchste auch Geld. Auf den Wagenplatz: dort ist es mitunter lustig, aber auch nix langfristiges. Liebe Leute: was sind eure Ideen hier?
Gute Frage!
Als erstes würde ich sagen ist es gut wenn man erkennt, dass Weniger, Mehr ist.
Dann wird es notwendig sein sich auf seine eigenen Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse zu besinnen.
Sehr wertvoll finde ich auch herauszufinden was meine Kompetenzen, Möglichkeiten usw. sind in Hinblick auf das eigene Selbstwertgefühl und Selbstverständnis.
Flexibilität wird allzu oft missverstanden. Sehr oft versteht man darunter zu jeder Tages und Nachtzeit für den Arbeitgeber, der ja eigentlich der Arbeitnehmer ist zur Verfügung zu stehen.
Ich verstehe unter Flexibilität die Möglichkeit den Arbeitsplatz dann zu wechseln, wenn zB die Arbeit nichts mehr neu zu Lernendes bietet und zur täglichen Qualroutine wird.
Hänge ich mich dagegen an eine Arbeitsplatz des Einkommens wegen dann komme ich rasch in eine Abhängigkeit.
Wenn ich aus diesem Abhängigkeitsverhältnis durch Arbeitsplatzverlust herausfalle entsteht Existenzangst, die eigentlich schon vorher da war, sonst hätte ich mich nicht in dieses Abhängigkeitsverhältnis begeben.
Angst ist der schlechteste Begleiter bei der Suche nach Lösungen. Sie lähmt nicht nur das Denken, sondern den ganzen Menschen.
Die Suche nach einem Arbeitsplatz wird die Suche nach einem Abhängigkeitsverhältnis.
Werde ich mir dagegen bewusst, das der Arbeitsmarkt den Mitarbeiter braucht und nicht umgekehrt, auch wenn sich für einen Arbeitsplatz 10 Leute anstellen, dann erscheine ich nicht als Bittsteller sondern als ArbeitGeber.
Falle ich dagegen der gängigen Auffassung, ein Bittsteller zu sein anheim, so wird der Abstieg unweigerlich die Folge sein.
Dann wird es notwendig sein sich auf seine eigenen Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse zu besinnen. "
"Werde ich mir dagegen bewusst, das der Arbeitsmarkt den Mitarbeiter braucht und nicht umgekehrt, auch wenn sich für einen Arbeitsplatz 10 Leute anstellen, dann erscheine ich nicht als Bittsteller sondern als ArbeitGeber."
Absolute Zustimmung Richard!
Es ist sinnvoll sich möglichst unabhängig machen, um "frei" zu sein.
Bis vor ein paar Jahren habe ich endlose Diskussionen mit meinem Ex-Chef zu dem Thema geführt.
Habe ihm vorgerechnet, wie toll das wäre und wie viele Arbeitslose man damit vermeiden könnte.
Erstmal ist er aus allen Wolken gefallen, daß ich freiwillig weniger verdienen will.
Das hätte ja noch nie jemand angefragt bei ihm.´
Dann hat er mir vorgerechnet, daß es sich wegen den Sozialversicherungen einfach nicht rentiert.
Wenn der Arbeitgeber zwei Arbeitnehmern den jeweils halben Lohn zahlt, dann zahlt er insgesamt viel mehr an Sozial-Beiträgen.
Und er meinte, es gäbe zu viel Reibungsverlust, wenn wir zu zweit am Projekt arbeiten und uns immer wieder absprechen müßten, wie wir die Arbeit aufteilen und besprechen wer was schon gemacht hat.
Er hat mir empfohlen, ich sollte mir doch einen Job an der Supermarktkasse suchen, statt in der IT, wenn ich halbtags arbeiten möchte.
Nun - das Ende vom Lied war, daß ich mich selbständig gemacht habe.
Bei der Kündigung hat mein Chef mich dann gefragt, ob ich nicht wenigstens halbtags dableiben wollte...
Plötzlich war ich seine wertvollste Mitarbeiterin ;-)
Jetzt arbeite ich wesentlich mehr Stunden, als vorher, kann mir aber alles viel besser einteilen und die Fahrerei fällt weg.
Die Argumente, die er damals geliefert hat, waren z.T. nicht zu entkräften.
Die Halbtagsarbeit müßte schon vom Gesetzgeber unterstützt werden, sonst ist es in vielen Jobs einfach sehr schwierig.
Das blöde an der Sache: Wenn man sich einen Job sucht, wo Teilzeitarbeit traditionell üblich ist -wie z.B. die Verkäuferin an der Supermarktkasse- dann ist die Bezahlung so schlecht, daß es schon wieder schwierig wird davon zu leben.
Bei der Kündigung hat mein Chef mich dann gefragt, ob ich nicht wenigstens halbtags dableiben wollte...
Plötzlich war ich seine wertvollste Mitarbeiterin ;-)"
Tja so ist es dann, wenn man/frau ernst macht.
Nicht nur bei den "Kassiererinnen" und "Verkäuferinnen" gibt es Halbtagsjobs, auch z.B. in der Verwaltung und ähnlichen Berufen gibt es Halbtagsjobs.
Auch beim Thema Halbtagsjobs möchte ich sagen: das Geheimniss des Könnens liegt im Wollen, was evtl. einiger Vorbereitung braucht. Es bedarf weniger feste, wiederkehrende Kosten. Man/Frau sollte sich da vorbereiten, bevor es ins "kalte Wasser" geht!
Sich Selbstständig machen ist da eine Lösung, auch wenn man/frau dan evtl. mehr arbeitet.
Oder man/frau macht eine Mischung. So sieht mein Plan aus.
Zurzeit beziehe ich ALGII, bin Nebenberuflich selbsständig (Webhosting für ca. 8 Firmen, was regelmäßig etwas Geld bringt), und ich habe meine Umschulung zum Immobilienkaufmann fast abgeschlossen.
Nach dem OK-Bescheid von der IHK werde ich mich für eine 20 - 30 Std.-Stelle bewerben.
Desweiteren mache ich eine Ausbildung für "walking in your shoes" http://www.wiys.de/
Dabei soll walking in your shoes später mein alleiniger Gelderwerb werden (das Webhosting bleibt aber bestehen, es benötigt wenig Zeit). Bis dahin läuft alles paraell. Und durch meinen Nutzgarten spare ich Geld für teure Lebensmittel.
Was mir dabei auch immer im Kopf bleibt sind die Gedanken von Friethjof Bergmann "Neue Arbeit, Neue Kultur".
Nochmal Danke an Maria für das Aufmerksam machen an das Buch.
Dieses Buch und auch die Videos sollten jedenTag auf allen TV-Kanälen laufen, es beschreibt sehr gut, was Zurzeit nötig ist um den unaufhaltsamen Wandel unserer Gesellschaft, lokal wie global zu bewältigen. Darüber hinaus empfehle ich die Ideen und Gedanken von Ricardo Semler.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ricardo_Semler
http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2010/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende.html
Auch wichtig beim Thema Lohnarbeit:
Jeremy Rifkin
http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2009/das-ende-der-arbeit.html
Im Studium der Wirtschaftsinformatik (aus meinem Bekanntenkreis) wird auch Wirtschatfsethik unterrichtet. Dabei stellte der Dozent u.A. auch fest, das HEUTE schon ganz bewußt viele Dinge nicht eingesetzt werden, weil sonst nur noch der Chef am Montag kommt, um die Maschinen/Computer an zu schalten und am Freitag nochmal kommt, um die Maschinen/Computer wieder aus zu schalten.
Normal hätten wir eine Erwerbslosenquote von min. 30%!
Wir befinden uns im Anfang vom Ende der Lohnarbeit! Leider sind die meisten Menschen (wir alle?) im Kopf noch im 18. Jahrhundert!