Selten war eine Großveranstaltung so umweltfreundlich wie der Dresdner Kirchentag. In Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) sollte das Event möglichst fahrradtauglich gestaltet werden und kaum ein Thema war in den Reden so präsent wie die Energiewende. Es ging den Veranstaltern und Rednern nicht nur darum den Tag an sich zu einem Beispiel der Freude am Umweltschutz zu machen, sondern die Besucher dazu zu bewegen, die Idee mit nach Hause zu nehmen und in ihren Alltag einzubringen.

Anders wachsen und richtig investieren
Aber nicht nur im Kleinen, auch im Großen wollte der Kirchentag zum Nachdenken anregen. Mit dem Antrag "Anders wachsen" hatten die Kirchentagsbesucher die Möglichkeit über eine Resolution
abzustimmen, die sich an Bundestag, EU-Parlament und die zehn größten deutschen Unternehmen richtet. Das Papier fordert dazu auf, dem Zwang zum Wirtschaftswachstum in Industrienationen ein Ende zu setzen und sich über alternatives Wachstum in anderen Bereichen Gedanken zu machen.

Das offizielle Motto des 33. Kirchentags lautete „…Da wird auch dein Herz sein“. Ein Satz aus der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium, der im Ganzen heißt „Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“. In gewisser Hinsicht ließ sich dieser Ausspruch gut auf eine Diskussionsrunde des
Frauenzentrums der sächsischen Landeskirche zum Thema „Moral und Moneten“ übertragen. Hier ging es auch um Nachhaltigkeit – in Form von nachhaltiger Geldanlage.

Moral und Moneten
Die Diskussionsrunde, bestehend aus Vertreterinnen der Bank MSS (Berlin) der GLS Bank (Berlin) der Sächsischen Aufbaubank (Dresden) einer Politikerin, sowie der Geschäftsführerin Oikocredit Westdeutscher Förderkreis (Bonn) beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern Frauen Finanzmittel anders investieren als Männer.

Besonders eindrucksvoll wurde den Zuhörern hier vermittelt wie stark die männliche Dominanz gerade im Finanzsektor nach wie vor vorhanden ist und welchem Einsatz es bedarf, um an dieser Situation etwas zu ändern. „Das Patriarchat ist vorhanden wie eh und je, gerade wenn es um Geld geht“, erklärte Ulrike Chini, Geschäftsführerin des Westdeutschen Förderkreises der ökumenischen Genossenschaft Oikocredit. „Geld verleiht Macht, weil es den Wert einer Person vor sich selbst und anderen erhöht. Wer Geld besitzt und verwaltet, von dem denkt man, dass er ein besonderes Wissen haben muss - die anderen halten sich auf diesem Gebiet für unwissend und geben die Verantwortung für ihr Erspartes lieber ab. So entsteht ein unbegründetes Vertrauen.“ Das Ergebnis: Jeder denkt, die anderen wissen schon, was sie mit meinem Geld machen - leider oft ein Trugschluss.

Das Spiel an der Börse
Das die, die das Geld haben meistens Männer sind, hat mit althergebrachten Rollenbildern und Charaktereigenschaften zu tun. „Jagdinstinkte und Risikofreude spielen auch bei den Aktivitäten an der Börse eine große Rolle. Geld macht vor allem dann Spaß, wenn es mehr wird, egal ob man es braucht oder nicht...oder wie ist es zu erklären, dass ein Josef Ackermann um Millionen feilscht, die er nie im Leben ausgeben können wird? Für diese Reize sind besonders Männer empfänglich.“ So erklärt Ulrike Chini von Oikocredit Westdeutschland das große Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern in der Finanzbranche. Bei Frauen sei das im Allgemeinen anders – es gehe ihnen weniger um Rendite und mehr darum, wie sich das Geld in der „Realität“ nutzen lasse.

Macht und Eigenverantwortung
Wissen ist Macht…„Wir wissen nichts, macht nichts“ – dieser Spruch trifft auf die Finanzbranche leider nicht zu, denn das Unwissen um die Macht des Geldes schadet allen Beteiligten. Geld ist ein Machtinstrument, dem unglaublich große Gestaltungsmöglichkeiten innewohnen. Je nachdem wie man sein Geld einsetzt, nimmt man politische und gesellschaftliche Eigenverantwortung wahr – oder auch nicht.

„Das entspricht dem Prinzip des Konsums“, erläutert die Geschäftsführerin des Westdeutschen Förderkreises. „Kaufe ich den Kaffee beim Discounter für 1,50 Euro oder fairen Kaffee für vier? Die einzelne Entscheidung bewegt noch keine Welten, aber man setzt ein Zeichen und nimmt Einfluss auf die Richtung in die sich die Welt bewegt. Diese Chance sollt man wahrnehmen!“

Da wird auch dein Herz sein
Viele der anwesenden Frauen zeigten sich sehr interessiert, bemängelten aber, dass sie zu wenige Informationen hätten, um aktiv werden zu können. An dieser Stelle ist auch Eigeninitiative gefragt. Es gibt viele Möglichkeiten sein Geld sozial verantwortlich und nachhaltig zu investieren. „Wir bei Oikocredit zeigen eine Möglichkeit auf, sozial verantwortlich mit Geld und Ressourcen umzugehen“, berichtet Ulrike Chini. „Frauen überlassen das Feld lieber den anderen. Aber sie haben auch andere Wertvorstellungen - wenn sie mehr Initiative ergreifen würden, würde die Welt anders aussehen.“

„Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein“ - im Nachhinein gesehen, lehnt sich das Thema der Diskussionsrunde in besonders passender Weise an den Leitspruch des Kirchentags an. Die Veranstaltung hat dazu angeregt, sich Gedanken darum zu machen, wie man sein Erspartes einsetzt. Neben dem verständlichen Wunsch nach Gewinn sollte man auch bei der Geldanlage ab und zu auf das Herz hören. Denn wenn der eigene „Schatz“ an der richtigen Stelle eingesetzt ist und Gutes bewirkt, ist man auch hier mit dem Herz dabei und hat das gute Gefühl etwas Wichtiges bewirkt zu haben.