Moschushirsch
Zur Gewinnung des Moschus wird die Brunftdrüse, die bis zu 30 g des von den Weibchen begehrten Lockstoffes enthält, dem erlegten männlichen Tier entfernt und getrocknet.
Einige der mindestens vier Arten stehen am Rande der Ausrottung. Deshalb gelten sämtliche Moschustierarten in ihren Verbreitungsgebieten - von Russland im Norden bis Vietnam und Indien im Süden - als gefährdet und fallen unter die jeweils nationalen Schutzgesetze. In China werden seit den sechziger Jahren Moschustiere in Farmen gehalten und gezüchtet. Diese Anlagen könnten ein Ausgangspunkt für eine dauerhafte, die Wildpopulationen schonende Gewinnung von Moschus sein.
Moschus einst
Moschus ist seit dem Altertum die am meisten geschätzte tierische Droge, eingesetzt als Heilmittel gegen allerlei Arten von Beschwerden. So verschrieben mittelalterliche Ärzte Moschus bei Geisteskrankheiten und Nervenleiden und als "Bisamäpfel" trug man ihn in Beuteln um den Hals, um sich gegen Pest zu schützen. In China wurde er schon Jahrhunderte vor Christus als Allheilmittel benutzt, welches das Nervensystem und die Schweißsekretion anregt, krampfstillend ist und Puls und Atem beschleunigt. Die Kreuzritter brachten Moschus nach Europa, wo er als Aphrodisiakum bekannt wurde, denn Moschus ist ein Pheromon, das die menschlichen Sexualdrüsen beeinflusst. Marco Polo verwendete Moschus als Zahlungsmittel auf seinen Reisen. Auch der Prophet Mohammed galt als ausgesprochener Liebhaber des Duftes und schätzte ihn sehr.
Moschus heute – Produkt der Synthese
In der Parfümindustrie Europas wird heute - im Gegensatz zu den letzten Jahrhunderten - fast nur noch künstlich hergestellter Moschus verwendet. Neben den Duftkomponenten des echten Moschus, hier unterscheidet man im Wesentlichen vier Sorten: den als beste Sorte gebräuchlichen Tonkin-Moschus aus China und Tibet, den Assam- od. Bengal-Moschus aus Indien, den Russischen-Moschus und den preiswerten Bucharischen Moschus, gibt es ca. 1000 Substanzen, die einen Moschus-ähnlichen Geruch haben. Als Moschus-Ersatz sind davon nur etwa 30 von Bedeutung. Da der Naturstoff selten und teuer ist, werden seit Jahren große Mengen der synthetischen Moschusverbindungen hergestellt, da sie relativ einfach und preiswert produziert werden können. Riechstoffhersteller synthetisieren und mischen Moschus unter sehr viele Parfüms, da es als so genannter Fixateur gilt. Es sorgt dafür, dass der Duft und seine einzelnen Bestandteile länger auf der Haut haften. Moschus hat die unerreichte Fähigkeit, eine Parfüm-Komposition zu beleben, die Ausstrahlung zu verstärken, zu harmonisieren und abzurunden.
Neben den Duftkomponenten des echten Moschus gibt es ca. 1000 Substanzen, die einen Moschus-ähnlichen Geruch haben. Als Moschus-Ersatz sind davon nur etwa 30 von Bedeutung. Da der Naturstoff selten und teuer ist, werden große Mengen der synthetischen Moschusverbindungen hergestellt. Vor allem Nitro-Moschusverbindungen und polycyclische Moschusverbindungen sind relativ einfach und billig herzustellen.
Für den Menschen problematische Eigenschaften
Nitro-Moschusverbindungen und polycyclische Moschusverbindungen aus Waschmitteln und Kosmetika kommen bei der Anwendung dieser Produkte in das Abwasser. Sie sind biologisch schlecht abbaubar. In Kläranlagen werden sie nur teilweise zurückgehalten und gelangen dadurch in Gewässer. Sie können sich in Wasserorganismen und im Fettgewebe sehr stark anreichern, da sie ein hohes "Bioakkumulationspotential" besitzen. Auch kleine in die Umwelt abgegebene Stoffmengen können sich in vergleichsweise hohen Konzentrationen in Tieren und im Menschen wiederfinden. Die weltweite Produktion und Verwendung dieser synthetischen Moschusverbindungen hat inzwischen aufgrund ihrer schlechten Abbaubarkeit und der Anreicherungsfähigkeit auch zu einer weltweiten Belastung von Gewässern und Lebewesen mit diesen Stoffen geführt. Synthetische Moschusverbindungen finden sich inzwischen in Muscheln, in Krabben und in verschiedenen Fischarten. Regenbogenforellen, Stör und Aale sind hier nur einige Beispiele. Auch beim Menschen, z. B. in Muttermilch, können sie analytisch nachgewiesen werden.
Für viele synthetische Moschusverbindungen liegen derzeit noch keine vollständigen Bewertungen ihrer Giftigkeit für den Menschen vor. Einzelne Verbindungen können zu allergischen Reaktionen führen. Hierzu zählen Moschus-Xylol und Moschus-Keton sowie Moschus-Ambrette. Die polycyclischen Verbindungen AHTN und HHCB können unter Lichteinwirkung zu Hautschädigungen ( phototoxische Reaktion) führen. Moschus-Ambrette und ATTN führten bei Ratten zu Schädigungen des Nervenssystems. Moschus-Ambrette führte bei männlichen Ratten zu krankhaften Veränderungen der Hoden. Dies weist auf Einwirkungen auf die hormonelle Steuerung hin. Derzeit ist für viele Moschusverbindungen aber nicht geklärt, ob sie eine hormonelle Wirksamkeit besitzen. Ebenfalls unklar ist zurzeit noch, ob die aus Moschus-Xylol gebildeten aromatischen Amine eine krebserzeugende Wirkung ausüben können.
Moschus-Ambrette bewirkte in verschiedenen Testsystemen Schädigungen der Erbsubstanz. Der Einsatz in Kosmetika ist inzwischen verboten worden. Bei Moschus-Xylol traten in Fütterungsversuchen mit Ratten bei relativ hohen Konzentrationen verstärkt Lebertumore auf. Auf den Einsatz dieses Stoffes wird inzwischen in Deutschland bei Haushaltswasch- und Reinigungsmitteln und Kosmetika freiwillig verzichtet. Für viele andere synthetische Moschusverbindungen ist derzeit eine belastbare Einschätzung der Langzeit-Giftigkeit für den Menschen (Chronische Toxizität) nicht möglich. Das gilt speziell für Auswirkungen auf das sich entwickelnde Kleinkind bei der Aufnahme dieser Stoffe über die Muttermilch.
Verwendung synthetischer Moschusverbindungen
Synthetische Moschusverbindungen werden als Riechstoffe in Kosmetikprodukten, Seifen, Shampoos, Wasch- und Reinigungsmitteln eingesetzt. Sie ersetzen den seltenen und teuren Natur-Moschus.
Polyzyklische Moschusverbindung sind unbedenklich
Moschusverbindungen werden in der Parfümerie seit vielen Jahren als Fixateure eingesetzt. Nach heutigem Kenntnisstand sind die verwendeten polyzyklischen Moschusverbindungen Hexahydro-Hexamethyl-cyclopenta(y)-Benzopyran (HHCB) – ohne jede Konzentrationsbeschränkung - und 6-Acetyl-1,1,2,4,4,7 Hexamethyltetraline (AHTN) – mit 12 % im Parfumöl – sicher und unbedenklich für den Verbraucher. Dies hat auch die Endbeurteilung des unabhängigen, wissenschaftlichen Komitees für Kosmetologie und Nichtlebensmittelprodukte (SCCNFP) für die EU bestätigt.
Moschus – in der Parfümherstellung unersetzlich
In natürlichem Moschusextrakt und seinen synthetischen Nachbildungen sind zwei Duftelemente vereint: ein animalischer Akkord mit ledrigen, haar- und urinartigen Aspekten und eine strahlend süße Note.
Animalisch – in der Parfümerie ist das die Bezeichnung für die verwendeten Duftnoten der vier Riechstoffe aus dem Tierreich: Moschus, Ambra, Zibet und Castoreum. Ihre Gemeinsamkeiten sind neben außerordentlicher Haftung und Ausstrahlung, eine gewisse "Wärme" des Duftcharakters. Die animalischen Duftnoten erinnern an die Wärme des menschlichen Körpers und vermitteln sowohl die Empfindungen der Geborgenheit wie die des sexuellen Reizes. Voraussetzungen für das Auslösen solcher Empfindungen durch Parfums ist allerdings, dass die animalischen Riechstoffe gekonnt und sparsam eingesetzt werden, denn sobald sie so stark sind, dass man sie bewusst wahrnimmt, wirken sie genauso unangenehm wie zu intensiver Körpergeruch. Die meisten der synthetischen Riechstoffe, die der Parfümeur als Moschusriechstoffe bezeichnet, besitzen nur eine süße Note. Sie verleihen einer Duftkomposition feine Wärme und Strahlung. Der Ausdruck "Moschusnote" kann beim Parfümeur sowohl diesen zarten Glanz wie auch eine strenge animalische Herbheit bezeichnen. Während Moschus bei der überwiegenden Mehrzahl der Düfte als Begleitnote oder zum Ausklang im Fond eingesetzt wird, gibt es auch spezielle "Musk-Parfums" die ganz auf die erotische Wirkung und Anziehungskraft auf das andere Geschlecht setzen. Sie werden hauptsächlich am Abend getragen, um ihre Wirkung voll entfalten zu können.
Informative Links
Stiftung Artenschutz:
http://www.wwf.ch/de/derwwf/themen/biodiversitaet/arten2/artenschutzinternational/weltkarte_souvenirs/parfum_und_medizin_mit_moschus.cfm
WWF:
http://assets.wwf.ch/downloads/moschustier_1104.pdf
http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/umweltmedizin/moschusverbindungen.htm
http://www.enius.de/schadstoffe/moschusverbindungen.html
http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/19098/14_Lebensmittelueberwachung.pdf?command=downloadContent&filename=14_Lebensmittelueberwachung.pdf


Kommentare (1)
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wurden wegen des Aberglaubens an die vermeintliche medizinische Wirksamkeit
bestimmter Substanzen z.B. der Hörner u.s.w. beinahe ausgerottet,
noch im 19. Jahrhundert, bis hinein ins 20.