Egal, was Sie zur Ökokrise lesen: die meisten Autoren stimmen darin überein, dass sanfte und langsame Veränderungen weg von unserem konsumorientierten Raubbau an der Natur hin zu einer nachhaltigen Lebensweise kaum mehr möglich sind. Es wird zu schmerzhaften und einschneidenden Ereignissen kommen, kommen müssen.
Natürlich bereitet das Unbehagen und Angst. Und ungern geben wir das auf, woran wir uns gewöhnt haben, was uns somit selbstverständlich erscheint, worauf wir offenbar nicht mehr verzichten können: die Bequemlichkeit, in das Auto vor der Tür steigen zu können, die Freiheit, in Urlaub zu fliegen, der volle Supermarkt nebenan mit den jetzt schon erhältlichen Bio-Erdbeeren aus Spanien (… strategischer Konsum?), der Fernseher zuhause, das Handy in der Tasche.
Aber: wäre es nicht vielmehr ein Gewinn an Lebensqualität, all dies und noch viel mehr nicht mehr zu benötigen? Die Kompliziertheit des Alltags (… wieder Auto in die Werkstatt bringen! … wieder ewig im Internet zur Flugbuchung surfen! … wieder nur gespritzte und plastikverpackte Lebensmittel bekommen!) würde endlich wegfallen.
Wenn ich an den befahrenen Straßen entlang gehe, freue ich mich oft auf den Tag, an dem endlich autofreie Wochenenden wie in den 70er-Jahren zum steten Alltag werden, an dem es ruhiger um uns herum wird, ab dem wieder Grün aus Beton und Teer sprießen darf, an dem wir nicht mehr zwanghaft in die Ferne fahren müssen, um etwas zu erleben, sondern die Gegend um uns herum wieder mehr genießen können, an dem eben größere Reisen die Zeit bekommen, die sie brauchen, und uns wieder ein Gefühl für die Entfernung verschaffen, und und und ... .
Natürlich kann ich selbst schon anfangen, dies für mich zu realisieren. Initiativen wie „anders besser leben“ (www.anders-besser-leben.de) geben dafür wertvolle Anregungen. Aber der Wahnsinn um einen herum tobt trotzdem weiter.
Daher: verbrauchen wir ruhig das restliche Öl und das Gas, das nun offenbar wieder reichlich vorhanden ist – umso schneller werden wir endlich zum Großen Wandel kommen! Der wird uns zwar nicht ein romantisch verbrämtes ökologisches Paradies bringen, aber doch viel Erleichterung und Entspannung, die mehr als entschädigen werden für den Wegfall mancher (umweltschädlichen) Bequemlichkeit.
Daher muss die ökologische Krise mit Klimawandel, drohendem Öl-Ende, Artensterben, Wasserknappheit und anderen Problemen nicht so viel Angst machen. Es kann nur besser werden!
Ohne Frust und Lähmung die Krise sehen – darüber ist auch zu lesen in dem Buch „Mensch, was nun? Wie wir der ökologischen Krise begegnen – können“ (www.mensch-was-nun.de). Diese Eigenwerbung auf ein Buch mit großer Resonanz von seinen Lesern sei gestattet, da die Medien es nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
VORTRÄGE bzw. Lesung zu dem Buch (überall Eintritt frei):
- Freitag, 16.04.2010, 19 Uhr, Stelzlhof, Passau
- Dienstag, 20.04.2010, 19.30 Uhr, Medizinhistorisches Museum Ingolstadt
- Mittwoch, 19.05.2010, 19.30 Uhr, Ringvorlesung Umwelt an der TU München, Hörsaal 1100, Arcisstr. 21


Kommentare (9)
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gerfi
schrieb am 08.04.2010 um 18:02 ¶Nun, das aber soll uns nicht daran hindern, weiter für den Wandel zu einzusetzen. Für sich selbst wird es ein Vorteil sein, die Erkenntnisse zu besitzen und im persönlichen Bereich soviel wie möglich umzusetzen.
Wenn es dann zum Crash kommt ist man dann schon ein wenig gewappnet und dann fällt einem der Neuanfang nicht mehr so schwer
topist
schrieb am 08.04.2010 um 20:31 ¶"Und ungern geben wir das auf, woran wir uns gewöhnt haben, was uns somit selbstverständlich erscheint, worauf wir offenbar nicht mehr verzichten können: die Bequemlichkeit, in das Auto vor der Tür steigen zu können, die Freiheit, in Urlaub zu fliegen, der volle Supermarkt nebenan mit den jetzt schon erhältlichen Bio-Erdbeeren aus Spanien (… strategischer Konsum?), der Fernseher zuhause, das Handy in der Tasche. Aber: wäre es nicht vielmehr ein Gewinn an Lebensqualität, all dies und noch viel mehr nicht mehr zu benötigen?"
Ist das nicht ein wenig seeehr pauschal? Aufs Auto zu verzichten ist für mich ein Gewinn und das Geld für Bio-Erdbeeren habe ich mir heute auch gern gespart. (Leg ich dann in den DSL Account an der mich in die Lage versetzt, nachzuforschen, wie diese Erdbeeren produziert werden). Ich meine auch, dass dieser "Verzicht" oder eben auch "Gewinn" auch anderen zumutbar ist. (Bei den Bio-Erdbeeren müsste man sich nochmal die Ökobilanz genauer betrachten) Also rauf mit den Benzinpreisen! Ökosteuer! Das Interessante an dieser Forderung ist, dass gerade die, von denen man den Eindruck hat, dass sie nun noch der großen Katastrophe entgegen leiden und an der Mitmenschheit verzweifeln plötzlich nicht mehr mitmachen wollen beim nicht mehr mitmachen. Dass man Telefone jetzt in der Tasche mit sich herum tragen und damit sogar Radio hören kann, finde ich dagegen richtig klasse. Und da sollte die menschliche Intelligenz doch lieber darauf verwandt werden, wie man das besser standardisiert und recycelbar macht als dass man jetzt sagt: Schütze das Klima: Handy weg! das heißt nicht, dass ich nicht Aufpreise akzeptieren würde, wenn ich wüsste, das mit denen eine Ökologisierung der Telekommunikation vorangetrieben würde.
"Daher: verbrauchen wir ruhig das restliche Öl und das Gas, das nun offenbar wieder reichlich vorhanden ist – umso schneller werden wir endlich zum Großen Wandel kommen! "
Das ist nun aber wirklich ganz grober Unfug und im Übrigen auch arrogant gegenüber denen, für die Katastrophe längst Wirklichkeit ist. Oder wie würdest du das Leben derer nennen, die versuchen, auf Fischerbooten in die "Festung Europa" zu kommen?
Gruß vom Topisten
Meissner Andreas
schrieb am 09.04.2010 um 08:28 ¶Natürlich war es sehr pauschal formuliert. Aber ich denke, wir werden erst lernen und uns ändern, wenn Veränderungen schmerzhaft spürbar werden.
Damit wir nicht alle Lasten der Veränderung erst zukünftigen Generationen aufbürden, fände ich es schon nicht so schlecht, wenn wir bald mit ausgehendem Öl konfrontiert würden. Schließlich hat gerade unsere Generation es eifrig verbraucht, also kann sie auch noch den nötigen Wandel beginnen, und sollte von den Realitäten dazu gezwungen werden.
Der Wandel hat doch längst begonnen, oder stehen Finanzkrise bzw. die Pleite von Griechenland völlig zusammenhanglos im Raum? Wir leben über unsere Verhältnisse, und das ist die Rechnung dafür.
Wir haben erheblichen Anteil daran, dass viele mit Fischerbooten versuchen, nach Europa zu kommen - auch das ein Ergebnis der Ökokrise mit ihren sozialen Ungerechtigkeiten. Daher wird es erst recht Zeit, dass auch wir zur Umstellung gezwungen werden. Denen wünsche ich nicht noch mehr Leid, sicher nicht (man kann alles moralisch mißverstehen ...!). Die Industriestaaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden!
Ich werde - auch wenn ich vielleicht manchmal tatsächlich der Katastrophe entgegen leide - weiter mitmachen beim Kampf für Veränderung, Fahrrad fahren, Solarstrom und solargeheiztes Wasser produzieren, am Wochenende den Zug statt Auto nehmen, Bio-Lebensmittel kaufen (aber keine Erdbeeren jetzt schon) usw., wobei ich Neuerungen wie den i:pad (zur Zeit redaktionell eifrig in der SZ beworben) oder Handy mit Radio ehrlich gesagt nicht brauche.
Das wäre ja das schöne: auf leeren Autobahnen mit Rädern fahren, wie bei der Ölkrise. Hoffentlich bald wieder! Das wäre dann eben nicht die Katastrophe, der entgegen gelitten wird, sondern Erleichterung, weniger Streß, Durchatmen. Endlich weniger Hektik, Lärm, Mobilität, mehr Zeit für die Umgebung, mehr Erleben beim langsameren Reisen, etc.
Von daher: so negativ sehe ich alles gar nicht. Das was jetzt und schon seit Jahren abläuft, ist die eigentliche Katastrophe! Von daher: es kann nur besser werden!
Maria_L
schrieb am 08.04.2010 um 21:13 ¶dies hält der Psychotherapeut Andreas Meißner für möglich. "
Hört sich im Blog und vor allem in der Überschrift aber nicht so an ;-)
Das ist so die Art erhobener Zeigefinger, wo dann bei mir der Pragmatismus die Oberhand bekommt und ich sofort auf Durchzug stelle.
Wird scho irgendwie weiter gehen, is ja immer weiter gegangen.
Und im Mittelalter und im 2. Weltkrieg war eh noch alles viel schlimmer...und gestorben wird sowieso...und die Natur überlebt auch ohne uns ganz gut.
Ich kann mich auch noch gut an die Jahre mit der Ölkrise erinnern.
Da sind wir mit der Pferdekutsche und dem Radl auf der Bundesstrasse gefahren.
Grad schön wars.
Damals haben wir genauso geunkt:
Kann ja nicht mehr lange so weiter gehen...da kommt bestimmt bald ein große Krise und damit endlich die ersehnte Änderung...natürlich hin zum Besseren.
Und was war in den Jahrzehnten?
Die gefühlte große Krise war immer wieder irgendwo auf der Welt.
Hat sich deswegen was geändert?
Für uns hier in Deutschland gab es keine große Krise.
Aber die gewünschten Veränderungen sind auch ausgeblieben.
"Daher muss die ökologische Krise mit Klimawandel, drohendem Öl-Ende, Artensterben, Wasserknappheit und anderen Problemen nicht so viel Angst machen. Es kann nur besser werden!"
Diesen Optimismus -von wegen es kann nur besser werden- teile ich nicht.
Außer, ich bin so unegoistisch und projeziere das auf lange, lange nach mir...wenn die Erde mehr oder weniger befreit ist von uns.
Einerseits ist mir völlig klar, daß etwas passieren muß.
Aber auf die ökologische Krise und Wasserknappheit warte ich jetzt nicht gerade sehnsüchtig.
Ich glaube, daß wir uns in unseren schlaflosen Nächten und schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen können, was dann los ist.
Wenn die Krise erst mal da ist, dann ist endgültig Schluss mit gesundem Menschenverstand (was ist das???) und dann gilt nur noch das Recht der Stärkeren, Mächtigeren, Reicheren...
Na, danke...bitte nach mir.
Ich geh derweil in meinen Garten, an die Sonne, liebe meine Menschen und meine Tiere.
Etwas gesunde Verdrängung gibt mir die Kraft zum Weitermachen und Konsumverzicht sehe ich positiv wie der Topist beschreibt.
Meissner Andreas
schrieb am 09.04.2010 um 08:29 ¶Natürlich war es sehr pauschal formuliert. Aber ich denke, wir werden erst lernen und uns ändern, wenn Veränderungen schmerzhaft spürbar werden.
Damit wir nicht alle Lasten der Veränderung erst zukünftigen Generationen aufbürden, fände ich es schon nicht so schlecht, wenn wir bald mit ausgehendem Öl konfrontiert würden. Schließlich hat gerade unsere Generation es eifrig verbraucht, also kann sie auch noch den nötigen Wandel beginnen, und sollte von den Realitäten dazu gezwungen werden.
Der Wandel hat doch längst begonnen, oder stehen Finanzkrise bzw. die Pleite von Griechenland völlig zusammenhanglos im Raum? Wir leben über unsere Verhältnisse, und das ist die Rechnung dafür.
Wir haben erheblichen Anteil daran, dass viele mit Fischerbooten versuchen, nach Europa zu kommen - auch das ein Ergebnis der Ökokrise mit ihren sozialen Ungerechtigkeiten. Daher wird es erst recht Zeit, dass auch wir zur Umstellung gezwungen werden. Denen wünsche ich nicht noch mehr Leid, sicher nicht (man kann alles moralisch mißverstehen ...!). Die Industriestaaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden!
Ich werde - auch wenn ich vielleicht manchmal tatsächlich der Katastrophe entgegen leide - weiter mitmachen beim Kampf für Veränderung, Fahrrad fahren, Solarstrom und solargeheiztes Wasser produzieren, am Wochenende den Zug statt Auto nehmen, Bio-Lebensmittel kaufen (aber keine Erdbeeren jetzt schon) usw., wobei ich Neuerungen wie den i:pad (zur Zeit redaktionell eifrig in der SZ beworben) oder Handy mit Radio ehrlich gesagt nicht brauche.
Das wäre ja das schöne: auf leeren Autobahnen mit Rädern fahren, wie bei der Ölkrise. Hoffentlich bald wieder! Das wäre dann eben nicht die Katastrophe, der entgegen gelitten wird, sondern Erleichterung, weniger Streß, Durchatmen. Endlich weniger Hektik, Lärm, Mobilität, mehr Zeit für die Umgebung, mehr Erleben beim langsameren Reisen, etc.
Von daher: so negativ sehe ich alles gar nicht. Das was jetzt und schon seit Jahren abläuft, ist die eigentliche Katastrophe! Von daher: es kann nur besser werden!
Maria_L
schrieb am 09.04.2010 um 08:59 ¶Ich wünschte, ich könnte Deinen Optimismus teilen.
Vielleicht muß ich doch mal Dein Buch lesen ;-)
Majjhikayo
schrieb am 15.05.2010 um 12:40 ¶Nanu
schrieb am 15.05.2010 um 13:11 ¶Meissner Andreas
schrieb am 15.05.2010 um 19:52 ¶Was stört Sie so an meinen Überlegungen? Was löst so sehr Widerstand und Abwehr aus? Leider geschieht das oft so bei der Konfrontation mit dem Zustand dieser Welt, daher ist die Abwehr (Verdrängung u.a.) ja so groß.
Also: wir wollen doch alle irgendwie eine Verbesserung. Und da täte uns etwas mehr "Menschlichkeit" miteinander, von der Sie in Ihrem Profil schreiben, schon sehr gut!
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