Ich schreibe zurzeit eine Studienarbeit zum Thema "Zahlungsbereitschaft für umweltgerechte Produkte und Dienstleistungen" und suche dazu Expert_innenwissen bzw. weitere Infos.
Die Fragestellung ist aus ökonomischer Sicht zu sehen, also wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft bzw. welchen Nutzen haben Konsument_innen, aber auch aus psychologischer und soziologischer Sicht, ob und warum kaufen Konsument_innen umweltgerechte Produkte.
Ich bin zurzeit bei der Literaturrecherche bzw. -auswertung und bin für Hinweise auf Veröffentlichungen bzw. ähnliche Forschungsvorhaben dankbar.


Kommentare (4)
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Eine Antwort darauf findet sich überall in den Medien. Uns wird ein Lebensstil vorgegaukelt der erstrebenswert sei, weil man glücklicher sei, wenn man alles das machen und haben kann, was andere machen und haben, anstatt sich auf das zu besinnen, was wirklich glücklich macht wie z.B. Familie, Freunde, Ruhe, Vogelgezwitscher oder eine bunte Wiese. Statt dessen sollen wir kaufen, kaufen kaufen - ein neues Handy, die neueste Mode, eine Wochenendflugreise nach London zum Shoppen, weil das so glücklich macht und am Ende sind sie doch nicht so glücklich und sitzen alle mit hohler Birne vor dem Fernseher und lassen sich erzählen, was sie als nächstes zu machen haben.
Sehr anschaulich wird das alles, wenn man sich die folgenden Kurzvideos ansieht:
The Story of...
... Stuff http://www.utopia.de/magazin/the-story-of-stuff
... Bottled Water http://www.youtube.com/watch?v=Se12y9hSOM0
... Cap & Trade http://www.youtube.com/watch?v=pA6FSy6EKrM
... Cosmetics http://www.youtube.com/watch?v=pfq000AF1i8
Die tieferen Ursachen für unser Handeln liegen unter anderen natürlich in der Psychologie, die in folgendem Blog behandelt wird: http://www.utopia.de/blog/die-klimakatastrophe-ist-unabwendbar
Und für mich ganz bedeutend ist der Zugang zu Information.
Wenn ich ein Produkt in den Händen halte und auf der Verpackung erkenne unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen es hergestellt wurde und welche Auswirkungen es auf meine Gesundheit haben kann, also wie Sozial-, Umwelt- und Gesundheitsbilanz sind, dann werde ich mich eher für das teurere entscheiden, wenn es eine bessere Bilanz hat. Hierzu meine Empfehlung sich mit dem Thema asymmetrische Information auseinander zu setzen: http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/181535
Letztendlich gibt es keinen freien Markt und kann ihn aufgrund asymmetrischer Information auch nicht geben. Hinzu kommt, dass der Preis eines Produktes nur selten die wirklichen gesellschaftlichen Gesamtkosten darstellt. Es gibt Zölle oder Subventionen, die Umweltschäden der Produktion werden fast immer von der gesamten Gesellschaft getragen und nicht vom einzelnen Konsumenten.
Kommt noch hinzu, dass bei im Ausland produzierten Produkten diese Kosten nicht einmal bei unser Gesellschaft landen müssen. Unter der Klimaerwärmung duch den CO2 Ausstoß bei Herstellung, Transport und Entsorgung leiden vor allem Länder, die an der gesamten Wertschöpfung kein Stück beteiligt waren. Evtl. laden wir unseren Müll auch noch in diesen Ländern ab.
Wenn es einem nicht bei jedem Kauf ins Gesicht springt, lässt es sich sehr leicht verdrängen. Die Verdrängung ist eine der stärksten Methoden unseres Unterbewusstseins.
Wenn man die Verbraucher direkt befragt, dann geben sie eine sehr hohe Bereitschaft an, mehr zu zahlen für Produkte, die mit artgerechter Tierhaltung, unter fairer Bezahlung der Produzenten, Einhaltung besonders hoher Umweltstandards ect. erzeugt wurden.
Untersucht man aber das Kaufverhalten direkt, stellt man fest, daß letztendlich doch der Preis zählt.
In Deutschland wird von allen EU-Ländern am Wenigsten für Lebensmittel ausgegeben.
Zumindestens muß ein Produkt neben Vorteilen für die Umwelt auch noch Vorteile für das Individuum bringen (Geschmack, Gesundheit, Besonderes Einkaufserlebnis), damit ein höhrere Preis akzeptiert wird.
Das sind natürlich Durchschnittswerte.
In der Praxis sieht es so aus, daß eine riesige Masse sich gar nicht dafür interessiert, was sie Konsumiert und ob der Konsum strategisch ist und eine kleine Anzahl an Konsumenten ist sogar bereit, einen eklatanten Mehrpreis zu zahlen, wenn damit gewisse Ansprüche an die Qualität des Produkts erfüllt sind.
Ich schau mal, was meine Linkliste so ausspukt...keine Ahnung, was davon noch aktuell ist.
Natürlich sind die Studien aus meinem Bereich - (Bio-)Lebensmittel.
http://orgprints.org/4201/1/2401-02OOE366-ble-uni-goe-2004-gelegenheitskaeufer.pdf
http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2005/lueth/lueth.pdf
http://www.agromilagro.de/downloads/Marketing_von_Oeko-Produkten_Rippin2008.pdf
Dann habe ich in meinen Unterlagen noch ein PDF-Dokument gefunden, wo Verbraucher in Tirol über Ihre Bereitschaft befragt wurden, für Berg-Produkte mehr auszugeben.
Diese Studie kommt zu dem Schluss, daß die Verbraucher durchaus die artgerechte Tierhaltung auf der Alm, den landschaftspflegerisch wichtigen und sehr hohen Arbeitseinsatz der Bergbauern und natürlich die hohe geschmackliche Qualität ect. zu honorieren.
Die Studie habe ich mal irgendwo bezogen, müßte erst raussuchen wo.
Sie ist natürlich recht speziell. Wenn das Spezialthema zu deiner Arbeit passt, dann kann ich Dir die Quelle oder auch das Dokument zukommen lassen.
DAS ist der entscheidende Faktor. IMMER. Bei JEDER Entscheidung. Warum rauchen so viele Menschen über den Genussfaktor hinaus und nehmen dafür damit ein signifikant höheres Risiko in Kauf an Herz-und Gefäßkrankheiten oder Krebs zu sterben?
Warum bekommt niemand mit, dass die Lebensmittelabteilung im Supermarkt zu 2/3 aus tierischen Erzeugnissen besteht und in nochmals 2/3 der restlichen Lebensmittel wiederum tierische Inhaltsstoffe verarbeitet sind, welche schlussendlich weitere Volkskrankheiten wie Typ-2-Diabetes und Gicht erheblich mit vorangetrieben haben?
Dazu ein Auszug aus dem Wikipedia-Artikel: "Für die Wirksamkeit der Lebensstiländerung zur Verhinderung eines Diabetes mellitus Typ 2 gibt es eine Vielzahl von Studien. Diese zeigen aber auch, daß Patienten die Einnahme von Medikamenten eher akzeptieren als eine Veränderung des Lebensstils (und unterscheiden sich damit nicht von anderen Menschen mit chronischen Erkrankungen - siehe z.B. die Lungenerkrankung COPD und Rauchen).[28][29][30]" (http://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes#Symptome)
Kurzum: Alle guten Argumente verpuffen mit dem Blick auf den Geldbeutel und hinsichtlich der bequemeren Variante. Nur wenn einem das nackte Grauen ins Gesicht springt, ist nahezu der Letzte wohl auch bereit doch über sein Handeln nachzudenken.
Ich persönlich denke auch, dass direkte Gegenüberstellungen von Varianten und eine gleichzeitige gewisse Coolness des "besseren" Produktes die Chancen erhöhen würde, nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen akzeptabler zu machen. Dann würden die Menschen auch ohne viel drüber nachzudenken (ist leider so) einen höheren Preis bezahlen...
Deine Studie würde mich sehr interessieren. Solltest du Fragebögen haben, die du gern auch in Dresden evaluiert haben möchtest, schreib mir ruhig, ich würde mich bemühen, dich da mit zu unterstützen.
Lg; Pierre.
Eventuell haben sich die Macherinnen von Schöne neue Welt delüx (http://schoeneneueweltdeluex.wordpress.com/) ja mal mit dem Thema beschäftigt. Vielleicht kannst du bei denen mal anfragen.
MfG, Attila