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Ein kurzer Stopp im Hotel in Palangkaraya zum Gepäckabladen und ab geht’s ins WWF-Büro von Zentralkalimantan, einer der vier indonesischen Provinzen auf der Insel Borneo, wo wir die Projektleiterin Rosenda ‚Sendy’ Kasih und andere WWF-Mitarbeiter kennen lernen und Details über das Krombacher Projekt und dessen Einbettung in die Naturschutzbemühungen im Sebangau National Park erfahren. Doch Reisen macht hungrig – wir sind seit 5 Uhr unterwegs – und so werden wir zu Mittag erstmal mit der indonesischen Küche vertraut gemacht, ganz traditionell in einem open-air Fischrestaurant auf Rattan-Matten sitzend direkt am Fluss Kahayan. Die regionale Küche hier baut auf Süßwasser-Fisch und Shrimps in endlosen Variationen, Hühnerfleisch, verschiedenste Gemüse inklusive Rattan und leckeren ‚kalakai’ Farnspitzen, köstliche und natürlich in tropischer Sonne statt in Schiffsbäuchen gereifte Früchte wie Ananas, Melonen, Papaya und kleine Bananen, frisch geköpfte Kokosnüsse samt Strohhalm und natürlich viel Reis.

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Reis - oder vielmehr kein Reis - ist auch das Thema der zweiten Tageshälfte: Mit den WWF-Mitarbeitern fahren wir in das Gebiet des „Ex-Mega Rice Project": Die Provinz Zentralkalimantan weist 3 Millionen Hektar Torfmoor auf - eines der größten zusammenhängenden Torfmoorgebiete der Welt. Ebenso wie die europäischen Hochmoore sind diese Moorgebiete uhrglasförmig gewölbt mit einem sogenannten „Torfdom“ im Zentrum, doch sie unterscheiden sich sowohl in ihren Entstehungsbedingungen - die tropischen Moore wuchsen über einen Zeitraum von bis zu 15,000 Jahren infolge des Wasserstaus hinter den Mangrovenwäldern an der Südküste - als auch in ihrer Vegetation: die Moore hier sind aufgrund der klimatischen Bedingungen mit dichtem tropischem Regenwald bestanden. Diese „Peat Swamp Forests" (PSF, Torfmoorwälder) gehören zu den am stärksten bedrohten und am wenigsten erforschten Lebensräumen der Erde. Sie speichern riesige Mengen Kohlenstoff, sowohl in der oberirdischen Biomasse als auch im Moorkörper selbst, und sind ausgesprochen störungsanfällig. Die im Randgebiet des Moorgebietes ansässigen Bewohner hatten diese Gebiete, dort wo sie überhaupt zugänglich waren, über Jahrhunderte extensiv genutzt. Aber das änderte sich schlagartig, als das Suharto-Regime 1996 das sogenannte Mega Rice Project (MRP) initiierte, in dessen Rahmen 1 Million Hektar Wald (10.000 km2!) in Reisflächen für Transmigranten aus dem überbevölkerten Java umgewandelt werden sollten. Zwischen Januar 1996 und Juli 1998 wurden 4000 km Be- bzw. Entwässerungsgräben angelegt, was große Bereiche erstmals überhaupt zugänglich machte und schnell zur Plünderung der wertvollen Holzressourcen führte. Im August 1997 begann die Regierung mit der Brandrodung dessen, was noch übrig war. Doch die durch die El Niño-Southern Oscillation von 1997 verursachte übermäßig lange Trockenzeit ließ die Brände völlig aus dem Ruder laufen und viele bis dato unberührte Regenwaldbereiche wurden Opfer der Flammen. Der durch die Dränen ausgetrocknete Torf brannte wochenlang und sandte dichten gelben Rauch in solchen Mengen in die Atmosphäre über ganz Süd-Ost-Asien, dass es aus dem Weltall zu sehen und noch in Singapur zu riechen war. Zentralkalimantan verlor in diesen Wochen ein Fünftel seiner Torfmoorwälder und gigantische Mengen an CO2 wurden in die Atmosphäre abgegeben. Dasselbe Trauerspiel wiederholte sich 2002. Das MRP wurde 1998 eingestellt. Die Warnungen, dass sich auf den dicken Torfdecken mit den darunter liegenden, ebenso nährstoffarmen Quarzsanden Reis gar nicht anbauen lässt, hatte man ebenso überhört, wie die Hinweise darauf, dass die Kanäle das MRP-Gebiet wohl nicht be- sondern entwässern würden. Genau das trat dann auch ein: Der ausgetrocknete Torfkörper schrumpft um 1 bis 2 cm pro Jahr, Kanäle fallen trocken, Bäume sterben ab und werden von Farnkraut verdrängt, Brände brechen jährlich wieder aus und verbreiten sich unterirdisch, Feldfrüchte vertrocknen und die dort angesiedelten Menschen verharren in Armut.

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Das einzige noch großflächig zusammenhängende PSF-Gebiet in Kalimantan lag nun westlich des Ex-MRP zwischen den Flüssen Sebangau im Osten und Katingan im Westen. Doch auch dieses Gebiet wurde durch legalen und illegalen Holzeinschlag, Entwässerung und Brände zunehmend degradiert. Schon seit Ende der sechziger Jahre waren hier Holzkonzessionen vergeben worden. Dazu kam das Netzwerk der von den Anwohnern größtenteils manuell gegrabenen kleinen Kanäle, die dem Abtransport der eingeschlagenen Hölzer dienten.

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(siehe http://www.flickr.com/photos/31018621@N00/6355095615/ für eine deutlichere Grafik)

Der WWF machte sich für die Ausweisung des Gebietes als Nationalpark stark. Im Jahr 2004 fruchteten die jahrelangen Bemühungen und der fast 6000 km2 große Sebangau National Park (Taman Nasional Sebangau) entstand: „Das Scheitern des Mega Rice Projekts war für uns eine harte Lektion", erklärte der Gouverneur von Kalimantan damals, „Wir sollten auf nachhaltige Entwicklung setzen und den Umweltproblemen mehr Gewicht beimessen. Sebangau zu retten ist sowohl für die wirtschaftliche Existenz der Bewohner als auch für den Schutz der Orangutans wichtig - beides ist miteinander verknüpft. [...] Indonesien gehört zu den Ländern der Welt, die die höchste biologische Vielfalt aufweisen, aber unsere Wälder sind heute extrem stark bedroht. Illegale Abholzung, die Umwandlung von Waldflächen [in Agrarland, Palmölplantagen, und Minen], die Verschlechterung des Erhaltungszustands der Lebensräume und deren Zerschneidung sind die wichtigsten Faktoren, die zum Verlust biologischer Vielfalt und zum Artensterben beitragen. Sollten sich die derzeitigen Trends fortsetzen, werden die vielfältigsten Wälder dieser Erde allmählich verschwinden." Weiterhin betonte er, dass der Schlüssel zum Erfolg der Naturschutzmaßnahmen darin läge, die Existenzgrundlagen der dort lebenden Menschen zu erhalten bzw. neue, nachhaltige Einkommensquellen zu erschließen. Wie ernst es der von Korruption geplagten indonesischen Regierung ist, sei dahingestellt, aber genau diesen Ansatz verfolgen der WWF, das Forstministerium sowie eine ganze Reihe von nationalen und internationalen Organisationen, Konsortien und Projekten, die in dieser Region agieren; davon konnten wir uns auf dieser Reise überzeugen. Das Krombacher-Klimaprojekt ist somit in einen sehr viel größeren Kontext eingebunden, als es im ersten Moment aus der Ferne erscheinen mag.

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Im Vorfeld der Nationalparkausweisung betrieb der WWF intensive Konsultationen mit der ansässigen Bevölkerung in den 41 Dörfern am Rand des Torfmoorwaldgebietes, was nicht ganz spannungsfrei ablief, da viele Anwohner fürchteten, dass ihnen die Lebensgrundlage und lang angestammte Rechte entzogen würden. Auch die Dayak wollen kemajuan - was soviel wie Modernität oder Fortschritt bedeutet. Dazu muss man Zweierlei wissen: Erstens wird die Politik in der Provinz Zentralkalimantan maßgeblich von einer Elite der dortigen indigenen Bevölkerung, den Dayak, bestimmt. Seit einer Verwaltungsreform im Jahr 2001 liegen viele Entscheidungsgewalten, wie z.B. auch die Vergabe von Forstkonzessionen, auf der Ebene der Verwaltungsbezirke, d.h. unterhalb der Provinzebene, wobei der Sebangau NP drei verschiedenen Verwaltungsbezirken zugehörig ist. Vor dieser Zeit wurden die meisten Entscheidungen von der Zentralregierung in Jakarta getroffen. Zweitens haben die Anwohner keine Landtitel, wie wir es in Europa kennen, und die Nutzung der Ressourcen der Wälder und Flüsse unterliegt quasi Gewohnheitsrecht - das Recht, die Ressourcen einer bestimmten Fläche zu nutzen, wird mittels 'primi occupantes' (Erstnutzung) etabliert - was zentrale oder auch partizipatorische Entscheidungen darüber, wer was wo tun darf oder nicht, ungemein erschwert.

Dementsprechend wurde der WWF zunächst auch eher misstrauisch beäugt. Als WWF-Indonesien im Jahr 2001 sein Büro in Palangkaraya etablierte, war just ein brutaler Konflikt zwischen den indigenen Dayak und zwangsverpflanzten Transmigranten aus Madura ausgetragen worden, der mehrere hundert Menschenleben gekostet hatte. Auch die WWF-Mitarbeiter waren im Prinzip Außenseiter, die begannen, in die Lebenswelt und die ‚Timescape’ der lokalen Bevölkerung einzuwirken. Die ersten Schritte bestanden darin, die Gemeindeverantwortlichen und die Anwohner über die Bedrohung der Waldgebiete, der Orangutans und vieler anderer gefährdeter Tier- und Pflanzenarten aufzuklären und die Vorteile einer Schutzausweisung des Sebangau-Katingan-Gebietes darzulegen. Im Jahr 2003 hatte das WWF-Team – dazu gehörten nun auch Ngaju Dayak, die strategisch als ‚Brückenbauer’ im übertragenen Sinne angeheuert worden waren – bereits eine so starke Präsenz in der Region, dass es Gerüchte gab, der WWF wolle das Gebiet in seinen Besitz bringen. Man wusste offenbar, dass hinter dem (unabhängigen) WWF-Indonesia eine internationale Organisation steht und mancher fragte sich, warum für Leute aus anderen Teilen der Welt der Schutz der ‚orang (h)utan’ (lit. Menschen des Waldes) Vorrang haben sollte vor dem Schutz der verarmten und von der Regierung vernachlässigten ‚orang Dayak’, die sich ihren Lebensunterhalt mühsam mit Fischfang in den Flüssen, in ihren kleinen Gärten und Reisfeldern im Wanderfeldbau, mit der Ernte und Verarbeitung von Rattan, der Sammlung von Naturkautschuk und durch den Holzeinschlag zusammenklauben müssen. Noch erkannten sie nicht, dass ihre eigene Forstbehörde für die Einrichtung und das Management des Nationalparks zuständig ist und dass der WWF ‚nur’ eine Vermittlerrolle spielt.

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In der Folge der Nationalparkausweisung arbeitete der WWF auf Provinzebene eng mit der dem Forstministerium unterstellten Balai Konservasi Sumber Daya Alam (BKSDA, ‚Behörde für den Schutz natürlicher Ressourcen’) zusammen. Viel Aufklärungsarbeit war nötig, um die Unterstützung seitens der Anwohner sicherzustellen und es wurden kooperative Managementstrukturen geschaffen, in denen die Dorfgemeinschaften repräsentiert sind. Wie wichtig dem WWF die Kommunikationsarbeit ist, zeigte sich auch daran, dass fast jeder zweite Mitarbeiter, den wir trafen, den Titel „Communications Officer“ trug.

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Ich habe den Eindruck gewonnen, dass heute, sechs Jahre später, die anfängliche Skepsis mehr oder weniger überwunden ist. Wir hörten von diversen Initiativen, die auf die Existenzsicherung der Anwohner abzielen. Dazu zählten der Ausbau des Ökotourismus (Ekowisata), kooperative Strukturen für die Fischvermarktung, die den Fischern höhere Preise garantieren sollen, Hilfe bei der Vermarktung von Aloe vera, Austernpilzen, Wildhonig und Rattan, die Vermehrung von heimischen Orchideen, um die artengefährdende Wildsammlung zu ersetzen und nicht zuletzt die saisonale Beschäftigung von Anwohnern beim Staudammbau und bei der Wiederaufforstung degradierter Flächen.

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Wer wirtschaftlich am Stock geht, den interessiert die globale ökologische Bedeutung seiner Heimat erst einmal weniger und so waren es auch zu einem guten Teil internationale Bemühungen, die diese Region auf die internationale Agenda gesetzt hatten. Schon seit Anfang der neunziger Jahre studierten Forscher der Unis Nottingham, Leicester und Palangkaraya und Studenten aus aller Welt gemeinsam die Ökologie des Sebangau-Gebiets. 1997 etablierten sie CIMTROP (Center for International Cooperation in Sustainable Management of Tropical Peatland), ein Forschungszentrum für Moorforscher und ein Jahr darauf wies die indonesische Regierung 50,000 ha im Norden des heutigen Nationalparks als ein “Naturlabor”, das Natural Laboratory for the Study of Peat Swamp Forest (Laboratorium Alam Hutan Gambut, LAHG), aus. Das Gebiet, das zugehörige Base Camp und eine schmale, tief in das Gebiet hineinführende Bahnstrecke ‘gehörten’ zuvor einer Holzerntefirma.

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Die fortlaufenden, international finanzierten Studien von CIMTROP und dem aus dieser Partnerschaft erwachsenen OUTROP (Orangutan Tropical Peatland Project) haben diese Region auf die globale Landkarte der ‚Biodiversity Hotspots’ gesetzt. Der Nationalpark beherbergt mit geschätzten 6900 Individuen nicht nur eine der größten Orangutan-Populationen in Borneo (und somit der Welt!), sondern auch weitere 34 Säugetierarten, von denen 12 Arten ebenso wie die Orangutans vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind. Es finden sich hier u.a. Südliche Schweinsaffen (eine Makakenart), Maronenlanguren, Nasenaffen, Gibbons, Malaienbären, Nebelparder, Bengalkatzen, Marmorkatzen, Flachkopfkatzen, Marderbären (Binturongs), Streifenroller (eine Schleichkatzenart), Borneo-Kleinsthörnchen und Tiefland-Spitzhörnchen.
In unseren wenigen Tagen vor Ort haben wir etliche Makaken gesehen, Kratzspuren des Malaienbärs, eine der Hörnchenarten sowie viele Geckos und Fledermäuse. Weiterhin sind uns Feuerameisen begegnet, diverse Schmetterlinge in den exotischsten Farben und etliche der gefährdeten Hornvögel, Ibisse auf dem Sebangau-Fluss und ein wunderhübscher Brahminenweih auf dem Katingan. Zu den weiteren im Nationalpark vorkommenden Vogelarten zählen u.a. Altwelt-Schlangenhalsvögel, Ruß- und Purpurreiher, Malaienadler, Zweifarben-Fruchttauben, Langschopf-, Furchen-, Schild-, und Runzelhornvögel, Höckerstörche, Sunda-Marabus, Rhinozerosvögel, Südseeschwalben und die uns bekannten Rauchschwalben.
Apropos Schwalben: eine relativ neue Einkommensquelle und offenbar der letzte Schrei des Unternehmertums im Gebiet ist der Verkauf der aus Speichel gebauten Nester der Weißnestalangane als wichtigste Zutat der sog. Schwalbennestersuppe, einer exorbitant teuren Delikatesse der chinesischen Küche. Dafür werden für die mit unseren Mauerseglern verwandten Alangane eigens riesige Holzbauten errichtet, in denen etliche Familien Platz finden könnten. Im Obergeschoss werden Tag und Nacht laute Bänder mit Lockrufen abgespielt, die die Vögel anziehen sollen. Wie die Anwohner dabei schlafen können, ist mir ein Rätsel.

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In Kereng Bangkerai stehen besonders viele dieser „Segler-Hotels“. Hier, nahe der Nordgrenze des Nationalparks liegt auch das Büro der Nationalparkbehörde und die Anlegestelle für die Speedboats (auch als Wasserbusse bezeichnet, denn sie sind das hiesige öffentliche Verkehrsmittel), die uns am Dienstag zum WWF-Camp und am Mittwoch in das Krombacher-Gebiet befördern.

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Mit einem Affenzahn (man möge mir das Wortspiel verzeihen) rasen die Boote durch die Flussschlingen und bringen das eine oder andere Fischerboot ins Schwanken.

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Das warme schwarze Wasser des Flusses ist rechts und links von niedrigen Palmen gesäumt, deren Früchte nur den Makaken schmecken. Immer wieder wird die dichte Vegetation von Brandstellen mit verkohlten Baumstümpfen unterbrochen. Überall sind kleine klotoks (Fischerboote) unterwegs und sammeln Fische und Shrimps aus Netzen und Reusen. Während der Fischfangsaison leben die Fischer in aufgestelzten einfachen Holzhütten am Rand des Flusses, den pondoks. Nach über einer Stunde haben wir die gut 60 km Strecke (28 km Luftlinie) zum WWF-Camp geschafft, das letzte Stück davon auf einem der Hauptkanäle, in dem 2005 der erste große Damm gebaut wurde.

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Das Camp läuft unter dem Namen „SSI-Camp"; es ist nach einer weiteren Forstkonzession der Holzerntefirma SSI benannt, die in diesem Gebiet tätig war. Adventus Panda, genannt ‚Panda', einer der Biologen des WWF-Teams, zeigt uns hier eine der Baumschulen.

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Seit 2005 wurden in diesem Gebiet schon Tausende von Bäumen von vielen unterschiedlichen Sponsoren gepflanzt, z.T. als Wiederaufforstung auf abgebrannten Flächen und zum Teil als Anreicherungspflanzungen, dort wo selektiv abgeholzt worden war. Jeder einzelne Baum wird katalogisiert, einschließlich der GPS-Koordinaten, und kann auf Google Earth abgerufen werden (siehe http://www.wwf.or.id/newtrees). Die Neupflanzungen hier umfassen 60 ha á 400 Bäumen (jeweils 5 m Abstand), sprich 24,000 Bäume. Aufgrund des schnellen Wachstums im tropischen Klima wirken die gut sieben Jahre alten Pflanzungen schon sehr waldartig. Es wird eine Reihe verschiedener Arten gepflanzt, z.B. Belangeran (Shorea balangeran), eine endemische und gefährdete Hartholzart, Jelutung (Dyera costulata), das u.a. der Latexgewinnung dient, Ramin (Gonystylus sp.) und Pulai (Alstonia spatulata) und andere Futterbaumarten für Orangutans. Auch wir dürfen uns hier verewigen und zeremoniell ein paar Bäumchen pflanzen.

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Natürlich macht es keinen Sinn auf brandgefährdeten Flächen Bäume zu pflanzen und so musste zunächst der Kanal gedämmt werden, um den Wasserspiegel wieder anzuheben. Wir fahren hinter dem ersten Damm ein paar hundert Meter den Kanal hinauf und folgen einem Trampelpfad in den Regenwald, wo Panda uns das einfache, aber effektive Monitoringsystem zeigt, mithilfe dessen der Wasserspiegel an permanenten Messpunkten regelmäßig kontrolliert wird. Diese Messpunkte liegen hinter jedem der größeren Dämme, jeweils beidseitig und rechtwinklig im Abstand von 5, 25, 50, 150 und 300 m zum Kanal.

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Aus den Messdaten wird ein großflächiges Grundwasserprofil errechnet und mit den projektierten Grundwasserständen verglichen. Die tief in den Boden geschlagenen Rohre mit den auf dicken „Korken" schwimmenden Messlatten waren ursprünglich rot angestrichen, damit sie im dichten Wald leichter zu sehen sind, mussten aber durch weiße Rohre ersetzt werden: Offenbar fanden die Orangutans die rote Farbe unwiderstehlich und rissen die Rohre ständig aus dem Boden! Auf dem Weg ins Waldinnere sahen wir auch von den nachtaktiven Malaienbären bei ihrer Suche nach Insekten und Honig aufgerissene Baumstämme.

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Der Erfolg der Maßnahmen ist schon mit bloßem Auge sichtbar: Hinter dem Damm - einer von mehreren in diesem Kanal - ist der Grundwasserspiegel auch jetzt am Ende der Trockenzeit deutlich höher, die ältesten Jungbäume sind gut angewachsen und bilden einen dichten Bestand.

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Hier hatte sich der WWF-Niederlande mit Geldern aus der Nationale Postcode Loterij zwischen 2005 und 2009 am Bau von insgesamt 176 Dämmen beteiligt. Zeitgleich hatten die CIMTROP-Forscher zusammen mit dem WWF, Wetlands International, CARE-Indonesia und der Borneo Orangutan Survival Foundation im Rahmen des Central Kalimantan Peatlands Project (www.ckpp.org) nicht nur verschiedene Dammbauverfahren in den kleineren und größeren Kanälen im Nationalpark selbst und im angrenzenden Ex-Mega Rice Projektgebiet getestet, sondern auch den anschließenden Anwachserfolg verschiedenster heimischer, standortgerechter Baumarten, sodass der WWF mit seinen neuen Projektpartnern auf diesem Wissen aufbauen konnte. Von deutscher Seite kam nun die Deutsche Post als weiterer Geldgeber hinzu: Von 2008-2011 wurden westlich des Sebangau-Flusses in den Einzugsgebieten zweier Ströme insgesamt mehr als 590 km2 Torfmoor wiedervernässt.

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Zwischen diesen beiden Teilgebieten liegt das Einzugsgebiet des Rasau; hier wird seit Mai 2011 die erste Phase des Krombacher Klimaschutzprojektes verwirklicht. In dem 26,000 ha großen Gebiet werden kaskadenförmig aufeinander folgend insgesamt 145 Dämme gebaut. Diese müssen nicht wasserdicht sein – das würde aufgrund des wasserdurchlässigen Torfs nur zu Bodenerosion führen. Somit kann die Baukonstruktion relativ einfach sein. Mithilfe eines 3D-Digitalen Geländemodells und hydrologischer Modellrechnungen werden die Dammstandorte so geplant, dass jeder der kleineren Dämme das Wasser etwa 25cm hoch anstaut. Ziel ist es, den Wasserabfluss langfristig wieder auf den ursprünglichen Wert von 30 m/Tag zu senken und somit den Grundwasserspiegel soweit anzuheben, dass er auch in der Trockenzeit nicht mehr als 40 cm unter Flur fällt, denn ab diesem Wert ist der Torf extrem brandgefährdet.

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Am dritten Tag unserer Reise fahren wir wieder von Palangkaraya nach Kereng Bangkerai und mit dem Speedboat bis an die Mündung des Rasau. An den hier errichteten pondoks der Arbeiter steigen wir in schmale Fischerboote, die uns den kleinen Strom hinaufbringen.

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Unterwegs müssen wir mehrfach aussteigen, damit die Boote über die schmalen Durchlässe in den kleineren Dämmen hindurchgezogen werden können. Nach kurzer Wegstrecke finden wir uns in einer trostlosen Weite verbrannter Erde.

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Heute ist körperlicher Einsatz gefragt: Vormittags helfen wir beim Dammbau, nachmittags werden Bäume gepflanzt. Das Bauholz für den Damm war schon antransportiert worden: schweres Hartholz für den Rahmen, leichtes gelam für die senkrechten Holzwände; dazu kommen mit Torf zu füllende Säcke und starke Folien. In Windeseile bauen die Arbeiter mit einer Folie einen Sonnenschutz auf. Nun gilt es unter Anleitung der Indonesier bei der Konstruktion zu helfen. Man steht bis zum Po im badewannenwarmen Moorwasser, hat zu zweit unter Einsatz allen Körpergewichts Pfähle in den Boden zu rammen, oder mit ganzer Kraft Nägel in das Eisenholz zu schlagen. An Letzterem sind glaube ich alle außer Sigi gescheitert. Er hat bei den Einheimischen so viel Eindruck geschindet, dass sie ihn am liebsten gleich dabehalten hätten.

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Nach einem wie immer wundervoll reichhaltigen Mittagessen (einschließlich rosa, grüner und gelber Krupuk!), dass unter großen Mühen den Kanal hoch in eine große, aufgestelzte Schutzhütte geschifft worden war, machen wir uns ans Bäumepflanzen. Mit einem langen Massband werden die 5m Abstände eingemessen, jeder Baum erhält eine Stange zur Markierung. Schon nach kurzer Zeit ist uns klar, was für ein immenser körperlicher Einsatz hinter jedem gepflanzten Baum steht, denn wir sinken ständig im Torfboden ein, manchmal bis zum Knie, und versteckte alte Baumwurzeln stechen und kratzen Füße und Waden auf. Bei 35 Grad Celsius wird jeder Schritt zum Kampf. Als wir abends völlig verdreckt im schicken Hotel ankommen, begrüßen uns die Porter wie immer mit der typischen indonesischen Höflichkeit und Freundlichkeit, doch wahrscheinlich denken sie „Gila wisatawan!“, verrückte Touristen.

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Sendy, die WWF-Projektleiterin, hat nicht nur mit uns alle Hände voll zu tun, sondern auch mit dem zeitgleich anwesenden Fernsehteam vom niederländischen RTL4 im Schlepptau von Bente van der Wilt vom WWF-NL, die uns mehrfach in der Woche über den Weg laufen. (Wer den Kanal empfangen kann: Ausstrahlung am 4.12.) Daher werden wir die letzten zwei Tage ‚outgesourced', und zwar an Dodi und sein kleines, junges Tourismusunternehmen Buchu Blue Betang.

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Dodi wiederum hat Hengky im Schlepptau, einen jungen Studenten aus Yogyakarta, der als Uniprojekt Fotos und Videos für Dodi's Webseite schießen soll. Wir werden berühmt...

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Nun geht es an die Westgrenze des Nationalparks, die durch den Fluss Katingan gebildet wird. Auf der Westseite des Nationalparks wird nächstes Jahr die zweite Phase des Krombacher Klimaschutzprojektes beginnen im Rahmen derer weitere 150,000 ha Torfmoorwald wiedervernässt werden.

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Drei Stunden sind wir im Auto unterwegs, fahren durch Palmöl- und Latexplantagen, an eher traurig aussehenden oder auch völlig abgebrannten Waldstücken vorbei, durch eine riesige, ehemalige Goldmine, die der Familie des Diktators Suharto gehörte. Auch hier stand einmal Regenwald - jetzt sieht man nur noch eine hügelige Mondlandschaft aus weißem Quarzsand, soweit das Auge reicht.

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Irgendwann wird es wieder grüner, Bananenstauden säumen den Weg und wir erreichen das Dorf Baun Bango, wo wir mit großem Zeremoniell auf herzliche und auch rührende Weise begrüßt werden. Die Beschreibung der Zeremonie würde den Rahmen endgültig sprengen; nur so viel sei gesagt: Reiswein spielte eine Rolle, sowie Gongs, ein symbolischer Balken, eine Machete, Reiskörner, heiliges Wasser, Tanz, Gesang und ein junges Huhn. Den Rest überlasse ich Eurer Fantasie. (Es floss kein Blut!). Baun Bango und das nächste Dorf, das wir mit dem Boot ansteuern, Jahanjang, haben sich zum Ziel gesetzt, Ökotouristen anzuwerben. Dabei werden sie auch vom WWF unterstützt. In beiden Dörfern gibt es sowohl einfache Unterkünfte für Besucher als auch ‚home stays', also die Möglichkeit, bei Familien unterzukommen. Wir verbringen den Rest des Tages in Jahanjang und übernachten an einer Lagune, die nur über einen mehrere hundert Meter langen, durch den Regenwald führenden Holzsteg zu erreichen ist. Hier hat die Regierung vor ein paar Jahren einen kleinen aufgestelzten Komplex aus zwei Gästehäusern und vier Pavillons errichtet, kümmert sich aber nun nicht mehr darum.

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Zu Mittag treffen wir dort wieder auf das holländische Filmteam und können uns ein bisschen austauschen. Die Gruppe war tiefer in den Nationalpark eingedrungen und hatte die Nacht in Punggu Alas verbracht, wo der WWF eine Orangutan-Beobachtungsstation eingerichtet hat.

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Eine Ruderpartie meinerseits im Fischerboot auf der Lagune mit ihrem mehr als lauwarmen Wasser wird abrupt von einem heftigen Gewitter unterbrochen.

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Dafür schmecken der gute indonesische Kaffee und die Zimtmuffins im Pavillon bei den etwas mäßigeren Temperaturen um so besser. Erst später am Abend holen wir das Bintang hervor - Bier ist für die Moslems Tabu.

Um den Ökotourismus hier voranzutreiben, ist noch viel Arbeit erforderlich. Die Verständigung ist schwierig, da die meisten Anwohner kaum Englisch sprechen. Probleme wie die Abwasserbeseitigung und Müllentsorgung müssen angegangen werden, wenn sich mehr als eine Handvoll von Leuten alle paar Monate hier aufhalten sollen. Aber den winzigen Einblick in die Lebenswelt in diesem muslimischen Dayak-Dorf möchte ich ebenso wenig missen wie den Gang über den langen Holzsteg im Dunkeln, ganz allein, nur umgeben von den mir fremden Lauten des Regenwaldes und dem Gesang des Imams, der die Dorfbewohner zum abendlichen Gebet ruft.

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Früh am nächsten Morgen brechen wir wieder auf und legen diesmal den Großteil der Strecke zurück nach Norden im Speedboat zurück. Unterwegs kommen wir an einer Feuerwache vorbei und sprechen den Feuerwehrmännern unseren Dank für die Erfüllung ihrer wichtigen Aufgabe aus. Wenn man auf Gigatonnen höchst brandgefährdeten Materials sitzt, gibt es kaum einen wichtigeren Beruf!

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Auf unserem Programm steht heute eine Fahrt in einem fantastisch ausgestatteten traditionellen Holzschiff (www.wowborneo.com) um die „Orangutan Islands", waldbestandene Inseln, auf denen die Orangutan-Rettungs- und Aufzuchtstation Nyaru Menteng der Borneo Orangutan Survival Foundation junge Orangutans ab einem Alter von etwa sieben Jahren halb auswildert. Hier warten sie darauf, vollständig in die Selbstständigkeit entlassen zu werden, was aber sehr kostspielig ist und natürlich auch erfordert, dass überhaupt noch sichere Waldgebiete gefunden werden können, die zusätzliche Tiere aufnehmen können.

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Wildlebende Orangutans gibt es nur noch in Borneo und Sumatra. Die auf Sumatra vorkommende eigenständige Art (Pongo abelii) zählt nur noch rund 6000 Individuen und steht somit kurz vor dem Aussterben. Die borneische Art (Pongo pygmaeus) steht mit rund 54,500 Individuen etwas besser da, aber die niedrige Reproduktionsrate kann mit dem Biotopverlust (vor allem durch Palmölplantagen), Tötungen und dem Schwarzhandel mit den niedlichen Babys nicht schritthalten. Es sieht nicht gut aus für unsere nahen Verwandten!
Ohne Regenwald mit einer Vielfalt von Bäumen, die sowohl in der Regenzeit (Nov.-Apr.) als auch in der Trockenzeit (Mai-Okt.) ausreichend Früchte produzieren, können diese intelligenten rothaarigen kleinen Waldmenschen nicht existieren. Sie leben, abgesehen von den Müttern mit ihren Babys, die sie 7-8 Jahre säugen und umsorgen, solitär und jedes erwachsene Tier hat ein Streifgebiet von mehreren hundert Hektar. Da ihr Lebensraum ständig schrumpft, dringen sie immer häufiger in Palmölplantagen und andere Kulturpflanzenbestände ein und kommen mit Menschen in Konflikt. Obwohl Orangutans unter Schutz stehen, vergeben Plantagenbesitzer zum Teil Kopfgelder. Mütter werden oft brutal abgeschlachtet, z.T. auch gegessen, und die Babys werden mitgenommen - sie bringen auf dem Schwarzmarkt viel Geld ein. Solche völlig traumatisierten kleinen Wesen landen dann, sofern sie gefunden und konfisziert werden können, in rein aus Spendengeldern finanzierten Rettungsstationen wie Nyaru Menteng, wo sie jahrelang unter großem Aufwand von menschlichen Babysittern und unter ärztlicher Aufsicht aufgezogen werden. In der ‚Waldschule' werden ihnen über die Jahre jene Fähigkeiten vermittelt, die ihnen ihre Mütter beigebracht hätten, also z.B. wie man auf Bäume klettert, dass Obst auf Bäumen wächst, welche Pflanzen man essen kann und welche nicht, dass man von Schlangen Abstand halten sollte und so weiter.

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Dies alles erklären uns Yeni und Ivet, zwei Mitarbeiter von Nyaru Menteng, die sich zu uns auf die ‚Spirit of Borneo' gesellen als wir die Inseln umrunden und ich zum ersten Mal in meinem Leben Orangutans nicht auf dem Fernsehbildschirm, sondern in ihrem Lebensraum sehe: zwei Mütter mit jungen Babys und eine Schwangere. Fünf Tiere von insgesamt mehr als 600, um die sich die Station kümmert. Dass die Station ursprünglich für etwa 100 Orangutans ausgelegt war verdeutlicht die Misere!

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Anschließend fahren wir nach Nyaru Menteng, dürfen aber aufgrund verschärfter Quarantäne-Bedingungen leider nur in das Besucherzentrum und können einige der Rotschöpfe hinter Glas beim Spielen beobachten. Wir wandern noch ein wenig auf einem direkt außerhalb des Komplexes verlaufenden morschen Holzsteg herum und hoffen, wie Guenola vor ein paar Jahren, vielleicht noch einen Waldschul-Schwänzer zu treffen, werden aber enttäuscht. Dennoch ist es gut zu wissen, dass sich hier Primaten mit viel Empathie liebevoll um Primaten kümmern.

Unseren letzten Abend beenden wir mit einem netten Abendessen mit Sendy und ihrer Kollegin Nina. Ich glaube, niemand will so recht Abschied nehmen nach diesen wenigen, aber unglaublich eindrucksvollen Tagen. Eine der Fragen, die uns durch den Kopf gehen, ist diese: Hier läuft ein wichtiges und offenbar erfolgreiches Projekt. Warum engagiert sich eine Firma wie Krombacher auf diese Weise? Während wir in Jakarta sieben Stunden auf unser Flugzeug warten, können wir diese Frage nochmal intensiv diskutieren. Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Der einfache Teil: Krombacher ist keine Aktiengesellschaft sondern ein Familienunternehmen und ist somit nicht verpflichtet, Aktionären zur Gewinnmaximierung zu verhelfen, sondern kann über den Einsatz von Unternehmensgewinnen frei entscheiden. Krombacher engagiert sich im Rahmen seiner unternehmerischen Sozialverantwortung u.a. in Borneo.

Der komplizierte Teil hat mit dem Kyoto-Protokoll, dem Kohlenstoff-Zertifikatehandel und REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, dt. etwa "Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“) zu tun. Der WWF hat es sehr deutlich gemacht, dass er sich mit reiner Klimakompensation (carbon offsetting) nicht abgibt, da es sich dabei um ein Nullsummenspiel handelt und der Energieverbrauch nicht reduziert wird. Krombacher hat dem WWF ein überzeugendes Nachhaltigkeitskonzept vorgelegt, im Rahmen dessen das Unternehmen seinen Reduktionsverpflichtungen nachkommt. Doch auf einen Teil der Emissionen, für die die Firma letztendlich verantwortlich ist, hat sie keinen Einfluss, z.B. wenn der Käufer seine Bierkiste mit dem Auto vom Händler nach Hause transportiert. Für dieses letzte bisschen, was die Firma nicht beeinflussen kann, soll das Projekt Kohlenstoffzertifikate erzeugen (der Funktion der Torfmoorwälder als Kohlenstoffspeicher entsprechend) und dem ‚Plus’ von REDD+ entsprechend auch zu lokaler nachhaltiger Entwicklung und zum Biodiversitätsschutz beitragen. Diese Leistungen werden an strengen Umwelt- und Sozialstandards gemessen, und zwar dem Voluntary Carbon Standard (VCS) und den Climate, Community & Biodiversity Standards (CCBS), deren Einhaltung von unabhängiger Seite, in diesem Fall vom TÜV, überprüft wird. Sämtliche technischen Details, Umsetzungsschritte und Monitoringdaten werden in einem sog. Project Design Document festgehalten, mithilfe dessen der Zertifizierer vor Ort die CO2 –Einsparungen und die Einhaltung der Standards verifizieren kann. Erst dann können die jährlichen, auf dem sog. „freiwilligen Markt“ handelbaren Kohlenstoffzertifikate ausgestellt werden. Einen Teil davon erhält der indonesische Staat, einen Teil der WWF, der diese in weitere Projekte reinvestiert, und einen Teil erhält die Firma Krombacher, die diese Zertifikate ‘stilllegt’. Dieser Bereich ist für alle Beteiligten noch relatives ‘Neuland’ und es gilt noch weitere Details auszuhandeln, auch mit der indonesischen Regierung. Für nähere Informationen verweise ich auf " http://www.wwf.de/themen/waelder/klima-wald/redd/.

Die Quintessenz für mich ist, dass hier ein gutes Projekt im Gange ist. Krombacher und der WWF agieren zusammen mit anderen Sponsoren und Nichtregierungsorganisationen, Forschern, indonesischen Behörden und der lokalen Bevölkerung in einem komplexen Umfeld. In vielerlei Hinsicht werden hier im wahrsten Sinne des Wortes Feuer gelöscht und verhängnisvolle Entwicklungen eingedämmt. In kurz- oder auch mittelfristiger Sicht wird der für uns alle wichtige Regenwald sich nicht in seiner ursprünglichen Komplexität wieder herstellen lassen. Wenn aber alle Akteure am Ball bleiben, dürfte das Ökosystem im Sebangau National Park langfristig auf einen Kurs gesetzt werden, der nicht nur die verbleibenden Kohlenstoffreservoire sichert und mit neuen Wäldern weiteren Kohlenstoff langfristig fixiert, sondern auch die außerordentliche biologische Vielfalt dieses Gebietes und die Existenzgrundlage der Anwohner erhält.

Einen ganz herzlichen Dank für diese einzigartigen Erfahrungen an Krombacher, Utopia, TV Hören & Sehen, WWF-Deutschland und WWF-Kalimantan Tengah. Salam lestari!

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Grosses Plakat in der Abflughalle am Tjilik Riwut Airport.


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Unsere lustige Truppe!


Webseiten:

Krombacher Klimaschutzprojekt: http://klimaschutzprojekt.krombacher.de

WWF Deutschland-Krombacher Kooperation: http://www.wwf.de/presse/details/news/wwf_und_krombacher_starten_neue_kooperation_zum_wald_und_klimaschutz/

WWF Indonesien: http://www.wwf.or.id/

Webseite des Sebangau Nationalparks: http://tnsebangau.dephut.go.id/

Ökotourismus in Baun Bango und Jahanjang: http://www.theborneoadventure.com/

Berdodi 'Dodi' Martin Samuels "Buchu Blue Betang" http://www.heart-of-borneo.net/

Fahrt um die Orangutan Islands: http://wowborneo.com/

Borneo Orangutan Survival Foundation (deutscher Zweig): http://www.bos-deutschland.de/

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In memory of Luna.

Meine Fotos der Reise: http://www.flickr.com/photos/31018621@N00/collections/

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Literatur

Perez, P.L., 2010, Deep-rooted hopes and green entanglements : implementing indigenous peoples rights and nature-conservation in the Philippines and Indonesia. Doctoral thesis, Leiden University. https://openaccess.leidenuniv.nl/handle/1887/15511

Page, S. et al. 2009. Restoration Ecology of Lowland Tropical Peatlands in Southeast Asia: Current Knowledge and Future Research Directions. Ecosystems (2009) 12: 888–905. DOI: 10.1007/s10021-008-9216-2
http://www.springerlink.com/content/63g28g6777447834/fulltext.pdf

Jaenicke, J. et al. 2010. Planning hydrological restoration of peatlands in Indonesia to mitigate carbon dioxide emissions. Mitigation and Adaptation Strategies for Global Change, 2010, Volume 15, Number 3, Pages 223-239.
http://edepot.wur.nl/160537

Meijaard E, Buchori D, Hadiprakarsa Y, Utami-Atmoko SS, Nurcahyo A, et al. (2011) Quantifying Killing of Orangutans and Human-Orangutan Conflict in Kalimantan, Indonesia. PLoS ONE 6(11): e27491. http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0027491

CIFOR 2011 Beyond mitigation: forest-based adaptation to climate change - FAO and UNEP Meeting on Forests and Climate Change Adaptation in Asia, 26 October 2011, Bangkok
http://www.slideshare.net/CIFOR/beyond-mitigation-forestbased-adaptation-to-climate-change-10197976