Alles begann mit der Nachricht, dass auf zwei Schlachthöfen in England Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne verarbeitet wurde. Prompt weitete sich dieser Skandal auf andere Länder aus, unfassbarerweise sogar bis in das so penibel kontrollwütige Deutschland. Es lebe die Globalisierung.
Doch: Was genau ist eigentlich das Problem? Angeblich schmeckt Pferdefleisch nicht nur prima, sondern ist sogar richtig gesund. Also: Was ist das Problem?

Natürlich: Pferde genießen in unserem Kulturkreis einen etwas anderen Status gegenüber beispielsweise Rindern, Schweinen und Hühnern. Pferde können eine echte Wertanlage sein, sind zum Dressur- und Springreiten nahezu unverzichtbar und in Form von Ponys gerade für Kinder besonders goldig. Aber sonst? Was ist das Problem? Oder darf man Fleisch erst ruhigen Gewissens verspeisen, nachdem man den dazugehörigen Tieren durch Massenproduktion ihren Status als Mitgeschöpf geraubt hat?

Was ist das Problem? Ist das Problem der Etikettenschwindel? Rinderhack möge bitte aus Rindfleisch bestehen, nicht aus Pferd? Etwa so, wie dem Verbraucher Formfleisch als Schinken untergejubelt wird und Analogkäse, der mit Käse nicht viel zu tun hat?
Was ist das Problem? Ist das Problem der Kontrollverlust? Rindfleisch wird lückenlos deklariert, von der Geburt des Rindes über die Aufzucht bis zur Schlachtung. Das will die EU schon länger auf anderes Fleisch ausweiten, nun vielleicht auch auf Pferde, damit wir alle beruhigt sind. Und bis jemand auf die Idee kommt, in Lasagne auch einmal nach Känguruh- oder Kamelfleisch zu suchen.
Was ist das Problem? Etwa, dass über Pferdefleisch auch Spuren von Phenylbutazon in die Nahrungskette gelangt sein sollen, ein Schmerzmittel, das Pferden gern verabreicht wird? So ähnlich, wie sich Spuren von Schlafmitteln, Psychopharmaka und Anti-Baby-Pillen (u.v.a.) in unser aller Trinkwasser befinden, mit dem wir tagtäglich unsere Mahlzeiten kochen?

Je nach dem, was nun das Problem ist, ist Verbraucherministerin Ilse Aiger dazu berufen, sich darum zu kümmern. Die Frau Aigner, die vor einem Jahr die Diskussion hochelegant auf das Mindesthaltbarkeitsdatum lenkte, als es eigentlich darum ging, dass in Deutschland 500.000 Kinder Hunger leiden. Die Frau Aigner, die kürzlich Bauernproteste gegen EU-Subventionskürzungen von 3,5 Milliarden Euro mit dem Hinweis entschärfte, die Bauern hätten doch nun schließlich Planungssicherheit.
Das wird noch spannend. Vielleicht diskutieren wir bald darüber, ob Lasagne mit Phenylbutazon-Zusatz nur mit Beipackzettel in Apotheken verkauft werden sollte und wie kompetent man in Apotheken beraten wird.
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--- von Falko A. Cerny ---