In diesen Tagen, angesichts macher Artikel und Diskussionsrunden, muß ich mich auf die Erkenntnis einlassen, dass es zwei Kategorien von Menschen gibt: Diejenigen, die sich beim nächsten Schritt fragen, was sie mit ihm alles verlieren könnten … und diejenigen, die ihr vorrangigstes Augenmerk darauf richten, was mit ihm zu gewinnen sein könnte.
Während die einen den Untergang der Industrienation Deutschland sehen, sehen die anderen die große Chance eben dieser Industrienation exemplarisch vorzumachen, dass es geht!
Dass eine Industrienation eine Hochrisikotechnologie aufgeben kann, ohne auch nur ein Jota an „Lebensstandard“ zu verlieren. Ja, letztendlich sogar noch einen viel größeren erringen wird!

Was mich doch insgesamt an der Diskussion bedrückt, ist, wie sich nun nach knapp vier Monaten die Meister der Rechenschieberei und Beherrschbarkeitsphantasien wieder zur Geltung bringen.
(Was ihnen mehr gelingt, als manchem lieb sein kann – jedenfalls komme ich nicht umhin, die zunehmenden .. und wer soll das bezahlen-Fragen der Journalistik so zu deuten)
Daher möchte ich noch einmal auf eine weitere und weitestgehend unbeachtete Dimension des „Bezahlens“ hinweisen.
Das geht nicht ohne eine ganz persönliche Stellungnahme:

Die Frage nach der Atomenergie, die zuinnerst eine Frage nach der Verwandlung der Materie ist, beschäftigt mich nun schon seit ca. 30 Jahren. Da ich kein Physiker bin, kann ich zu den physikalischen Qualitäten eines Stoffes ziemlich wenig sagen. Ich nehme mir aber das Recht heraus, wenn nicht als Physiker, so doch sozusagen als „Gestiker“ auf die Stoffe zu schauen. Was macht ein Stoff unter gewissen Verhältnissen? Wie verändert er sich unter welchen Beeinflussungen? Welche Gebärde zeigt er? Gibt es auch in der Materie eine „Gebärdensprache“, eine „Gestik“ mit der ein Stoff sein Verhältnis zur Umwelt bzw. Mit-Welt darstellt. Was ist Materiezerfall? Was ist Kernspaltung?
Und vor allem: Was ist RADIOAKTIVITÄT?

Kann dazu nur der Physiker etwas sagen? Kann man nur in physikalischen Begriffen darüber nach-
denken, was da eigentlich passiert, wenn Materie „verstrahlt“? Oder kann/muß jeder Mensch die Welt, die Dinge, die Stoffe, soweit befragen und begreifen, dass sie ihm etwas von sich zeigen. Eventuell sogar dem „Gestiker“ einen einfachen Hinweis geben können, der dem Physiker fremd bleiben muß?

Diese eigenen Fragen begannen bei mir in den Jahren des Nato-Doppelbeschlusses und unter den Transparenten „Der Atomtod bedroht uns alle“!
Und da dieser Tod eben nicht nur im Kontext einer militärisch-atomaren Bedrohung lauerte, sondern auch im allseitig forcierten Ausbau der sogenannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“, war eine existentielle Auseinandersetzung damit unumgehbar. Jedenfalls für mich.
Also, wie stehe ich dazu? Wie spricht das anbrechende „Atomzeitalter“ zu mir? Was vermag ich
dazu zu sagen --- und ggf. dagegen?!

Ich habe mir schon damals erlaubt, ganz einfach zu fragen? Und ganz „unwissenschaftlich“!
Was ist das für ein Tod – der „Strahlentod“? Wie wirkt Radioaktivität auf komplexe Lebensgefüge, wie vor allem der Mensch eines ist? Was tritt damit Neues in die Welt ein? Kennzeichnet sich das „Atomzeitalter“, das ja auf allen Rängen etablierter Politik so euphorisch begrüßt, gefeiert und forciert wurde, auch durch eine völlig neue Qualität des Todes? Lag in der einen Hand die Verheißung „billiger undunerschöpflicher Energie“ für ein bequemeres Leben… und in der anderen, gleichsam in der Hinterhand, der neue und qualvolle Atom-Tod?
Der neue Tod durch Radioaktivität.

Und vor allem: Gibt es einen Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität?

Ist es egal, ob „spaltfähiges Material“ in der Erde eingebunden bleibt – eben an den Uranlagerstätten-oder einer künstlichen „Kernzertrümmerung“ unterworfen wird?
Eine immens wichtige Frage, und letztendlich die Kernfrage in der Kernenergie, da gewisse Verlautbarer nicht müde werden, nach Tschernobyl genauso wie nach Fukushima, die ausgetretenen Strahlenwerte zu den „natürlichen Strahlenquellen“ in Beziehung zu setzen. Und hier stellt sich unausweichbar die Frage, ob die natürliche und die künstliche Radioaktivität einen inneren Wesens-Unterschied haben, (der sich der rein physikalischen Messbarkeit entzieht) da sie auf höchst unterschiedliche Weise aus
Zerfalls-und Wandlungsprozessen der Materie resultieren.

Um ein griffiges Beispiel zu nehmen:
Wenn Sie ins Leichenschauhaus geführt werden und dort, mit einem adäquaten Messinstrument zu einem „Dosimeter“, vor zwei Leichen stehen, von denen die eine durch Entschlafen zu Tode kam und die andere durch Erschlagen, dann wird ihnen ihr „Dosimeter“ nichts anderes verraten, als dass beide in einem identischen Zustand sind, nämlich tot.
Ihr Meßinstrument zeigt einen Unterschied zwischen„Entschlafen“ und „Erschlagen“ nicht an!
Auf der reinen Prozeßebene des Lebens also sind beide Toten in einem absolut gleichen Zustand.


Aber jedes der Moral fähige Wesens wird trotzdem davon ausgehen, dass es da einen Unterschied gibt! Und dass dieser Unterschied in der Gemeinschaft der Menschen eben strafbewehrt ist. Totschlag ist nicht von ungefähr keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat!

Und genau dieser Gedanke, dass bis in den Stoff hinein, die moralische Dimension einer Handlung in die Wirksamkeit tritt und bei Nichtbeachtung „strafenende“ Folgen nach sich zieht, ist der Kern-
Gedanke, der mich nun schon einige Jahrzehnte umtreibt … und der mir sagt, dass, solange wir den großtechnischen „Totschlag“ ins Lebendige der Erde-- und durchaus der Mutter Erde---hinein begehen, wird uns, sozusagen systemimmanent, nichts anderes als der Tod---inneuem energetischem Kleid--- entgegentreten können.


So gesehen, ist Fukushima m.E. nicht nur eine Herausforderung an unsere technische Bereitschaft, die Atomenergie durch Erneuerbare zu ersetzen, sondern auch eine Herauf-Forderung klarsichtig den Wesensunterschied zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität zu erkennen und schnellstmöglich die gesamte Schöpfung -denn da ist nicht nur der Mensch allein bis in seine
Grundfesten bedroht- aus der Todeszone der Atomenergie herauszubringen und in Zukunft herauszuhalten.


Nachsatz:
Der genannte Unterschied in der Radioaktivität, so durfte ich in den letzten Jahren erfahren, ist einigen Naturwesen, ( die übrigens zur Zeit aus drängendster existentieller Not auf verschiedenen Wegen
verzweifelt einen Kontakt zur Menschenwelt herstellen ) zutiefst bekannt.... und eine Bereitschaft, die Welt durch menschliches Handeln widerstandslos dem „toten Tod“ ( wie einige Naturwesen
die Wirkung der künstlichen Radioaktivität nennen) zu übereignen,ist von deren Seite nicht zu erwarten.
Vom Menschen weiterhin unverstandene „Naturkatastrophen“ aus der Widerstandsbewegung der Naturwesen dagegen eher.

Was dann zu berechnen und zu bezahlen sein wird, könnte alles Vorstellbare überschreiten.