(Autor: Philipp B.)
Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte. Über das Gut Sonnenhausen könnten demnach Geschichten über Geschichten geschrieben werden. Gemälde, Lithografien, Zeichungen, Skulpturen, Plastiken, LandArt, Skizzen,… zieren das ehemalige Gestüt und die Umgebung. Zusammengesetzt aus unterschiedlichen Stilrichtungen und gesammelt im Laufe der langjährigen Familiengeschichte erwartet den/die Besucher/in ein beeindruckendes Werk.
So unterschiedlich die Bilder auch in ihrer Einzigartigkeit sind, sie fügen sich nahtlos in die Philosophie des Gut Sonnenhausen ein und präsentieren in ihrer Erscheinung das Gesamte, das Zusammenhängende. Tiere und Menschen stehen im Mittelpunkt und deren Beziehung untereinander zieht sich wie ein roter Faden durch das Hotel. Als quasi Untermalung der Bilder und der Wichtigkeit von Respekt gegenüber unsrer Mitwelt zieren unter anderem auch verschiedene Zitate den Raum.
Eine Bewusstmachen auf die Vielfalt und den Verlust dergleichen zeigt der bayerische Konzeptkünstler Hannsjörg Voth mit der „Arche“ auf: Kastenförmig angelegte Granitfindlinge, in deren Stein stellvertretend für die Rote Liste 406 gefährdete oder bereits ausgestorbene Arten eingraviert sind. Man betrachtet ein schönes Kunstwerk, eine Erinnerung an die Vielfalt und eine Mahnung an uns, sorgsamer mit der Biodiversität umzugehen.
Bei einem kurzen Spaziergang vom Hotel zum Landart von Herrn Voth kommt man übrigens an einem Teil von ca. 10km neuangepflanzten Hecken und Streuobstwiesen von alten Obstsorten vorbei. Die Familie Schweisfurth hat somit ein neues Zuhause für Schmetterlinge, Vögel, Bienen, Amphibien und Regenwürmer geschaffen. Apropos Regenwurm: Der Wurm aus der Ordnung der Wenigborster wurde vollkommen zu Recht von der Schweiz zum Tier des Jahres 2011 gewählt, sorgt er doch für eine optimale Belüftung des Bodens und für den Aufbau von Dauerhumus. Ein ebenso wichtiges Tier, ein etwas größeres mit schwarzen und leichtrosa Borsten (nicht verwandt mir dem Wenigborster ) ist das Schwein und zwar das Schwäbisch-Hällische-Landschwein, welches bei den Hermannsdorfer Landwerkstätten Unterschlupf findet und das seit 25 Jahren. 1986 verkaufte Karl Ludwig Schweisfurth den alten Betrieb Herta und startete mit seinem Sohn Georg (Besitzer von Gut Sonnenhausen) und vielen Wegbegleiter/innen den Weg in eine neue Agrar-Kultur. Handwerklich – Ökologisch – Regional und kreislauforientiertes Denken sind die Schlüsselwörter, mit denen man die Hermannsdorfer Landwerkstätten verbindet und die damit im absoluten Gegensatz zu einem industriellen System mit Spezialisierung, Rationalisierung, Vereinheitlichung sowie hohen ökologischen und sozialen Folgekosten steht. Um sich ein Bild vom Vorzeigebetrieb zu machen, empfiehlt sich ein Besuch in Glonn, der 180-Biodyssey Blog greift einfach zu kurz, um die Originalität dieser symbiotischen Landwirtschaft aufzuzeigen. Einmal dort angekommen, merkt man schnell, dass so ein Betrieb System hat. Weizen wird vor Ort angebaut und zu köstlichen Vollkornbroten aus Sauerteig weiterverarbeitet (Anmerkung für Hobby und Profibäcker; der Bioweizen hat einen Klebeanteil von 31%), angenehm würziger Rotschmierkäse reift schräg gegenüber in der Rohmilchkäserei. Währendessen freuen sich die Schweine über die Molke aus er Käserei. In der Metzgerei wird nach der Warmfleischmethode gearbeitet (innerhalb 2 Stunden wird das Tier verarbeitet), was sich in einem Mehr an Geschmack und einer besseren Bindung auszeichnet. Schinken und Würste bekommen ihre Zeit zu reifen und verzichten somit auf GdL (Glucono-delta-Lacton), was in der Industrie für Schnellreifung verwendet wird und den Würsten einen bitteren und sauren Beigeschmack verleiht. Konsument/innen können es sich entweder im Wirtshaus bei einem Schweinsbräu gemütlich machen, oder sich die Lebensmittel für zuhause im Hofmarkt kaufen und daheim leckere Biokochkunst zelebrieren. Eine andere Möglichkeit bietet das Landhuhn-Darlehen, womit man zum Verbleib von alten Zweinutzungs-Hühnerrassen (z.B. Sulmtaler) beiträgt und Jahr für Jahr mit Warengutscheinen belohnt wird.