(Autor: Philipp B.)

Gut ist es auf alle Fälle, wenn man beim Gemüsekauf auf biologische Qualität achtet. Besser ist es, wenn noch die Regionalität und die Saisonalität das nachhaltige Dreigespann bilden. Die Spitze des absoluten Öko-Hochgenuss findet man jedoch im Selbstversorgergarten und seiner ganzjährig abgestimmten saisonalen Speisekarte. Im Winter Paradeiser, Erdbeeren oder Paprika, quasi der Inbegriff von globalisierter Einheitsware mit schwerem ökologischen Rucksack, sozialen untragbaren Zuständen wie nicht zuletzt schwer enttäuschendem, beziehungsweise nicht vorhandenem Geschmack passen somit nicht in das Selbstversorgerkonzept.

Chronische Supermarkteinkäufer/innen denken sich vielleicht, etwas Abwechslung in Form von knallroten Tomaten täte der Winterkost schon ganz gut. Da blendet man die Verantwortung gerne etwas weg um sich am roten Teint der Tomaten zu erfreuen. Je näher man diese Hybridsorten jedoch betrachtet, desto farbloser werden sie, und sosehr man sich sensorisch auch bemüht und darauf einlässt – man hat vor sich eine harte „Nuss“, deren Aromaspiel einfach nicht zu knacken ist, da schlichtweg keines vorhanden ist. Also wieso dann auf Paradeiser im Winter zurückgreifen, wenn es schon in den Klostergärten das ganze Jahr über wunderbares Gemüse gab. Der bewusste Verzicht auf die ständige Verfügbarkeit der Lebensmittel schränkt ja nicht ein, sondern fördert die Kreativität, sagt nicht zuletzt der für seine regionale Kochkunst bekannte Georg Friedl. Und Recht hat er, wie auch all die Klosterschwestern und -Brüder, die seit jeher Gemüse für den Eigenverbrauch anbauten und liebevoll pflegten.

Das Gut Sonenhausen liegt wunderbar in idyllischer Landschaft und bot vor einiger Zeit sogar Novizinnen Unterschlupf, bevor es als herrschaftliches Gestüt mit 20ha genutzt wurde. Grund ist demnach genug vorhanden, ein Grund mehr also einen Garten ala Selbstversorgungsgarten oder „Klostergarten“ anzulegen. Wie es das Schicksal so spielt, hat sich vor ein paar Monaten für die Pflege und den Ausbau des Gartens ein bestens geeigneter Mann empfohlen. Der Josef hat sich nach einem Job bei einer Investmentgesellschaft eine 5jährige “Auszeit” in einem Zisterzienserkloster gegönnt und ist jetzt sozusagen Gärtner, Schäfer und Bauer in einer Person. Beseelt mit einer Ruhe durch die Zeit bei den Zisterziensern (dieser kontemplative Orden ist in Österreich vor allem durch das Kloster Heiligenkreuz, das Stift Lilienfeld oder das Stift Zwettl bekannt) sowie dem erlerntes Wissen über Pflanzen, deren Anbau wie auch Vermehrung wird Gut Sonnenhausen nun mit bestem Gemüse aus dem eigenen Garten versorgt; Kohlsprossen zieren wie eine grüne Perlenschnur den Strunk und warten auf die ersten kühlen Temperaturen, sodass sie vorsichtig gepflückt werden. Auch der Grünkohl mit seinen krausen Blätter geduldet sich noch etwas, um dann nach dem ersten Frost seine Stärke (wenn auch in umgewandelter Form) voll ausspielen zu können, damit man ihn mit einer Leichtigkeit genießen kann. „Vitaminjunkies“ werden ob seinem Gesamtreichtum an Vitaminen und Spurenelementen nicht mehr loslassen können und Südfrüchten die lange Nase zeigen. Gleich daneben strotzen die Kürbisse (Butternut, Hokkaido, roter Zentner) schon jetzt voller Reife und wollen zu Suppen, Eintöpfen, Strudeln, Kuchen, Pürees, Marmeladen veredelt werden. Unweit der Beete, wo sich noch andere Pflanzen ein buntes, vielfältiges Stell Dich Ein geben kann, reifen Äpfel heran, die zu sündig gutem Streuobstwiesensaft gepresst werden.

Ein wahres Schmuckstück, welches sich da im und um Gut Sonnenhausen präsentiert. Das Tagungshotel hat dennoch viel vor, um Gästen weiterhin den Anlass zu geben, Hochzeiten zu feiern, zu tagen und zu konferieren: Umbau der Reithalle, Aufbau einer symbiotischen Landwirtschaft, Ausbau von Gästezimmern,… und das alles vor dem Hintergrund einer ökologische Agrarkultur, einer natürlichen Gastlichkeit und vor allem eines langsamen und nachhaltigen Wachstums.