Nach Homepagestudie und Suchen auf der Landkarte stelle ich mir das Gutshaus Stellshagen so als Sanktuarium fürs Seelenheil vor. Schon die Zugfahrt dorthin entschleunigt, nach dem lauten chaotischen Hamburger Hauptbahnhof nach Lübeck und dann in den Regionalexpress durchs Mecklenburgische. Abgeholt wird man dann vom Bahnhof Grevesmühlen vom Hotelbus (mit dem ich dann erstmal nach Boltenhagen fahre um Hotelgäste die an der Ostsee waren abzuholen). Die Ankunft ist dann erstmal entspannt, die Rezeption gleicht so ein bisschen einer Mischung aus Wohnzimmer und Büro, ausgestattet mit Möbeln, die einen daran erinnern, dass das Hotel in einem alten Gutshaus liegt.
Der freundliche Empfang und der anschließende Rundgang mit der Marketingbeauftragten des Hotels bestätigt den Eindruck erstmal, sehr viel Ruhe und ein Auge auf die Entspannung und Erholung der Gäste. Zu den selbstgemachten Kuchen, die meinen ersten Kaffee dort begleitet haben kommt bald noch mehr.
Das Zimmer mit Lehmwänden und ohne Fernseher verstärkt den Eindruck das man sich außerhalb von Zeit und Raum befindet, dazu passend wird einem eine Stereoanlage und CDs des hauseigenen Labels für Welt- und Meditationsmusik zur Ablenkung zur Verfügung gestellt. Das man aus jedem Fenster aufs Grüne oder auf die weite Mecklenburgische Landschaft schaut, erinnert auch nicht gerade an den Alltag.
Überschrieben hab ich den Absatz jetzt mit "nicht ganz so ruhig". Meine Ankunft war nämlich am Tag einer Weinprobe des slowenischen Winzers Ales Kristancic. Dieser präsentierte die Weine seines Gutes Movia auf dem benachbarten Gut Parin, das zum Gut Stellshagen gehört (mehr habt Ihr hier schon von Alejandro erfahren). Der Winzer platzte mit seiner südlandischen einnehmenden Art in die Ruhe der Gutshäuser hinein. Seine biologisch an- und ausgebauten Weine (natürlicher Weinausbau ist ein großes Diskussionsthema und ich entschuldige mich schon mal jetzt, dass ich das hier nicht besprechen kann) sind dem Hotel da schon wieder ähnlich, dass sie Zeit, Ruhe und Geduld brauchen und in Geschmack und Vielschichtigkeit mit dem Großteil der Weine auf dem Markt nichts zu tun haben.
Damit das hier nicht zu einer Weinkritik ausartet, will ich nur kurz den spannendsten Teil des Abends erzählen. Traditionell werden flaschenvergärte Sekte durch Einfrieren des Hefepfropfens von der Hefe befreit und dann mit Restwein oder Liqueur Dosage aufgefüllt und per Korken verschlossen. Was gern verschwiegen wird, ist das in diesem Prozess auch noch einmal ein bisschen Schwefel zugesetzt wird um den Wein stabil zu halten. Hefe besitzt aber genug natürlichen Schwefel und hält andere Mikroorganismen in Schach, dass solange sie vorhanden ist, der Wein natürlich stabil bleibt. Kristancic verzichtet bei seinem Sekt einfach darauf, die Hefe zu entfernen, der Nachteil liegt dann darin, dass die Flaschen kopfüber gelagert und geöffnet werden müssen. Dafür hat er einen Schlüssel entwickelt, den man mit der Flasche bekommt um sie dann im Wasserbad zu öffnen. Um den Verlust auszugleichen verkauft er statt 0,75l eben 0,8l pro Flasche.
Ganz kurz weil es dazu gehört, noch eine Besprechung wie das dann schmeckt. Da logischerweise auf eine Dosage verzichtet wird fallen die Sekte in den extrem trockenen Bereich, das wird aber durch den vollmundigen Hefegeschmack, der mit Jahrgangschampagnern mithalten kann ausgeglichen. Durch den Anteil von Ribolla Gialla (ich versuche jetzt nicht den slowenischen Namen zu benutzen) ist die Farbe tiefgelb und unerwartet hat auch der weiße Sekt zu seiner Säure und Hefe eine angenehme Tanninstruktur, die das ganze nochmal abrundet.
Bei der Nachfrage wie oft sie solche Zusatzveranstaltungen anbieten, kommt die Antwort: "Wenn es sich anbietet." aber scheinbar in der Hochsaison öfter. Ein gelungener Ausbruch aus der gewollten Ruhe der Gutshäuser, der mir aber am ersten Abend das erfahren dieser ja gewollten Ruhe verwehrte. Aber zu Wellness und ähnlichem kommt bald noch mehr.
Eine nicht ganz so ruhige Oase






































































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