Es ist Ende März und der Frühling hält eine rasante Einkehr in die schönste Stadt der Welt.
Die handlichste Tageszeitung Hamburg´s tituliert: "Frühstart in die Biergarten Saison". Immerhin Thema BIER und nun mal genau hinschauen:

Auf dem Cover natürlich zwei Frauen mit jeweils einem Bierkrug in der Hand. Die eine ist der blondierte stämmige Enddreißiger Typ, wahrscheinlich Speditionskauffrau und wild entschlossen, die überwinterte Liebe in diesem Sommer zur Reproduktion zu heiraten. Ihr gegenüber eine Else, die sicherlich in einem Rühmann-Film die schlecht ernährte blond gelockte Nichte aus der Stadt gespielt hätte. Das Foto wirkt nicht besonders gestellt. Über das weitere des Artikels lässt sich nichts sagen, außer das es in Hamburg keine Biergärten mit hoher Bierqualität gibt. Immerhin müssen vier uns dieses Mal von keinen überbordenden Busen und Dirndls beeindrucken lassen. Immerhin.

Wie würde ich denn Frauen und Bier fotografieren?
Ich würde meine Freundinnen Anneliese und Gertrud aus McPom zeigen, die beide jenseits der 75 sich auf ein Fläschchen Grimbergen dubbel treffen.
„ Dit is so köstlich, aber Kinder der Alkohol – da reicht uns eine geteilte Flasche“
Ja sach mal, und isset dit, wat so ein bisschen nach Malzbier und Karamell schmeckt, was so jut is?“
"Dit schmeckt und it is jut für die Verdauung.
Und so haben wir einen Anlaß uns zu treffen.“
Wenn ich darüber nachdenke, dann wäre das doch der perfekte Slogan für ein Bier:
Es gibt immer einen Anlaß für ein gemeinsames Bier. Zwei alte Mütterchen prosten sich zu.
Ich blättere in meinen Büchern über Bier und stoße auf die Information, dass das Bierkränzchen der Vorgänger vom Kaffeekränzchen war. Im späten Mittelalter war das Brauen noch in Hausfrauenhand und so wie man sich heute zum Weihnachtskeksebacken trifft, traf man sich damals zum Austausch von Bierbrau-Erfahrungen und dazu gehörte immer die Verkostung.

Gibt es heute in Altenheimen Bier? Ich weiß es nicht.
Könnten Seniorinnen für uns das Bier brauen?
Könnten sie schon. Denn es reicht ein 10l Kochtopf, ein Herd, Malz, Wasser, Hefe, Hopfen und 10 Stunden Zeit. Bier braucht Zeit und gutes Bier braucht noch mehr Zeit zum Vergären.
Wir berufstätigen Frauen könnten uns dann mit den rüstigen alten Damen zum Biertrinken und Netzwerken treffen. Dann würde doch alles zusammen wirklich Sinn machen.
Und man könnte sich auf´s Altwerden freuen...