Ich bin mehr oder weniger aus Zufall mit Mitte 20 Vegetarierin geworden. Ich lebte damals in einer Gruppe, wo jeder Neuankömmling gefragt wurde Vegetarier oder nicht, also habe ich mal ja gesagt. Und bin 10 Jahre dabei geblieben. In dieser Zeit fand ich Fleisch so appetitlich wie eine Plastiktüte. Es hat mich nicht geekelt, aber essen muss man sowas ja nicht. Dann wurde ich schwanger und auf einmal roch dieses Fleisch so gut und gegen Ende der Schwangerschaft verschwand das erste Fleischstück in meinem Munde. In der Stillzeit verwandelte ich mich dann in einen reissenden Wolf, viel von allem und gerne viel Fleisch. Meine Tochter ist jetzt 12, also esse ich wohl so lange wieder Fleisch. Ich habe das Gefühl, Fleisch gibt mir eine andere Energie, schwerer, agressiver, aber auch mehr Durchhaltevermögen, wenn’s hart kommt. Im Moment brauche ich die wohl noch. Im Vergleich zum Durchschnittsdeutschen esse ich eher sehr wenig Fleisch, da bei uns sowieso jeden 2. Tag vegetarisch gekocht wird. Ich kann mir auch vorstellen, eines Tages einfach wieder aufzuhören damit, kein Fleisch mehr....So viel zum Gefühl.
Dann gibt es da die anderen Seiten :
![[image]](/uploads/assets/user/16815/kuhblick.gif)
Fleisch ist klimaschädlich.
Fleisch vernichtet Lebensmittelproduktion in Entwicklungsländern
- durch Futtermittelproduktion an Orten, wo Menschen nicht genug für sich selbst zu essen haben
- durch Exporte unserer Überproduktionen, die kleinere Märkte zusammenbrechen lassen,......
http://www.vegan.at/warumvegan/umwelt/wieviel_fleisch.html
Und dann gibt es da noch die Frage der Tierliebe. Dürfen wir etwas essen, dass mit uns diese Welt belebt ? Der Tod gehört zum Leben dazu. Auch der Tod um gefressen zu werden. Das tut die Natur in vielerlei Weise täglich, stündlich, sekündlich. Damit habe ich kein Problem. Aber die Art und Weise wie wir das Leben und auch den Tod der von uns verzehrten Tiere gestalten, damit habe ich ein ganz massives Problem. Jeder hat ein Recht auf ein wunderbares Leben, ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze – und ja, ich bin auch der Meinung, alles ist beseelt, also, all die oben Genannten haben Gefühle. Deshalb wünsche ich mir, dass jedes Tier, dass von uns gegessen wird ein gutes Leben in artgerechter Umgebung führt um dann freundlich beruhigt zu werden von einem Menschen, der mit dem Tode umgehen kann, bevor es geschlachtet wird. Kennt vielleicht jemand das Buch „Emmas Glück“ ? So etwa stelle ich mir das vor und so habe ich es auch auf unserem alten Biobauernhof erlebt. Ich weiss das es oft nicht so ist, auch nicht bei den Bios und das macht mich traurig. Aber ich will nicht den Tod abschaffen, auch nicht den um des gefressen werden willens, sondern die Art und Weise ändern. Übrigens kann man Pflanzen auch quälen. Sie sondern Stoffe ab, wenn sie angebissen werde, um die Beisser zu vergrämen. Und sie schreien auch wenn sie geerntet werden, sie kommunizieren.
http://www.sueddeutsche.de/wissen/forscherstreit-die-intelligenz-der-sonnenblume-1.911997
Schon als Kind habe ich gelernt, Pflanzen nicht zu schlagen um ihnen nicht weh zu tun. Und das meine ich wortwörtlich. Ich bin auch der Meinung, dass sie in Monokultur genauso leiden wie Tiere in Massentierhaltung. Ich bedanke mich bei den Pflanzen in unserem Kräutergarten, wenn ich Ihnen einen Zweig abschneide, denn ich muss essen um zu leben, aber ich will es meinem Gegenüber leicht machen, zu geben, will meine Wertschätzung ausdrücken.
Im Endeffekt heisst das, ich will aus politischen Gründen weniger bis kein Fleisch essen, kann aber gut damit leben, wenn nicht alle Vegetarier sind. Und wünsche mir, dass wir alle dem, was wir essen mehr Wertschätzung und damit auch Verantwortungsgefühl entgegen bringen.


Kommentare (19)
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Witzig finde ich, dass du dich in der Schwangerschaft bzw. Stillzeit zur "reißenden Wölfin" verwandelt hast - das hab ich schon von verschiedenen Frauen gehört. Is auch irgendwie logisch, ständig Kind, Kinderwagen, Babytasche usw. rumzuschleppen, da brauchts Muskelkraft.
Klasse, wie du die Unterschiede bemerkst, welche "Art" Energie/Kraft Veggi bzw. Fleisch bewirken.
Neulich hatte ich auch versucht, eine gar nicht polemische Annäherung an das Thema zu schreiben, kürzer, weniger persönlich und nicht mit den Hintergrundinfos, die du im zweiten Teil bringst, die ich auch gut finde.
Hier mein kleiner Versuch: http://www.utopia.de/blog/beitrag/warum-essen-so-viele-menschen
Deine Beobachtung während der Schwangerschaft könnte damit zu tun haben, dass manches Fleisch z.B. vom Rind, noch mehr von Reh, Hirsch etc, oft viel Protein und auch Eisen enthält, und beides sehr wichtig ist. Vielleicht war es aber auch so gut gewürzt (und in deiner frühen Kindheit vielleicht ebenfalls schon einige Male, was dann vielleicht unbewusst wieder in das Gedächtnis kam), denn die Gewürze sind ja sehr entscheidend für den Geschmack und damit auch den Appetit. Daneben ist auch das Kauen/Beißen ein Genussfaktor, habe ich mal wo gelesen. Versuch doch mal rote oder schwarze Bohnen oder einfach Pizza auch sehr gut zu würzen, und evtl. vorher was für die Kaumuskeln ... Ich bin damit schon als Teenager sehr leicht vom Fleisch weg gekommen ;-) war allerdings noch nicht schwanger ;-) und gebe zu, Kaugummi habe ich danach viel mehr gekaut - heute aber nicht mehr ;-) da ist meine Öko-Vernunft jetzt stärker ;-)
Good luck anyway!
Ich esse auch mehr vegetarisch als Fleisch und dann versuche ich das es vom Biobauer ,oder von mir selbst kommt ( da hab ich dann aber immer ein grosses Problem.also gehe ich lieber einkaufen )
Sicher tuen wir alle eins,wir hoffen das Tier das wir essen ,hatte ein gutes Leben und wurde schmerzlos getötet,aber leider ist das nicht immer so.
Zu deiner Schwangerschaft-na da hatte ich Glück,ich hab nur noch Tomaten ,Gurken,Zitronen und Marzipan gegessen :-).
Fleisch hab ich da ganz widerlich gefunden,aber so unterschiedlich ist das halt.
Aber im grossen und ganzen hast du schon Recht ,an der Tierhaltung muss sich etwas ändern.
ich sehe da aus Deinen Worten sehr viel Respekt mit Tier und Pflanzen.
So wie Du sehr behutsam und bewusst mit allem Leben umgehst, wünsche ich mir von allen Menschen.
Zum ethischen Argument:
<< Dürfen wir etwas essen, dass mit uns diese Welt belebt ? Der Tod gehört zum Leben dazu. Auch der Tod um gefressen zu werden. >>
Meine Meinung dazu:
Wenn uns es bewusst geworden ist und wir Menschen, im Gegensatz zu Tieren, es verinnerlicht haben, meine ich, dass wir, wenn nicht eine Notsituation vorliegt, es nicht dürfen, eigentlich dann nicht mehr können, anderes Leben bewusst zu nehmen.
Dieser Aspekt wird für religiöse Menschen aller Konfesionen leider "gedeckelt", d.h., man hat die entsprechenden Hinweise in den sogenannten "heiligen Büchern" bewusst entfernt. Aber es gibt noch genügend Beweise dafür, dass sie mal drin waren.
Die weitere Argumentation, dass man dann in Konsequenz auch keine Pflanzen essen dürfe, da diese ja auch "Leben" sind, möchte ich hier einen Auszug der Schweizerischen Gesellschaft für Vegetarismus wiedergeben, der für mich am ehesten diese Frage beantwortet ( sorry, etwas lang, habe keine Link direkt dort hin).
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Dürfen wir Pflanzen töten?
Über diese Frage macht sich kaum jemand ernsthaft Gedanken. Erstaunlicherweise wird sie aber gegenüber Vegetariern immer häufiger gestellt, um zu zeigen, dass die menschliche Ernährung immer auf das Töten von Lebewesen hinausläuft und damit das Töten von Tieren für die Ernährung auch zu rechtfertigen ist.
Die fragende Person macht dabei jedoch einige gedankliche Fehler:
Es wird davon ausgegangen, dass das Töten von Pflanzen gleich schlimm ist wie das Töten von Tieren. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, muss man zum Schluss kommen, dass auch das Töten von Menschen gleichzusetzen ist mit dem Töten von Tieren, denn der körperliche Unterschied zwischen Mensch und Tier ist zweifellos viel geringer als derjenige zwischen Tieren und Pflanzen. Es ist also reine Willkür, das Töten von Tieren mit dem Töten von Pflanzen gleichzusetzen, dasjenige von Menschen aber nicht darin einzubeziehen. Konsequenterweise müsste man also mit obiger Argumentationsweise auch den Kannibalismus gutheissen.
Ein weiterer Punkt, der bei dieser Behauptung nicht beachtet wird, ist: Jeder moralisch denkende Mensch versucht, unnötiges Leiden zu vermeiden. Da kein Mensch ohne zu essen überleben kann, lässt es sich leider nicht umgehen, Leben zu vernichten, um selbst zu überleben. Es stellt sich hierbei also die Frage: Welche Ernährungsweise erzeugt am wenigsten Leid? Bei einem Vergleich zwischen Mensch und Tier (vor allem in Bezug auf ihr Nervensystem) muss man davon ausgehen, dass (Säuge-)Tiere ebenso leidensfähig sind wie Menschen. Bei Pflanzen kann man zwar gewisse «Gefühle» feststellen. Mangels eines komplexen Nervensystems kann jedoch vermutet werden, dass ihre Leidensfähigkeit nicht so stark ausgeprägt ist wie diejenige der Tiere und der Menschen. Pflanzen sollten nicht willkürlich getötet werden. Wenn man aber vor die Wahl gestellt wird, ein Tier oder eine Pflanze zu töten, um selbst überleben zu können, dann wird durch das Töten des Tieres bestimmt mehr Leiden verursacht.
Ein Punkt wird in einer solchen Diskussion oft auch übersehen: Es ist durchaus möglich, sich zu ernähren, ohne Tiere oder Pflanzen zu töten. In Deutschland gibt es eine Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dieses Wissen zu verbreiten: Die Naturan Gesellschaft. Die Naturaner essen nur Nahrungsmittel, die ohne das Töten oder Verletzen von Tieren oder Pflanzen gewonnen werden können. Das heisst, es ist eine vegane Ernährung, die hauptsächlich aus Früchten besteht. Wobei auch Getreide (der Getreidehalm ist bei der Ernte der Körner längst abgestorben), Tomaten, Pilze (Pilze sind die Fruchtkörper des unter der Erde lebenden eigentlichen Pilzes) etc. zu den Früchten zählen.
Zu bedenken ist noch, dass ein Tier, bevor es vom Menschen getötet und gegessen wird, sich seinerseits von Pflanzen ernährt hat. Daraus folgt, dass selbst wenn Menschen, Tiere und Pflanzen im selben Masse leidensfähig wären, mehr Leid durch das Essen von Tieren verursacht würde, weil zu deren Aufzucht bereits viele Pflanzen zusätzlich «leiden» mussten. Zum Schluss ein Zitat des konsequenten Tierschützers und Vegetariers M. Schwantje:
Es ist also ein ganz unberechtigter Vorwurf, dass der Vegetarier nicht konsequent seine sittlichen Grundsätze befolge, wenn er nicht auch die Pflanzenvernichtung vermeide, also nicht verhungere, um kein fremdes Leben zu zerstören.
Dagegen handeln die Menschen, die das Verzehren von Tierleichen deshalb für berechtigt erklären, weil auch die Pflanze ein beseeltes und empfindendes Wesen sei, inkonsequent, wenn sie nicht auch das Menschenfleischessen für berechtigt erklären.
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LG
Gerhard
P.s. hast Du eigentlich meine Veggie-Tag Karten erhalten?
ja, da habe ich doch die Gelegenheit genutzt und noch mal die Poststapel durchgesehen. Sehr schöne Flyer & Karten. Wenn Ihr davon ganz viele habt, könnte ich die jeden Veggie - Tag auf's Buffet legen, also 3 x die Woche. Oder so lange bis sie eben alle sind. Das würde ca 100 Flyer bedeuten für den Anfang, aber auch viele Leute, die sich mit dem Thema auseinandersetzen,.....
Ich bin mir nicht mehr immer so sicher wie früher, was "richtig" ist. Aber was mir wichtig ist, das weiss ich. Und Tiere gehören dazu. Ich habe übrigens mal 2 Jahre in der Ferkelproduktion gearbeitet, Intensivzucht und weiss sehr genau, was ich nicht will. Wir hatten 50 Zuchtsauen, der Betrieb war von meinem Vater aufgebaut worden, der früh verstorben ist. Ich erinnere mich noch an die Zeit davor in der er nächtelang bei unseren 2 Schweinen gesessen hat und sie mit ostpreussischen Koseworten bedacht hat. Das war mit den 50 Sauen und ca 100 Geburten im Jahr nicht möglich. Morgens haben wir nachgeschaut, wer von den Kleinen überlebt hat. Dann waren es immer zu viele, dank der Überzüchtung auf große Geburten. Jedes Ferkel hat seinen "Strich", also seine eigene Zitze aus der es trinkt. Wenn es zuviele gibt müssen die Überzähligen kämpfen um Plätze und verhungern oft Stück für Stück. Da nicht genügend Platz und Ablenkung vorhanden war haben sie sich gegenseitig angefressen. Deshalb wurden die Schwänze kupiert, also abgeschnitten, damit sie nicht so reizvoll wippenund zum reinbeißen einladen. Der Tierarzt war Dauergast, da die Tiere so nicht leben können ohne krank zu werden. Es hat mich viele Tränen gekostet und ich bin froh, dass wir schon Mitte der 80er auf Biolandwirtschaft umgestellt haben. Die Muttersau Martine hat dann unseren Hof in ein so entzückendes Chaos verwandelt, die Ferkel sind hochintelligent, durchbrechen jeden Zaun, wühlen, spielen, schmusen. Mittlerweile wird unser Betrieb von meinem Bruder als Biolandbetrieb bewirtschaftet, und das freut mich immer wieder. Wir haben auch einige seiner Produkte auf dem Tisch.....
Ich habe bei dir auch neue Argumentationshilfen gefunden für meine endlosen Diskussionen mit meinen fleichessenden Mitmenschen.
auch von mir,DANKE für diesen lebens- und lesenswerten Beitrag. Ich würde dir gerne 1000 Lesepunkte dafür geben, aber leider geht nur einer.
grüne Grüße Gabi
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Danke dafuer
Petra