Spannende Beispiele hatten wir auf anderen Höfen gesehen, deren Besitzer leidenschaftliche Macher und gute Manager waren. Der eine sagte, Nebengebäude kann man nie genug haben, wenn die Dachrinnen ok sind, können die erstmal stehen bis zur weiteren Verwendung. Der andere empfahl, Land kann man nie zuviel haben, denn später Land zukaufen ist schwer bis unmöglich und was man erstmal nicht braucht, lässt sich problemlos verpachten.
Demgegenüber wir beide, mit einem selbständigen quasi-Vollzeitjob und zeitweise bereits gesundheitlichen Einschränkungen neben unseren Wünschen und Visionen ... Ich erinnerte mich auch gut an meine zwei Jahre des Mitlebens auf einem kleinen Demeter-Milchschafbetrieb, auf dem ich mich um die Hühner gekümmert und die Backstube betrieben hatte. Der alltägliche Arbeitsberg war fast nie zu schaffen und das Hamsterrad, in dem man all den nötigen Erledigungen hinterherrannte überrollte fast jegliche kreativen Impulse. Eine Warnung, sich nicht zuviel aufzuladen. Und letzten Endes, so war ich mir sicher, entscheidet sowieso das Bauchgefühl, das alle Erfahrungen in sich summiert. Und etwas, das auch von außen kommt und einen "Ruf" aussendet.
![[image]](/uploads/assets/user/6301/herrenhaus.jpg)
Bei den angebotenen Objekten gab es im wesentlichen vier Kategorien: Günstige, aber baufällige Objekte, oftmals im "Urzustand" und häufig sogar mit größerem Grundstück. Unsere Kapazitäten (Geld, Handwerkskompetenz, Zeit) für Sanierung und Ausbau realistisch einschätzend, nahmen wir meist schnell Abstand davon, verzichteten meist auch auf eine Innenbesichtigung. Die zweite Kategorie war auf den ersten Blick mit geringerem Aufwand bewohnbar, aber oft verbaut, mit zweifelhaften Materialien "kaputtrenoviert" und mit uralter Ölheizung ausgestattet, so dass der Aufwand letztlich kaum geringer wäre, sich daraus ein Haus zu erschaffen, in dem wir uns wohl fühlen würden und das unseren ökologischen Ansprüchen einigermaßen nahe käme. Die dritte, nicht unspannende Variante, die uns nach vielen Besichtigungen zunächst aussichtsreich erschien, war das entkernte Vierständerfachwerkhaus oder ein Scheunenausbau. In müllbefreiter Hülle alles so aufbauen, wie man es gern hätte! Bei näherer Betrachtung war dieser Fall jedoch ähnlich gelagert wie Variante 1, was unser Potenzial betraf. Schließlich die vierte Variante: Schniek ausgebaut und modernisiert, mit Einbauküche, gelegentlich auch Sauna, praktisch einzugsbereit und energetisch akzeptabel. Aber: Teuer. Und: Ich hasse Einbauküchen und brauche keine Elektro-Sauna. Für hochwertige Ausbauten zu bezahlen, die man eigentlich nicht will – und dann vor dem Dilemma zu stehen, sie rauszureißen, weil man etwas ganz anderes will oder sich damit zähneknirschend zu arrangieren, ist so unbefriedigend wie ein IKEA-Fertighaus.
![[image]](/uploads/assets/user/6301/4staenderhaus.jpg)
Ein charmantes Vierständerfachwerkhaus im "Urzustand" (was heißt, seit Jahrzehnten fast nichts dran gemacht) nahmen wir mit dem Baubiologen Christoph Luther-Mosebach unter die Lupe. Eigentlich hätten wir uns die Begehungskosten mit den Besitzern teilen sollen, denn die wussten nachher viel mehr über ihr eigenes Haus (aus Familienbesitz) als vorher. Historisches über Aufteilung und frühere Nutzung ebenso wie Zustand von Gebälk, Ausfachungen, Dach. Und welche Reparatursünden beim Stopfen von Löchern und Ritzen am Fachwerk begangen wurden. Uns hat die kleine Ausgabe jedenfalls einen Abgrund an Kosten und Arbeit erspart – und wertvolles Basiswissen für den Umgang mit alten Häusern vermittelt.
In den zwei Jahren unserer Suche war ich manches Mal ganz schön zermürbt und zweifelte, ob es uns jemals gelingen würde, das richtige Haus zu finden. Müssen wir unsere Ansprüche einfach drastisch auf ein realistisches Maß herunterschrauben?
![[image]](/uploads/assets/user/6301/siedlungshaus.jpg)
Wir näherten uns schließlich mit ernsthaft prüfender Absicht einem kleinen Siedlungshäuschen, immerhin groß genug für zwei Menschen + Büro und mit 3.000 qm Grund wohl allemal ausreichender Fläche zum gärtnerischen Austoben. Das Schächtelchen aus den Fünfziger Jahren stand zur Zwangsversteigerung, war in solider Ziegelbauweise nicht völlig abstoßend und wäre möglicherweise für 25.000 EUR zu schießen gewesen. Das hätte uns finanziellen Spielraum gelassen, noch großräumig umzubauen. Aber – wo wäre dann Raum für unseren Traum von Gemeinschaft geblieben? Auf diesem Grundstück zu stehen mit der Perspektive, in trauter Zweisamkeit der Rente entgegen zu dämmern, löste akute Beklemmung aus. Glasklar, da geht's nicht lang.
Aber wohin dann?
Infolink: http://biomeiler.at


Kommentare (0)
Beitrag abonnieren
Kommentar schreiben
Bitte neu registrieren oder anmelden um einen Kommentar zu schreiben. Neu: auch über