Eins ist klar: Elektronikprodukte sind problematisch für die Umwelt und werden nie wirklich "grün" sein. Aber ihre Hersteller können mehr oder weniger umweltfreundlich handeln und produzieren. Seit einigen Jahren gibt Greenpeace mit dem Ratgeber „Grüne Elektronik" Verbrauchern eine Momentaufnahme der Nachhaltigkeit führender Elektronik-Hersteller an die Hand. Auf der Basis frei verfügbarer Informationen und Selbstauskünften der Unternehmen vergibt die Umweltschutzorganisation – anhand eines ausführlichen Kriterienkatalogs – Punkte für klima- und umweltfreundliche Maßnahmen.
Alle geforderten Maßnahmen sind drei Kriterien zugeordnet:
- Energie und Klima
- Grünere Produkte
- Nachhaltige Betriebsabläufe
Innerhalb der drei Kriterien können insgesamt 69 Punkte erreicht werden, die Greenpeace auf eine 10er Notenskala herunterrechnet hat.
| Gesamtwertung – Greenpeace Ratgeber "Grüne Elektronik 2012" | Punkte (von 10) |
|---|---|
Wipro
Wipro ist ein Elektronik-Hersteller aus Indien, der schon in der indischen Version des "Guide to Greener Elektronics" vertreten war und erstmals in der internationalen Ausgabe vertreten ist. Wipro ist im Bereich „Energie und Klima“ führend und steigt auch deshalb mit 7.1 Punkten gleich auf den Platz 1 des Rankings ein. |
7.1 |
HP
HP schneidet nach wie vor besser als die meisten anderen Unternehmen ab, vor allem aufgrund seiner Bemühungen zu nachhaltiger Papierbeschaffung, Vermeidung von Rohstoffen aus Krisengebieten sowie dem Ausstieg aus der Verwendung gefährlicher Chemikalien, jeweils in der Kategorie „Nachhaltige Betriebsabläufe“. Trotzdem muss HP seinen ersten Platz abgeben. |
5.7 |
Nokia
Nokia hat seine Spitzenposition aus dem letzten Ranking eingebüßt, weil man in Sachen „Energie“ von HP und Dell überholt wurde. Gut gepunktet hat Nokia sowohl bei „grünen Produkten" als auch bei „Nachhaltigkeit“. |
5.4 |
Acer
Acer steigt mit 5.1 Punkte auf Platz 4 auf. Acer übernimmt mehr Verantwortung in Bezug auf seine Zulieferbetriebe, etwa bei Treibhausgasemissionen, Vermeidung gefährlicher Chemikalien, Rohstoffen aus Konfliktgebieten und nachhaltiger Papierbeschaffung. Dadurch erhöhen sich Punkte in allen Bereichen. |
5.1 |
Dell
Dell steigt auf Platz 5 ab. Während das Unternehmen gesamt gesehen gut abschneidet, punktet Dell im Bereich „Grünere Produkte“ nur wenig. Das Unternehmen hat die Frist, bis 2010 aus der Verwendung von PVC und BFR auszusteigen, auf 2011 verschoben. Dell hat diese Substanzen immer noch nicht aus allen Produkten entfernt und auch kein Ausstiegsdatum für den Verzicht auf gefährliche Chemikalien bekanntgegeben. |
4.6 |
Apple
Apple steigt auf Position 6 ab. Obwohl sich Apple im vorderen Drittel des Rankings positionieren kann, fehlt es an Transparenz zur Menge der Treibhausgasemissionen, zum Einsatz Erneuerbarer Energieträger, zur Vermeidung gefährlicher Chemikalien und zur Verwendung von Recycling-Kunststoff. |
4.5 |
Samsung
Samsung steigt auf Platz 7 im diesjährigen Ratgeber „Grüne Elektronik“ auf. Samsung ist dem Ziel, gefährliche Substanzen aus seinen Produkten zu entfernen näher gekommen, allerdings wurden bestimmte Produktgruppen wie Fernseher und Haushaltsgeräte nachträglich ausgenommen. |
4.2 |
Sony
Früher waren sowohl Sony als auch Sony Ericsson im Ratgeber „Grüne Elektronik“ vertreten. Mit der Übernahme von Sony Ericsson im Februar 2012 durch Sony werden nun die Ergebnisse beider Unternehmen zusammengeführt. Sony erreichte diesmal Platz 8. Das Unternehmen hat entscheidende Punkte verloren, weil es sich nicht mehr in der Öffentlichkeit für strengere Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen einsetzt. |
4.1 |
Lenovo
Lenovo rutscht auf den neunten Platz ab, hat aber Fortschritte bei der Verbannung von gefährlichen Chemikalien aus seinen Produkten gemacht. Allerdings hat es das ausgeschriebene Ziel, diese Chemikalien alle bis Ende 2011 aus seinen Produkten zu verbannen, klar verfehlt. |
3.9 |
Philips
Philips rutscht doch recht deutlich vom fünften auf den zehnten Platz ab. Beim Kriterium „Grünere Produkte” ist hervorzuheben, dass das Unternehmen mehrere PVC- und BFR15-freie Produkte sowie sechs phthalat- und antimonfreie Geräte vertreibt Philips verliert Punkte, weil es sich weder in der Öffentlichkeit noch auf politischer Ebene in den letzten 12 Monaten für Klimaschutzmaßnahmen eingesetzt hat. |
3.8 |
Panasonic
Panasonic rutscht auf den elften Platz im diesjährigen Ranking ab. Das Unternehmen schneidet in der Kategorie „Energie und Klima“ besonders schlecht ab. Panasonic informiert nicht über weit reichende Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen sowie über eine Strategie zum Umstieg auf Erneuerbare Energieträger. |
3.6 |
LG ElectronicsLGE steigt auf den zwölften Platz auf. Es hat einige Punkte für seine starke Vorsorgemaßnahme-Richtlinie erhalten, aber lasst deutlich Punkte beim politischen Engagement liegen. LG-Detailbewertung herunterladen bei Greenpeace |
3.5 |
HCL Infosystems
HCL Infosystems ist im diesjährigen "Greener Guide to Elektronics" zum ersten Mal dabei und war in älteren Versionen nur in der indischen Version vertreten. Mit 3.1 Punkten teilt es sich den dreizehnten Platz mit Sharp. |
3.1 |
Sharp
Sharp fallt auf den dreizehnten Platz zurück. Überraschenderweise hat der Hersteller von Sloarstrom-Modulen keine Ziele was erneuerbare Energie oder Energieeffizienz betrifft. Weiters betreibt es nur rund 0.5% seines gesamten Strombedarfs weltweit mit Solarstrom. |
3.1 |
Toshiba
Toshiba rutscht auf den fünfzehnten Platz. Mit März 2012 hat Toshiba PVC und BFR aus den meisten Teilen seiner Produkte entfernt. Dies inkludiert nicht externe Kabel und nicht alle Kabelboards sind BFR-frei. |
2.3 |
RIM
RIM, Hersteller von Blackberry Handys, schneidet mit 2,0 Punkten wieder schlecht ab. Es bleibt auf dem 16. und letzten Platz der bewerteten Unternehmen. |
2 |
Achtung: Greenpeace vergibt Punkte für übergreifende Strategien und Methoden der Unternehmen, um Verbrauchern und Verbraucherinnen eine Momentaufnahme der Nachhaltigkeit führender Elektronik-Hersteller zu Verfügung zu stellen. Der Ratgeber stellt jedoch keine Kaufempfehlung für Produkte bestimmter Unternehmen dar.
So hat sich die „Grüne Elektronik“ 2012 entwickelt
ACER steigt, durch seine ehrgeizigen Ziele zur Reduktion seiner Treibhausgasemissionen dieses Jahr im Ranking auf. Einige Unternehmen, wie HP, Apple und Dell, haben ihre Methoden zur Identifizierung und Reduktion von Rohstoffen aus Krisengebieten in ihrer Lieferkette verbessert. Zum erstenmal wurde dieses Jahr auch indische Unternehmen einbezogen: HCL Infosystems und Wipro, die bisher nur in der indischen Version des Ratgebers zu finden waren. Wipro steigt sofort am ersten Platz des Rankings ein, was auf die führende Position bei Klimaschutz zurückzuführen ist. Das Unternehmen zeichnet dadurch aus, dass es den Anteil Erneuerbarer Energieträger bei seinen Betriebsabläufen erhöht hat und fällt außerdem mit einer herausragenden Strategie zur Reduktion von Treibhausgasemissionen auf. Die Einflussnahme von Wipro auf politische Prozesse im Bereich Erneuerbarer Energie in Indien ist beispielgebend dafür, welches Engagement Elektronikhersteller für Klimaschutz auf politischer Ebene zeigen können, um einen Richtungswechsel hin zu umweltfreundlicherer Energieerzeugung herbei zu führen.
So handeln verantwortungsbewusste Verbaucher
Greenpeace meint: Die nachhaltigsten Geräte sind jene, die Sie gar nicht erst kaufen! Versuchen Sie die Nutzungszeit Ihrer elektronischen Geräte zu verlängern (beispielsweise durch Akkuwechsel), kaufen Sie gebrauchte Produkte bzw. legen Sie sich nur jene Geräte zu, die Sie auch tatsächlich brauchen.


Kommentare (8)
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Ansonsten freut es mich zu sehen, dass neue Märkte direkt auf Platz eins einsteigen können und nicht erst den kompletten Lernprozess der Konkurrenz nachbilden müssen.
In den letzten Jahren ist das Verständnis für Fairtrade Produkte beim Kunden deutlich gestiegen. So kauften die Verbraucher im Jahr 2011 Fairtrade-Produkte im Wert von ca. 400 Millionen Euro ein. Dies entspricht einen Zuwachs von 18% gegenüber dem Vorjahr - Tendenz steigend.
Solche Fairtrade-Produkte haben die Eigenschaft, dass die Aufkäufer den Anbauern faire Preise zahlen. Die erzeugten Rohstoffe (z.B. Kaffee, Obst, Bananen, Tee usw.) werden umweltverträglich angebaut. Die Arbeits- und Produktionsbedingungen müssen sozial verträglich sein (u.a.keine Kinderarbeit). Solche Standards hätten aber auch andere Branchen bitter nötig.
Bei den (Auftrags)Herstellern und Zulieferern von Computerelektronik und Zubehör sind die Arbeitsbedingungen allgemein sehr schlecht. Hierzu zählen u.a. zu lange Arbeitszeiten, soziale Isolierung, Hungerlohn, Arbeit mit sehr giftigen Stoffen ohne Arbeitsschutzmittel .... .
In den fernostasiatischen Produktionsstätten ist dies sehr oft der Fall, den dort betreiben die größten Elektronik Konzerne der Welt auch ihre Produktionsstätten.
Schon etwas seltsam dass das Bewusstsein beim Verbraucher für ethisch korrekten Handel beim Handy, Smartphone oder Computer nicht existiert?
Aber im Zuge des bekanntwerdens dieser Umstände und Sensibilisierung der Verbraucher, wird es wohl in Zukunft m.e. auch eine Entwicklung für Fairtrade-Elektronik auch von Seiten der Nichtregierungsorganisationen oder bei den Firmen selbst geben.
Aber natürlich lassen alle in Asien produzieren, wo alle ausgebeutet werden. Geht ja gar nicht anders.
M.e.eigentlich ein sehr hoher Preis für Menschen, Tiere, und Umwelt dafür, dass dann in den Discounter- und Supermarktregalen diese Waren dann zu Spottpreisen angeboten werden.
Hierbei verhalten sich viele Konsumenten auch nicht viel anders als die sogenannten Global Player.
Dass es auch anders gehen kann beweisen viele kleine Initiativen in ihrem Engagement.
Die Suche nach Alternativen, die vielleicht auch besser auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind bzw. den Kriterien, die einem persönlich am wichtigsten sind , ist zeitaufwändig , aber möglich. Aber gerade dafür bietet das Intenet die notwendigen Möglichkeiten, wenn man/frau sich denn die Mühe macht!
Es geht echt zu langsam vorab, außer einer fairen Maus ( http://www.utopia.de/blog/faire-computermaus/endlich-endlich-sie-ist-da ) und einem - noch nicht erhältlichen aber geplanten - fairen Smartphone ( http://www.utopia.de/blog/paulprojekt-stuttgart/faires-smartphone-ab-herbst-2013 ) sind mir keine echten Positiv-Beispiele aus der Branche bekannt.
Hier ist m.E. Mal interessant, ob und in welchem Umfang meine private Altersversorgung dazu beiträgt, wohin die Kapitalströme fließen. Da gebe ich doch erhebliches Potential an Macht ab.
Ich als Elektronik-Konsument, der ich aufgrund meines Daseins in der Netzgesellschaft nun mal bin, habe Verantwortung für mein direktes Konsumhandeln, das ist eindeutig und unbestritten.
Aber wie kann ich darüber hinaus den Terror des Kapitals beeinflußen?
Anregungen und Beispiele für gelungenes Handeln sind erwünscht.